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Veröffentlicht am 22.02.2025

Freundschaft überwindet alle Hindernisse

Die Maus hat einen neuen Freund
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Was für ein grandioses Buch! Da wäre man gerne noch einmal zwei Jahre alt, aber zum Glück ist es ja nicht verboten, das Buch auch zu lesen und zu lieben, wenn man das Alter nicht mit zwei, sondern einer ...

Was für ein grandioses Buch! Da wäre man gerne noch einmal zwei Jahre alt, aber zum Glück ist es ja nicht verboten, das Buch auch zu lesen und zu lieben, wenn man das Alter nicht mit zwei, sondern einer zweistelligen Zahl beziffert werden muss.
Die kleine Maus trifft ihren neuen Freund, ausgerechnet einen Dinosaurier, im Wolkenkino. Die beiden haben so viel gemein, obwohl sie doch auf den ersten Blick so grundverschieden zu sein scheinen. Und genau dieser Unterschied, der eigentlich nicht in der äußerlichen Größe besteht, stellt sie dann doch vor ein Problem. Aber zum Glück gibt es in ihrem Umfeld weise Ratgeber, die ihnen zeigen, wie leicht man solche vermeintlich unlösbaren Schwierigkeiten überwinden kann. Und am Ende sind alle glücklich.
Nicht nur Maus und Dinosaurier, sondern auch die Leser und Betrachter. Allein die wunderschönen Bilder sind ein Grund, der für das Buch spricht. Dazu kommen die kleinen, gereimten Zweizeiler, die bei aller Kürze und kindlich angemessener Ausdrucksweise soviel Witz und Lebensklugheit vermitteln. Und dann die beiden Hauptfiguren, die einfach umwerfend sympathisch und um ihre Freundschaft zu beneiden sind. Gekrönt wird das ganze von einer Poesie, die zeigt, wie schön das Leben ist, wenn man einen guten Freund hat, so verschieden er auch ist. Und mit welch einfachen Mitteln eine solche Freundschaft genossen und gefeiert werden kann, sei es mit einer gemeinsamen Übernachtung unter freiem Himmel oder im Wolkenkino. Was für eine herrliche Idee! Marc Uwe Kling als wortwitziger und origineller Autor sowie Astrid Henn als begnadete Illustratorin sind ein absolut perfektes Team!

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Veröffentlicht am 22.02.2025

"Was befähigt einen Autor, über die Liebe zu schreiben?"

In einem Zug
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Treffen sich zwei im Zug. Der eine ist Autor für Liebesromane und langjährig verheiratet. Doch im Moment will ihm zu Liebesromanen nichts einfallen. Und zu seiner eigenen Liebe? Darüber möchte er nicht ...

Treffen sich zwei im Zug. Der eine ist Autor für Liebesromane und langjährig verheiratet. Doch im Moment will ihm zu Liebesromanen nichts einfallen. Und zu seiner eigenen Liebe? Darüber möchte er nicht reden. Mit einer Therapeutin, deren Beruf und mittlerweile auch Hobby es ist, Menschen und Beziehungen zu analysieren. Sie glaubt nicht an lange Beziehungen. Und an die Liebe? Der Autor, der so lange so viel und so beruflich erfolgreich über die Liebe geschrieben hat, sträubt sich sehr gegen das ihm aufgezwungene Gespräch mit einer zufälligen Abteilbekanntschaft. Aber die Therapeutin, die ja eigentlich nicht an die Liebe glaubt, erhofft sich wohl, da sie nun einmal einen Experten in puncto theoretischer und praktischer Liebesbeziehungen gefunden zu haben glaubt, neue Antworten oder Perspektiven. Oder vielleicht auch nur ein Scheinwortgefecht, um ihre Meinung bestätigt zu sehen? Und so lässt sie nicht locker, dem Autoren Antworten aus der Nase zu ziehen während der Zugfahrt von Salzburg und München.
Ein Gespräch mit einem Autor für Liebesromane wird nicht automatisch zu einem Liebesroman. Es bleibt ein Roman über die Liebe. Das strukturelle Anlage ist bewährt: Nur schreiben sich diesmal nicht zwei Liebende in witzig spritzigen Dialogen emails, sondern sitzen vis à vis. Es geht auch nicht um ihre Beziehungen zueinander, sondern über Beziehungen allgemein und dabei auch um die Beziehung des Autors zu seiner Frau, die er bei dem Gespräch für sich nicht ausblenden kann, auch wenn er sich nicht zum Gegenstand machen will. Das Witzig-Spritzige aus dem Erstlingserfolg von Glattauer wirkt hier allerdings bisweilen ein wenig bemüht. Und auch die „Tiefen der Liebe, die hier ausgelotet werden sollen“, erweisen sich dann doch nicht immer als so tief, sondern ein wenig konstruiert.
Für Glattauer-Fans sicherlich eine vergnügliche Fortsetzung einer langbewährten Beziehung, für die Skeptiker langer Beziehungen stellt sich die Frage nach etwas Neuem, Überraschendem, das Schwung in eine Beziehung bringt.

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Veröffentlicht am 16.02.2025

Der Sinne verwirrt

Berauscht der Sinne beraubt
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Die Autorin versucht, eine möglichst allumfassende Geschichte der Ekstase zu schreiben, religions-, kultur-, aber auch zeitgeschichtlich, mal medizinisch betrachtet, wissenschaftlich fundiert, mal aus ...

Die Autorin versucht, eine möglichst allumfassende Geschichte der Ekstase zu schreiben, religions-, kultur-, aber auch zeitgeschichtlich, mal medizinisch betrachtet, wissenschaftlich fundiert, mal aus dem Nähkästchen plaudernd, mal philosophische, mystische Quellen paraphrasierend, ohne Konjunktiv, aber im Präsens, um sich von dem faktenschaffenden Präteritum abzugrenzen. Mal geht es um den einzelnen, mal um den Massenwahn, mal um den Höhepunkt der Freude, um Erkenntnisgewinn, mal um Schmerz und Rausch. Die Kapitel folgen zwar der Struktur der Bewegung einer Schaukel, aber so recht will sich das Thema nicht in eine Form bringen lassen. Das liegt zum einen am Thema selbst, an seiner schweren Fassbarkeit, wie es die Autorin im Vorwort auch selbst einräumt. Allerdings helfen die vielen „Exkursive“, wie sie die Autorin recht eigenwillig nennt, um sie an den Begriff „Diskursive“ anzugleichen, für den man umgekehrt auch einfach hätte „Diskurs“ sagen können, dabei wenig. Und auch nicht die vielen Abschweifungen über Greta Thunberg als zweifelhafte Prophetin und die Lebensmittelindustrie mit ihren Vitaminpillen. Oder die persönlichen Erlebnisse der Autorinnen. Die Mediävistin verfügt unbestritten über ein enormes Wissen und hat fleißig Quellenstudium betrieben, doch gelingt es nicht immer, die Flut an Informationen zu bändigen. Man spürt, dass ihr alles wichtig ist und sie das alles dem Leser gerne zuteil werden lassen möchte. Aber als Laie fühle ich mich von den vielen Ein-, Aus- und UmdieEcke-Blicken zuweilen ein wenig überfordert bei der Frage: wo waren wir eigentlich gerade stehen geblieben. Dabei ist doch die Materie schwer genug zu fassen, zumal wenn man sich wie ich dabei ertappt, selbst von einem eurozentristischen, vom Primat der ratio dominierten Weltbild beherrscht zu werden, der es schwer macht, die Weltsicht der Mystiker, die in Leiden und Schmerz Erkenntnis und Erlösung suchten, nachzuvollziehen.
Leichter macht es bisweilen der ein wenig übertrieben elaborierte Stil auch nicht.
Das Buch schildert sicherlich viele spannende Details, die Autorin ist auf jeden Fall belesen und klug, aber das Gelesene entzieht sich mir einer Stringenz, sodass mich die Fülle ein wenig verwirrt und mir die Struktur fehlt, die Erkenntnisse fassen zu können.

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Veröffentlicht am 16.02.2025

Lustig, ernst, melancholisch, sprachwitzig

Russische Spezialitäten
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Der Ich-Erzähler liebt seine Mutter und die russische Sprache, aber auch Kjiew, das er als Heimat empfindet. Zusammen mit seiner Familie lebt er in Leipzig; seine Familie verkauft russische Spezialitäten. ...

Der Ich-Erzähler liebt seine Mutter und die russische Sprache, aber auch Kjiew, das er als Heimat empfindet. Zusammen mit seiner Familie lebt er in Leipzig; seine Familie verkauft russische Spezialitäten. In ihrem Laden kaufen „die Unsrigen“, Osteuropäer, Russen, Ukrainer. Sie fühlen sich verbunden. Und der Ich-Erzähler ihnen auch. Zugleich hat er Angst, nicht ihre Sprache zu sprechen, dass sein Russisch nicht ausreichen könnte. Seine Mutter schaut russisches Fernsehen. Und als Russland den Krieg gegen die Ukraine beginnt, fällt die Gemeinschaft der „Unsrigen“ auseinander. Die Mutter verfällt den Lügen des Propagandafernsehens und ihr Sohn kann sie nicht verstehen, sich nicht mehr mit ihr verständigen. Den einzigen Weg, den er sieht, ist in die Ukraine zu fahren, um seine Mutter von der Wahrheit zu überzeugen. Ein gewagter Schritt in das vom Krieg gebeutelte Land.
Das Buch aus der Perspektive des Jungen, der zwischen allen Identitäten sitzt, vermischt eine Vielzahl an Stimmlagen. Da ist der geniale Wortwitz mit gewaltigen Neologismen, die bisweilen etwas sperrig sind. Mit denen verteilt der Autor einige Seitenhiebe in Hinblick auf Sowjetmentalität und Kritik an alle Leichtgläubigen, die sich von Russischer Staatspropaganda hinter das Licht führen lassen. Neben der Situationskomik auch innerhalb der Familie klingen zarte und ernste Themen an. So sucht der Junge zwischen den ehemaligen Leipziger Sowjetblocks nach einer Zugehörigkeit. Wenn ihm schon eine nationale fehlt, so gerät auch die familiäre ins Wanken, als die Mutter ein so ganz anderes Weltbild hat, als es mit seinem vereinbar ist. Da ist die Angst, nicht dazuzugehören, zu den „Unsrigen“, da, russisch-stämmig, schon in der Ukraine geboren und unmittelbar nach Leipzig verzogen der Erzähler sich nicht traut, mit den anderen Osteuropäern zu kommunizieren. Und auch melancholisch erinnert das Buch an eine Welt, in der die Familie und die anderen Zugezogenen noch so etwas wie ein kulturelles Gedächtnis hatten, das sie verband, auch wenn es vielleicht nur in Sowjet-Limo oder den tausend Weißkohlsorten der Wolgadeutschen bestand.
Ein Roman von großer Wortkunst, mal witzig, mal beißend ironisch, mal herzlich und vor allem auch sehr sehr ernst in einer Welt, die auseinanderzufallen droht.

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Veröffentlicht am 16.02.2025

Einschlafspaß mit Winni, dem Frettchen

Ab ins Bett, Winnifrett!
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Winni, das Frettchen versucht alles, um das Schlafengehen hinauszuzögern, es versteckt sich, springt auf dem Bett herum, hört Musik, gibt vor zu lesen. Mama Frettchen hat ihre liebe Müh und Not, den kleinen ...

Winni, das Frettchen versucht alles, um das Schlafengehen hinauszuzögern, es versteckt sich, springt auf dem Bett herum, hört Musik, gibt vor zu lesen. Mama Frettchen hat ihre liebe Müh und Not, den kleinen Racker ins Bett zu bringen, auch wenn sie ihn mit lustigen kleinen Reimen zu locken sucht.
Das Buch liest sich mit seinen Reimen prima vor. Es ist eine lustige kleine Zubettgehgeschichte, in der sich die lieben Kleinen gut wiederfinden dürften, die ja bisweilen das Schlafengehen auch ganz schön in die Länge ziehen können mit genau den Tricks, die auch Winni eingefallen sind. Die bunten Bilder laden ein zum Verweilen und Entdecken von vielen liebevolle Details. Sie sind sehr stimmungsvoll gezeichnet und mit ihren weichen Konturen und gedeckten Farben gemütlich beim Schein der Nachttischlampe zu betrachten. Da fällt es schon schwer, das Licht auszumachen und von wilden Frettchen zu träumen.

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