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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.04.2026

Sehr spannender historischer Kriminalroman

Die weiße Nacht
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Lou Faber streift ziellos durch die Gegend. Sie möchte festhalten, wie ihre Heimatstadt Berlin ausschaut. Direkt nach dem Krieg. Mit so vielen zerstörten Häusern. Dieses Leid, was ihr bei jedem Schritt ...

Lou Faber streift ziellos durch die Gegend. Sie möchte festhalten, wie ihre Heimatstadt Berlin ausschaut. Direkt nach dem Krieg. Mit so vielen zerstörten Häusern. Dieses Leid, was ihr bei jedem Schritt vor Augen steht. Gibt es vielleicht sogar noch Vermisste, hier unter den Trümmern? Aber, was ist das? Dort liegt ein langer Gegenstand im Schnee. Als sie sich hinunterbeugt, sieht sie eine Frauenleiche. Die Hände gefaltet. Ihr kommt es vor, als hätte sie jemand aufgebahrt. Wer ist diese Frau und warum liegt sie hier?

"Die weiße Nacht" ist ein Kriminalroman, der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs spielt. Nachdem Lou sich von dem Schrecken erholte, eilt sie sofort zur nächsten Polizeidienststelle. Hier ist alles noch sehr provisorisch. Auch die Polizisten müssen frieren. Kriminalkommissar Alfred König empfängt die junge Fotografin zunächst recht unwirsch. Als er aber sieht, dass sie ihm bei den Ermittlungen tatsächlich helfen kann, wird er freundlicher.

Es bleibt nicht bei einer Leiche und erst mit der Zeit kristallisiert sich ein Motiv für die Morde heraus. Die Spannung bleibt gleichbleibend hoch und erst kurz vor dem Finale ahnte ich die Lösung. Die Sprecherin machte ihre Arbeit ganz hervorragend. Das war mein erster Roman von Anne Stern und ich freue mich auf die nächsten Bücher um Kommissar König und Fotografin Lou.

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Veröffentlicht am 05.04.2026

Eine kenntnisreiche Darstellung der Situation Israels

Die Zerstörung des Nahen Ostens
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Kaum ein Konflikt erhitzt die Gemüter so sehr, wie das Vorgehen Israels gegen seine Nachbarn. Allen voran der Umgang mit den Palästinensern. Keine Frage, der Überfall am 07. Oktober 2023 war ein Akt, der ...

Kaum ein Konflikt erhitzt die Gemüter so sehr, wie das Vorgehen Israels gegen seine Nachbarn. Allen voran der Umgang mit den Palästinensern. Keine Frage, der Überfall am 07. Oktober 2023 war ein Akt, der an Brutalität nicht zu überbieten war. Es erstaunt absolut nicht, dass Israel sich rächen wollte. Die Frage ist hier, wo war Netanjahu? Kann es sein, dass er nicht auf seine Berater hörte? Hätte dieses Massaker vielleicht sogar verhindert werden können? Und das, was danach mit den Bewohnern Gazas geschah, ist nicht zu rechtfertigen.

"Die Zerstörung des Nahen Ostens" zeugt von fundierten Kenntnissen das Autors. Er beleuchtet den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern von seiner Entstehung bis heute. Ja, es gab Vorschläge für ein friedliches Ende der Auseinandersetzungen. Leider waren damals schon Kräfte am Werk, die das nicht hinnehmen wollten. Am 04.11.1995 kam es zum Attentat auf Yitzhak Rabin. Der Mann galt als Förderer des Friedens und wollte eine Zweistaatenlösung. Wer damit gar nicht einverstanden war, ist wohl jedem klar, der die Geschehnisse in Israel aufmerksam verfolgt. Was momentan in diesem stark gebeutelten Land vor sich geht, ist kaum zu ertragen. Eine Regierung, die sogar verurteilte Rechtsextremisten in ihren Reihen duldet, für mich kaum zu ertragen. Und das nur, weil ein Ministerpräsident unbedingt an der Macht bleiben möchte? Oder fürchtet er sich vor einer Verurteilung wegen Vorteilsnahme im Amt?

Die Zerstörung Gazas hätte schon vor Monaten beendet werden müssen. Dass nun auch noch weitere Staaten bombardiert werden zeigt, dass Netanjahu und seine Minister außer Rand und Band sind. Zunehmend werden sie von demokratischen Staaten isoliert und bald gibt es nur noch Trump, der ihnen zur Seite steht. Das Buch kritisiert nicht, es zeigt auf, wie Aktion und Reaktion aufeinander folgen.

Das Sachbuch habe ich aufmerksam gelesen. Dabei war für mich sehr wichtig, dass ich einer neutralen Stimme lauschen konnte. Die Fakten sprechen für sich und Juden in der Diaspora sollten niemals angegriffen werden, weil ein Ministerpräsident überdimensioniert agiert. Ich danke dem Autor für seine klare Sicht auf das Geschehen.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Jeder, der den Ausstieg schafft, verdient Hochachtung

Trügerische Heimat
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Ein prügelnder Vater und eine Mutter, die sich nicht wehren kann. So lässt sich mit einem Satz die Kindheit und Jugend Leos beschreiben. In seinem Elternhaus spielt Alkohol eine große Rolle. Eisige Kälte ...

Ein prügelnder Vater und eine Mutter, die sich nicht wehren kann. So lässt sich mit einem Satz die Kindheit und Jugend Leos beschreiben. In seinem Elternhaus spielt Alkohol eine große Rolle. Eisige Kälte herrscht in seinem Zuhause. Ist es ein Wunder, dass er sich nach Geborgenheit und ein wenig Anerkennung sehnt? Die findet er bei einer Clique, die dem nationalsozialistischen Gedankengut nacheifert.

"Trügerische Heimat" ist eine ungeschönte Biographie. Leo Neumann zeigt deutlich, wie er in die Szene gelangte. Welche Erfahrungen er hier sammeln konnte. Er war ein anerkanntes Mitglied der NPD und der „Nationalsozialistischen Front“. Machte bei vielen Aktionen mit und stand stets hinter seinen Kameraden. Erst als die Einwohner von Pivitsheide sich gegen ein Zentrum der „Nationalsozialistischen Front“ stemmten, fing Leo an nachzudenken.

Welch ein aufrührendes Buch. Der junge Mann wollte eigentlich nur dem brutalen Vater entkommen und für seinen Einsatz in der Gruppe anerkannt werden. Diese war wie eine Familie für ihn und es ist nachvollziehbar, dass er sich hier sehr wohl fühlte. Umso erstaunlich ist für mich, dass er die Aktionen dann doch hinterfragte und einen Ausstieg wagte. Ich habe das Buch gerne gelesen und mit Achtung vor dem Mann beendet. Dass er schaffte, sich aus diesem Milieu zu befreien, ist beachtenswert.

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Veröffentlicht am 01.04.2026

Ein Krimi, der bestens unterhält

Tod mit Meerblick
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Schwimmen weckt alle Lebensgeister und das noch intensiver, wenn es bei jedem Wetter stattfindet. Der neue Schwimmclub besteht zwar bisher nur aus zwei Mitgliedern, die Hoffnung stirbt allerdings zuletzt. ...

Schwimmen weckt alle Lebensgeister und das noch intensiver, wenn es bei jedem Wetter stattfindet. Der neue Schwimmclub besteht zwar bisher nur aus zwei Mitgliedern, die Hoffnung stirbt allerdings zuletzt. Mit Sicherheit gibt es weitere Damen, die sich anschließen und der Idee den gebührenden Erfolg zuteil werden lassen. Leider gibt es aber schon beim ersten Treffen, also quasi der Geburt des Clubs, einen Fund, der auf ein Verbrechen hinweist.

"Tod mit Meerblick" entführt den Leser nach Sankt Peter Ording. Einen beliebten Urlaubsort, der vor allen Dingen von Senioren geschätzt wird. Die Hauptpersonen sind drei ältere Damen, die sich nicht nur bestens verstehen. Ihre Spürnasen machen selbst gestandene Kriminalkommissare sprachlos. Sie haben den großen Vorteil, dass ihnen die Menschen hier vertrauen. Und nicht nur das trägt zu ihrem Erfolg bei. Ihr Alter und die damit verbundenen Vorurteile ihrer Mitmenschen, spielen auch eine Rolle. Die drei Freundinnen werden nicht immer für voll genommen und können sich ihrem Gegenüber sogar recht einfältig darstellen.

Das Buch gefiel mit sehr gut. Kein übertriebenes Blutvergießen gab es hinzunehmen. Die Story war realistisch und bot bis zum Schluss eine solide Spannung.

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Über einen Bürgerkrieg, der viele Unschuldige tötete

Entscheidung in Spanien
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Kaum nachvollziehbar aber leider wahr. In Spanien gab es im letzten Jahrtausend einen Bürgerkrieg, der viele Todesopfer forderte. Hier kämpften Brüder gegeneinander und Familien wurden durch unterschiedliche ...

Kaum nachvollziehbar aber leider wahr. In Spanien gab es im letzten Jahrtausend einen Bürgerkrieg, der viele Todesopfer forderte. Hier kämpften Brüder gegeneinander und Familien wurden durch unterschiedliche Ansichten getrennt. So viele Dörfer und Städte waren Orte der Verwüstung. Faschisten wollten die Macht an sich reißen und es gelang ihnen. Zu ihren Helfern gehörten auch die Waffen der Deutschen. Deren Flugzeuge zerbombten unter anderem das Dorf Guernica. Es war ein Luftkrieg gegen die wehrlose Zivilbevölkerung.

Auch damals gab es Journalisten und Kriegsreporter, die von der Front berichteten. Sie verdrängten dabei jede Gefahr für Leib und Leben. Zu ihnen zählte neben Martha Gelhorn auch ihr Lebensgefährte und spätere Ehemann Ernest Hemingway. Dass der Name Willy Brandt ebenfalls in dem Buch "Entscheidung in Spanien" genannt wird, erstaunte mich. Er kämpfte damals bereits gegen den Faschismus und für Demokratie.

Eigentlich unglaublich, dass es innerhalb Europas einen so blutigen Bürgerkrieg gab. Dass sogar Herr Hitler um Mithilfe gebeten wurde, nicht wirklich überraschend. War doch Franco für einige Zeit einer seiner engen Verbündeten innerhalb Europas. Das Buch überzeugt durch detaillierte Darstellungen des Krieges. Der Fokus liegt dabei nicht auf die Erfolge der kriegsführenden Parteien. Es ist das Leid der Unschuldigen, das zu Herzen geht. Für mich ein ganz wichtiges Buch, das zeigt, wie grausam Menschen sein können. Sind es nicht Frauen und Kinder, die am meisten unter den Kämpfen der Mächtigen leiden?

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