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Veröffentlicht am 24.10.2022

Düstere Stimmung in Island

Wand des Schweigens
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Konrád, ein pensionierter Kriminalbeamter, berichtet in dem Buch „Wand des Schweigens“, von einem Kriminalfall, der viele Jahre zurückliegt. Gleichzeitig geht es um einen aktuellen Fall. Hier geschah die ...

Konrád, ein pensionierter Kriminalbeamter, berichtet in dem Buch „Wand des Schweigens“, von einem Kriminalfall, der viele Jahre zurückliegt. Gleichzeitig geht es um einen aktuellen Fall. Hier geschah die Tat allerdings ebenfalls vor etwa 40 Jahren. Konrád möchte mehr über den Sachverhalt wissen, jedoch die ehemaligen Kollegen blocken seine Fragen ab. Also begibt er sich alleine auf Spurensuche.

Der isländische Autor Arnaldur Indriðason hat eine eigenwillige Art des Erzählens. Es dauerte eine Weile, bis ich mich daran gewöhnte. Es lohnte sich aber. Wer allerdings nichts für „Speukenkieker“ übrig hat oder nicht an ihre speziellen Fähigkeiten glaubt, der sollte vielleicht Abstand vom Lesen nehmen. Eine gute Bekannte von Konrád namens Eygló, besitzt nämlich diese Begabung und hilft Konrád bei der Spurensuche.

Ein altes Haus, eine eingemauerte Leiche und ein Kommissar, der auch nach vielen Jahren noch den Mörder seines Vaters sucht, das ist die Story. Es gibt etliche Reisen in die Vergangenheit, die Kapitel sind erfrischend kurz, und die Geschichte hat nur wenige Längen. Ist es ein typischer „Islandkrimi“? Anders, als die deutschen Bücher des Genres auf jeden Fall. Dafür sorgt auch die zuweilen recht düstere Stimmung. Sie wird unter anderem durch Gewaltausbrüche von Männern an ihren Frauen und Kindern hervorgerufen.

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Veröffentlicht am 22.10.2022

Ein krönender Abschluss der Reihe

Labyrinth der Freiheit
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Das Buch beginnt im Jahr 1922. Die Inflation ist kaum zu ertragen. Mit der heutigen Situation nicht zu vergleichen. Die drei Freunde Artur, Isi und Carl „Schneiderssohn“ können sich gerade mal vor einem ...

Das Buch beginnt im Jahr 1922. Die Inflation ist kaum zu ertragen. Mit der heutigen Situation nicht zu vergleichen. Die drei Freunde Artur, Isi und Carl „Schneiderssohn“ können sich gerade mal vor einem Mordanschlag retten. Wer ihnen nach dem Leben trachtet ist rasch aufgeklärt. Schon damals gab es rechte Gesinnungen und deren Anhänger. Die scheuten selbst vor Mord nicht zurück. Aber, wir kennen ja die drei aus den zwei vorherigen Bänden. Sie trotzen der Gefahr selbst dann, wenn es sehr brenzlig wird.

Leider, so muss ich feststellen, soll dieser dritte Band der Reihe „Wege der Zeit“ aus dem dumontbuchverlag das letzte Buch sein. Ich muss mich also schweren Herzens von den drei Freunden verabschieden. Wie schon in den beiden Büchern zuvor, war ich beim Lesen gefangen. Von der fesselnden und bildhaften Sprache. Zu keinem Zeitpunkt kam mir der Roman künstlich in die Länge gezogen vor. Immer wieder gab es Wendungen, mit denen ich nicht rechnen konnte.

Sehr wichtig für mich sind auch die historisch belegten Fakten dieser Reihe. Es sind Romane und dennoch zeugen sie von umfangreicher Recherche des Autors und das gefiel mir. Ob Artur, Isi und Carl, würden sie heute leben, ebenfalls für das Recht von „Randgruppen“ kämpfen würden? Ich denke schon. Sie handelten nicht immer gesetzestreu, aber stets für Menschen, die sich nicht alleine helfen konnten. Schade, dass mit diesem dritten Band die Reihe abgeschlossen ist. Aber ich hoffe sehr, dass Herr Izquirdo weitere Bücher veröffentlichen wird.

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Veröffentlicht am 20.10.2022

Spannender Thriller mit Gesellschaftskritik

Die Vergessene
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Mord verjährt nicht. Das weiß auch die junge Andrea Olivier. Sie bestand soeben die Prüfung zum US-Marshall und ihr erster Auftrag erinnert sie an diesen Satz. Was geschah damals mit der Tochter der Richterin, ...

Mord verjährt nicht. Das weiß auch die junge Andrea Olivier. Sie bestand soeben die Prüfung zum US-Marshall und ihr erster Auftrag erinnert sie an diesen Satz. Was geschah damals mit der Tochter der Richterin, die jetzt Morddrohungen erhält? Emily Vaughn hieß sie und ihr Mord war an Brutalität kaum zu überbieten. Niemand wurde dafür zur Rechenschaft gezogen. Die Ermittlungen eingestellt. Jetzt, 40 Jahre später begibt sich Andrea auf Spurensuche.

Karin Slaughter versteht es, ihre Leser in den Bann zu ziehen und diesen bis zum Schluss zu halten. Die Charaktere reifen nach und nach und wer zunächst harmlos scheint, wird rasch zum Verdächtigen. Die häufigen Wendungen sind nachvollziehbar und niemals langweilig.

Was mir beim Thriller „Die Vergessene“ ebenfalls zusagte, ist die Gesellschaftskritik. So zeigt die Autorin zum Beispiel, wie Macht und das Streben danach, das Familienleben belasten. Wie schwer es zuweilen ist, die harmonische Fassade für die Öffentlichkeit aufrecht zu halten. Und das nur, weil jemand auf der Karriereleiter ganz nach oben möchte.

Abhängigkeiten sind für mich Gründe, die an Unbarmherzigkeit kaum zu überbieten sind. Was Männer dann mit jungen, unschuldigen Mädchen machen können, unvorstellbar. Zum Schluss weise ich noch auf die sehr gute Arbeit des Übersetzers hin.

Mein Fazit, ein guter Thriller, der sich zu lesen lohnt.

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Veröffentlicht am 18.10.2022

Eine unterhaltsame Lehrstunde in Geschichte

Schloss Liebenberg. Hinter dem hellen Schein
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Die 18jährige Adelheid muss Geld verdienen. In ihrem Elternhaus gibt es zu viele Esser und ihr Vater verdient nicht genug, um alle satt zu bekommen. Als Tagelöhner ist sein Lohn zudem nicht konstant und ...

Die 18jährige Adelheid muss Geld verdienen. In ihrem Elternhaus gibt es zu viele Esser und ihr Vater verdient nicht genug, um alle satt zu bekommen. Als Tagelöhner ist sein Lohn zudem nicht konstant und oft ist hier Schmalhans Küchenmeister. Wie eine göttliche Fügung kommt daher die Chance, dass sie als Stubenmädchen arbeiten darf. In einem Schloss. Mit täglich drei Mahlzeiten. Endlich mal wieder satt essen und auch den Lieben zuhause mit Geld und Nahrung helfen können. Ein Traum geht für sie in Erfüllung. Dass es in einem Haus mit vielen Angestellten auch Neider gibt, das lernt Adelheid leider am eigenen Leib. Sie ist aber genügsam und findet sich mit allem ab, was ihr geboten wird.

Die Autorin Hanna Caspian ist mir bekannt. Ich las ihre Bücher gerne und auch dieses gefiel mir gut. Der Grund liegt nicht nur an ihrem angenehmen Stil. Sie recherchiert zudem sehr genau und ihre Bücher sind eine Lehrstunde in Geschichte. Schloss Liebenberg gibt es heute noch. Dass Kaiser Wilhelm hier ein und aus ging ist belegt und so mancher Skandal, der im Buch eine Rolle spielt, ebenfalls. Schon damals wurden investigative Journalisten bedroht oder gar angegriffen. Und ja, der Skandal, der ebenfalls in „Hinter dem hellen Schein“ eine Rolle spielt, ist nicht der Fantasie der Autorin entsprungen.

Ein weiterer sehr wichtiger und positiver Aspekt bei diesem Werk ist, dass Frau Caspian nicht die Reichen und „Schönen“ als Hauptakteure ihres Romans auswählte. Nein, sie schreibt aus der Sicht der vielen „guten Geister“ im Haus des Adels. Wie hart sie arbeiten und wie sie um Anerkennung kämpfen müssen. Klar, es gibt auch Intrigen. Das bleibt aber nicht aus, da alle nur eins wollen: ihr Auskommen haben. Ich freue mich auf den zweiten Band, denn dieses Buch ist der Start einer Saga.

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Veröffentlicht am 10.10.2022

Von Chemtrails und Friedensdemos

Bullauge
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Nicht nur die Tatsache, dass er mal wieder seine Freizeit für den Schutz von Demonstranten vergeudete. Dass er aber mit einer Flasche beworfen wird und dabei ein Auge verliert, das haut dem Fass den Boden ...

Nicht nur die Tatsache, dass er mal wieder seine Freizeit für den Schutz von Demonstranten vergeudete. Dass er aber mit einer Flasche beworfen wird und dabei ein Auge verliert, das haut dem Fass den Boden aus. Jetzt ist Polizist Oleander beurlaubt und langweilt sich. Zudem möchte er wissen, wer ihm diese schlimme Verletzung antat. Es treibt ihn um, dass auch seine Kollegen bisher noch keinen Täter dingfest machen konnten. Welch glücklicher Zufall, dass er eine Frau namens Gisela Glaser trifft. Auch sie war auf der Demo und will ihm helfen, den Täter zu finden. Gemeinsam machen sie sich an die Arbeit.

Wie fühlen sich Menschen, wenn sie von Zeitgenossen so schwer verletzt wurden, dass sie nicht mehr arbeiten können? Was geht in ihnen vor, wenn sie angestarrt oder gar verlacht werden? Wenn ihre Behinderung so offensichtlich ist? Nicht nur diese Fragen werden in dem Buch „Bullauge“ perfekt beantwortet. Und das nicht etwa auf der Schiene Mitleid. Nein, so, wie es ist. Das weiß ich aus eigener und leidvoller Erfahrung.

Ein typischer Ani. Nicht einfach zu lesen, da sein Stil gewöhnungsbedürftig ist. Er schreibt gerne durch die Blume und zuweilen auch langatmig. Und trotzdem zieht es mich immer wieder zu seinen neuen Büchern. Dieses hier gefiel mir, da es auch die Problematik von Kreisen mit Rechter Gesinnung zeigt. Und das auch überzeugend. Das Ende war für mich keineswegs vorauszusehen und das macht ein guter Krimi für mich aus.

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