Profilbild von lielo99

lielo99

Lesejury Star
offline

lielo99 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit lielo99 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.09.2020

Die verlorenen Kinder

Bis wir uns wiedersehen
0

Mir gefällt der englische Titel „The lost boys“ wesentlich besser und er passt auch eher zum Inhalt des Buches. Aber der Verlag entschied es so und die Verantwortlichen dachten sich wohl etwas dabei. Fey ...

Mir gefällt der englische Titel „The lost boys“ wesentlich besser und er passt auch eher zum Inhalt des Buches. Aber der Verlag entschied es so und die Verantwortlichen dachten sich wohl etwas dabei. Fey von Hassell lebte mit ihrem Mann Detalmo und den beiden Jungen Roberto und Corradino in einem Palazzo in Italien und zwar in dem Ort Brazzá. Die Eltern wohnen in Berlin und der Vater Ulrich von Hassell wirkte aktiv im Widerstand gegen Hitler mit. Als ihr Ehemann mal wieder eingezogen wurde, musste sie mit ihren Kindern den Nazis folgen und wurde nach Innsbruck gefahren. Dort raubte man ihre Kinder. Sie wusste nicht, wohin diese kamen und auch ihr eigenes Schicksal war ungewiss.

„Bis wir uns wiedersehen“ ist eine Mischung zwischen Kriegsbericht, Biographie und Krimi. Die Autorin führt im Anhang auf, welche Quellen sie nutzte und wer von den Hinterbliebenen ihr halfen. Schon das Cover hat mich sehr bewegt. Es zeigt die junge Fey mit ihren beiden kleinen Söhnen, die kurz darauf in einem Waisenhaus untergebracht wurden. Es lag in der Nähe des Ortes Absam und dem Berg „großer Bettelwurf“. Wer heute in dem Ort nach dem Haus „Wiesenhof“ fragt, wird keine Auskunft bekommen. Niemand wusste irgendetwas. Das Foto trug auch Vater Detalmo bei sich als er lange von den Seinen getrennt war. Es war das einzige, welches er von den Söhnen hatte.

„Wir gingen wie 2 Götter auf Wolken“ soll Mussolini zu seinem Freund Hitler gesagt haben, als sie gemeinsam vor das „Volk“ traten. Das war in Berlin und sie wurden umjubelt wie kaum jemand nach ihnen. In Italien gab es auch etliche Anhänger Hitlers und auch dort blühte der Faschismus. Wer sich dagegen wehrte, musste mit heftigen Sanktionen und meistens mit dem Tod rechnen. In Deutschland schlugen die Versuche, den „Führer“ zu töten alle fehl. Einzig die Widerständler bezahlten mit dem Leben. Denunzierungen waren an der Tagesordnung und dieser Tatsache ist auch die Entführung der beiden Jungen zu „verdanken“.

Sehr schön fand ich, dass Frau Bailey unseren späteren Kanzler Helmut Schmidt würdigte, indem sie auch seine Meinung zum „Prozess“ gegen Ulrich von Hassel schilderte. Auch dass er der Witwe einen wahrlich empathischen Brief schrieb, adelt ihn. Ebenfalls beeindruckte mich ihr Zeugnis über Stauffenberg. Leider wird dies ja immer mal wieder von „Historikern“ beschmutzt. Ich werde das Buch mit Sicherheit noch öfter lesen und sobald sie reif dafür sind, es auch meinen Enkeln geben. „Wehret den Anfängen“, so denke ich und auch „Niemals vergessen“ ist ein Spruch, den ich mir zu Herzen nahm. Ich gebe diesem wertvollen Buch fünf Sterne und selbstverständlich eine Empfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.09.2020

Nicht mein Geschmack

Der letzte Satz
0

Robert Seethaler schreibt über die Erinnerungen und Gedanken des Komponisten, Dirigenten und Musikdirektors Gustav Mahler. Zu dem Zweck platziert ihn auf ein Schiff und zwar oben am Deck. Der Blick aufs ...

Robert Seethaler schreibt über die Erinnerungen und Gedanken des Komponisten, Dirigenten und Musikdirektors Gustav Mahler. Zu dem Zweck platziert ihn auf ein Schiff und zwar oben am Deck. Der Blick aufs Meer gibt ihm Ruhe, so meint er. Umsorgt wird er von einem Jungen, der immer dann erscheint, wenn Mahler einen Wunsch hat. Unten sitzt seine Frau Anna mit Tochter Alma. Die zweite Tochter starb.

Nein, das war kein Buch für mich. Es stand ja auf der Longlist zum „Deutschen Buchpreis 2020“ und der Autor wird immer wieder sehr gelobt. Es war das erste Werk von ihm, welches ich las. Es soll ja ein Roman sein, jedoch ist es eine Aneinanderreihung von teil zusammenhanglosen Sätzen. Immer wieder schweifen die Gedanken des Musikers ab. Die Fäden werden nicht zu einem Zopf zusammengefügt. Dann wiederum gibt es ausführliche Dialoge zwischen Mahler und seiner Frau, die aber nichts vom Ende und den Auswirkungen der Diskussion verraten. Herr Seethaler ist ein guter Schauspieler, sein Schreibstil lässt aber zu Wünschen übrig. Drei Sterne gebe ich dafür und er hat mit Sicherheit viele Fans, die seine Bücher gerne lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.09.2020

Gute Darstellung der Situation im Zweiten Weltkrieg

Grandhotel Schwarzenberg – Der Beginn einer neuen Zeit
0

„Grandhotel Schwarzenberg – Der Beginn einer neuen Zeit“ ist der dritte und letzte Band einer Reihe. Von den „goldenen Zwanzigern“ bis hin zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, können wir die Geschicke ...

„Grandhotel Schwarzenberg – Der Beginn einer neuen Zeit“ ist der dritte und letzte Band einer Reihe. Von den „goldenen Zwanzigern“ bis hin zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, können wir die Geschicke der Schwarzenbergs verfolgen. Karl und seine „große Liebe“ machen besonders Anna das Leben schwer. Die Partei der Nationalsozialisten agiert brutal und menschenverachtend. Wer vorher keinen Erfolg hatte, kann sich schnell hocharbeiten und erhält Macht, mit der er nicht umgehen kann.

Die ersten beiden Bände kannte ich nicht und kam trotzdem sehr gut mit der Geschichte zurecht. Die Autorin wiederholte die wichtigen Ereignisse so ganz nebenbei und ich konnte dem Abschluss der Trilogie gut folgen. Was mich wunderte, dass hier der Begriff „Gutmensch“ bereits Verwendung fand. Meines Wissens gibt es diesen erst seit etwa 1988?

Gut gefiel mir das Aufzeigen von unterschiedlichen Gründen für den Beitritt zur NSDAP. Einige hatten keine andere Perspektive und versprachen sich Ansehen und Erfolg. Das traf ja bis zu einem gewissen Grad auch zu. Die so schnell erlangte Macht wurde dann ja auch gnadenlos ausgenutzt. Die Autorin erläutert zum Schluss noch, welche Begebenheiten tatsächlich passierten. Für meine Begriffe hat sie aufwendig recherchiert und das fand ich interessant. Die Beschreibung der Stadt und der Umgebung gefielen mir ebenfalls sehr gut. Vier Sterne und eine Empfehlung gibt es von mir.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.09.2020

Ein gutes Buch zur richtigen Zeit

Der korrumpierte Mensch
0

Jonathan Aldreds Buch "Der korrumpierte Mensch" beschreibt eine Entwicklung von Moralvorstellungen der letzten 50 Jahre. Was damals noch als unschicklich oder gar bösartig galt, ist heute normal und angesagt. ...

Jonathan Aldreds Buch "Der korrumpierte Mensch" beschreibt eine Entwicklung von Moralvorstellungen der letzten 50 Jahre. Was damals noch als unschicklich oder gar bösartig galt, ist heute normal und angesagt. Wie es seiner Meinung nach dazu kam, das schildert der Autor in seinem Buch. Zugleich hat er Beispiele für seine Meinung und zeigt, in welcher Weise sowohl Wirtschaft als auch Ökonomie unser Leben immer mehr beeinflussen.

Das ist ein Buch zum richtigen Zeitpunkt. Ja, was kann alles vermarktet werden? Der Tod von fünf Kindern? Der schwere Unfall auf der Autobahn mit Exklusivfotos der Sterbenden? Und welchen Einfluss haben Journalisten auf unsere Meinung? Wie gehen wir mit Verschwörungstheorien um? Klar, ohne wirtschaftlichen Aufschwung gibt es kaum Wohlstand. Nur zu welchem Preis? Hat der Virus uns nicht gezeigt, was wirklich wichtig und gut ist?

Das Buch gefiel mir ausgesprochen gut. Der Autor schreibt so klar und verständlich, dass es sich sehr gut lesen lässt. Selbst die für mich sonst recht trockenen Ausführungen zu wirtschaftlichen Zusammenhängen, sind einleuchtend. Besonders interessant fand ich auch die Darstellung der Berufswege von hier erwähnten Wissenschaftlern. Fünf Punkte und eine Leseempfehlung gebe ich daher sehr gerne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.09.2020

Spannend bis zum Schluss

Das Erbe der Päpstin
0

Gisla lebt mit ihren Töchtern Freya und Anna als Sklavin in Dänemark. Nachdem sie ermordet wurde, fliehen die beiden Kinder unter Lebensgefahr über die Grenze in Richtung Italien. Freya möchte zu ihrem ...

Gisla lebt mit ihren Töchtern Freya und Anna als Sklavin in Dänemark. Nachdem sie ermordet wurde, fliehen die beiden Kinder unter Lebensgefahr über die Grenze in Richtung Italien. Freya möchte zu ihrem Großvater, der ein enger Vertrauter und Mitglied der Garde des Papstes ist. Als auch Papst sowie Großvater ermordet werden, beginnt für Freya eine turbulente Zeit und sie muss mehr als einmal um ihr Leben fürchten.

„Das Erbe der Päpstin“ ist keine Fortsetzung und ist eigenständig zu lesen. Ich kenne das Buch „Die Päpstin“ nicht und empfand es nicht als Nachteil. Temporeich und immer wieder spannend, so präsentiert sich der Roman. Die Brutalität der Dänen kommt zum Ausdruck und auch die Mauer um Paris ist historisch verbrieft. Immer wieder gibt es Verrat und nur wenige Menschen haben das Prädikat „Freund“ verdient. Immer mal wieder verkleidet Freya sich als Mann und kann auf diese Weise ihr Leben retten. Aber auch die Tatsache, dass sie lesen kann, verhilft ihr zum Überleben. Sie lernt einiges über die Heilung und interessant fand ich dabei die Zitate aus sehr alten Schriften. Wie schon damals die Ärzte mit ihren bescheidenen Mitteln den Kranken halfen, das ist zu bewundern.

Einige Fragen bleiben offen oder die Ereignisse werden nicht bis zum Ende erzählt. Das gefiel mir nicht so gut aber vielleicht gibt es ja auch noch eine Fortsetzung von „Das Erbe der Päpstin“. Die Autorin weist am Ende des Buches darauf hin, welche Tatsachen sie im Roman verarbeitete. Es gibt einige Akteure, die in historischen Aufzeichnungen vorkommen und dazu zählt auch der brutale Krieger aus Dänemark. Was hingegen ihrer dichterischen Freiheit zu verdanken ist, das erwähnt sie ebenfalls. Ich gebe vier Sterne und empfehle das Buch sehr gerne weiter.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere