stiller, nachdenklicher Roman, der erst spät innere Konflikte enthüllt
Letzter Akt„Letzter Akt“ von Andreas Schäfer hat mir insgesamt gut gefallen, vor allem wegen der leisen, aber eindringlichen Art, mit der die Figuren gezeichnet sind. Besonders spannend fand ich Doras innere Haltung ...
„Letzter Akt“ von Andreas Schäfer hat mir insgesamt gut gefallen, vor allem wegen der leisen, aber eindringlichen Art, mit der die Figuren gezeichnet sind. Besonders spannend fand ich Doras innere Haltung gegenüber Viktor. Ihre Hoffnung, von ihm nicht erkannt zu werden, wirkt weniger wie ein Zufall oder bloße Angst, sondern vielmehr wie eine Flucht vor sich selbst. Es scheint, als wolle sie sich einer Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit oder Identität entziehen.
Gerade dieser Aspekt verleiht der Geschichte eine unterschwellige Spannung. Doras Wunsch, unerkannt zu bleiben, erscheint fast als ihr zentrales Motiv – stärker noch als die eigentliche Beziehung zu Viktor. Diese bleibt nämlich auffallend unbestimmt und wird kaum direkt thematisiert. Statt klarer Dynamik oder Entwicklung herrscht eine gewisse Distanz, die Raum für Interpretation lässt.
Insgesamt ein stiller, nachdenklicher Roman, der weniger durch äußere Handlung als durch innere Konflikte und unausgesprochene Spannungen wirkt.