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Veröffentlicht am 19.11.2019

Charmant

Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse
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Eine wirklich charmante Geschichte über einen privaten und beruflichen Neuanfang. Die Autorin erzählt leicht und mit Herz. Das Ende ist relativ leicht absehbar, aber hier ist eher der Weg das Ziel und ...

Eine wirklich charmante Geschichte über einen privaten und beruflichen Neuanfang. Die Autorin erzählt leicht und mit Herz. Das Ende ist relativ leicht absehbar, aber hier ist eher der Weg das Ziel und das Ende der Geschichte für mein Empfinden nicht so wichtig wie die persönliche Entwicklung von Charlotte. Lediglich der letzte Konflikt zwischen Charlotte und William erscheint mir stark konstruiert und irgendwie übertrieben seifenopernmäßig, um noch ein bisschen Drama und eine Wendung vor Ende einzubinden. Generell hätte das Buch von mir aus ~100 Seiten kürzer sein können, denn einige Stellen waren etwas langatmig und gerade Charlottes Zweifel wiederholten sich immer wieder, ohne wirklich jedes Mal etwas Neues zur Geschichte hinzuzufügen und die Handlung voranzutreiben. Im Großen und Ganzen aber eine schöne Geschichte mit Wohlfühl-Charme.

Veröffentlicht am 02.11.2019

Beeindruckendes Werk wiederentdeckt

Ein anderer Takt
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Zu Beginn habe ich die Sprache dieses ursprünglich 1962 erschienen Romans als etwas altbacken empfunden und habe eine Weile gebraucht, um mich einzulesen. Dann hat „Ein anderer Takt“ aber eine ziemliche ...

Zu Beginn habe ich die Sprache dieses ursprünglich 1962 erschienen Romans als etwas altbacken empfunden und habe eine Weile gebraucht, um mich einzulesen. Dann hat „Ein anderer Takt“ aber eine ziemliche Sogkraft entwickelt. Der schwarze Autor William Melvin Kelley wagt ein spannendes Gedankenexperiment: Wie reagieren die Weißen, wenn plötzlich alle Schwarzen einen fiktiven Bundesstaat im Süden der USA Richtung Norden verlassen? Dabei treten die Abgründe der Rassentrennung und des Rassismus anschaulich hervor, denn Kelley schreibt hauptsächlich aus der Perspektive der Weißen – sie beobachten den plötzlichen Aufbruch und versuchen ihn einzuordnen. Beeindruckend, dass es sich hier um Kelleys Debutroman handelt. Er hat trotz seines Alters leider nichts an Aktualität eingebüßt.
Ein Vorwort einer Buchkritikerin und ein Nachwort der Tochter des Autors ordnen den relativ kurzen Roman sowie Kelleys gesamtes schriftstellerisches Schaffen ein.

Veröffentlicht am 13.10.2019

Viel Drama und überzeichnete Charaktere

Silent Victim
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Caroline Mitchell hat eine durchaus spannende Geschichte geschrieben - mit vielen Wendungen, die manchmal tatsächlich überraschten und manchmal an den Haaren herbeigezogen waren. Wer lügt, wer sagt die ...

Caroline Mitchell hat eine durchaus spannende Geschichte geschrieben - mit vielen Wendungen, die manchmal tatsächlich überraschten und manchmal an den Haaren herbeigezogen waren. Wer lügt, wer sagt die Wahrheit? Und wer glaubt wem? Hier gab es ein paar Überraschungen, die für einen recht guten Spannungsaufbau gesorgt haben. Aber der richtige Thrill, den ein Thriller durchweg haben sollte, hat mir gefehlt.

Die Geschichte wird erzählt aus den Perspektiven von Emma, ihrem Mann Alex und ihrem ehemaligen Lehrer Luke, teilweise in Rückblicken. Emmas Geschichte empfinde ich als größtenteils gut getroffen. Die Autorin zeigt anschaulich, wie Emma nach dem Missbrauch durch ihren Lehrer leidet, wie die Erfahrung ihr Leben Jahre später noch beeinflusst und wie sie auch an sich selbst zweifelt. Komplett konnte mich der Thriller aber leider nicht überzeugen. Die Charaktere und ihre Handlungen sind teilweise überzeichnet, besonders Luke ist ein ziemlich extremer Charakter, aber auch Emma trifft merkwürdige Entscheidungen und irgendwie führt alles immer zu einer Unmenge überflüssigem Drama. Emmas Mann Alex habe ich wiederholt als zu kontrollierend seiner Frau gegenüber empfunden - selbst bevor Emma durch ihr Verhalten beispielsweise ihren gemeinsamen Sohn in Gefahr bringt, kann er ein egoistisches Arschloch sein. Direkt am Anfang sucht er etwa Verkäufer für ihr gemeinsames Haus, in dem Emma aufgewachsen ist, ohne seine Frau auch nur darüber zu informieren, und zwingt ihr damit den Umzug nach Leeds auf. Dabei rechtfertigt er sein Handeln immer damit, dass er ihr ja auch was Gutes tut. Damit nimmt er ihr aber die Möglichkeit eines selbstbestimmten Lebens. Und ein Mann, den es ernsthaft schockiert, dass seine Frau vor ihm möglicherweise mit einem anderen geschlafen hat, lebt im falschen Jahrhundert.

Auch sprachlich haben sich viele Klischees eingeschlichen. Da riecht jemand "wie ein frischer Pfirsich an einem warmen Somemrtag", jemand fühlt sich von einer Person "angezogen wie eine Motte von der Flamme" oder es wird jemand getröstet mit den abgegriffenen Worten "Alles wird gut. Wir werden das hinkriegen, das verspreche ich." Das liest sich teilweise holprig. Generell hätte es der Geschichte gut getan, wenn sie gekürzt worden wäre. Das Thema ist wirklich wichtig, hätte für meinen Geschmack aber besser umgesetzt werden können.

Veröffentlicht am 03.10.2019

Unterhaltsame schülerische Wissenslücken

Nenne drei Streichinstrumente: Geige, Bratsche, Limoncello
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Kurzweilig und unterhaltsam, wenn auch nicht tiefschürfend. Ich habe das Buch hauptsächlich früh in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit gelesen, als ich noch nicht vollkommen wach war, und da hat es mich ...

Kurzweilig und unterhaltsam, wenn auch nicht tiefschürfend. Ich habe das Buch hauptsächlich früh in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit gelesen, als ich noch nicht vollkommen wach war, und da hat es mich gut unterhalten. Die beiden Autorinnen haben hier zum dritten Mal skurrile und lustige Antworten von Schülern zusammengetragen, die ihre Lehrer an Spiegel Online geschickt hatten. Sie sind thematisch nach Fächern sortiert, wobei die Autorinnen zwischen den einzelnen – stets sehr kurzen – Schülerantworten kurze Verbindungstexte geschrieben haben. Die haben meistens für einen guten Lesefluss gesorgt und manchmal ein bisschen Wissen vermittelt, waren manchmal aber auch etwas inhaltsleer. Eine reine Aneinanderreihung der Zitate wäre allerdings ermüdend gewesen. Angereichert wird das Buch zudem mit kleinen Karikaturen sowie am Ende mit der Revanche der Schüler, denn hier wurde bizarres Lehrerverhalten gesammelt. Für mich kein Buch, das ich am Stück durchlesen würde, aber super für zwischendurch.

Veröffentlicht am 02.10.2019

Manchmal wirr, manchmal spannend

ATME!
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Der Titel verspricht ein bisschen viel, denn so richtig atemlos hat mich die Geschichte nicht zurückgelassen. Sie ist jedoch zum Großteil durchaus spannend geschrieben und besitzt einige überraschende ...

Der Titel verspricht ein bisschen viel, denn so richtig atemlos hat mich die Geschichte nicht zurückgelassen. Sie ist jedoch zum Großteil durchaus spannend geschrieben und besitzt einige überraschende und einige weniger überraschende Wendungen.
Nile beschreibt ihre Beziehung mit Ben als hollywoodreifes Glück, das vor Kitsch nur so trieft. Dass ihre Darstellung nicht so ganz stimmen kann, wird schnell klar. Das Paar ist von Freunden und Familie komplett isoliert; Nile redet ihre Ausbrüche klein, sieht sich immer in der Opferperspektive und hasst es, die Kontrolle über eine Situation zu verlieren. Dieser Widerspruch aus Selbst- und Fremdwahrnehmung sorgt für eine fesselnde Protagonistin, bei der man nicht immer weiß, was real ist und was nicht. Die Autorin zeichnet vor allem Niles irre Gedankenwelt sehr plastisch und zeigt, wie sich die Ich-Erzählerin immer wieder selbst davon überzeugt, dass sie im Recht ist. Leider etwas chaotisches und für mich enttäuschendes Ende.