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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.05.2020

Außergewöhnliche Erzählweise

Milchmann
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„Milchmann“ ist ein anregendes und aufregendes Werk! Man spürt beim Lesen förmlich die Gedanken im Kopf der 18-jährigen Ich-Erzählerin hin- und herspringen, fühlt ihre Ängste, Zweifel, ihre Zerrissenheit ...

„Milchmann“ ist ein anregendes und aufregendes Werk! Man spürt beim Lesen förmlich die Gedanken im Kopf der 18-jährigen Ich-Erzählerin hin- und herspringen, fühlt ihre Ängste, Zweifel, ihre Zerrissenheit und ihre Sorgen. Das erreicht Anna Burns durch den Gedankenstrom und ihre fast atemlose Erzählweise, bei der ein Gedanke wie selbstverständlich in den anderen übergeht – so als würden wir wirklich den ungefiltert festgehaltenen Gedanken der Protagonistin folgen.
Eine weitere Besonderheit: Keine der handelnden Personen wird bei ihrem Namen genannt. Alle werden nur mit ihrem Job bzw. ihrem Familienverhältnis zur Protagonistin bezeichnet. Das ist am Anfang etwas verwirrend, z.B. bei den drei Schwagern, entpuppt sich jedoch als eindrucksvolles Stilmittel. Dadurch macht die Autorin auf clevere Weise deutlich, wie starr die Rollenverteilung gerade in dieser ländlichen, nordirischen Gegend ist, wie die Menschen nur durch ihre Arbeit und ihre Rolle in der Familie charakterisiert werden, wie diese Rollen die Erwartungen formen, wie daraus Gerüchte entstehen und wie die Menschen dadurch in ihren Rollen gefangen sind. Das Ergebnis ist ein herausragendes Buch, das streckenweise herausfordernd zu lesen ist, bei dem es sich aber lohnt durchzuhalten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.05.2020

Kreativsein leicht gemacht

Dieses Buch macht dich wahnsinnig ... kreativ und glücklich
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Mit diesem Buch regt Felicia Day die Leserinnen und Leser dazu an, sich kreativ auszudrücken, Ängste und einschüchternde Gedanken zu überwinden und einfach zu machen. Jeder kann und soll sich auf individuelle ...

Mit diesem Buch regt Felicia Day die Leserinnen und Leser dazu an, sich kreativ auszudrücken, Ängste und einschüchternde Gedanken zu überwinden und einfach zu machen. Jeder kann und soll sich auf individuelle Art auszudrücken, egal ob beruflich oder aus Spaß privat. Das vermittelt die Autorin auf motivierende Weise. Sie hat einen spritzigen und charmanten Schreibstil, der sie und das Buch sehr sympathisch erscheinen lässt.

Fließtext und Aufgaben sind durch unterschiedliche Fonts voneinander abgetrennt. Das eBook ist nicht interaktiv gestaltet, trotzdem wurden die Formulierungen aus dem Printbuch (z.B. Versuchs auf dieser Seite.") anscheinend unverändert übernommen. Es ist natürlich kein Problem, Papier und Stift zu nehmen und die Aufgaben dort zu erledigen (ich würde ohnehin nicht in ein Buch schreiben oder malen, denke ich, und Seiten herausreißen, so wie angewiesen, erst recht nicht ;) ), aber für ein runderes Nutzungserlebnis hätte man die Formulierungen vielleicht entsprechend ändern und den Leerraum (teilweise ganze leere Seiten) weglassen können. Manche Aufgaben wie das Zeichnen verrückter Gesichter in vorgefertigte Illustrationen lassen sich mit dem eBook auch nicht wirklich umsetzen. Das ist aber nur eine kleine Anmerkung, der Großteil der Aufgaben kann ohne Probleme auf einem separaten Blatt umgesetzt werden.

Die Übungen sind leicht verständlich und lassen sich direkt und ohne komplizierte Vorbereitungen umsetzen. Zwischen den Übungen schreibt die Autorin über Gefühle, die die Kreativität und die Möglichkeit, sich selbst auszudrücken, unnötig einschränken, und motiviert dazu, sich damit auseinanderzusetzen. Sie lässt ihre eigenen Erfahrungen in den Text einfließen. Das ergibt ein Buch, das sich mit großer Leichtigkeit und Freude lesen lässt und das einfach Spaß macht!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 13.05.2020

Oberflächlich und enttäuschend

Be Angry!
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Ein arg kurzes Buch, das auf einem Gespräch des Dalai Lama mit dem japanischen Autor Noriyuki Ueda basiert. Es fühlt sich mehr wie ein langes Interview als ein eigenständig verfasstes Sachbuch an, auch ...

Ein arg kurzes Buch, das auf einem Gespräch des Dalai Lama mit dem japanischen Autor Noriyuki Ueda basiert. Es fühlt sich mehr wie ein langes Interview als ein eigenständig verfasstes Sachbuch an, auch wenn die Fragen nicht abgedruckt sind. Das Buch ist in sehr kurze Kapitel unterteilt, die zwar durch das Überthema Wut locker verbunden sind, aber nicht direkt aufeinander aufbauen. Der Autor springt dabei zwischen verschiedenen Themen hin und her. Dadurch wirkt das Buch leider zerstückelt und nicht wie ein zusammenhängendes Werk mit einer fließend verfassten Erzählung oder Argumentation.
Wer kurze, episodenhafte Gedanken des Dalai Lama lesen möchte, ist damit gut beraten. Ich habe leider etwas anderes erwartet.

Durch die Kürze und die nicht stringente Gedankenführung bleibt das Buch zudem sehr oberflächlich. Den Rest hat mir dann dieser Satz gegeben, der gegen Ende abgedruckt ist: "Die nachfolgenden Ausführungen beruhen nicht auf gründlichen Nachforschungen, sondern nur auf ein paar Gedanken, die mir durch den Kopf gegangen sind." (S.46 von 54) Vielleicht ist die Übersetzung ungünstig, aber das klingt einfach banal.

Die Überschrift zu jedem Kapitel ist entweder ein Zitat oder eine griffige Zusammenfassung des in diesem Abschnitt besprochenen Inhalts. Mitten im Fließtext sind immer wieder einzelne Sätze eingerückt formatiert, so wie man es eher in einem Zeitschriftenartikel als in einem Buch machen würde.

Die zentralen Thesen über Wut stehen am Anfang zusammengefasst in einem "Vorwort des Verlags". Das hat mich doch einigermaßen irritiert - normalerweise schreibt ja eine (namhafte) Person Vorwörter, nicht ein Verlag als Ganzes. Das wirkt ein bisschen, als würde der Verlag nicht so ganz darauf vertrauen, dass der Leser die Kernthesen versteht und sie deshalb am Anfang vorbereitend zusammenfassen. Bei der Kürze des Buchs sehe ich ebenfalls keinen richtigen Sinn in diesem Vorwort.

Auch den Untertitel "Die Kraft der Wut kreativ nutzen" finde ich irreführend. Wut gegen soziale Ungerechtigkeit bleibt bestehen, bis es diese Ungerechtigkeit nicht mehr gibt, argumentiert der Dalai Lama. Aber wie genau kann man diese Wut aus seiner Sicht produktiv und eben kreativ nutzen, um Ungerechtigkeiten zu bekämpfen? Am Ende schreibt er nur, dass ihn seine Wut motiviert, Leidensursachen aufzuspüren und härter an seiner Mission zu arbeiten. Es bleibt alles sehr schwammig und oberflächlich. Leider eine Enttäuschung.

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Veröffentlicht am 23.04.2020

Sensibler Roman über Depressionen und Trauer

Marianengraben
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In einer ausdrucksstarken, bildreichen Sprache erzählt Jasmin Schreiber die Geschichte von Paula, deren Leben zwei Jahre nach dem tragischen Unfalltod ihres Bruders immer noch stillsteht. Durch eine verrückte ...

In einer ausdrucksstarken, bildreichen Sprache erzählt Jasmin Schreiber die Geschichte von Paula, deren Leben zwei Jahre nach dem tragischen Unfalltod ihres Bruders immer noch stillsteht. Durch eine verrückte Zufallsbegegnung nachts auf dem Friedhof trifft sie den kauzigen Herbert und unternimmt schließlich mit ihm und diversen Haustieren einen Roadtrip, bei dem sie sich ihren Gefühlen stellen muss.
Das Buch zeichnet sich durch seinen sensiblen Umgang mit Depressionen, Trauer und Schuld aus, ohne dabei selbstmitleidig-kitschig zu werden. Neben den traurigen, bewegenden Szenen gibt es immer wieder skurrile Schmunzelmomente, sodass die Geschichte eine wirkliche Achterbahn der Gefühle auslöst. Sehr berührend und überraschend lebensbejahend!

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Veröffentlicht am 03.02.2020

Schade: Mehr Liebesroman als spannendes Zeitportrait

Die Zeit des Lichts
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Der Roman hat viel versprochen, aber für meinen Geschmack leider wenig davon gehalten. Lee Miller, US-amerikanisches Ex-Modell, will im Paris der 1930er Jahre Fotografin werden und gerät als Kriegsreporterin ...

Der Roman hat viel versprochen, aber für meinen Geschmack leider wenig davon gehalten. Lee Miller, US-amerikanisches Ex-Modell, will im Paris der 1930er Jahre Fotografin werden und gerät als Kriegsreporterin in die Wirren des 2. Weltkriegs, wo sie u.a. die Befreiung von zwei Konzentrationslagern dokumentierte. Was für ein Schicksal!
Statt einen fesselnden Roman über eine ungewöhnliche Frau vorzulegen, fokussiert sich die Autorin in großen Teilen auf die Beziehung zwischen Lee und dem Fotografen Man Ray, der in Paris ihr Mentor und Liebhaber wird. Trotz der relativ vielen Liebes- und Sex-Szenen bleibt die Beziehung für mich merkwürdig unemotional. Vielleicht liegt es daran, dass ich hier in erster Linie keinen Liebesroman erwartet habe. Die Beziehung ist für mich so ziemlich der uninteressanteste Teil ihres Lebens. Die schockierenden und faszinierenden Episoden als Kriegsreporterin, die Millers Leben so außergewöhnlich machen, kommen im Vergleich dazu viel zu kurz. Teilweise sind sie nur ganz kurze Zwischeneinblendungen zwischen irgendwelchen banalen Beziehungsszenen. Streckenweise wird mir auch einfach zu viel berichtet und zusammengefasst, z.B. wie Lee überhaupt Kriegsreporterin wird. Da fehlt mir das künstlerisch Erzählende, schließlich handelt es sich hier um einen Roman und keine nüchterne Biografie. Ich hätte einen Fokus auf diese Szenen bevorzugt. Durch die langgezogenen Liebesszenen hat sich das Buch für mich streckenweise leider sehr zäh gelesen.

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