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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.03.2021

Balance und Wohlbefinden stärken

Die gestresste Seele
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Die gestresste Seele sensibilisiert leicht verständlich dafür, wie eng Körper und Psyche miteinander verzahnt sind. Dies geschieht, wann immer möglich und soweit verfügbar, mit einem Hinweis auf belegbare ...

Die gestresste Seele sensibilisiert leicht verständlich dafür, wie eng Körper und Psyche miteinander verzahnt sind. Dies geschieht, wann immer möglich und soweit verfügbar, mit einem Hinweis auf belegbare Daten, allerdings wird auch oftmals angemerkt, dass dieser Zusammenhang in vielen Bereichen nur vermutet wird. Wissenschaftliche Fakten, komplexere Sachverhalte und medizinisches Basiswissen wird nachvollziehbar aufbereitet und die Darstellung der Erkenntnisse immer auch durch konkrete, illustrierende Fallbeispiele ergänzt. Negativ fallen lediglich die häufigen Wiederholungen von bereits genannten Fakten und Themenbereichen auf, die man als aufmerksamer Leser bereits abgespeichert hatte.
Der abschließende 8-Wochen-Plan, der die Ausführungen zur gestressten Seele abrundet, ist ein sehr motivierender und anregender Bonus, allerdings greifen gerade die Ausführungen zur Ernährung hier etwas kurz. Darüber hinaus würde ich den Plan eher als Anreiz sehen; im Alltag auf sich gestellt solch einen ambitionierten Plan umzusetzen, der so viele Bereiche betrifft, ist ohne Begleitung schon eine ziemliche Herausforderung, sodass ich die Praxisnähe hier etwas skeptisch sehe.
Insgesamt aber ein Buch, das einen sehr wach und aufmerksam dem eigenen Wohlbefinden und den regelmäßigen körperlichen Unpässlichkeiten gegenüber zurücklässt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.03.2021

Ein tierisch fröhliches Kochbuch

Die Schule der magischen Tiere – Das Kochbuch
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Eine so erfolgreiche und gelungene Reihe wie Die Schule der magischen Tiere verlangt geradezu nach Zusatzmaterial - und was könnte da besser geeignet sein als ein Kochbuch, in dem die magischen Tiere ihre ...

Eine so erfolgreiche und gelungene Reihe wie Die Schule der magischen Tiere verlangt geradezu nach Zusatzmaterial - und was könnte da besser geeignet sein als ein Kochbuch, in dem die magischen Tiere ihre Lieblingsrezepte vorstellen und Kindern gut verständliche und einfache Anleitungen zum Kochen bieten?

Das Buch ist sehr schön gestaltet. Nicht nur die zahlreichen Illustrationen aus der Welt der magischen Tiere fügen sich perfekt in die vielen Rezepte ein, auch die Fotos von den Gerichten sind optisch sehr schön und appetitanregend und verführen dazu, auch Mahlzeiten auszuprobieren, die Zutaten beinhalten, die normalerweise oftmals verschmäht werden. Wenn selbst das Foto noch nicht genügend Überzeugungsarbeit leisten konnte, dann schafft es meist der mittels Sprechblase eingefügte Kommentar von einer Figur aus der Welt der magischen Tiere. Diese Einbindung der Romanreihe in das Kochbuch macht sehr viel Spaß und ist ausgezeichnet gelungen. So erhält man selbst beim Kochen noch viel zusätzliche Hintergrundinformationen.

Die Rezepte sind alle sehr kindgerecht und recht simpel, allerdings fehlt mir doch einige Male der Überraschungseffekt, denn es sind viele "Standard"- Gerichte, die zwar den Kindergeschmack genau treffen, denen aber meist der Hauch von Twist fehlt, um ein wenig besonders zu sein. Auch hätte ich mir noch ein bisschen mehr Fokus auf "gesunde Ernährung" gewünscht.

Insgesamt aber ein zu empfehlendes Kinderkochbuch, das im Bereich der Länderküche sehr überzeugt.

  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.03.2021

Von der Amöbe bis zum Schwarzen Loch

Die Erfindung der Welt
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Ich bin einfach überwältigt, allerdings meine ich das – genau so wenig wie Thomas Sautner die allermeisten Aussagen in seinem Roman – nicht im augenscheinlichen Sinne. Stattdessen lässt mich der Roman ...

Ich bin einfach überwältigt, allerdings meine ich das – genau so wenig wie Thomas Sautner die allermeisten Aussagen in seinem Roman – nicht im augenscheinlichen Sinne. Stattdessen lässt mich der Roman mit einem Gefühl von „das war alles viel zu viel, aber eigentlich doch irgendwie gar nichts“ zurück. So ist der Auftakt des Romans nahezu genial und einfach überragend. Die Schriftstellerin Aliza Berg erhält einen ominösen Brief mit der Bitte, einen Roman über das Leben zu schreiben. Alizas Auseinandersetzung mit dem Schreiben, ihre Art nach literaturwissenschaftlicher Manier jedem Wort und jedem Satzzeichen der Aufforderung einen tieferen Sinn abzutrotzen, ist meisterhaft und wahnsinnig unterhaltend. Ebenso grandios werden ihre Ankunft in Litstein, dem Ort in dessen Nähe der Auftragsroman angesiedelt sein soll, sowie ihre ersten Begegnungen mit den eigenwilligen und interessanten Figuren dieser Gemeinde geschildert. Wäre es so weitergegangen, hätte ich diesen Roman für immer bei mir getragen.

Stattdessen schwingt sich der Roman jedoch hinauf in die weiten Sphären des Universums, in existenzielle Problemstellungen und verliert sich in das Leben, den Sinn des Lebens, des Liebens und das Dasein hinterfragenden Episoden und Anekdoten. Er wird bevölkert von Figuren, die da oder doch nicht anwesend sind, und zerrinnt in metaphysisch anmutenden Betrachtungen. Die Handlung bleibt dabei naturgemäß nahezu auf der Strecke, während die Figurenentwicklung auf dem Altar des Universums geopfert wird. Ab einem gewissen Punkt verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Imagination, nichts ist mehr so greifbar und bodenständig wie die entschlossen klackernden Absätze von Alizas Schuhen auf dem Trottoir noch zu Beginn (S. 31). Dies ist allerdings gar nicht schlimm, denn ich unterstelle, dass der Roman den Leser verwirren, infrage stellen und zum tieferen Nachdenken anregen möchte, und dies gelingt ihm auf ganzer Linie. Da der Text darüber hinaus sprachlich ein Genuss ist, ist die Lektüre reizvoll und auch die Haptik des Buches mit sinnvoll auf den Inhalt bezogenem Titelfoto, ungewöhnlichem Format und rosa Lesebändchen macht viel Freude.

Dennoch: der Gesamteindruck, der mich am Ende des Romans begleitet ist, dass der Autor sich mit seiner Parabel der Unmöglichkeit die Gesamtheit des Lebens zwischen zwei Buchdeckel zu bannen, ebenso scheitert, wie Aliza selbst – der Kniff, der aus dem Roman wieder ein kleines Kunstwerk macht, ist jedoch gerade diese Erkenntnis: Sautner hat versucht, einen Roman über die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens zu schreiben und tappt dabei in die Falle, die er seiner Romanfigur stellt – aber vielleicht ist genau das so gewollt.

  • Cover
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Veröffentlicht am 19.03.2021

Der Flüsterwald hat's in sich

Flüsterwald - Das Abenteuer beginnt (Flüsterwald, Bd. 1)
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Im Flüsterwald ist so einiges los – das stellt auch der 12-jährige Lukas fest, nachdem er mitten in der Nacht einem ungebetenen Besucher gefolgt ist und sich zwischen Elfen, Bolden, Menoks, Warks und anderen ...

Im Flüsterwald ist so einiges los – das stellt auch der 12-jährige Lukas fest, nachdem er mitten in der Nacht einem ungebetenen Besucher gefolgt ist und sich zwischen Elfen, Bolden, Menoks, Warks und anderen fantastischen Geschöpfen wiederfindet.

Flüsterwald ist ein Abenteuerroman, wie man ihn sich für Kinder wünscht. Er vereint alle Zutaten, die das Werk zu einem Erfolg und ausgesprochenen Lesespaß für Eltern und Kinder macht. Die sehr spannende Geschichte, die mit der perfekten Dosierung von Grusel aufwartet, also nicht zu harmlos ist, sondern schon über ein gutes Maß an Gefahr und Schauermomenten verfügt, wird so anschaulich und lebendig erzählt, dass man sie glatt in einem Rutsch durchlesen könnte. Bevölkert wird der Flüsterwald von liebevoll-verschrobenen Figuren, die sehr authentisch und vor allem auch lustig sind, und darüber hinaus mit feiner Beobachtungsgabe charakterisiert werden. Lukas Familie ist herrlich lebensecht und besonders die Mutter verfügt über einen hohen Wiedererkennungswert. Im Reich der Fabelwesen ist der Menok Rani sicherlich das absolute Highlight, da er mit seinen Eigenarten einfach ein Garant für viele Lacher ist. Hinzu kommt, dass der Autor ein hervorragendes Gespür für Situationskomik hat und so einige Slapstick-Passagen gekonnt einzubauen versteht, die bei Kindern wie Erwachsenen einfach gut ankommen.
Neben dem überbordenen Ideenreichtum, dem absolut glaubhaft transportierten Coolness-Faktor, den der Text in der Figur von Lukas besitzt, und dem einfach gelungenen Sprachstil, überzeugt der Roman auch mit seinem sehr dezent verpackten didaktischen Ansinnen, und verdeutlicht, wie wichtig Freundschaft und Zusammenhalt und wie wertvoll Bücher sind.

Ein wunderbarer und sehr vielversprechender erster Band!

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Veröffentlicht am 22.02.2021

Ein Roman wie eine beste Freundin

Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid
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Ganz ehrlich: Was für ein Buch! Was für ein Roman! Was für eine Geschichte! Ein echter Glücksgriff – ich fühle mich, als hätte ich in kürzester Zeit eine beste Freundin gefunden. Ich habe jede Seite genossen: ...

Ganz ehrlich: Was für ein Buch! Was für ein Roman! Was für eine Geschichte! Ein echter Glücksgriff – ich fühle mich, als hätte ich in kürzester Zeit eine beste Freundin gefunden. Ich habe jede Seite genossen: glänzende, interessante Unterhaltung mit einiger Tiefe und Interpretationspotential, eine eher seltene Kombi. Vom ersten Satz an taucht man in Hannahs Welt ein, in ihr besonderes Verhältnis zu ihrer sehr speziellen, etwas verschrobenen, eigenwilligen, aber unheimlich wachen Großmutter Evelyn, in ihre obsessive Liebe zu ihrem Professor, in ihre Selbstzweifel und Verlorenheit, die sich auf der Suche nach einem verschollenen Erbe nach und nach verflüchtigen.

Der Roman ist unglaublich fließend, gut und mit leichter Hand geschrieben. Es braucht immer nur ein, zwei Sätze und man ist wieder mittendrin in der Geschichte angekommen, die mit ihren unterschiedlichen Zeitebenen ein ziemliches „page turner“-Potenzial aufweist. Darüber hinaus ist der Text hervorragend und überzeugend kontextualisiert, bindet die verschiedenen Schauplätze und Zeiten sprachlich sehr gut in die Handlung ein und bietet geschickt eingewobene wichtige politische Einblicke, ohne die Story zu überfrachten. Besonders eindrücklich ist die Darstellung der immer furchtbarer, auswegloser und enger werdenden Welt der Goldmanns und der jüdischen Bevölkerung. Die Unmittelbarkeit, die Angst und vor allem auch der Drang, nicht glauben zu können oder zu wollen, was passiert, werden fühlbar transportiert.

Die Jagd nach der Vergangenheit, nach Erinnerungen und den Kunstwerken bieten einiges an Spannung, aber die besondere Stärke des Romans liegt unzweifelhaft in seiner nuancierten, umfassenden und fast schon als wertfrei und neutral zu bezeichnenden Figurenkonzeption. Die feine und durchdringende Beobachtungsgabe des Romans ist begeisternd - die Uniwelt, das Platzhirschgehabe, die Professorenallüren, die Aussichtslosigkeit und Frustration: das alles ist auf den Punkt beschrieben, ohne bitter oder zu übertrieben zu sein, und daher unglaublich gut. Darüber hinaus wird sich wunderbar bis in die Nebenfiguren eingefühlt. Die Autorin nimmt sie so, wie sie sind, und hält sich von zu offensichtlicher Sympathielenkung fern. Auf diese Weise gelingen ihr pointierte und nachvollziehbare, vor allem aber auch unterhaltende und sinnvolle, Charakterisierungen, die ihre Romanwelt bereichern und für ein hohes Maß an Authentizität sorgen. Dies schafft sie durch den konsequenten Wechsel zwischen Fremdperspektive und Innensicht und so liebt man als Leser Figuren wie den übermotivierten Jörg Sudmann, dessen Steckenpferd das Dritte Reich ist, oder die regimetreue Trude zwar nicht, aber man versteht, warum sie so sind, wie sie sind. Ein weiterer großer Pluspunkt im Rahmen der Figurenkonzeption ist der Verzicht auf gegenseitige, selbstbemitleidende Schuldzuweisungen unter den die Handlung tragenden Frauenfiguren. Das gerade so in Mode gekommene Thema der Verantwortlichkeit der Mutter am eigenen misslungenen Leben wird hier erfrischender Weise ausgespart, die Figuren sind bei aller Befasstheit mit ihren problematischen Themen sich ihrer eigenen Zuständigkeit deutlich bewusst.

Dabei will der Roman glücklicherweise nicht zu viel und vor allem nicht alle Stränge und Fäden am Ende lösen. Manche Wege sind eben – wie im echten Leben – auch Sackgassen und einige Themen muss man auch nicht zu einem Schluss bringen. Und wenn man dann für einen Roman wie diesen noch solch einen Schluss im Abendlicht hinbekommt, dann ist die Lesewelt doch einfach schön. Diesen Roman muss man lesen und genießen. Für mich hat er das Zeug zu einem meiner Lieblingsbücher.

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