Sprachgewaltig und skurril
Die EnthusiastenZum Inhalt:
Das Wichtigste im Hause Bär sind Bücher, die die Wände, Böden und Schränke bevölkern, sowie die zahllosen Möglichkeiten der Sprache. Als jedoch die Mutter von einem Tag auf den anderen spurlos ...
Zum Inhalt:
Das Wichtigste im Hause Bär sind Bücher, die die Wände, Böden und Schränke bevölkern, sowie die zahllosen Möglichkeiten der Sprache. Als jedoch die Mutter von einem Tag auf den anderen spurlos verschwindet, lernen die Kinder, ihren Vater in den Mittelpunkt zu stellen. Den Verlust ihrer Mutter konnten sie jedoch nie verwinden. Hingebungsvoll gehen die drei Geschwister ihren Berufungen nach.
Vincent, der sich voll und ganz dem Autor Laurence Sterne aus dem 18. Jahrhundert und seinen 9 Büchern des „Tristram Shandy, Gentleman“ widmet. Marcellus, der als Filmemacher das Besondere zeigt, oder Elfi, die auf der Suche nach Dunkle-Materie-Teilchen ist.
Als Vincent unverhofft das angebliche 10. Buch des Tristram Shandy von Laurence Sterne angeboten bekommt, siegt seine Liebe zu dem Autor. Um das Buch in die Hände zu bekommen, scheut er vor nichts zurück. Doch gibt es dieses 10. Buch wirklich?
Meine Meinung:
Markus Orths jongliert in diesem Buch mit der Sprache und bietet hier eine verschrobene Geschichte. Nicht nur, dass wir auf Passagen vergangener Schriftsteller hingewiesen werden, nein, auch Vincent pflegt mit seinem Vater bei seinem täglichen Telefonat die Vielseitigkeit der Sprache. Stellenweise hat mir die Geschichte um diese buch- und sprachverliebte Familie ein Lächeln auf das Gesicht gezaubert, teilweise berührt, um dann wieder, wie in einem Kapitel Moby Dick, als „ausufernd und abschweifgierig“ beschrieben wird, ebenso zu wirken. Lange und teils verschachtelte Sätze erfordern Wachsamkeit, um nichts in der Geschichte zu verpassen. Mit den Themen Familie, Zusammenhalt, Verlust, brennende Leidenschaft bis hin zur Besessenheit und KI entwickelt der Autor eine sonderbare Erzählung. Bei der Stange hält nicht nur die Neugier, sondern auch der stete Satz „Dazu später mehr“, den der Ich-Erzähler Vincent bei seinen Erzählungen verspricht.
Fazit:
Wer sich vor einer wortreichen, ausufernden Geschichte und dem Spiel mit der Sprache nicht fürchtet, wird dieses Buch lieben, für kurzweilige Ablenkung ist es jedoch nichts.