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Veröffentlicht am 29.04.2021

Gottes Wille?

Dein ist das Reich
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Zum Inhalt:
Die evangelische Diakonissenanstalt Neuendettelsau bildet Missionare aus und entsendet diese ins „Kaiser-Wilhelm-Reich“ nach Papua-Neuguinea unter Ihnen Heiner Mohr, das elfte Kind einer Bauernfamilie, ...

Zum Inhalt:
Die evangelische Diakonissenanstalt Neuendettelsau bildet Missionare aus und entsendet diese ins „Kaiser-Wilhelm-Reich“ nach Papua-Neuguinea unter Ihnen Heiner Mohr, das elfte Kind einer Bauernfamilie, der dort eine Kokosplantage für die Mission verwaltet, sowie den abenteuerlichen Missionar Johann Hensolt. Während Heiner nach 9 Jahren seine Verlobte Marie, die einst davon träumte Ärztin zu werden bevor man sie Heiner versprach, nachholt macht Johann bei einem Heimaturlaub die Bekanntschaft mit Nette, die eigentlich zurück nach Amerika wollte. In diesem neuen unbekannten Land kreuzen sich kurz die Wege dieser vier Menschen, jenseits der Zivilisation in der sie als Weiße die Macht haben und versuchen ihren Auftrag in gutem Glauben zu erfüllen. Eine schwierige Aufgabe in Zeiten von zwei Weltkriegen und einem unsicheren Frieden in denen es neue Aufbrüche und Abschiede gibt und sich politische und emotionale Verstrickungen entwickeln.

Meine Meinung:
Cover und Titel haben mich nicht sofort angesprochen, aber der Klapptext weckte meine Neugier. Der Schreibstil ist etwas gewöhnungsbedürftig, da es Zeitsprünge mitten im Abschnitt gibt, die wörtliche Rede nicht sofort klar erkennbar ist und auch bei den Protagonisten sprunghaft gewechselt wird, dies hat mich aber nicht in meinem Lesefluss beeinträchtigt. Die Erzählerin ist eine Nachfahrin der beiden Missionarsehepaare, die zuerst nichts von den Geschichten hören will, im Erwachsenenalter aber umso mehr nachfragt, konstruiert und dabei das Ganze mit kritischen Auge betrachtet.
Der Autorin Katharina Döbler gelingt es anhand dieses ungewöhnlichen Familienromans von 1913 bis 1948 interessant zu erzählen wie die Missionare in ihrem christlichen Sendungsbewusstseins gehandelt haben und welchen Einfluss die politischen Strömungen und Rassismus auf ihr Leben nahm. Es war kein einfaches Leben und hatte auch Auswirkungen auf ihre Kinder, die zum Schulbesuch zurück nach Deutschland geschickt wurden und dadurch in eine Identitätskrise gerieten. Heiner zeichnet sich durch seinen Fleiß aus, während Marie nach immer höheren strebt. Johannes ist neugierig, träumt von einer landvölkischen Kirche, er versucht die christliche Botschaft in der Sprache und den Denk- und Lebensformen der Papua anzupassen (hier musste ich an den Missionar Christian Keyßer denken, dessen Lied auch in dem Buch erwähnt wird). Nette ist aufgeschlossen und beobachtet vieles kritisch. Ein durchweg bewegendes, interessantes und faszinierendes Buch das sich mit einem verschwiegenen Kapitel deutscher Geschichte befasst und mich dazu anregt mehr darüber zu lesen.

Fazit:
Ein interessantes nicht oft erwähntes Stück Geschichte in einem ungewöhnlichen Familienroman.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.04.2021

Mutterliebe

Der Verdacht
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Zum Inhalt:
Blythe ist glücklich mit ihrem Mann Fox, als endlich das ersehnte Baby auf die Welt kommt ist Fox ganz verzaubert von seiner Tochter Violet. Blythe jedoch kann keine großen Gefühle für ihre ...

Zum Inhalt:
Blythe ist glücklich mit ihrem Mann Fox, als endlich das ersehnte Baby auf die Welt kommt ist Fox ganz verzaubert von seiner Tochter Violet. Blythe jedoch kann keine großen Gefühle für ihre Tochter empfinden, denn Violet verhält sich ihr gegenüber immer ablehnend und macht ihr das Leben schwer sobald Fox das Haus verlässt. So kommt es, dass der Alltag für Blythe und Violet wie ein Kampf ums Überleben wird. Liegt das nun an Violet oder an Blythe, die selbst keine glückliche Kindheit hatte? Als Blythe ihren Sohn Sam zur Welt bringt erfährt sie die tiefen Muttergefühle, die sie sich bei Violet so sehr gewünscht hat. Auch der Alltag mit Violet bessert sich nun, bis eines Tages ein tragischer Unfall das Leben der Familie zerstört und Blythe sich mit einen schrecklichen Verdacht quält.

Meine Meinung:
Ein Plot, der ohne viele Protagonisten auskommt. Durch Rückblenden zu Etta, Blythes Großmutter und Cecilia, ihrer Mutter erfährt man was Blythes Mutter meinte mit dem Satz: „ Wir Frauen in der Familie sind anders“. Geschrieben ist die Story in der Vergangenheitsform, in der Blythe ihrem Mann Fox ihre Sicht der Dinge rückblickend erzählt. Die Autorin Ashley Audrain greift in diesem Buch ein Tabuthema auf, denn niemand erzählt einer schwangeren Frau, dass nicht immer sofort die tiefen Muttergefühle nach der Geburt entstehen. Man merkt hier auch Blythes verzweifelte Suche nach Müttern, denen es ähnlich wie ihr geht. Hatte ich zuerst das Gefühl, dass Violets Verhalten ihrer Mutter gegenüber daher rührt das Blythe sie irgendwie ablehnt, so sah ich mich jedoch im Laufe des Buches immer öfters mit der Frage konfrontiert ob es auch die Möglichkeit gibt das ein Kind von Anfang an manipulativ und böse sein kann. Der innere Zwiespalt in dem sich Blythe befindet ist authentisch dargestellt, sie liebt ihre Tochter auf ihre Weise, empfindet aber gleichzeitig wenig für sie da sie mit ihr nicht klar kommt. Dass sie aber zur Mutterliebe fähig ist, beweist sie bei ihrem Sohn Sam. Aber wie sieht es bei Violet aus? Hasst sie ihre Mutter oder ist sie psychopathisch veranlagt?

Mit Situationen die man unterschiedlich interpretieren kann und kleine Andeutungen in gewisse Richtungen, damit spielt die Autorin gekonnt in ihrem Debütroman.
Ein Buch das gleichzeitig berührt und schockiert und den Leser gleichermaßen in einen Zwiespalt seiner Gefühle stürzt. Düster und spannend geschrieben, fasst schon einem Psychothriller gleich wollte ich stets wissen wie es weiter geht und konnte deshalb das Buch nicht aus der Hand legen.

Fazit:
Debütroman mit einem Tabuthema das spannend und überzeugend umgesetzt wurde. Fesselnde Lesestunden garantiert.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.03.2021

Die Liebe zur Cousine

Wir bleiben noch
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Zum Inhalt:
Victor Jarno beendet seine kinderlose Ehe mit Iris. Seine Arbeit hat er gekündigt und will nur noch von seinem Ersparten leben. Liebevoll bereitet er den 99. Geburtstag seiner geliebten Großmutter ...

Zum Inhalt:
Victor Jarno beendet seine kinderlose Ehe mit Iris. Seine Arbeit hat er gekündigt und will nur noch von seinem Ersparten leben. Liebevoll bereitet er den 99. Geburtstag seiner geliebten Großmutter „Urli“ vor. Ein Familienfest bei dem auch seine Cousine Karoline, die erst kurzem aus Norwegen zurückgekehrt ist, ebenfalls teilnimmt. Vor der Feier verrät die Urli ihm noch wem sie ihr Haus vererbt und warum. Als gestandene Sozialdemokratin ärgert es sie genauso wie Victor das seine Mutter Irmgard und seine Tante Margarete immer mehr an dem Rechtsruck anlehnen. Schließlich waren alle in der Familie, schon seit dem Kaiserreich, Sozialdemokraten. Zwischen Victor und seiner Cousine Karoline entflammt eine Liebe, die die Familie nicht akzeptiert und als Victor nach dem Tod der Urli das Haus erbt zerbricht die Familie komplett.

Meine Meinung:
Das Cover mit dem Nilpferd, dem Titel und dem Farbspiel machte mich, genauso wie der Klapptext, neugierig. Der Schreibstil ist knapp gehalten oft mit wörtlicher Rede und auch mit dem Socialmedia der Nachrichtendienste gespickt. Weder zu Victor noch zu Karoline fand ich einen Zugang, beide blieben mir irgendwie unnahbar. Zu düster und bedrückend fand ich Victor, der allem Modernen entsagt und sich in dem Haus der Urli mit Karoline einigelt. Er blickt immer wieder in die Vergangenheit und ich hatte das Gefühl das eine Zukunft mit ihm nicht vorangeht. Karoline indes findet sich in dem Ort schnell zurecht und will auch die Zukunft des Ortes gestalten. Liebevoll nennt sie Victor, den letzten Sozialdemokraten. Was mich aber aufregt ist, das Victor nur jammert aber selbst nichts unternimmt. Gefallen hat mir das Zitat der Urli, die über ihre Töchter und die Menschen im Allgemeinen sagt: „Man kann doch in zwei, drei Jahren nicht einfach alles vergessen, was die Partei in hundertdreißig Jahren getan hat für die Menschen.“ Hier kann ich nur antworten: „ Im Vergessen sind wir Menschen sehr schnell“. Der Autor Daniel Wisser knüpft gekonnt das zeitpolitische Geschehen in Österreich in die Familiengeschichte ein. Nach und nach erfährt man Geheimnisse aus der Tiefe der Familie. Was mich aber ständig beschäftigt hat war die Frage, was der Autor mir mit dieser Geschichte mitteilen will? Das eine Liebe zwischen Cousin und Cousine im Rahmen der Gesetze erlaubt ist? Nun das kenne ich bereits aus meinem Umfeld. Dass die Menschen immer weiter nach Rechts rücken? Das können wir leider in allen Ländern beobachten. Bedauerlicherweise konnte mich das Buch nicht fesseln und ich hatte manchmal das Gefühl ich quäle mich durch die Seiten, zu langsam geht es vorwärts mit Victor und ich glaubte oft das er in tiefe Depressionen abstürzt.

Fazit:
Tiefgründige Familiengeschichte mit politischem Zeitgeschehen, die mich aber bedauerlicherweise nicht fesseln konnte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.03.2021

So ist das Leben

Kleine Wunder überall
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Zum Inhalt:
Perfektionismus lautet Charlottes Lebensmotto und so hat sie alle Hände voll zu tun mit ihrer Familie, die aus ihrem Mann Markus und ihren beiden Kindern Merle und Finia besteht und ihrer Arbeit ...

Zum Inhalt:
Perfektionismus lautet Charlottes Lebensmotto und so hat sie alle Hände voll zu tun mit ihrer Familie, die aus ihrem Mann Markus und ihren beiden Kindern Merle und Finia besteht und ihrer Arbeit in der Werbeagentur ihres Mannes. Als plötzlich ihre Mutter Barbara vor der Tür steht, fällt Charlotte aus allen Wolken, schließlich endete deren letzter Besuch in einem Fiasko zudem hat Charlotte noch immer nicht verwunden das Barbara ihren Vater und sie vor Jahren in Stich gelassen hat, um ihr Leben auf Lanzarote zu verbringen. Als sie erfährt das Barbara krank ist kann sie sich ihrem Pflichtbewusstsein nicht entziehen und so lernt Charlotte auf einem steinigen Weg nicht nur die Vergangenheit neu kennen, sondern muss auch ihr eigenes Leben neu überdenken und bemerkt dabei das es viele kleine Wunder gibt, die man im Alltag nur allzu leicht übersieht.

Meine Meinung:
Das Cover ist ein toller Blickfang mit seinen Ginkgo-Blättern die herunterfallen und der weißen, geschwungen Schrift des Titels.
Charlotte war mir am Anfang nicht gleich sympathisch und ich fand sie mit ihrem Perfektionismus und das sie keine Arbeit abgeben kann schon etwas nervig, wobei ich mich bei genauerem Hinsehen selbst manchmal darin erkannte. So erkennt man seine eigenen Fehler. Ihre negative Einstellung gegenüber ihrer Mutter konnte ich gut nachvollziehen. Barbara, Charlottes Mutter, wirkte am Anfang einfach nur unmöglich mit ihrer chaotischen aber dennoch liebevollen Art. Charlottes Mann Markus war für mich zuerst schwer einzuschätzen und ich wusste nicht wohin die Reise geht. Stück für Stück zog mich aber der Roman in seinen Bann.
Die im Klapptext erwähnte Reise nach Paris ist etwas irritierend, da der Leser sich auf eine längere Passage einstellt, die jedoch nur kurz stattfindet und nicht im Buch überwiegt. Dafür gab es aber andere Komponenten die das Ganze abrundeten. Die Schriftstellerin Katrin Lankers schreibt so realistisch über die Protagonisten und die Situationen wie es im wirklichen Leben ist/sein kann. Überrascht hat mich der unerwartete Tiefgang der Geschichte die in einem wunderschönen Schreibstil geschrieben ist. Das Verhältnis des Lesers zu den Protagonisten entwickelt sich mit dem Buch Stück für Stück, so waren mir zum Schluss Charlotte und vor allem Barbara richtig ans Herz gewachsen. Kein Wunder dass mich das Finale dann so emotional berührt hat.

Fazit:
Ein realistischer Roman in einem wunderschönen Schreibstil mit Tiefgang und Gefühl.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 09.03.2021

Freundschaft bis über den Tod hinaus

Das Leben ist zu kurz für irgendwann
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Zum Inhalt:
Terry muss ihren dementen Vater Eugene kurzfristig aus dem Pflegeheim mitnehmen, auf der Rückfahrt schaut sie bei ihrer besten Freundin Iris vorbei um ihr einen Geburtstagskuchen zu bringen, ...

Zum Inhalt:
Terry muss ihren dementen Vater Eugene kurzfristig aus dem Pflegeheim mitnehmen, auf der Rückfahrt schaut sie bei ihrer besten Freundin Iris vorbei um ihr einen Geburtstagskuchen zu bringen, doch Iris ist nicht da, statt dessen findet Terry einen Brief. Hals über Kopf macht sich Terry mit Vater im Schlepptau auf den Weg um gerade noch rechtzeitig Iris am Hafen von Dublin einzuholen. Iris leitet an Multiple Sklerose und ist auf den Weg in die Schweiz um sich mit Würde von der Welt zu verabschieden. Terry muss sich schnell entscheiden und so begleitet sie ihre Freundin auf ihren Weg in die Schweiz. Auf ihrer Fahrt von Irland über England und Frankreich in die Schweiz erleben sie so einiges und Terry beginnt sich mit ihrem eigenen Leben auseinander zu setzen.

Meine Meinung:
Das Cover ist ein echter Blickfang mit seinen unterschiedlichen Blautönen und den beiden Frauen mit einem Koffer. Geschrieben ist das Buch aus der Sicht von Terry, die ein gepflegtes Zuhause und Planung liebt und stets für ihren Mann und ihre erwachsenen Töchter zu jeder Zeit da ist. Ganz untypisch für sie reist sie ihrer Freundin hinterher und lässt sich damit auf eine chaotische Reise ein. Ihr Ziel ist es Iris von ihrem Vorhaben abzubringen, doch diese verbietet sich jede Einmischung und bittet darum ihren Wunsch zu akzeptieren. Iris ist eine starke Frau, die ihr Leiden nie an die große Glocke gehängt hat, aber nun die Zeit für gekommen hält einen würdevollen Abgang zu erleben. Eugene, der an Demenz leitet, läuft so nebenbei mit. Hauptsächlich geht es in diesem Buch eigentlich um Terry, die während dieses Roadtrips über sich selbst hinaus wächst und plötzlich die Zeit findet ihr bisheriges Leben zu überdenken. Sie muss lernen, dass ihr Wunsch ihre beste und einzige Freundin nicht zu verlieren egoistisch ist und sie deren Vorhaben respektieren muss, auch wenn sie es nicht gerne tut. Eine Freundschaft fürs Leben bis über den Tod hinaus.
Die Autorin Ciara Geraghty präsentiert ein ernstes Thema in einem lockeren und flüssigen Schreibstil, dies gelingt dadurch, dass sie das Hauptaugenmerk auf Terry legt. Die einzelnen Kapitel tragen Überschriften mit Fahrschulregeln, eine Hommage an Terrys Vater Eugene, der als Taxifahrer gearbeitet hat. Während mich die meisten Seiten zwar gut unterhalten haben, fehlte mir etwas die Tiefe. Das Ende gefiel mir am besten, so fand z.B. nicht nur Terry die Begegnung mit einem ehemaligen Kollegen von Eugene sehr aufschlussreich, sondern auch ich.

Fazit:
Eine lockere Geschichte über die Entwicklung einer Frau, die ihre Freundin auf den letzten Roadtrip begleitet.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere