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Veröffentlicht am 04.03.2026

Sprachgewaltig und skurril

Die Enthusiasten
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Zum Inhalt:
Das Wichtigste im Hause Bär sind Bücher, die die Wände, Böden und Schränke bevölkern, sowie die zahllosen Möglichkeiten der Sprache. Als jedoch die Mutter von einem Tag auf den anderen spurlos ...

Zum Inhalt:
Das Wichtigste im Hause Bär sind Bücher, die die Wände, Böden und Schränke bevölkern, sowie die zahllosen Möglichkeiten der Sprache. Als jedoch die Mutter von einem Tag auf den anderen spurlos verschwindet, lernen die Kinder, ihren Vater in den Mittelpunkt zu stellen. Den Verlust ihrer Mutter konnten sie jedoch nie verwinden. Hingebungsvoll gehen die drei Geschwister ihren Berufungen nach.
Vincent, der sich voll und ganz dem Autor Laurence Sterne aus dem 18. Jahrhundert und seinen 9 Büchern des „Tristram Shandy, Gentleman“ widmet. Marcellus, der als Filmemacher das Besondere zeigt, oder Elfi, die auf der Suche nach Dunkle-Materie-Teilchen ist.
Als Vincent unverhofft das angebliche 10. Buch des Tristram Shandy von Laurence Sterne angeboten bekommt, siegt seine Liebe zu dem Autor. Um das Buch in die Hände zu bekommen, scheut er vor nichts zurück. Doch gibt es dieses 10. Buch wirklich?

Meine Meinung:
Markus Orths jongliert in diesem Buch mit der Sprache und bietet hier eine verschrobene Geschichte. Nicht nur, dass wir auf Passagen vergangener Schriftsteller hingewiesen werden, nein, auch Vincent pflegt mit seinem Vater bei seinem täglichen Telefonat die Vielseitigkeit der Sprache. Stellenweise hat mir die Geschichte um diese buch- und sprachverliebte Familie ein Lächeln auf das Gesicht gezaubert, teilweise berührt, um dann wieder, wie in einem Kapitel Moby Dick, als „ausufernd und abschweifgierig“ beschrieben wird, ebenso zu wirken. Lange und teils verschachtelte Sätze erfordern Wachsamkeit, um nichts in der Geschichte zu verpassen. Mit den Themen Familie, Zusammenhalt, Verlust, brennende Leidenschaft bis hin zur Besessenheit und KI entwickelt der Autor eine sonderbare Erzählung. Bei der Stange hält nicht nur die Neugier, sondern auch der stete Satz „Dazu später mehr“, den der Ich-Erzähler Vincent bei seinen Erzählungen verspricht.

Fazit:
Wer sich vor einer wortreichen, ausufernden Geschichte und dem Spiel mit der Sprache nicht fürchtet, wird dieses Buch lieben, für kurzweilige Ablenkung ist es jedoch nichts.

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Veröffentlicht am 28.01.2026

Harte Zeiten

Die weiße Nacht
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Zum Inhalt:
Berlin 1946/47, der strenge Winter und der Hunger plagen die Menschen in der Nachkriegszeit. Die Siegermächte agieren in ihren Sektoren. Der während der letzten Kriegsjahren inhaftierte Kriminalkommissar ...

Zum Inhalt:
Berlin 1946/47, der strenge Winter und der Hunger plagen die Menschen in der Nachkriegszeit. Die Siegermächte agieren in ihren Sektoren. Der während der letzten Kriegsjahren inhaftierte Kriminalkommissar Alfred König wurde wieder in seinem Posten eingesetzt und hat es mit einer Frauenleiche im Schnee zu tun. Aufgefunden von der Fotografin Lou Faber. Während König ermittelt und zunächst nicht weiterkommt, lässt auch Lou die junge Frau nicht los und stellt ihre eigenen Nachforschungen an. Schon bald stößt König bei den Ermittlungen auf eine weitere Leiche, so drapiert, als wolle der Täter etwas mitteilen. Agiert hier ein Serienmörder?

Meine Meinung:
Anne Stern entführt in einen Krimi der Nachkriegszeit, der die damalige Situation gut beschreibt. Der Hunger, die Kälte, das Misstrauen gegenüber Uniformen, der Kampf ums Überleben und die Nachwirkungen des Krieges sowie das Unmenschliche welches Geschehen ist, werden hier realistisch dargestellt. Erst fiel es mir schwer mich in das Buch hineinzufinden, das lag aber wohl daran, dass ich meist Thriller lese. Hier gibt es keine rasanten Schritte. Nur langsam kommt König voran, da er mit dem Apparat der Behörde zu kämpfen hat und von seinem Vorgesetzten keine Unterstützung erhält. Lou ist da, auch durch gewisse Zufälle, schneller in ihren Nachforschungen, tauscht sich aber mit König aus. Was zu Tage kommt, lässt mich innehalten und Gefühle, wie Mitleid und Wut zu. Zwischendrin gibt es immer wieder ein Kapitel eines gewissen Gregor, der bestimmt im zweiten Teil eine wichtige Rolle spielt. Da hier sich Louise Faber und Alfred König erst kennenlernen, wird es bestimmt in der Fortsetzung mehr Spannung geben.

Fazit:
Ein gelungener Krimi der unmittelbaren Nachkriegszeit, der in ruhigen Tönen geschrieben ist, aber seine Wirkung nicht verfehlt.

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Veröffentlicht am 16.01.2026

Familienbande

Das unglaubliche Talent der Bailey Dowery
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Zum Inhalt:
Mendol, Oklahoma, 1954. Die junge Bailey arbeitet als Couturière in dem Mode- und Brautgeschäft von Miss Jackson.
Gesegnet mit einer Gabe, kann sie in die Vergangenheit und die Gefühle der ...

Zum Inhalt:
Mendol, Oklahoma, 1954. Die junge Bailey arbeitet als Couturière in dem Mode- und Brautgeschäft von Miss Jackson.
Gesegnet mit einer Gabe, kann sie in die Vergangenheit und die Gefühle der Menschen sehen, die sie berührt. Normalerweise verliert sie kein Wort über das, was sie bei den Frauen sieht, die wegen eines Brautkleides ins Geschäft kommen, bis sie eines Tages nicht an sich halten kann. Auch Elsa Grimes hört von Baileys Gabe und fleht sie an, ihr zu helfen. Was Bailey bei der Berührung sieht, verwirrt und schockiert sie. Doch wie kann sie Elsa helfen? Ahnungslos gerät sie in einen Strudel aus Geheimnissen, die in ihre Familie zurückreichen und nicht mit dem Tod eines Mannes enden.

Meine Meinung:
Ruhig und anschaulich beschreibt die Autorin Trisha Thomas eine interessante Geschichte. Dabei zeigt sie mit ihrem flüssigen Schreibstil ein realistisches Bild der damaligen Gesellschaft.
Auf der einen Seite der Stadt, die mächtigen, weißen Familien, auf der anderen Seite die PoC, die als Untergebene arbeiten. Aus der Sichtweise von vier unterschiedlichen Frauen erlebe ich die eingefahrenen Strukturen und das gesellschaftliche Korsett sowie die Zwänge der einstigen Zeit. Die Hauptprotagonistin Bailey war mir von Anfang an sympathisch in ihrem steten Bemühen, zu helfen, während Elsa mir manches Mal mit ihrem eigensinnigen Verhalten etwas verwöhnt vorkam. Baileys Tante, Charlene, konnte mich mit ihrer sarkastischen Art gewinnen, während Elsas Mutter Ingrid mich in einen Zwiespalt stürzte. Alle vier Frauen haben ein bewegtes Leben und finden so langsam ihr Selbstbewusstsein. Leider bin ich keinem so richtig nahgekommen. Ernste Themen werden aufgegriffen und mit der Geschichte verwoben, jedoch nicht tiefergehend behandelt. Zum Ende hin wurde es noch etwas dramatisch und spannend. Letztendlich siegen Freundschaft und Familie über Gesellschaftsschichten und Rassismus.

Fazit:
Trotz der Ernsthaftigkeit der Themen ein unterhaltsamer Roman, der mit einem flüssigen Schreibstil für kurzweilige Lesestunden sorgt.

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Veröffentlicht am 13.01.2026

Rasanter Thriller

Jackdaw
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Zum Inhalt:
Detective Constable Scarlett Delaney von der Metropolitan Police wird zu einem Tatort gerufen, allem Anschein nach das 3. Opfer des Serienmörders Jackdaw, der blutige Szenen im Internet postet. ...

Zum Inhalt:
Detective Constable Scarlett Delaney von der Metropolitan Police wird zu einem Tatort gerufen, allem Anschein nach das 3. Opfer des Serienmörders Jackdaw, der blutige Szenen im Internet postet. Als Tochter eines Serienmörders hat sie keinen leichten Stand und wird als Aussätzige behandelt. Könnte sie sich endlich mit der Aufklärung des Falles beweisen? Da der Vater des Opfers, Edgar Crews, nicht viel Vertrauen in die Polizei setzt, engagiert er den Privatdetektiv Henry Devlin. Der jedoch nicht nur ermittelt, sondern auch manchmal das Gesetz selbst in die Hand nimmt. Da Scarlett als auch Henry hinter der gleichen Person her sind, ergibt sich eine ungewollte Partnerschaft.

Meine Meinung:
Daniel Cole schafft hier spektakuläre Inszenierungen, die nichts für zarte Gemüter sind. Schon ab der ersten Seite wird man in das Geschehen hineingezogen, ohne viel Vorgeplänkel.
Nicht nur Scarlett und Henry fragen sich, was den Täter zu seinen Opfern führt, auch der Leser wird zum Miträtseln angeregt. Wer ist das nächste Opfer und warum? Und was für ein Spiel spielt Henry?
Trotz eines einfachen Schreibstiel bietet der Autor Spannung, Situationskomik und Action, die die Seiten nur so dahinfliegen lassen. So kann ich mir das Buch auch gut als Verfilmung vorstellen. Sowohl Scarlett, die sich nicht immer an die Regeln hält, als auch Henry fand ich in ihrer Art sympathisch und interessant. Epilog 3 lässt auf eine Fortsetzung hoffen, ob dies wieder mit beiden Protagonisten ist, bleibt abzuwarten.

Fazit:
Ein kurzweiliger Thriller, der Spannung, Action und spektakuläre Inszenierungen bietet

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Veröffentlicht am 12.01.2026

Schicksalhafte Begegnungen

Lebensbande
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Zum Inhalt:
Kühlungsborn 1991. Der Mauerfall beunruhigt eine Frau. Grundstücksspekulanten sind an ihrem Haus interessiert, die Rentenkasse verlangt Nachweise und ein Brief eines Verwandten aus dem Westen ...

Zum Inhalt:
Kühlungsborn 1991. Der Mauerfall beunruhigt eine Frau. Grundstücksspekulanten sind an ihrem Haus interessiert, die Rentenkasse verlangt Nachweise und ein Brief eines Verwandten aus dem Westen versetzt sie in Schrecken. Ihre Gedanken wandern zurück in die Vergangenheit. Nicht nur ihr wurde damals viel abverlangt, nein, auch ihre Freundin Liselotte und ihre Cousine Lene mussten leiden. Wird jetzt ihr Geheimnis gelüftet? Zu gerne möchte sie noch einmal in ihre alte Heimat zurück, doch kann sie es riskieren?

Meine Meinung:
Mechtild Borrmann schreibt fesselnd und berührend über das Schicksal dreier Frauen, welches auf wahren Erzählungen beruht und von ihr fiktiv verarbeitet wurde. Schon nach den ersten Zeilen tauchte ich in die Zeitgeschichte ein, die im Wechsel eine Zeitspanne von 1930 bis 1993 umfasst und im Wechsel erzählt wird.
Während noch von der großen Liebe und der Hoffnung, dass sie sich erfüllt, geträumt wird, zerschlagen die NS-Zeit und der Krieg die Träume der Frauen. Lene kämpft um das Leben ihres Sohnes, der in den Augen der Regierung eine Last ist. Nora hilft ihr und bringt sich dabei selbst in Gefahr. Nach der Kapitulation wird Nora zusammen mit ihrer Freundin Liselotte in den Gulag verschleppt, von dem es anscheinend keine Wiederkehr mehr gibt. Wie sich die einzelnen Begegnungen auf das weitere Leben der drei Frauen auswirken, wird hier wundervoll in einem fiktionalen Roman, der auf wahren Begebenheiten basiert, erzählt.
Mechtild Bormann bringt in dieser Geschichte wichtige geschichtliche Themen ins Spiel, die wir nie vergessen dürfen, u.a. den Umgang mit dem damals sogenannten „unwerten Leben“.
Ich fühlte mich, dank der leisen und doch so wuchtigen Erzählweise, den Frauen so nah, als würde ich direkt neben ihnen stehen. Ich spürte ihr Bangen und Hoffen, aber auch ihre Verzweiflung, und musste unbedingt wissen, wie alles zusammenhängt und wie es ausgeht. Deshalb konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen, das mich nicht nur berührt, sondern auch nachdenklich zurückgelassen hat.

Fazit:
Ein historischer Roman, der leise und doch wuchtig an unsere Vergangenheit erinnert.

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