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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.04.2026

Espritvolle Familiengeschichte

Verlorene Schäfchen
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Zum Inhalt:
Familie Flynn befindet sich in einer Lebenskrise, nicht nur die Eltern, Cathrine und Bud, sondern auch die drei Töchter, Harper, Louise und Abigail.
Während Cathrine ihre Ehe öffnet und sich ...

Zum Inhalt:
Familie Flynn befindet sich in einer Lebenskrise, nicht nur die Eltern, Cathrine und Bud, sondern auch die drei Töchter, Harper, Louise und Abigail.
Während Cathrine ihre Ehe öffnet und sich dem Nachbarn zuwendet, begibt sich Bud in eine fragwürdige Selbsthilfegruppe, „Die verlorenen Schäfchen“. Harper, die Jüngste, ist sich selbst überlassen und vermutet überall eine Verschwörung. Louise findet Zuwendung bei einem Fundamentalisten und Abigail wandelt auf den Pfaden der Liebe mit Kriegsverbrecher-Wes. Kein Wunder, dass alles im Chaos versinkt.

Meine Meinung:
Das idyllische Familienhaus auf dem Cover spiegelt nicht die chaotische Welt der Flynns wider.
Madeline Cash bietet mit ihrem bissig-witzigen Schreibstil eine abwechslungsreiche Satire, die sogar einen leichten Krimi-Touch und Spannung aufweist. Ich muss gestehen: Zunächst fand ich die Geschichte etwas langweilig. Einzig Harper mit ihren Verschwörungstheorien und ihrem hohen IQ sowie Louise, die ich voller Sorge begleitet habe, weckten mein Interesse von Anfang an. Je mehr Seiten ich gelesen habe, umso interessanter wurde die Geschichte mit all den gemischten Gefühlen der Protagonisten, die die Autorin authentisch skizziert. Sicher ist vieles überspitzt, doch bei genauer Betrachtung findet man auch etwas davon in seiner eigenen Familie. Die verschiedenartigen Beziehungen der Familie zu dem ortsansässigen Milliardär Alabaster bieten eine unerwartete Spannung in dem ganzen liebevollen Familienchaos, die noch mit einem Showdown aufwartet.
Dies alles führte dazu, dass ich mich gut unterhalten fühlte.

Fazit:
Überspitzte, chaotische Familiengeschichte, die zum Schluss mit einem leichten Krimi-Touch aufwartet.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Leben in der Vergangenheit

Das White Octopus Hotel
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Zum Inhalt:
Die Kunstgutachterin Eve Shaw hat in ihrer frühen Kindheit einen schweren Verlust. Seitdem hat sie mit Schuldgefühlen zu kämpfen. Eines Tages sucht sie ein älterer Herr bei ihrer Arbeit auf, ...

Zum Inhalt:
Die Kunstgutachterin Eve Shaw hat in ihrer frühen Kindheit einen schweren Verlust. Seitdem hat sie mit Schuldgefühlen zu kämpfen. Eines Tages sucht sie ein älterer Herr bei ihrer Arbeit auf, übergibt ihr ein Geschenk und bittet sie, zum Hotel Octopus zurückzukehren. Bei ihren Recherchen zu dem Hotel stößt sie auf Mythen um Zeitreisezimmer und Gegenstände voller Magie. Das Gefühl, dort schon einmal gewesen zu sein, wird immer stärker und lässt sie letztendlich das mysteriöse, verfallene Hotel aufsuchen. Für Eve beginnt eine außergewöhnliche Reise.

Meine Meinung:
Alexandra Bell führt in eine Welt voller Magie und Zeitreisen. Zunächst verfolgte ich voller Spannung, wie Eve sich dem verfallenen Hotel nähert und dann plötzlich sich in der Vergangenheit befindet. Die Beschreibung des Ortes ist so bildhaft, dass man das Gefühl hat, sich ebenfalls dort zu befinden. Je mehr Eve sich in dem Hotel umsieht, und verzweifelt versucht, bei einem Suchspiel zu gewinnen, um ihre Vergangenheit und Schuld zu korrigieren, umso mehr nähert man sich verschiedene Zeiten. Zeiten, in denen sich Eve scheinbar schon öfters in diesem Hotel befunden hat. Wie ein roter Faden zogen sich der Schmerz des Weltkriegs, Einsamkeit und Schuldgefühle durch die Geschichte und prägten die Stimmung. Zeitgleich zweimal im Hotel zu sein, eine alte Liebe neu zu entdecken und letztendlich noch einmal in der Vergangenheit neu zu beginnen, wirkt wie ein Kreislauf. War der Anfang für mich spannend und nachvollziehbar, wurde es dann leider zum Schluss hin nur noch verwirrend. Letztendlich hatte ich das Gefühl, dass die Autorin so viele Ideen wie möglich in dieses Buch packen wollte und hat mich dabei am Ende verloren.

Fazit:
Ein Zeitreiseroman mit einem starken Anfang, der mich zum Ende hin jedoch verwirrt zurücklässt.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Sprachgewaltig und skurril

Die Enthusiasten
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Zum Inhalt:
Das Wichtigste im Hause Bär sind Bücher, die die Wände, Böden und Schränke bevölkern, sowie die zahllosen Möglichkeiten der Sprache. Als jedoch die Mutter von einem Tag auf den anderen spurlos ...

Zum Inhalt:
Das Wichtigste im Hause Bär sind Bücher, die die Wände, Böden und Schränke bevölkern, sowie die zahllosen Möglichkeiten der Sprache. Als jedoch die Mutter von einem Tag auf den anderen spurlos verschwindet, lernen die Kinder, ihren Vater in den Mittelpunkt zu stellen. Den Verlust ihrer Mutter konnten sie jedoch nie verwinden. Hingebungsvoll gehen die drei Geschwister ihren Berufungen nach.
Vincent, der sich voll und ganz dem Autor Laurence Sterne aus dem 18. Jahrhundert und seinen 9 Büchern des „Tristram Shandy, Gentleman“ widmet. Marcellus, der als Filmemacher das Besondere zeigt, oder Elfi, die auf der Suche nach Dunkle-Materie-Teilchen ist.
Als Vincent unverhofft das angebliche 10. Buch des Tristram Shandy von Laurence Sterne angeboten bekommt, siegt seine Liebe zu dem Autor. Um das Buch in die Hände zu bekommen, scheut er vor nichts zurück. Doch gibt es dieses 10. Buch wirklich?

Meine Meinung:
Markus Orths jongliert in diesem Buch mit der Sprache und bietet hier eine verschrobene Geschichte. Nicht nur, dass wir auf Passagen vergangener Schriftsteller hingewiesen werden, nein, auch Vincent pflegt mit seinem Vater bei seinem täglichen Telefonat die Vielseitigkeit der Sprache. Stellenweise hat mir die Geschichte um diese buch- und sprachverliebte Familie ein Lächeln auf das Gesicht gezaubert, teilweise berührt, um dann wieder, wie in einem Kapitel Moby Dick, als „ausufernd und abschweifgierig“ beschrieben wird, ebenso zu wirken. Lange und teils verschachtelte Sätze erfordern Wachsamkeit, um nichts in der Geschichte zu verpassen. Mit den Themen Familie, Zusammenhalt, Verlust, brennende Leidenschaft bis hin zur Besessenheit und KI entwickelt der Autor eine sonderbare Erzählung. Bei der Stange hält nicht nur die Neugier, sondern auch der stete Satz „Dazu später mehr“, den der Ich-Erzähler Vincent bei seinen Erzählungen verspricht.

Fazit:
Wer sich vor einer wortreichen, ausufernden Geschichte und dem Spiel mit der Sprache nicht fürchtet, wird dieses Buch lieben, für kurzweilige Ablenkung ist es jedoch nichts.

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Veröffentlicht am 28.01.2026

Harte Zeiten

Die weiße Nacht
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Zum Inhalt:
Berlin 1946/47, der strenge Winter und der Hunger plagen die Menschen in der Nachkriegszeit. Die Siegermächte agieren in ihren Sektoren. Der während der letzten Kriegsjahren inhaftierte Kriminalkommissar ...

Zum Inhalt:
Berlin 1946/47, der strenge Winter und der Hunger plagen die Menschen in der Nachkriegszeit. Die Siegermächte agieren in ihren Sektoren. Der während der letzten Kriegsjahren inhaftierte Kriminalkommissar Alfred König wurde wieder in seinem Posten eingesetzt und hat es mit einer Frauenleiche im Schnee zu tun. Aufgefunden von der Fotografin Lou Faber. Während König ermittelt und zunächst nicht weiterkommt, lässt auch Lou die junge Frau nicht los und stellt ihre eigenen Nachforschungen an. Schon bald stößt König bei den Ermittlungen auf eine weitere Leiche, so drapiert, als wolle der Täter etwas mitteilen. Agiert hier ein Serienmörder?

Meine Meinung:
Anne Stern entführt in einen Krimi der Nachkriegszeit, der die damalige Situation gut beschreibt. Der Hunger, die Kälte, das Misstrauen gegenüber Uniformen, der Kampf ums Überleben und die Nachwirkungen des Krieges sowie das Unmenschliche welches Geschehen ist, werden hier realistisch dargestellt. Erst fiel es mir schwer mich in das Buch hineinzufinden, das lag aber wohl daran, dass ich meist Thriller lese. Hier gibt es keine rasanten Schritte. Nur langsam kommt König voran, da er mit dem Apparat der Behörde zu kämpfen hat und von seinem Vorgesetzten keine Unterstützung erhält. Lou ist da, auch durch gewisse Zufälle, schneller in ihren Nachforschungen, tauscht sich aber mit König aus. Was zu Tage kommt, lässt mich innehalten und Gefühle, wie Mitleid und Wut zu. Zwischendrin gibt es immer wieder ein Kapitel eines gewissen Gregor, der bestimmt im zweiten Teil eine wichtige Rolle spielt. Da hier sich Louise Faber und Alfred König erst kennenlernen, wird es bestimmt in der Fortsetzung mehr Spannung geben.

Fazit:
Ein gelungener Krimi der unmittelbaren Nachkriegszeit, der in ruhigen Tönen geschrieben ist, aber seine Wirkung nicht verfehlt.

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Veröffentlicht am 16.01.2026

Familienbande

Das unglaubliche Talent der Bailey Dowery
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Zum Inhalt:
Mendol, Oklahoma, 1954. Die junge Bailey arbeitet als Couturière in dem Mode- und Brautgeschäft von Miss Jackson.
Gesegnet mit einer Gabe, kann sie in die Vergangenheit und die Gefühle der ...

Zum Inhalt:
Mendol, Oklahoma, 1954. Die junge Bailey arbeitet als Couturière in dem Mode- und Brautgeschäft von Miss Jackson.
Gesegnet mit einer Gabe, kann sie in die Vergangenheit und die Gefühle der Menschen sehen, die sie berührt. Normalerweise verliert sie kein Wort über das, was sie bei den Frauen sieht, die wegen eines Brautkleides ins Geschäft kommen, bis sie eines Tages nicht an sich halten kann. Auch Elsa Grimes hört von Baileys Gabe und fleht sie an, ihr zu helfen. Was Bailey bei der Berührung sieht, verwirrt und schockiert sie. Doch wie kann sie Elsa helfen? Ahnungslos gerät sie in einen Strudel aus Geheimnissen, die in ihre Familie zurückreichen und nicht mit dem Tod eines Mannes enden.

Meine Meinung:
Ruhig und anschaulich beschreibt die Autorin Trisha Thomas eine interessante Geschichte. Dabei zeigt sie mit ihrem flüssigen Schreibstil ein realistisches Bild der damaligen Gesellschaft.
Auf der einen Seite der Stadt, die mächtigen, weißen Familien, auf der anderen Seite die PoC, die als Untergebene arbeiten. Aus der Sichtweise von vier unterschiedlichen Frauen erlebe ich die eingefahrenen Strukturen und das gesellschaftliche Korsett sowie die Zwänge der einstigen Zeit. Die Hauptprotagonistin Bailey war mir von Anfang an sympathisch in ihrem steten Bemühen, zu helfen, während Elsa mir manches Mal mit ihrem eigensinnigen Verhalten etwas verwöhnt vorkam. Baileys Tante, Charlene, konnte mich mit ihrer sarkastischen Art gewinnen, während Elsas Mutter Ingrid mich in einen Zwiespalt stürzte. Alle vier Frauen haben ein bewegtes Leben und finden so langsam ihr Selbstbewusstsein. Leider bin ich keinem so richtig nahgekommen. Ernste Themen werden aufgegriffen und mit der Geschichte verwoben, jedoch nicht tiefergehend behandelt. Zum Ende hin wurde es noch etwas dramatisch und spannend. Letztendlich siegen Freundschaft und Familie über Gesellschaftsschichten und Rassismus.

Fazit:
Trotz der Ernsthaftigkeit der Themen ein unterhaltsamer Roman, der mit einem flüssigen Schreibstil für kurzweilige Lesestunden sorgt.

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