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Veröffentlicht am 14.11.2021

Ein absolutes Jahreshighlight für mich!

Felix Ever After
1

Vorsicht: eventuelle Spoiler.

𝐈𝐧𝐡𝐚𝐥𝐭 𝐮𝐧𝐝 𝐒𝐭𝐨𝐫𝐲𝐥𝐢𝐧𝐞
JAHRESHIGHLIGHT. Für mich ist dieses Buch definitiv ein Meisterwerk, das ich auf so vielen Ebenen wertschätze, liebe und ehre. Ich habe mich schon so ...

Vorsicht: eventuelle Spoiler.

𝐈𝐧𝐡𝐚𝐥𝐭 𝐮𝐧𝐝 𝐒𝐭𝐨𝐫𝐲𝐥𝐢𝐧𝐞
JAHRESHIGHLIGHT. Für mich ist dieses Buch definitiv ein Meisterwerk, das ich auf so vielen Ebenen wertschätze, liebe und ehre. Ich habe mich schon so sehr darauf gefreut, dieses Buch zu lesen, weil ich finde, dass Diversität in der Literaturwelt gefördert und normalisiert werden sollte - wir brauchen Akzeptanz und Vielfalt in all ihren Formen statt Heteronormativität und Stereotypen. Umso mehr freue ich mich, dass „Felix Ever After“ so viele verschiedene Sphären vereint; sich gegen Konventionen stellt und aufzeigt, wie divers unsere Welt sein kann! Das Buch ist von den Themen her vielfältig und komplex gestaltet, sodass uns eine Fülle an oftmals schwierigen, schlimmen und tragischen, teilweise schönen, aber immerzu wichtigen Themen begegnen. Dazu gehören beispielsweise, und somit spreche ich auch eine Triggerwarnung (⚠️) aus, Aspekte wie Queerfeindlichkeit (internalisierte) Transfeindlichkeit, Dysphorie, Deadnaming, Misgendering, Mobbing oder Zwangsouting. Es sind Themen, die schmerzen, bei denen man Mitleid empfindet, bestimmte Charaktere schlagen oder beleidigen möchte. Es sind tiefgründige und intensive Themen, die mit Emotionen wie Angst, Wut, Panik oder auch Schuld und Ekel in Verbindung stehen und somit sehr verletzliche, sensible Portale öffnet. Das Buch greift dies alles sehr detailliert und ausführlich auf; beleuchtet sie in all ihren Einzelheiten, Formen sowie Ausmaße und das auf eine brutale, raue und harte Weise. Teilweise haben Charaktere Aussagen getätigt, wo ich nur fassungslos den Kopf schütteln kann, weil ich nicht verstehe, wie man solche Werte und Denkweisen pflegen kann und was für verkehrte, irregeleitete Weltbilder manche Menschen haben. Doch gerade das ist die Realität und macht das gesamte Buch für mich authentisch und wichtig, weil einerseits nichts beschönigt wird, aber auch, weil man aufzeigt bekommt, wie viel noch in dieser Welt falsch läuft - auch von Seiten, die man nicht erwartet hätte und die mich fast noch mehr schockiert haben. Doch nicht nur auf einer gesellschaftskritischen Ebene werden viele Aspekte beleuchtet; auch auf intrapersoneller Ebene findet eine immense, tolle Entwicklung und Reflexion von Felix statt. Indem auch Themen wie Identität, Sexualität, Selbstfindung und Selbstwahrnehmung angesprochen werden, kann das Buch in die Welt vieler jugendlicher Menschen eindringen und beispielsweise bei mir ein hohes Identifikationspotential, gepaart mit emotionalen Ausbrüchen, auslösen. Als lesende Personen werden wir Trauer, Probleme, Missstände konfrontiert und müssen Felix dabei beobachten, wie er versucht, sich selbst zu finden, ohne sich zu verlieren. Das Buch hat in mir persönlich sehr viele tiefliegende Emotionen ausgelöst, weil ich absolut mit ihm und seinem Findungsprozess mitfühlen und mitleiden konnte und gehofft habe, dass er es schafft, seine Probleme zu überwinden, sich selbst zu lieben und glücklich zu werden. Gleichzeitig wird die Geschichte eben dadurch abgerundet, dass im Kontrast schöne, ergreifende Themen wie Liebe, Freundschaft oder Zusammenhalt aufgegriffen werden, welche die Welt in den dunklen Stunden erhellen. Meiner Meinung nach beschreibt Callender das gesamte Komplex an Themen auf eine sensible, ergreifende und vernünftige Art und Weise, bei denen wichtige Botschaften und Appelle vermittelt und kommuniziert werden. Ich kann aus diesem Buch sehr viele Dinge mitnehmen, die mich selbst zum Nachdenken und Reflektieren gebracht haben, weswegen die Geschichte von Felix einen extrem jochen Lerneffekt für mich hat und dafür sorgt, dass ich dieses Buch zu 100% empfehlen kann. Die Handlung ist dynamisch gestaltet, mit einer tragischen und dennoch gut ausgearbeiteten Storyline behaftet und einem stetig steigenden Spannungslevel bestückt. Die Wendungen, die das Buch angepeilt hat, habe ich persönlich nicht vorhersehen können, weswegen ich öfters mal überrascht worden bin von dem Handlungsausgang und auch den Entscheidungen der Charaktere. Des Weiteren sind die Interaktionen zwischen den Charakteren sehr greifbar ausgearbeitet, sodass Kontroversen oder Spannungsverhältnisse elektrisierend und fesselnd dargestellt werden meiner Meinung nach. Ein einziger Kritikpunkt, den ich kurz ansprechen möchte, ist der Alkohol- und Drogenkonsum. Ja, auch dies ist irgendwie ein kleineres Thema, auch wenn es eher nicht kritisch beleuchtet wird, was ich etwas schade finde. Ich persönlich hätte es besser gefunden, wenn die Konsequenzen davon dargelegt worden wären, aber andererseits habe ich überlegt: Heutzutage ist es, ohne zu werten, so, dass Alkohol und Drogen normalisiert sind und bereits von Jugendlichen konsumiert werden. Wäre es demnach nicht eher weniger authentisch gewesen, wenn sie vollkommen abstinent gewesen wären? Zeigt der Konsum nicht auch hier die Realität auf, unabhängig von unserer eigenen Wertung, wie wir das finden? Es ist eine pure Abwägung, finde ich. Nichtsdestoweniger: Sucht man somit nach einer Lektüre, die sowohl auf gesellschaftskritischer als auch individuell-emotionaler Ebene ein ganzes Spektrum an Themen anspricht und sich zudem durch eine toll gezeichnete Handlung sowie einer diversen Figurenkonstellation auszeichnet. Dieses Buch hat mich persönlich auf so vielen Ebenen erreicht, weswegen ich es euch aus vollstem Herzen empfehlen kann. Es ist ein verdammt wichtiges und tolles Buch, das mir gesagt hat: Es ist okay, sich selbst zu hinterfragen - sei offen und mutig, denn Labels sind nicht alles.

𝐒𝐩𝐫𝐚𝐜𝐡𝐬𝐭𝐢𝐥
Der Schreibstil von Callender zeichnet sich besonders durch einen jugendlich-verspielten Flair aus, der gespickt ist von Slang, Beleidigungen und jugendsprachlichen Sprechmustern. Gerade aufgrund dieses jugendsprachlichen Touchs, den ich oftmals auch an mir selbst bemerke, kann mich die Art,
wie Callender die Gedanken der Charaktere darstellt, vollkommen erreichen und ergreifen. Die Gefühle und Probleme werden meines Erachtens nach auf so einer authentischen, greifbaren Ebene präsentiert, die einerseits doch so jugendlich vermittelt wird, aber andererseits auch einen Hauch von Philosophie aufweist, der hin und wieder in das große Muster eingewoben wird. Somit hat sich für mich herauskristallisiert, dass das Buch nicht nur angenehm und erfrischend zu lesen ist, sondern dass ich mich allein aufgrund der sprachlichen Vielfalt und Atmosphäre mit den Charakteren identifizieren kann. Sie verkörpern so auch sprachlich wirklich das Bild von Jugendlichen, die sich nicht unbedingt an formelle Konventionen halten und somit allein auf der Ausdrucksebene Parallelen mit meiner eigenen Welt aufbauen. Was mich dahingehend persönlich besonders gefreut hat, ist, dass durch gegendert wird und zudem auch nicht-binäre Personen mit „they“ angesprochen werden. Für einige Leser:innen mag dies recht ungewohnt sein; etwas, mit dem man zu Beginn vielleicht noch nicht so ganz zurecht kommt. Ich kann jedenfalls von mir aus sagen, dass mich das Gendern und die Einbeziehung von „they“ absolut gar nicht gestört hat und ich sogar eher die Aufmerksamkeit dahinter wertschätze, gut finde und fördere - für mich persönlich kann das gerne zum Normalfall in Büchern werden, aber ich kann auch nachvollziehen, wenn nicht jede Person das so sieht wie ich. Ebenfalls finde ich es toll, dass der Deadname von Felix niemals erwähnt wird.

𝐂𝐡𝐚𝐫𝐚𝐤𝐭𝐞𝐫𝐞
Die gesamte Figurenkonstellation in „Felix Ever After“ zeichnet sich durch ein hohes Maß an Diversität, Vielfalt und Charakterstärke aus. Kein Charakter gleicht dem anderen, jeder Charakter hat etwas, das ihn:sie besonders erscheinen lässt, wie ich finde. Dabei ist mir aufgefallen, dass jeder Charakter sehr detailliert und feingliedrig ausgearbeitet ist, indem sie alle in irgendeiner Art und Weise eine komplexe, tiefgründige Struktur zugeteilt bekommen, die sie zweidimensional erscheinen lässt. Sei egal ob Haupt- oder Nebencharakter, sie sind meiner Meinung nach allesamt liebevoll ausgearbeitet und so individuell konzipiert, dass man sie entweder sofort hassen oder lieben möchte. Zwei Charaktere, die ich liebe, sind Felix und Ezra. Ihre Freundschaft, ihre Harmonie ist einfach nur unglaublich faszinierend zu beobachten, weil man bemerkt, wie sehr sie einander schätzen und wie viel ihnen ihre Zeit zusammen bedeutet. Mir lässt es wirklich das Herz aufgehen, weil mir die beiden zusammen so schöne, tolle Vibes gegeben haben. Doch auch als Individualpersonen haben mir beide sehr gut gefallen, besonders Felix mag ich sehr gerne, auch wenn seine Handlungen und Gedanken manchmal für mich etwas unverständlich gewesen sind. Dennoch erkenne ich in ihm ein verletzliches, sensibles, aber auch starkes und mutiges Wesen, das offen durch die Welt streitet, auf sich selbst stolz sein sollte und leider eine viel zu negative Selbstwahrnehmung hat. Diese negative Eigenwahrnehmung projiziert er auch nach außen, was sich in seinen Handlungen und seiner Kommunikation widerspiegelt. Deswegen kann ich ihm persönlich auch nicht allzu böse sein, wenn er zu oft zu viel Negatives irgendwo hineininterpretiert, weil ich denke, dass das eine unterbewusste Art von ihm ist, mit seinem eigenen Seelenschmerz umzugehen. Umso faszinierender und bemerkenswerter finde ich seine Entwicklung, die sehr ausgreifend und tiefgründig ist. Er entdeckt sich selbst mehr, macht schwerwiegende, schmerzhafte Fehler und lernt daraus, wird reifer. Es ist unglaublich interessant, ihn auf seiner Reise zu beobachten und mitzufühlen. Für mich ist er ein toller Charakter, weil er so viele Seiten von sich zeigt, so zerbrochen und unbeherrscht wirkt, aber gleichzeitig versucht, sich selbst wieder zusammenzubauen, aufzurichten und zu finden. Dabei geht er über Grenzen hinweg und wirkt so authentisch und menschlich unperfekt, dass ich das Gefühl hatte, er sei neben mir. Ich bin froh, dass ich ihn auf seiner Reise begleiten und ihn kennenlernen durfte.

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Veröffentlicht am 30.07.2021

Die Uhr tickt...

Dreieinhalb Stunden
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Achtung: eventuelle Spoiler.

Momentan bin ich auf dem Pfad, immer mehr historische Romane zu lesen und in der Vergangenheit zu stöbern. Deswegen konnte ich es mir auch definitiv nicht nehmen lassen, "Dreieinhalb ...

Achtung: eventuelle Spoiler.

Momentan bin ich auf dem Pfad, immer mehr historische Romane zu lesen und in der Vergangenheit zu stöbern. Deswegen konnte ich es mir auch definitiv nicht nehmen lassen, "Dreieinhalb Stunden" zu lesen - das geteilte Deutschland sowie die Wiedervereinigung sind Themen, die mich schon in der Schule begeistern konnten. Natürlich besitze ich schon ein historisches Grundwissen über den Mauerbau, aber trotzdem hat das Buch einen großen Mehrwert, finde ich. Man erlebt das Buch aus einer anderen, intimeren, privateren Perspektive, indem man viele Charaktere kennenlernt, die eine lebenswichtige Entscheidung treffen: Zurückkehren oder nicht?

Das Element der Zeit spielt hierbei, wie schon der Titel anklingen lässt, eine wichtige Rolle. Genau das gefällt mir auch an dieser Geschichte; dieser Druck, der vermittelt wird. Man steht vor einer wichtigen Entscheidungen, aber muss sich relativ schnell entscheiden. Das fördert natürlich die Spannung, was meiner Meinung nach gut herübergekommen ist im Buch. Es ist wirklich interessant, die einzelnen Hintergründe der Charaktere kennenzulernen, denn auch wenn sie alle verschieden sind, haben sie dennoch alle irgendeinen Bezug zum Westen, der sie verbindet. Demnach rätselt man natürlich mit, welche Entscheidungen getroffen werden, wie sie mit der Situation umgehen und was sie über den Westen (oder auch die DDR!) denken. Tatsächlich mochte ich die Band hierbei am liebsten; ich finde, dass sie sehr divers und abwechslungsreich konstruiert und mir persönlich auch (jedenfalls meistens) am sympathischsten gewesen sind. Ebenfalls sind ​vor allem die Prozesse des kritischen Hinterfragens; des Nachdenkens und Abwägens sehr kreativ und interessant gestaltet. Zusammen mit dem Zeitdruck ist dies wirklich ein gut konstruiertes Spannungsfeld.

Gleichzeitig hat sich hierbei leider ein Problem bei mir entwickelt: Die Vielfalt. Normalerweise würde ich das loben, aber ehrlich gesagt konnte ich nicht zu 100% in das Buch hineinfinden, weil ich zwischendurch wirklich Probleme hatte, die einzelnen Charaktere wieder ihrem Umfeld und ihrer Geschichte zuzuordnen. Besonders, wenn ich eine kurze Pause von dem Buch gemacht habe, hatte ich leider das Gefühl, dass ich zu sehr rausgekommen bin. Das finde ich echt schade; aber ich denke, dass das hauptsächlich eher an mir liegt - im weiteren Verlauf hat sich das zwar nämlich verbessert, aber für mich war das dennoch ein kleiner Dämpfer. Ich glaube, dass man im Film dieses Problem nicht hat, weil man dann direkt auch Personenbilder vor Augen hat - im Buch ist das leider aber etwas schwierig. Dennoch finde ich es an sich toll, dass wir mit solch einem vielfältigen Spektrum konfrontiert werden, weil man somit mehr Perspektiven, mehr Meinungen und mehr innere Konflikte erfährt, die im Endeffekt dafür sorgen, dass man ein besseres Bild (aus der Perspektive der Bevölkerung) über den Mauerbau erhält. Demnach kann ich das Buch auf jeden Fall empfehlen, wenn man sich für jenen historischen Abschnitt interessiert und gerne die konfliktreiche Entscheidungsfindung der Charaktere kennenlernen würde. Denn schließlich befassen wir uns mit einer Frage, die nicht leicht ist und das ganze Leben beeinflussen kann...Wie würdest du dich entscheiden?

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Veröffentlicht am 05.07.2021

Absolutes Herzensbuch!

Kate in Waiting
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⇝ Vorsicht: eventuelle Spoiler. 🔱

𝐈𝐧𝐡𝐚𝐥𝐭 𝐮𝐧𝐝 𝐒𝐭𝐨𝐫𝐲𝐥𝐢𝐧𝐞
Kate und Anderson sind beste Freunde. Nicht nur welche, die sich alles erzählen, sondern auch wirklich ALLES miteinander teilen - ihre Liebe zu Musicals ...

⇝ Vorsicht: eventuelle Spoiler. 🔱

𝐈𝐧𝐡𝐚𝐥𝐭 𝐮𝐧𝐝 𝐒𝐭𝐨𝐫𝐲𝐥𝐢𝐧𝐞
Kate und Anderson sind beste Freunde. Nicht nur welche, die sich alles erzählen, sondern auch wirklich ALLES miteinander teilen - ihre Liebe zu Musicals und Theater, ihre Gedanken und auch ihren Crush Matt, das neue, unglaublich talentierte und attraktive Mitglied des Drama-Kurses. Ja, Cola-Werbungs-Matt entspringt nicht nur Kates kühnsten Träumen, sondern auch Andersons Herz schlägt bei seinem Anblick schneller…Neben einer gehörigen Portion an Chaos, Gefühlsduselei und theaterwürdigem Drama stellt sich die Frage: Kann Freundschaft alle Hürden überwinden, selbst wenn die Hürde die Form eines verdammt attraktiven Schauspielers annimmt?
Becky Albertalli. Meiner Meinung nach eine absolut tolle Autorin, welche mich bisher noch nie enttäuscht hat - als ich gesehen habe, dass ein neuer Roman von ihr erscheint, musste ich sofort meine Chance ergreifen und darauf hoffen, ein Exemplar zu erhalten. Meine Hoffnungen waren groß, meine Lust und Neugier auf das Buch noch größer. Bin ich enttäuscht worden? Definitiv nicht, ganz im Gegenteil. Denn auch hier schafft die Autorin es meiner Meinung nach, eine tolle, lustige und süße Geschichte mit sympathischen und dynamischen Charakteren zu kreieren. Der Roman bietet für mich nicht nur eine auffallend gut gelungene Mischung aus Humor und Romantik, sondern kann mich auch aufgrund seiner Aktualität und Diversität überzeugen. Anhand einer zeitgenössischen Herangehensweise werden Aspekte wie die eigentlich unzertrennliche Freundschaft und jugendliche Liebe aufgegriffen, aber auch Themen wie LGBTQ+, Ehrlichkeit, Eifersucht und Akzeptanz rücken in den Vordergrund. Besonders kreativ ist meiner Meinung nach auch der Rahmen der Handlung, welcher von dramaturgischen Elementen geprägt ist - die Gliederung in Ouvertüre, Szenen und Verbeugungsrunde, welche zusammen mit dem ständig auftauchenden Theater-Motiv dem Buch etwas Besonderes verleihen. Man muss sagen, dass die Handlung ab einem gewissen Punkt recht offensichtlich gewesen ist - den Ausgang konnte ich recht schnell erahnen, aber habe dennoch darauf hingefiebert. Dennoch konnte mich das Buch schon von der ersten Seite an überzeugen und begeistern, sodass ich es in einem rasanten Tempo gelesen und genossen habe. Meiner Meinung nach wirken sowohl die Charaktere als auch die Handlung authentisch und humorvoll, während der romantische Part der Geschichte in einem passenden und energetischen Tempo aufgebaut worden ist. Es ist hierbei zu erwähnen, dass die Romantik zwar ein Antreiber ist, aber dennoch die Freundschaft von Anderson und Kate im Vordergrund steht. Das hat mir persönlich sehr gut gefallen! Auch der Spannungsbogen ist der Autorin gut gelungen, sodass das Drama und das Chaos, das wir uns doch so gerne wünschen, nicht zu kurz kommt. Hinzufügend ist bei dem Buch zu sagen, dass es nicht darauf ausgelegt ist, durch Komplexität zu glänzen - das braucht es meiner Meinung nach aber auch nicht, weil andere Aspekte wie beispielsweise Humor und Freundschaft im Vordergrund stehen. Alles in allem kann ich demnach eine klare Leseempfehlung für das Buch aussprechen. Wenn ihr auf der Suche nach einer neuen queeren Geschichte mit tollen Charakteren, einer wichtigen Lehre und süßen Liebesgeschichte seid, dann seid ihr meiner Meinung nach bei „Kate in Waiting“ genau richtig!

𝐒𝐩𝐫𝐚𝐜𝐡𝐬𝐭𝐢𝐥
Mir ist der Einstieg in das Buch außerordentlich leicht gefallen - der Schreibstil der Autorin ist sehr flüssig und angenehm zu lesen, während ihre Ausdrucksweise besonders durch Humor punktet. Ich bin ein absoluter Fan davon, wenn Autoren zeitgenössisch und jugendlich angehaucht schreiben. Dahingehend konnte die Autorin mich absolut abholen. Ich liebe die kleinen Eastereggs und Verweise auf aktuelle Themen und Persönlichkeiten sowie die Frische und Leichtigkeit, welche den gewählten Stil ausmachen. Damit erreicht sie eine Zielgruppe, mit der ich selbst mich sehr gut identifizieren kann. Des Weiteren finde ich, dass die Emotionen der Charaktere toll und authentisch herübergebracht werden, auch wenn ich mir an manchen Stellen dann doch gewünscht hätte, dass die Gedankengänge etwas tiefer und ausführlicher verfolgt werden würden. Dennoch bin ich sehr begeistert von der Art und Weise, wie die Geschichte von Kate und Anderson erzählt wird - zwanglos, humorvoll und knackig.

𝐂𝐡𝐚𝐫𝐚𝐤𝐭𝐞𝐫𝐞
Anderson, Kate und Matt - das große Liebesdreieck. Noch dazu ein Dreieck, welches sich perfekt in die Form der Geschichte einfügt und zusammen mit den Nebencharakteren eine tolle Charakterlandschaft bildet. Jeder Charakter ist meiner Meinung nach sehr liebevoll und kreativ gestaltet, wobei das gesamte Spektrum wirklich sehr vielfältig und bunt konstruiert worden ist - ein Aspekt, den ich sehr toll und wichtig finde. Besonders Anderson und Kate sind hierbei ein tolles und dynamisches Duo, das sehr sympathisch und energiegeladen wirkt. In vielen Punkten sind sie sich sehr ähnlich, beispielsweise in ihrer Leidenschaft, Offenheit und Herzlichkeit. Es ist nicht verwunderlich, dass man sie praktisch nur im Doppelpakt sieht - sie wirken ineinander verwurzelt. Der begabte und attraktive Matt wirkt dem entgegen. Jedoch finde ich, dass auch er ein toller und lieber Charakter ist, der das Herz am rechten Fleck hat und nichts für das aufkommende Chaos kann. Irgendwie habe ich ihn die ganze Zeit mit einem Hundewelpe verglichen und sein Charakter spiegelt dies für mich auch an einigen Stellen wider. Wie bereits oben erwähnt, ist das Buch nicht darauf ausgelegt, vor Komplexität zu strotzen. Das erkennt man auch an den Charakteren, welche wohl im Vergleich zu anderen Büchern nicht so tief angelegt sind - viel erfahren wir nicht über die Vergangenheit der Protagonisten. Dennoch finde ich, dass diese etwas vorhandene Oberflächlichkeit kein Nachteil ist, denn wie gesagt: die Geschichte stellt andere Themen wie Freundschaft in den Vordergrund. Zudem kann man dem entgegensetzen, dass die Protagonisten sich dennoch schön weiterentwickeln. Des Weiteren finde ich, dass die Nebencharaktere sehr besonders und divers gestaltet sind - Raina und Brandie ergänzen die Freundesgruppe und machen sie noch dynamischer, Kates Bruder Ryan ist manchmal etwas mysteriös, aber alles in allem ein guter Kerl und Ryans bester Freund Noah…Nun ja, mein absoluter Lieblingscharakter. Wer genau er ist? Das verrate ich euch nicht, denn er ist ein wichtiger Teil der Geschichte, weswegen ihr ihn selbst unbedingt kennenlernen solltet.

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Veröffentlicht am 13.05.2021

Romantische Schale, ernster Kern

Everything We Had
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⇝ Vorsicht: eventuelle Spoiler. 🔱

𝐈𝐧𝐡𝐚𝐥𝐭 𝐮𝐧𝐝 𝐒𝐭𝐨𝐫𝐲𝐥𝐢𝐧𝐞
Träume - jeder Mensch hat sie und obwohl sie sich in den verschiedensten Weisen zeigen, möchten wir alle, dass sich unsere sehnlichsten Wünsche erfüllen. ...

⇝ Vorsicht: eventuelle Spoiler. 🔱

𝐈𝐧𝐡𝐚𝐥𝐭 𝐮𝐧𝐝 𝐒𝐭𝐨𝐫𝐲𝐥𝐢𝐧𝐞
Träume - jeder Mensch hat sie und obwohl sie sich in den verschiedensten Weisen zeigen, möchten wir alle, dass sich unsere sehnlichsten Wünsche erfüllen. Auch die zurückgezogene, von seelischen Narben geprägte Protagonistin Kate hat einen Wunsch: sie möchte ein eigenes kleines Café eröffnen, in dem sie ihre Leidenschaft zum Backen ausleben kann. Als sie schließlich die Möglichkeit hat, ihren Traum zu erfüllen, scheint alles perfekt - wäre da nicht nur Aidan, der genau in dieser Immobilie einen Buchladen eröffnen möchte. Um ihre Träume zu erfüllen, müssen die beiden zusammenarbeiten und gemeinsam einen Laden aufziehen…und dabei sprühen nicht nur viele Funken, sondern auch einige Törtchen fliegen durch die Luft, während sowohl Kate als auch Aidan in ihrem Inneren noch mit Schmerzen, Verlusten und Ängsten zu kämpfen haben.
Oh, Leute. Ich bin unglaublich neugierig auf das Buch gewesen. Nicht nur das Cover ist unglaublich schön gestaltet, sondern auch das Innenleben des Romans, die Geschichte von Kate und Aidan, ist romantisch und absolut liebenswert, aber gleichzeitig auch von einer ernsten Thematik geprägt. Zuerst möchte ich jedoch die Idee hinter dem Buch ansprechen - ich bin in dieses Setting verliebt! Es ist schon im Klappentext angedeutet worden: die Handlung findet überwiegend in dem neu eröffneten Buchcafé von Kate und Aidan statt. Es ist auch für mich ein absolutes Träumchen; während des Lesens habe ich mir ständig vorgestellt und gewünscht, ich könnte in genau diesem liebevoll gestalteten Café sitzen, ein Stückchen Kuchen essen und nebenher ein Buch bei Aidan abholen. Allein das idyllische Setting versprüht für mich das Flair eines Wohlfühlorts und -buchs, auch wenn der Kern des Romans von einer tief greifenden, schmerzhaften Thematik geprägt ist. Denn in Kates Leben ist nicht alles so toll, wie es auf andere im ersten Augenblick scheinen mag…Sie ist gebrochen; erschüttert von einem Erlebnis in der Vergangenheit. Ich möchte hierbei eine Triggerwarnung aussprechen, auch wenn ich damit ein wenig die Thematik des Texts spoilere - falls ihr das überspringen wollt, dann lest erst nach dem Warning-Signal weiter. ⚠️ In dem Buch werden Themen wie Panikattacken, sexueller Missbrauch sowie Belästigung und Vergewaltigung aufgegriffen und teilweise detaillierter beschrieben. ⚠️ Es ist wirklich eine sehr emotionale Thematik, die einen berührt und zusetzt. Man leidet mit den Protagonisten mit, lacht mit ihnen bei ihren Schlagabtauschen und lässt zusammen mit ihnen Schmetterlinge im Bauch entstehen. Während eine zarte Verbindung zwischen den Protagonisten entsteht, lernen wir die beiden immer besser und tiefgründiger kennen; erleben verschiedene Seiten an ihnen und erfahren mehr über ihre Hintergründe und Gedanken. Somit empfinde ich das Buch als eine sehr runde Geschichte, die nicht nur meine romantische Ader zu 100% bedient hat, sondern mich auch mit einer tollen message zum Nachdenken zurückgelassen hat. Falls ihr herausfinden wollt, welche message das ist, dann kann ich euch dieses Buch nur sehr empfehlen - ich finde, dass ihr Kate und Aidan unbedingt kennenlernen solltet! ♥️

𝐒𝐩𝐫𝐚𝐜𝐡𝐬𝐭𝐢𝐥
Das Buch ist meiner Meinung nach unglaublich angenehm zu lesen, wobei schon der Prolog einen unglaublich spannenden Einblick in den tieferen Kern des Romans ermöglicht. Der Schreibstil der Autorin ist sehr authentisch, detailliert und gefühlvoll, sodass Emotionen und Gedanken sehr greifbar transportiert werden. Man fühlt sich nicht nur als eine außenstehende Person, sondern kann sich gut in die Lage der Protagonisten hineinversetzen, fühlt und weint mit ihnen mit. Ich empfinde die Ausdrucksweise der Autorin als eine gute Mischung von humorvollen, schlagfertigen und romantischen, aber auch emotionalen Elementen, die einen starken Kontrast zwischen der süßen, romantischen Liebesgeschichte und den eigentlich ernsten, bitteren und schmerzvollen Kern des Werkes aufzeigen. Besonders die Konversationen zwischen Kate und Aidan haben mir hierbei besonders gut gefallen, da diese sehr abwechslungsreich sind und zudem für mich auch sehr authentisch erscheinen. Man bemerkt den Tiefgang in ihren Gesprächen; es gibt nahezu keine Oberflächlichkeiten oder Banalitäten, was ich sehr mag.

𝐂𝐡𝐚𝐫𝐚𝐤𝐭𝐞𝐫𝐞
Schon wieder zwei Charaktere, die ich in mein Herz geschlossen habe. Kate und Aidan sind beide unglaublich besonders und auf ihre eigene Weise so sympathisch, dass man sie eigentlich nur mögen kann, finde ich. Kate ist eine starke Frau, die einerseits in ihrem tiefsten Inneren nie aufgegeben hat zu kämpfen, aber dennoch eine verletzte Seele hat, die erst wieder heilen muss. Ich mag ihren Charakter unglaublich gerne, denn sie ist eigentlich ein sehr vielfältiger Mensch: sei egal, ob Schlagfertigkeit, Empathie oder Treue, sie ist für mich ein wirklich komplexer Charakter mit einem großen Herz. Ihre Vergangenheit ist bitter ernst und bereitet einem Herzbluten, weswegen ich umso froher bin, dass wir eine innere Entwicklung bei ihr beobachten können. Aidan spielt hierbei natürlich auch eine wichtige Rolle; der anfänglich kleinere Griesgram mit einem eigentlich weichem Kern. Ich finde es toll, wie er sich uns, den Lesern, im Verlauf immer weiter öffnet und wir einige Dinge von ihm erfahren, die auch ihn in ein anderes Licht rücken. Ich persönlich habe ihn zu Beginn anders bewertet, aber je tiefer wir in seine Gedanken und sein Leben eingedrungen sind, desto sympathischer ist er für mich geworden - noch dazu kann er unglaublich charmant sein. Wer mag aber auch nicht einen belesenen Buchhändler, der noch dazu verdammt gut aussieht, für seine Träume kämpft und seine Leidenschaft auslebt? Abgesehen von seiner absolut tollen Persönlichkeit (bookboyfriend alarm!) durchlebt auch er eine Entwicklung, auch wenn diese neben der von Kate etwas weniger stark ausgeprägt, aber dennoch gut zu erkennen ist. Neben diesen tollen Protagonisten sind auch die Nebencharaktere liebevoll gestaltet, wobei ich besonders Kates beste Freundin Zoe unglaublich gerne mag - sie ist eine verdammt tolle Stütze und ich bin wirklich froh, dass Kate so jemanden an ihrer Seite hat.

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Veröffentlicht am 28.04.2021

Ein potentielles Jahreshighlight für mich

Die Senfblütensaga - Zeit für Träume
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𝐈𝐧𝐡𝐚𝐥𝐭 𝐮𝐧𝐝 𝐒𝐭𝐨𝐫𝐲𝐥𝐢𝐧𝐞

Wir schreiben den Anfang des 20. Jahrhunderts; genauer gesagt das Jahr 1908. Die Emanzipation der Frau steht noch in den Kinderschuhen - genau dies ...

⇝ Vorsicht: eventuelle Spoiler. 🔱

𝐈𝐧𝐡𝐚𝐥𝐭 𝐮𝐧𝐝 𝐒𝐭𝐨𝐫𝐲𝐥𝐢𝐧𝐞

Wir schreiben den Anfang des 20. Jahrhunderts; genauer gesagt das Jahr 1908. Die Emanzipation der Frau steht noch in den Kinderschuhen - genau dies bemerkt auch die Protagonistin Emma. Die Gesellschaft belächelt und rügt sie für ihren Scharfsinn, ihre Neugier und ihren Traum: das Studieren an der Universität. Ihre Eltern hingegen möchten sie am liebsten schon am nächsten Tag mit Carl, dem Sohn eines Fuhrunternehmers, vermählen. Auch er hat einen Traum: das Gründen seiner eigener Fabrik, in der er sich auf die Produktion und Kreation von Senf fokussieren möchte. Was ist, wenn Emma und Carl sich tatsächlich trotz des Arrangements durch ihre Eltern gut verstehen und sie Carl mithilfe ihrer Kreativität und ihres Bisses bei seinem Traum aktiv unterstützen möchte? Schaffen es die beiden, ihre Träume zu verwirklichen und ihren Widersachern zu trotzen? Und welche Rolle spielt dabei der charmante und verführerische Freund Carls, der Franzose Antoine?

Was ein grandioser Auftakt der Senfblütensaga-Trilogie! Wie die Einführung und auch der Titel des Werkes anklingen lassen, spielt der Senf eine wichtige und durchgängig auftretende Rolle im Verlauf der Geschichte. Für mich persönlich eine interessante und außergewöhnliche Idee, auch wenn ich zu Beginn etwas Zweifel gehabt habe, ob ein historischer Roman mich nicht doch zwischendurch zu sehr langweilen würde. Ich kann euch versichern: Das ist - jedenfalls bei mir - absolut nicht der Fall gewesen. Ich bin ehrlich überrascht, dass mir die Geschichte von Emma und Carl SO unglaublich gut gefallen hat - damit hätte ich tatsächlich nicht gerechnet und ich würde behaupten, dass das Buch für mich persönlich ein Jahreshighlight werden könnte. Das Buch schneidet meiner Meinung nach nicht nur wichtige Themen wie Emanzipation, Feminismus und Selbstverwirklichung an, sondern integriert diese so charmant und gekonnt, dass ich das Gefühl hatte, dass ich auf jeder Seite mit interessanten Inhalten konfrontiert werde [auch wenn ich schon einige Rezensionen gelesen habe, bei denen die Länge kritisiert worden ist - ich persönlich habe die Geschichte absolut nicht als zäh empfunden]. Sei egal, ob es sich um Carls Leidenschaft zum Senf sowie seiner Vielfältigkeit, Emmas Kampfwillen oder um die Familienkonflikte der Protagonisten dreht: die lesende Person erhält einen unglaublich interessanten, komplexen und gut recherchierten Einblick in die damalige Zeit, aber auch in das persönliche Leben von Carl und Emma - und ihre Lebenswege verlaufen definitiv nicht immer positiv. Sie erleben Höhepunkte, aber auch tiefe Niederlagen, Rückschläge und treffen gleichzeitig auf Konfliktsituationen, die das Buch abrunden für mich abrunden und mitfiebern lassen. Besonders zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse und die lesende Person wird mit vielen Fragen, Emotionen und Verwirrungen zurückgelassen - perfekt, um auf den zweiten Band neugierig zu machen. Ich kann für das Buch eine klare Leseempfehlung aussprechen! Selbst wenn historische Romane nicht unbedingt euer Milieu sind: ich finde, es lohnt sich definitiv, die Geschichte zu lesen. Sogar so sehr, dass ich einmal um ein Uhr nachts im Bett saß, vor mir eine Scheibe Brot mit Senf bestrichen, weil ich so begeistert über Carls Leidenschaft und Glückseligkeit zum Senf gewesen bin und genau diesen Enthusiasmus selbst nachvollziehen und fühlen wollte. Hach ja, die Senf-Thematik...Eine unglaublich originelle Idee, welche anhand einer romantischen Geschichte umrahmt und von starken, eigenwilligen und unglaublich sympathischen Protagonisten begleitet wird. Die Geschichte hat mich unglaublich fasziniert und das ist etwas, womit ich ehrlich gesagt absolut nicht gerechnet hätte. Falls ihr euch nun fragt, ob Emma und Carl es letztlich schaffen, ihre Träume zu verwirklichen und sich nicht von ihrem Umfeld beeinflussen zu lassen, dann müsst ihr unbedingt eure Neugier stillen - es lohnt sich, finde ich.

𝐒𝐩𝐫𝐚𝐜𝐡𝐬𝐭𝐢𝐥

Ein großes Lob geht hierbei an den Sprachstil der Autorin, der meiner Meinung nach wirklich eine großartige Leistung ist. Erfrischend, angenehm und künstlerisch detailliert werden Handlungen und Szenenbeschreibungen herübergebracht. Besonders gelungen finde ich hierbei, wie die Emotionen der Charaktere hervorgehoben und akzentuiert werden: man wird ergriffen von der Leidenschaft Carls, von dem Trotz Emmas oder den Sorgen Antoines. Ich habe nicht nur ihre Geschichten begleitet, sondern auch mitgefiebert und gehofft, dass alles reibungslos verläuft - kleiner Spoiler: das tut es natürlich nicht. Gerade diese Beschreibungen sind das, was einen Roman ausmachen und die Autorin schafft es, diese Gefühle greifbar zu machen und eine unglaublich spannende und interessante Atmosphäre zu erschaffen. Auch die Gespräche zwischen den Charakteren wirken sehr authentisch, realistisch und gut an die historischen Gegebenheiten angepasst. Die Ausdrucksweise wirkt sehr gewählt, höflich sowie intellektuell und spiegelt somit auch die damaligen Umgangsweisen gut wider. Auch wenn zwar einige Begrifflichkeiten eines moderneren Ursprungs sind, konnte ich mich dennoch in die damalige Zeit hineinversetzen. Das Lesetempo ist hierbei ebenfalls gut gewählt und auch wenn es mehrere Zeitsprünge gibt, hatte ich nicht das Gefühl, dass ich damit überfordert werde. Es wirkt einfach unglaublich stimmig, weswegen sich das Buch meiner Meinung nach auch sehr flüssig liest und durch seinen lebendigen Stil hervorsticht.

𝐂𝐡𝐚𝐫𝐚𝐤𝐭𝐞𝐫𝐞

Ich liebe starke Protagonisten. Und besonders liebe ich auch Emma und Carl - zwei unglaublich starke Charaktere, die zwar zu Beginn verschiedene Träume haben, aber sich dennoch finden und gemeinsam ihre Wünsche erfüllen möchten. Besonders Emma habe ich hierbei für ihren Wagemut, ihre Intelligenz und ihren neugierigen sowie kämpferischen Charakter lieb gewonnen. Ich bewundere sie dafür, dass sie nicht aufgibt und ihren eigenen Kopf durchsetzen möchte - nahezu ein Todesurteil für die damalige Gesellschaft, welche im Bereich der Emanzipation nicht weit fortgeschritten ist. Carl hingegen ist ein unglaublich verständnisvoller, urteilsfreier und sympathischer Mensch, der manchmal etwas Antrieb benötigt, aber dennoch das Herz am rechten Fleck hat. Auch ihn mag ich sehr, wobei er mir zum Ende hin öfters mal sehr leid getan hat. Besonders bei diesen beiden Charakteren finde ich auch allgemein ihre gesamte Persönlichkeitskonstruktion unglaublich gelungen: sie haben Ecken und Kanten, sind vielfältig gestaltet und zeichnen sich durch tiefgründige und komplexe Strukturen aus. Es ist schön, ihre individuellen Entwicklungen zu beobachten und ihre Gedankengänge zu verfolgen. Zu sehen, wie sie sich gegen Konflikte versuchen zu behaupten, ihre eigenen Wege gehen wollen und zu selbstständigen und starken Erwachsenen heranwachsen. Zu Antoine hingegen möchte ich gar nicht viel sagen - ehrlich gesagt kann ich ihn auch gar nicht so sehr einschätzen. Ich kann euch schon einmal verraten, dass auch er eine wichtige Rolle für das Werk innehat. Jedoch möchte ich, dass ihr euch selbst ein Bild von ihm macht, denn mein Bild von ihm schwankt sehr zwischen Sympathie, Mitleid und Misstrauen. Ich freue mich sehr, ihn und auch Carl und Emma im zweiten Band noch intensiver kennenzulernen und sie auf ihrem weiteren Weg begleiten zu dürfen - ich bin sehr gespannt.

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