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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.07.2025

Familiendrama

Die Garnett Girls
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Margo Garnett plant eine Party, schließlich hat sich ihre mittlere Tochter Imogen endlich verlobt mit ihrem Wunschkandidaten William. Imogen allerdings ist sich gar nicht sicher, ob sie das will, und stürzt ...

Margo Garnett plant eine Party, schließlich hat sich ihre mittlere Tochter Imogen endlich verlobt mit ihrem Wunschkandidaten William. Imogen allerdings ist sich gar nicht sicher, ob sie das will, und stürzt sich in eine Affäre. Ihre Schwestern Rachel und Sasha haben ebenfalls ihre eigenen Probleme. Zur Sprache kommt davon aber vorerst nichts auf den Tisch, die vier Frauen sind genug damit beschäftigt, die Geister der Vergangenheit fernzuhalten.

Wer beim vorliegenden Buch einen amüsanten und leichten Roman erwartet, wird enttäuscht, denn das Grundthema ist, dass der Vater der drei Mädchen, die mittlerweile junge Frauen sind, die Familie vor zwanzig Jahren verlassen hat. Warum er dies tat und wo er hingegangen ist, blieb ein Geheimnis, das zu lüften sich die jüngste der drei Schwestern vorgenommen hat. Hinzukommen persönliche Erfahrungen der Frauen in ihren Beziehungen sowie der Umgang miteinander. Dies war interessant, auch wenn ich zu Beginn nicht sicher war, ob es mir gefallen würde. So richtig nahekommen bin ich keiner der vier Akteurinnen, obwohl diese durch den Wechsel der Perspektive genug Raum bekamen. Dafür las sich das Buch sehr leicht und als das Geheimnis gelüftet wurde, hat mich die Lösung überrascht, wenngleich diese nicht wirklich bahnbrechend gewesen ist. Alles in allem ein unterhaltsames Familiendrama, das mich zufriedengestellt hat.

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Veröffentlicht am 04.07.2025

Großes Highlight

Stromlinien
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Alea Eggers saß achtunddreißig Jahre im Gefängnis, ihre Töchter Enna und Jale zählen die Tage bis zu ihrer Entlassung. Als der große Tag gekommen ist, verschwindet Alea spurlos und auch Jale ist plötzlich ...

Alea Eggers saß achtunddreißig Jahre im Gefängnis, ihre Töchter Enna und Jale zählen die Tage bis zu ihrer Entlassung. Als der große Tag gekommen ist, verschwindet Alea spurlos und auch Jale ist plötzlich unauffindbar. Enna macht sich auf die Suche, nach Mutter und Schwester, aber auch nach der Wahrheit, was vor über achtunddreißig Jahren geschah, das ihre Familie für immer zerstört hat.

»Mama war währenddessen die ganze Zeit auf einer der Elbinseln gefangen gewesen. Und Jale und ich waren mit unserem Boot zwischen den Ufern hin und her gefahren, ohne Orientierung, ohne Halt, ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, woher dieses Loch kam, das inmitten unserer Familie klaffte, inmitten von uns selbst.» (Seite 339)

Mit dem vorliegenden Buch habe ich ein weiteres Highlight gefunden, es reiht sich sogar in die bisher magere Ausbeute meiner Jahreshighlights ein. Und das, obwohl ich anfangs sicher war, dass mich die zahlreichen Naturbeschreibungen ein bisschen stören würden, allerdings fügten sich diese nach und nach in die Geschichte ein, bis ich es mir gar nicht mehr anders hätte vorstellen können, denn die Geschichte selbst hatte es in sich.

Mehrere Generationen verbindet das Buch, nicht alle sind miteinander verwandt, vor über hundert Jahren nimmt alles seinen Anfang, obwohl es fast das Ende war. Zu Beginn wusste ich nicht, wer all diese Menschen sind, deren Leben vor mir ausgebreitet wurden, zu unterschiedlich waren die Namen und das Umfeld, in dem diese Menschen verwurzelt gewesen sind, wobei Enna die einzige Ich-Erzählerin geblieben ist. Dies klärte sich aber irgendwann von selbst, was erstaunlich und faszinierend war, so perfekt griffen die Lebensläufe ineinander. Geheimnisse, Verbrechen, Streitigkeiten und ein Wechselbad der Gefühle, unerwartete Wendungen, interessante Charaktere und Ereignisse, die tatsächlich passiert sind, all das findet man im Buch, aber noch so viel mehr. Eine komplexe und vielschichtige Geschichte, die irgendwann spannender war als mancher Thriller, die mich alles vergessen ließ, was um mich war. Große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 02.07.2025

Leider enttäuschend

Ocean – Gefangen im Blau
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Helen und Frank haben Eheprobleme, die unlösbar erscheinen, besonders nachdem Helen eine traumatische Erfahrung gemacht hat und sich schwer damit tut, wieder ins Leben zurückzukehren. Ein Segeltörn über ...

Helen und Frank haben Eheprobleme, die unlösbar erscheinen, besonders nachdem Helen eine traumatische Erfahrung gemacht hat und sich schwer damit tut, wieder ins Leben zurückzukehren. Ein Segeltörn über den Atlantik soll helfen, schließlich lernten sich beide an Bord der Innisfree kennen und lieben. Zusammen mit ihrem Sohn und der Pflegetochter machen sie sich auf die Reise, die allerdings droht, zum Albtraum zu werden.

»Wieder einmal flossen Realitäten ineinander, blieb mir die Luft weg angesichts meiner widersprüchlichen Empfindungen. Selbst in einer lebensbedrohlichen Situation ist es durchaus möglich, dem eigenen Ehemann den Tod zu wünschen und sich zugleich danach zu sehnen, dass er einen noch einmal - ein allerletztes Mal - zärtlich berührt.« (Seite 261)

Das vorliegende Buch ist für mich ein gutes Beispiel dafür, dass manchmal weniger mehr ist. Der Roman fängt mit einer Tragödie an und versucht danach permanent und unermüdlich, sprichwörtlich noch einen draufzusetzen, um aufzuwühlen, zu schockieren und wahrscheinlich auch zu unterhalten, wobei letzteres für mich persönlich grandios gescheitert ist. Nicht nur, dass die Protagonistin Handlungen vollzieht, die mich irgendwann an ihrem Geisteszustand haben zweifeln lassen, die Story selbst ist unrealistisch, um nicht zu sagen unglaubwürdig und katastrophal konstruiert. Das ist wirklich schade, denn der Klappentext klang toll und der Anfang war durchaus vielversprechend. Für mich hat es aber leider nicht gepasst.

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Veröffentlicht am 30.06.2025

Ein letztes Versprechen

In tiefster Nacht
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Vor zweiundzwanzig Jahren hatte Sami Kierce eine traumatische Erfahrung, als er eines Morgens aufwachte und seine Begleitung tot neben sich auffand, in der eigenen Hand ein Messer voller Blut. Mittlerweile ...

Vor zweiundzwanzig Jahren hatte Sami Kierce eine traumatische Erfahrung, als er eines Morgens aufwachte und seine Begleitung tot neben sich auffand, in der eigenen Hand ein Messer voller Blut. Mittlerweile ist Kierce verheiratet, als Detective suspendiert und unterrichtet Kriminologie, als plötzlich das Mädchen von damals, nun eine erwachsene Frau, in seinem Kurs auftaucht und wieder verschwindet. Neben der Erleichterung darüber, dass Anna lebt, erwacht in Kierce das Verlangen danach, herauszufinden, was damals in Spanien geschah.

Seit Jahrzehnten ist Harlan Coben ein Garant für Thriller voller überraschender Wendungen und dafür, dass ich für seine Bücher gerne die Nacht zum Tag mache, weil ich sie nicht aus der Hand legen kann. Auch mit dem vorliegenden Buch war es nicht anders, der Autor ließ den sympathischen Sami erzählen und erhöhte die Spannung dadurch, dass dieser hier was wegließ, da etwas verschwieg und dort mit Absicht eine Kleinigkeit vergaß. Zusammen mit dem großartigen Humor ergab dies eine aufregende Geschichte, die mich in den Wahnsinn trieb, weil ich so dringend wissen wollte, was damals wirklich geschah. Der einzige Kritikpunkt ist der, dass Sami manchmal zu ausschweifend war. Insgesamt aber ein toller Thriller, nach dessen Ende es bei mir Diskussionsbedarf gab. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 27.06.2025

Eindrucksvoll und wuchtig

Simon Radowitzky
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Die vorliegende Graphic Novel befasst sich mit dem Leben von Simón Radowitzky, einem ukrainisch-argentinischen Anarchisten und Gewerkschafter, geboren 1891 in einem kleinen ukrainischen Dorf. Als Sohn ...

Die vorliegende Graphic Novel befasst sich mit dem Leben von Simón Radowitzky, einem ukrainisch-argentinischen Anarchisten und Gewerkschafter, geboren 1891 in einem kleinen ukrainischen Dorf. Als Sohn eines jüdischen Arbeiters verließ er bereits mit zehn Jahren unfreiwillig die Schule, um arbeiten zu gehen und die Familie zu unterstützen. Bald darauf lernte er Lyudmyla kennen, die Tochter des Schmiedes, für den er arbeitete und der ihm einen Schlafplatz und zu essen gab. Durch sie kam er mit sozialrevolutionären Ideen in Berührung.

»Hätte Agustín Comotto sich diese Geschichte ausgedacht, wäre er sicherlich dafür kritisiert worden, maßlos zu übertreiben. Es scheint unglaubwürdig, dass so vieles in einem Leben zusammenkommt (so viel Ungerechtigkeit, so viel Gewalt, so viel Kampf, so viel Treue den eigenen Idealen gegenüber - so viel Schmerz in einem einzigen Körper).« (Vorwort von Liliana Ruth Feierstein, Buenos Aires im Winter 2019)

Sechs Jahre brauchte Agustín Comotto, um zu recherchieren, zu schreiben und zu zeichnen. Herausgekommen ist ein phantastisches Werk über das Leben einer Persönlichkeit, über die ich bis dato nichts gehört habe, über die ich aber nun, nachdem ich die Graphic Novel förmlich verschlungen habe, mehr wissen möchte. Die eindrucksvollen schwarzweißen Bilder, das gezielt eingesetzte Rot, die Brutalität und der Widerstand, die aus den Seiten springen, dies alles bescherte mir unvergessliche Lesestunden. Dabei ist das Werk anspruchsvoll und fordernd, keine leichte Lektüre, aber lehrreich und spannend. Gerne empfehle ich es weiter. Lesenswert!

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