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Veröffentlicht am 10.03.2025

Keine Gnade

Skin City
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Eine Einbruchsserie hält die Polizei auf Trab, die unbekannten Täter schlagen regelmäßig und unerkannt zu. Kriminalpolizistin Romina Winter wird auf den Fall angesetzt, dabei hat sie genug andere Probleme, ...

Eine Einbruchsserie hält die Polizei auf Trab, die unbekannten Täter schlagen regelmäßig und unerkannt zu. Kriminalpolizistin Romina Winter wird auf den Fall angesetzt, dabei hat sie genug andere Probleme, weil ihre Schwester verschwunden ist. Derweil wird Jacques Lippold nach über zwei Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Er fühlt sich ungerecht behandelt und hat noch eine Rechnung zu begleichen, bevor es mit dem Geld verdienen endlich weitergeht. Es ist Sommer in Berlin.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den vierten Teil der Berlin Noir-Reihe, was ich nicht wusste, als ich mich dazu entschied, es zu lesen, weil das Cover großartig und der Klappentext so verführerisch war. Ich hatte nicht das Gefühl, dass mir bestimmtes Vorwissen fehlt, der wichtigste Teil der Geschichte wurde abgeschlossen und lediglich einige Fragen blieben für mich offen, die allerdings im privaten Bereich liegen und keinen Einfluss auf das Gesamtbild haben. Ich möchte für mich einfach wissen, ob und wenn ja was genau davor war. Aber eigentlich möchte ich einfach mehr darüber lesen, wie der Autor die Stadt sieht. Dieses Buch war eine Wucht; laut, dreckig, kriminell und auch ein bisschen zärtlich; jeder Satz mitten in die F r e s s e rein. Ich liebe es!

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Veröffentlicht am 06.03.2025

Die Schuld, die Liebe und der Zorn

Ein anderes Leben
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Bei der Beerdigung des Vaters schaut die jüngste der drei Schwestern zurück und erinnert sich an das Leben, als die Mutter noch lebte, die lange vor dem Vater gestorben ist. Sie schaut zurück auf ihre ...

Bei der Beerdigung des Vaters schaut die jüngste der drei Schwestern zurück und erinnert sich an das Leben, als die Mutter noch lebte, die lange vor dem Vater gestorben ist. Sie schaut zurück auf ihre Kindheit, aber auch die der Mutter, seziert deren hintereinander erfolgten Hochzeiten mit ihren drei besten Freunden, die auch untereinander befreundet waren. Aus jeder Beziehung ging eine Tochter hervor, die Schwestern verbindet die Mutter und die Väter, ansonsten aber fast nichts. Oder vielleicht doch?

Caroline Peters ist eine bekannte deutsche Schauspielerin, die auch Ensemblemitglied an verschiedenen deutschsprachigen Theatern war. Ihr vorliegender Debütroman ist inspiriert von ihrer eigenen Geschichte, aber nicht autobiografisch geprägt. Es geht ums Erinnern, das Erwachsenwerden, die Erziehung der Kinder, aber in erster Linie um die Frage, wer die Mutter denn nun als Person wirklich gewesen ist. Die Ich-Erzählerin springt zwischen den Zeiten, erklärt, formuliert, beschwichtigt, führt aus und zeichnet ein Bild von Hanna, die selbst ein Produkt ihrer Kindheit und Jugend war. Ob sie es geschafft hat, ein authentisches Bild zu zeichnen, steht auf einem anderen Blatt.

Nach einem großartigen Start flachte die Erzählung in der Mitte ab, um dann Tempo aufzunehmen und meine Aufmerksamkeit erneut auf sich zu ziehen. Insgesamt eine unterhaltsame Mutter-Tochter-Geschichte, die ich mir in manchen Bereichen etwas ausführlicher gewünscht hätte. Dies hat Potenzial und ich freue mich auf weitere Werke der Autorin.

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Veröffentlicht am 04.03.2025

Dystopisches Meisterwerk

Der letzte Mord am Ende der Welt
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Eine mit den letzten Menschen bewohnte Insel, unter den 122 Überlebenden befindet sich ein Mörder. Den Dorfbewohnern und den verbliebenen Wissenschaftlern bleiben nur wenige Stunden, um den Mörder zu finden, ...

Eine mit den letzten Menschen bewohnte Insel, unter den 122 Überlebenden befindet sich ein Mörder. Den Dorfbewohnern und den verbliebenen Wissenschaftlern bleiben nur wenige Stunden, um den Mörder zu finden, damit die Menschheit überlebt. 107 Stunden bis zum Ende der Welt.

»Überleben war schwer und Sterben war leicht, und viele gaben den Kampf von ganz allein auf. Doch zum Glück für den Fortbestand der Menschheit hinterließen sie Kinder, und diesem Genpool entstammen die heutigen Dorfbewohner.« (Seite 38)

Nach einem - hier zitiere ich den Autor - Und-täglich-grüßt-das-Murmeltier-Krimi sowie einer historischen Gespensterschiff-Geschichte legt Stuart Turton nun einen Sciencefiction-Apokalypse-Roman vor; kann das funktionieren? Es kann und nicht nur das: dieses Buch ist in diesem Genre eines der besten Bücher, die ich in den letzten Jahren, um nicht zu sagen Jahrzehnten, gelesen habe! Der Autor hat hier eine Welt weit in der Zukunft erschaffen, die so phantasievoll und vielfältig gestaltet ist, dass ich immer nur staunen konnte, über wieviel Einfallsreichtum er verfügt. Mein Erstaunen und mein Entzücken möchte ich euch nicht nehmen, deswegen gehe ich nicht näher auf die Einzelheiten dieser Welt ein. Diese zu entdecken, war ein so großartiges und unvergessliches Erlebnis, dass es fast schon ein Frevel wäre, es zukünftigen Leserinnen und Lesern vorzuenthalten.

Insgesamt besticht die Geschichte durch eine ungewöhnliche Erzählweise, großartige Charaktere, viele unerwartete Wendungen sowie einen Kriminalfall, der neben der dystopischen Atmosphäre dazu beigetragen hat, eine hohe Spannungskurve aufzubauen und zum Mitraten zu animieren. Für mich ein Meisterwerk, das förmlich nach einer Verfilmung schreit. Phänomenal!

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Schöner Schein

Wie du mich ansiehst
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Johanna hat vor kurzem ihren Vater verloren, der ihr einen verwilderten Garten hinterlassen hat nebst einer Sorgenfalte im Gesicht. Diese lässt sie sich kosmetisch entfernen und fängt damit an, sich Gedanken ...

Johanna hat vor kurzem ihren Vater verloren, der ihr einen verwilderten Garten hinterlassen hat nebst einer Sorgenfalte im Gesicht. Diese lässt sie sich kosmetisch entfernen und fängt damit an, sich Gedanken über ihr Alter sowie ihr Aussehen zu machen. Es bleibt nicht bei einem Eingriff und schon bald muss Johanna sich erklären; ihrem Mann, aber auch ihrer Tochter gegenüber, der sie immer gepredigt hat, dass wahre Schönheit nichts mit dem Aussehen zu tun hat.

»Sie sind immer noch dieselben, man altert nicht über Nacht, und trotzdem, da ist etwas in den Gesichtern, für das Johanna nur ein einziges Wort einfällt. Wir sind alle erschüttert, denkt sie.« (Seite 49)

Dieses recht schmale Buch hat mich drei Tage lang begleitet, denn jede Seite, jedes Kapitel enthielt so viele tolle Sätze, dass ich mit dem Markieren und auch Verarbeiten nicht mehr hinterher kam. Manche Absätze las ich mehrmals, einfach weil diese so authentisch waren und ich mich in vielen Situationen wiedererkannt habe, vor lauter Zustimmung und dem Nicken tat mir irgendwann fast schon der Kopf weh. Johanna dachte und sprach aus, was sicherlich jede Frau schon mal erlebt hat, sie sezierte und hinterfragte, sie zweifelte und stellte in Frage, was bis dahin doch so selbstverständlich war.

»Sich von einem Arzt helfen zu lassen, weil man krank ist, ist trotzdem etwas anderes, als sich helfen zu lassen, weil man sich nicht schön genug fühlt. Es ist seltsam, denkt Johanna. Alle wünschen sich, schön zu sein - aber niemand will sich bei diesem Wunsch erwischen lassen.« (Seite 72)

Wie bereits mit dem Vorgänger »Das leise Platzen unserer Träume« konnte mich Eva Lohmann auch mit ihrem neuesten Werk begeistern und mitreißen mit dem großartigen Schreibstil und ihrer klugen Art. Worte, die treffen, Sätze, die von einer Beobachtungsgabe zeugen, die ihresgleichen sucht. Ein Buch von einer Frau für und über Frauen, das sicherlich auch den ein oder anderen Mann interessieren wird. Eine Bereicherung im großen Teich der Bücher, eine unterhaltsame Lektüre und ein Highlight für mich!

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Musik ist Liebe, Liebe ist Musik

Für Polina
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»Wenn sie gewusst hätten, wie kostbar diese letzten Tage der Unschuld waren, hätten sie sie schon nicht mehr ganz so schwerelos genießen können.« (Seite 53)

Hannes Prager liebt Polina und er liebt die ...

»Wenn sie gewusst hätten, wie kostbar diese letzten Tage der Unschuld waren, hätten sie sie schon nicht mehr ganz so schwerelos genießen können.« (Seite 53)

Hannes Prager liebt Polina und er liebt die Musik. Er komponiert ein Lied für Polina und schenkt ihr diese Melodie. Kurz nach seinem vierzehnten Geburtstag stirbt seine Mutter und damit zieht die Traurigkeit in sein Leben ein, er mag nicht mal mehr an Musik denken, seine und Polinas Wege trennen sich. Erst viele Jahre später gesteht er sich ein, dass er Polina braucht und der einzige Weg, sie zu finden, besteht darin, ihre Melodie zu spielen.

»Er konnte kein Klavier mehr spielen, weil sein Leben in dem Moment den Takt verloren hatte, in dem seine Mutter gestorben war.« (Seite 134)

Auf der Rückseite des Buches steht der Satz, es sei der Liebesroman des Jahres, und selten hat eine Bezeichnung so ins Schwarze getroffen. Die Geschichte von Hannes und Polina gehört für mich im Genre zu einem der schönsten Bücher, die ich gelesen habe, weil es um die Liebe, aber auch um die Musik geht. Takis Würger findet Worte, die mich begeistern, die mich zum Schmunzeln und zum Lachen bringen. Viele Sätze berühren mich aber auch sehr, manche Passagen lese ich mehrfach und weine, weil diese so intensiv und berührend sind, dass es weh tut. Er schreibt diese Erzählung nieder, mit viel Pathos, aber ohne Kitsch, und damit trifft er genau meinen Geschmack. Ich lese keine Liebesromane, aber ich weiß auch, dass der Autor mich bisher nie enttäuscht hat und so ist es auch hier. Meisterhaft!

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