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Veröffentlicht am 15.05.2025

Mörderisch gut!

Outback – Niemand hört dich schreien
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Ein Pärchen aus Deutschland verschwindet im australischen Outback, Detective Sergeant Lucas Walker, der aus familiären Gründen in der Gegend ist, wird von seinem Chef beauftragt, die Vermissten zu suchen. ...

Ein Pärchen aus Deutschland verschwindet im australischen Outback, Detective Sergeant Lucas Walker, der aus familiären Gründen in der Gegend ist, wird von seinem Chef beauftragt, die Vermissten zu suchen. Rita Guerra, die Schwester der jungen Frau, reist ebenfalls an und mischt sich in die Ermittlungen ein. Zusammen mit Walker stößt sie auf die Spur weiterer vermisster Mädchen, was darauf schließen lässt, dass im Outback ein Serientäter sein Unwesen treibt.

Das Buch fing sehr gemächlich an, die Autorin baute nur langsam eine Spannung auf, es brauchte viele Seiten, bis es tatsächlich losging und noch ein bisschen länger, bis es so richtig knallt. Zum einen hing dies damit zusammen, dass es sich beim vorliegenden Thriller um den ersten Teil der Reihe mit DS Lukas Walker handelt, sodass der Charakter ausführlicher vorzustellen war. Zum anderen aber war die Geschichte keine, die schnell erzählt werden kann; die unwirtliche Gegend, die Dürre und die unglaubliche Hitze beanspruchten ihren Platz, dazu noch die vielen Schauplätze, die erkundet werden mussten, falsche Fährten inbegriffen, dies alles brauchte seine Zeit. Mir hat das nichts ausgemacht, denn Patricia Wolf hat ein Talent dafür, großartige Bilder vor meinen Augen entstehen zu lassen, die mich förmlich schwitzen ließen unter der Sonne Australiens, mich fühlen ließen, wie es sein muss, diesem Klima ausgesetzt zu sein.

Insgesamt ein toller Start der Buchreihe, der mich wunderbar unterhalten und mit der Auflösung punkten konnte. Für mich als riesiger Fan von Geschichten aus dem Outback genau das richtige Buch, sodass ich hoffe, dass es weitere Übersetzungen geben wird, zumal im Original demnächst bereits der vierte Band erscheint. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 14.05.2025

Zu politisch für mich

Flimmern im Ohr
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Priska kämpft damit, wieder Hören zu lernen, nachdem ihr ein Innenohr-Implantat eingesetzt wurde. Beim Üben zur Punkmusik aus früheren Zeiten erinnert sie sich an Ereignisse von vor über dreißig Jahren. ...

Priska kämpft damit, wieder Hören zu lernen, nachdem ihr ein Innenohr-Implantat eingesetzt wurde. Beim Üben zur Punkmusik aus früheren Zeiten erinnert sie sich an Ereignisse von vor über dreißig Jahren. Als in den 1970er- und 80-Jahren der Inlandgeheimdienst in der Schweiz auf illegale Art und Weise Daten gesammelt hat über unbequeme Personen, wurde auch Priska beobachtet und bespitzelt. Sie denkt zurück an ihre große Liebe, resümiert vergangene Tage und ist, wie damals schon, auf der Suche nach sich selbst.

Dieses Buch hat es mir wirklich nicht leicht gemacht. Es war sehr anspruchsvoll, was zusammen mit dem politischen Aspekt meine volle Konzentration gefordert hat. Dazu kam, dass die Geschichte für mich an manchen Stellen zu sehr in die Tiefe ging, neben den geschichtlichen Fakten gab es viele Ausführungen das Hören sowie das Implantat betreffend, beides Themen, die mich einfach nicht besonders interessieren. Feminismus, Frauenrechte, persönliches Körpergefühl, Beziehungsängste, politische Entwicklungen und viele andere Themen finden im Buch Platz, wer sich dafür interessiert, für den mag diese Geschichte die richtige sein. Für mich persönlich war es ein ungewohnter Ausflug in ein anderes Genre, der mir dennoch im Gedächtnis bleibt. Danke dafür.

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Veröffentlicht am 13.05.2025

Prost, Gemeinde!

Teufelsspring
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Die junge Joelle Winter wird ermordet aufgefunden, Kommissar Wim Schneider nimmt zusammen mit seiner Kollegin Rosalie Helmer die Ermittlungen auf. Zufällig stößt Wims frühere Partnerin auf einen Cold Case ...

Die junge Joelle Winter wird ermordet aufgefunden, Kommissar Wim Schneider nimmt zusammen mit seiner Kollegin Rosalie Helmer die Ermittlungen auf. Zufällig stößt Wims frühere Partnerin auf einen Cold Case aus dem Jahr 1993 und findet Parallelen zum aktuellen Fall, die nach Hannover führen.

„Es begann mit »Gaußberg« im Frühling, setzte sich fort mit »Hinter Liebfrauen« im Sommer, zeigte mit »Im Eichtal« Wims düsterste Momente im nebeligen Herbst und bildet nun einen Abschluss mit »Teufelsspring« in einem hartnäckigen Winter.“ (Seite 372)

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den vierten Teil der Reihe mit Kommissar Wim Schneider, die mich seit unglaublichen vier Jahren begleitet. Die Fälle selbst sind hierbei in sich abgeschlossen, aufgrund der immer tiefergehenden Verflechtungen der Personen miteinander möchte ich jedoch dazu raten, die Reihenfolge einzuhalten. Besonders dieser Band bezieht sich auf einige zurückliegende Ereignisse und das Lesen ohne Vorwissen würde dazu führen, dass bestimmte Situationen einfach nicht richtig gedeutet werden können.

Bereits zum vierten Mal durfte ich dem speziellen, aber durchaus liebenswerten Kommissar Wim Schneider über die Schulter schauen, ihm und seinen Kollegen sowie anderen mal mehr, mal weniger sympathischen Figuren dabei zusehen, wie sie Fälle aufklären, Freundschaften schließen oder sich verkrachen, Spuren verfolgen, falsche Wege einschlagen, echte Indizien finden und Erfolge erzielen, indem sie den oder die Täter aufspüren und der gerechten Strafe zuführen. Besonders gefiel mir, dass der Fokus nicht ausschließlich auf Kommissar Wim Schneider lag, sondern permanent ein Wechsel der Perspektive erfolgte, der einen Einblick möglich machte, der weit über die Ermittlungsarbeit hinausging. Dies und der großartige Humor machten die Lektüre zu einem unvergleichlichen Erlebnis.

Wieder einmal bin ich begeistert, wie gut der Autor es geschafft hat, die verschiedenen Erzählstränge so passend miteinander zu verbinden, dass zuletzt alles phantastisch zusammenfand und keine Fragen offen blieben. Einige falsche Fährten und überraschende Wendungen später steuerte die Geschichte auf ein Finale zu, das mich vollständig zufriedenstellte, sogar auf den letzten Seiten kam keine Langeweile auf. Der Abgang mit einem Paukenschlag war typisch für den Protagonisten, ich hoffe sehr, dass nach den vier Jahreszeiten noch ein Nachspiel folgt, schließlich habe ich noch lange nicht genug. Für mich der absolute Höhepunkt der tollen Reihe, die mich wunderbar unterhalten hat.

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Veröffentlicht am 10.05.2025

Ausgezeichnet!

Halbinsel
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Als Annetts Tochter Linn einen Zusammenbruch erleidet, zieht sie bei ihrer Mutter ein, in das Haus am Wattenmeer, nahe Husum, um sich zu erholen. Aus einer Woche werden zwei, dann mehrere, und als die ...

Als Annetts Tochter Linn einen Zusammenbruch erleidet, zieht sie bei ihrer Mutter ein, in das Haus am Wattenmeer, nahe Husum, um sich zu erholen. Aus einer Woche werden zwei, dann mehrere, und als die Monate ins Land ziehen, wird es Zeit, dass beide Frauen darüber nachdenken, wie es weitergeht; mit ihnen, aber ebenso dem Leben allgemein. Dafür müssen auch unliebsame Dinge angesprochen und Barrieren beseitigt werden.

»Inzwischen habe ich begriffen, es grenzt an ein Wunder, wenn man geliebte Menschen um sich hat und sie nicht zu früh verliert. Ein noch größeres Wunder ist es, wenn es einem mehrmals im Leben gelingt, jemanden zu finden, der es gut mit einem meint.« (Seite 50)

Ich klappte das Buch zu und wünschte, ich könnte über den Inhalt sofort mit jemandem diskutieren, so vieles schwirrte mir im Kopf herum. Zu Beginn hatte ich, weil ich altersgemäß eher zu Annett passte, deren Ansichten überwiegend übernommen, im Laufe der Geschichte jedoch zusammen mit ihr als Ich-Erzählerin vieles davon wieder revidiert. Die Überzeugungen der fast fünfundzwanzigjährigen Linn bekamen dadurch zwar nicht automatisch meine Zustimmung, aber sie brachten mich zum Nachdenken und einiges ergab für mich tatsächlich einen anderen Sinn. Kristine Bilkau schaffte es, ihren Figuren Fragen in den Mund zu legen, die mich sogar bei Themen, die mich sonst nicht interessieren, ungeduldig auf Antworten warten ließen. Ob Klima, Naturkatastrophen, wirtschaftliche Probleme, der Tod, Angst vor Unfällen oder zwischenmenschliche Beziehungen, es kam so vieles vor, und eingeflochten in die Erzählung wurden sogar Nebensächlichkeiten wie ein Ziegelstein oder ein Tag am See zu einem wichtigen Ereignis, das sich einfügte und das Buch zu einem besonderen Lesevergnügen machte. Dafür ist der Preis der Leipziger Buchmesse mehr als verdient. Großartig!

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Veröffentlicht am 08.05.2025

Erfrischend anders

Wenn wir lächeln
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Jara und Anto lernen sich auf dem Fußballplatz kennen und daraus entsteht bald eine Freundschaft, in der Anto die mutigere ist und Jara diejenige mit der überbordenden Fantasie. Sie teilen Erfahrungen ...

Jara und Anto lernen sich auf dem Fußballplatz kennen und daraus entsteht bald eine Freundschaft, in der Anto die mutigere ist und Jara diejenige mit der überbordenden Fantasie. Sie teilen Erfahrungen miteinander sowie Lipgloss und Klamotten. Wenn da nur nicht die Wut wäre, die rauswill und irgendwann auch rausmuss.

»Sie grinst mich an, und alles, was sie davor gesagt hat, hat auf einmal keine Bedeutung mehr. Es ist die Art, wie sie mich ansieht. Als wäre ich insgeheim für sie das Beste auf der ganzen Welt, und in diesem Moment weiß ich, dass es genau so ist, auch wenn sie das nicht so gut zeigen kann.« (Seite 130)

Dieses Buch war wie ein Experiment für mich, denn zu Beginn war es seltsam und befremdlich, der außergewöhnliche Schreibstil sowie die Art und Weise, wie Mascha Unterlehberg ihre Protagonistin auftreten lässt, war gewöhnungsbedürftig und - das gebe ich unumwunden zu - schon ein bisschen eigenwillig. Es überraschte mich also sehr, dass ich nur wenige Kapitel weiter trotzdem vollkommen gebannt der Erzählung von Jara lauschte, sie begleitete auf ihren Wegen, ob mit Anto oder allein. Es wurde lustig, es wurde traurig, es war dramatisch und es gab Gewalt. Was zuletzt geschah, habe ich dennoch nicht kommen sehen, obwohl es genug Anhaltspunkte gab. Wer auf ungewöhnliche Bücher steht, sich auf ausgefallene Geschichten und einen abgefahrenen Erzählstil einlassen mag, dem empfehle ich dieses Werk, das mich restlos begeistert hat, auch wenn ich nicht sicher bin, ob ich alles richtig verstanden habe. Der Weg ist das Ziel, ich will mehr davon!

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