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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.11.2022

Eiskalt erwischt

Kalt und still
1

Hanna Ahlander steht vor einem Scherbenhaufen, zuerst hat ihr Chef ihr mitgeteilt, dass sie nicht mehr willkommen ist und sich einen neuen Job suchen soll, zu Hause erwartet sie eine weitere Hiobsbotschaft, ...

Hanna Ahlander steht vor einem Scherbenhaufen, zuerst hat ihr Chef ihr mitgeteilt, dass sie nicht mehr willkommen ist und sich einen neuen Job suchen soll, zu Hause erwartet sie eine weitere Hiobsbotschaft, denn Hannas Lebensgefährte trennt sich von ihr und schmeißt sie förmlich aus seiner Wohnung raus. Da trifft es sich gut, dass Hannas Schwester Lydia ihr das Ferienhaus in Åre anbietet, in dem sie erst einmal zur Ruhe kommen soll. Im Bergdorf angekommen, lässt sich Hanna von der Aufregung anstecken, dass die achtzehnjährige Amanda verschwunden ist. Da zurzeit Temperaturen von minus 20 Grad herrschen, zählt jede Minute. Hanna bietet der örtlichen Polizei ihre Hilfe an, verschweigt dabei aber ihre beruflichen Differenzen.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den Start einer neuen Krimireihe und damit den ersten Fall für die Polizistin Hanna Ahlander, wobei der Kriminalkommissar Daniel Lindskog hier eine ebenso große Rolle gespielt hat wie Hanna. Mit der ruhigen Erzählweise war es für mich mehr Roman als Krimi, die zwischenmenschlichen Beziehungen nahmen sehr viel Raum ein. Dies hat mir gut gefallen, denn es war perfekt, um die Hauptpersonen kennenzulernen und ein Gespür für die Charaktere zu bekommen. Das Privatleben der beteiligten Polizisten nahm ebenfalls viel Raum ein, aber auch das mag ich in einem Krimi sehr.

Die Autorin schreibt sehr bildlich, fast schon ausschweifend, was dazu führte, dass die Atmosphäre umso stärker spürbar war, ich die Kälte fast in meinen Knochen spürte und viele Geschehnisse geradezu vor den Augen hatte. Die Sprünge zwischen den Personen waren klug gewählt, so entstand eine permanente Spannung und die ein oder andere Ungeduld meinerseits, die mich fast vorblättern ließ. Die Wendung, die der Fall nahm, hat mich zusätzlich frösteln lassen, so viel Kaltschnäuzigkeit und Frechheit ist schon selten. Das Finale war dramatisch, die Auflösung schlüssig und ich freue mich bereits sehr auf weitere Fälle mit Hanna und Daniel. Gerne vergebe ich viereinhalb Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 23.11.2022

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Das Profil
1

Als Kinder einen Toten im Sandkasten finden, ist Kriminalkommissarin Franka Erdmann entsetzt; der Mann wurde nackt bis zum Kehlkopf im Sand eingegraben, sein Genick scheint gebrochen. Mit dem ihr gegen ...

Als Kinder einen Toten im Sandkasten finden, ist Kriminalkommissarin Franka Erdmann entsetzt; der Mann wurde nackt bis zum Kehlkopf im Sand eingegraben, sein Genick scheint gebrochen. Mit dem ihr gegen ihren Willen neu zugewiesenen Kollegen Alpay Eloglu, der frisch von der Universität kommt, ist sie mitten in den Ermittlungen, als die Meldung über eine weitere Tote hereinkommt. Eine junge Influencerin wurde überfallen und brutal in ihrer Wohnung ermordet, es gibt keine Spuren. Als Hinweise auftauchen, die beide Morde miteinander verbinden, drängt die Zeit, weil allen schnell klar ist, dass der Täter nicht so schnell wieder aufhören wird.

Dies ist das Debüt von Hubertus Borck, was ich nach Beendigung des Buches kaum glauben kann. Als Thriller würde ich das Buch zwar nicht bezeichnen, aber als unterhaltsamen und sehr spannenden Krimi, der mich mit der guten alten Laufarbeit überzeugen konnte. Bei den beiden Hauptfiguren Franka und Alpay habe ich etwas gebraucht, bis ich mit ihnen warm wurde, aber letztendlich habe ich besonders Franka in mein Herz geschlossen. Schade fand ich hierbei, dass der Fokus überwiegend auf Franka lag, über ihren Kollegen habe ich noch nicht so viel erfahren dürfen. Dies ändert sich hoffentlich im weiteren Verlauf der Buchreihe. Die Dynamik zwischen den beiden unterschiedlichen Charakteren fand ich klasse, die feinen Spitzen und den ironischen Unterton passend. Dabei wurde es aber nie übertrieben und so richtig unter die Gürtellinie ging es ebenfalls nie.

Der Fall war außergewöhnlich und es hat mir viel Spaß gemacht, den Ermittlern bei der Verfolgung der vielen Fährten über die Schulter zu schauen. Die dazwischen eingestreuten Abschnitte über den Täter fand ich anfangs etwas holprig, aber im Laufe der Geschichte wurden diese kurzen Einblicke immer besser und interessanter. Das Finale war dramatisch, die Auflösung stimmig und bereits jetzt freue ich mich auf ein Wiedersehen mit Franka und Alpay, das glücklicherweise nicht lange auf sich warten lässt, denn bereits im März 2023 erscheint der zweite Teil mit den beiden Ermittlern. Von mir gibt es viereinhalb Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 21.11.2022

Die Entscheidung

Ich verliebe mich so leicht
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Der namenlose Held dieses Romans fliegt von Frankreich nach Schottland, um die ebenfalls namentlich ungenannte Heldin zu treffen. Hervorzuheben hierbei ist, dass ich solche Storys eher aus Frauensicht ...

Der namenlose Held dieses Romans fliegt von Frankreich nach Schottland, um die ebenfalls namentlich ungenannte Heldin zu treffen. Hervorzuheben hierbei ist, dass ich solche Storys eher aus Frauensicht kenne, sodass es für mich ein ungewöhnliches, aber auch sehr amüsantes Lesevergnügen war. Die Stimme im Hintergrund, die erzählte und dabei sein Verhalten kommentierte, war eine außergewöhnlich gewählte Erzählweise, die etwas distanziert wirkte, letztendlich aber passend war zum Drama, das ich erwartet habe. Ob dieses eingetroffen ist, das sollte jeder für sich selbst herausfinden. Das Buch ist relativ schmal, mehr Kurzgeschichte als Roman. Dennoch habe ich nicht das Gefühl, dass etwas fehlte. Es wurde alles gesagt, was nötig war. Ich jedenfalls bin ganz begeistert von diesem schmalen Büchlein und empfehle es sehr gerne weiter.

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Veröffentlicht am 19.11.2022

Komm, tanz mit mir

Wenn das Böse nach Brandenburg kommt
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Jugendliche werden entführt, der Täter quält die Teenager und lässt sie versteckt zurück. Kriminalhauptkommissarin Carla Stach und ihr Team finden bald eine Gemeinsamkeit, die dennoch keinen Rückschluss ...

Jugendliche werden entführt, der Täter quält die Teenager und lässt sie versteckt zurück. Kriminalhauptkommissarin Carla Stach und ihr Team finden bald eine Gemeinsamkeit, die dennoch keinen Rückschluss auf den Täter zulässt. Die Zeit drängt, denn dieser hat anscheinend nicht vor, mit seinen Taten aufzuhören.

Dies ist der zweite Fall für Kriminalhauptkommissarin Carla Stach, für mich aber mein erstes Buch des Autors Richard Brandes. Ich lese selten Regionalkrimis, wenn sie aber so gut sind, wie das vorliegende Buch, dann dürfen es in Zukunft gerne mehr sein. Ich weiß nicht, ob und was ich mit dem ersten Teil verpasst habe, aber da es hin und wieder Hinweise auf zurückliegende Erlebnisse gab, wohl einiges. Dennoch hatte ich aber nicht das Gefühl, außen vor zu sein, weil mir bestimmtes Wissen fehlt. Der Fall selbst war interessant und die Ermittlung spannend, wobei es für mich stellenweise mehr Roman als Krimi war, was ich aber nicht schlecht fand. Der Ausflug in die Vergangenheit der Bundesrepublik Deutschland war sehr informativ, aber nicht zu sehr im Vordergrund, was mir ebenfalls gefallen hat. Die losen Fäden fanden im Laufe der Ermittlung zusammen, die Auflösung war schlüssig. Ich fand es nur etwas schade, dass sich zum Ende hin in kürzester Zeit die Ereignisse fast überschlagen haben, hier hätte ich mir ein anderes Tempo und mehr Raum gewünscht. Aber dies ist mein persönliches Empfinden und mag von jedem anders wahrgenommen werden. Mit den Personen wurde ich zwar bis zuletzt nicht ganz warm, dies ändert sich aber vielleicht, wenn ich den Vorgänger gelesen und mehr Hintergrundinformationen habe, was ich fest vorhabe. Alles in allem eine tolle Buchreihe, die ich gerne weiterverfolgen werde. Von mir gibt es vier Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 17.11.2022

Spannend und informativ

Der Horror der frühen Chirurgie
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Als der Erste Weltkrieg ausbricht, steht Harold Gillies noch ganz am Anfang seiner Karriere. Konfrontiert mit den schlimmsten Gesichtsverletzungen und Verbrennungen im Kopfbereich, widmet er sich der Rekonstruktion ...

Als der Erste Weltkrieg ausbricht, steht Harold Gillies noch ganz am Anfang seiner Karriere. Konfrontiert mit den schlimmsten Gesichtsverletzungen und Verbrennungen im Kopfbereich, widmet er sich der Rekonstruktion dieser Wunden. Während der Krieg immer schlimmer wütet, revolutioniert er das Gebiet der plastischen Chirurgie.

„Die Kriegsreporter bezeichneten Gesichtsverletzungen als den >härtesten Schlag, den der Krieg einem Menschen versetzen kann <, denn sie nahmen den Betroffenen ihre sichtbare Identität.“ (Seite 184)

Bereits im Vorwort weist die Autorin darauf hin, dass es sich beim vorliegenden Werk um ein Sachbuch handelt. Wenn Sachbücher immer so informativ, spannend und unterhaltsam wären, würde ich wahrscheinlich mehr davon lesen, was mir zeigt, dass Lindsey Fitzharris ein besonderes Talent zum Geschichtenerzählen besitzt. Schon nach den ersten Seiten bin ich gefesselt und nehme um mich herum nichts mehr wahr. Bevor es mit der Herkunft und dem Werdegang der Hauptperson, dem Chirurg Harold Gillies, losgeht, erzählt die Autorin, wie und warum es zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs gekommen ist. Was mir dabei besonders gefallen hat, waren nicht nur die vielen historischen Fakten, sondern dass die Autorin es geschafft hat, immer wieder verschiedene Geschehnisse und Einzelschicksale in die Erzählung einzubringen, die das Gesamtbild vervollständigten. Hierbei beschränkte sie sich weder auf Länder, noch Kontinente und das wiederum muss eine Recherche erforderlich gemacht haben, die mir großen Respekt abnötigt.

Die vielen Beschreibungen und Erklärungen im Buch können für sensible LeserInnen grenzwertig sein, wobei wohl auch das eigene Kopfkino zusätzlich belastend einwirken könnte. Ich bin in dieser Hinsicht nicht zimperlich und hätte mir im Gegenteil manche Vorgänge bebildert gewünscht, wobei es sicherlich ausgereicht hätte, die Fotos schwarzweiß zu belassen, denn ganz so hartgesotten bin nämlich auch ich nicht. Der Werdegang von Harold Gillies ist wahrhaftig ein Buch wert, wenn nicht sogar mehrere. Was dieser Mann auf dem Gebiet der plastischen Chirurgie geleistet hat, ist ungeheuerlich und ich bin immer noch erstaunt darüber, dass ich seinen Namen bisher noch nie gehört habe. Hervorheben möchte ich hierbei zum Beispiel, dass es ihm nicht nur um das Aussehen ging, sondern gleichermaßen darum, dass auch die Funktionalität wieder hergestellt wurde. Dies war bis dahin nicht das Bestreben der Ärzteschaft, wobei es auch daran lag, dass dieser Grenzen gesetzt waren aus verschiedenen Gründen.

Ich möchte an dieser Stelle gar nicht mehr zum Inhalt verraten, um jedem die Möglichkeit zum staunen, lernen und überrascht sein zu geben, genauso wie es mir erging. Volle Punktzahl gibt es dafür von mir und eine Leseempfehlung.

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