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Veröffentlicht am 09.11.2022

Ein schwerer Abschied

Der Zorn sei dein Ende
1

Der letzte Fall vor dem Ruhestand entpuppt sich für Peter Decker als eine Fortsetzung der Ermittlung im letzten Buch. Neue Erkenntnisse lassen darauf schließen, dass eine der vermissten Personen nun doch ...

Der letzte Fall vor dem Ruhestand entpuppt sich für Peter Decker als eine Fortsetzung der Ermittlung im letzten Buch. Neue Erkenntnisse lassen darauf schließen, dass eine der vermissten Personen nun doch tot ist. Währenddessen wird Teresa, die Mutter von Peters Pflegesohn Gabe, überfallen und ihr jüngstes Kind entführt. Deren gewalttätiger Ex-Mann Chris Donatti ist sofort zur Stelle, um seiner großen Liebe, die er seit Jahren nicht mehr gesehen hat, zu helfen. Dabei ist er bereit, alles zu tun, damit Teresa zu ihm zurückkommt, und schreckt auch vor Gewalt nicht zurück.

Abwechselnd sprang die Geschichte zwischen der Ermittlung von Decker und dem Entführungsfall hin und her, wobei die Story rund um Teresa, die Ex-Frau von Chris Donatti, den meisten Raum einnahm. Die Perspektiven wechselten, wobei mich irritierte, dass Teresa dabei als einzige Ich-Erzählerin fungierte. Ebenso irritierend fand ich die Ermittlung selbst, die ich mit dem letzten Teil der Reihe eigentlich bereits abgeschlossen wähnte. Zur Spannung trug der alte Fall jedenfalls nicht bei, die eher gemächliche Handlung fand ich fast ermüdend. Positiv hervorheben möchte ich an dieser Stelle, dass es genügend Erklärungen und Wiederholungen gab, die mir geholfen gaben, mich an das letzte Buch sowie insbesondere den Werdegang von Chris Donetti zu erinnern. Dennoch fand ich nicht so richtig in das Geschehen rein.

Dies hätte das grandiose Finale der wunderbaren Buchreihe mit Rina Lazarus und Peter Decker werden sollen, leider blieb ich am Ende etwas enttäuscht zurück. Statt eines Kriminalromans bekam ich einen Mix aus True Crime und Mafiastory, wobei letztere tatsächlich überwiegend zur Abwertung führt. Der Teil nämlich, der sich um Rina sowie Peter nebst Familie und Freunden drehte, war zwar viel zu kurz, aber von den Dialogen her gewohnt gut; der feine Humor wie immer wohl dosiert und mit witzigen Spitzen versehen. Der Donatti-Teil wiederum katapultierte mich in einen Groschenroman, der sich hauptsächlich um Rache, Verrat und vorrangig Sex drehte. Viel Sex. Sehr viel Sex. Kombiniert mit den oft erstaunlich schlechten Dialogen, ergab dies kein großes Lesevergnügen für mich. Die Autorin wollte hier wohl unbedingt zeigen, was für ein böser Junge Chris Donatti ist, hat aber dadurch tragischerweise eher eine Karikatur seiner selbst erschaffen, was schade und unnötig war, denn aus den vorherigen Büchern war bereits klar ersichtlich, was für ein Mensch Chris war und ist.

Die Geschichte explodierte dann förmlich auf der Zielgeraden, die letzten hundert Seiten waren eine Höllenfahrt, was mich gleichermaßen überraschte wie erfreute. Hier entfaltete sich das Talent der Autorin, das der Grund dafür ist, dass ich diese Buchreihe seit fast fünfundzwanzig Jahren gelesen und geliebt habe. Das erste Buch ist übrigens 1986 erschienen, also vor über sechsunddreißig Jahren! Das Ende war schön und passend, aber auch tragisch und traurig. Der Abschluss nicht ganz so, wie ich es erwartet hatte, aber er rundete die Geschichte von Peter und Rina, ihrer Familie und Freunden gut ab. Es war eine tolle Reise, die nun zu Ende ist. Danke dafür. Von mir gibt es dreieinhalb Sterne.

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Veröffentlicht am 07.11.2022

Typisch deutsch, oder?

Ein Alman feiert selten allein
1

Elif verbringt Weihnachten mit ihrem Freund Jonas und seiner deutschen Familie. Dies hört sich harmonisch an, ist es aber nicht. Kulturelle Unterschiede, Witze auf ihre Kosten sowie die ein oder andere ...

Elif verbringt Weihnachten mit ihrem Freund Jonas und seiner deutschen Familie. Dies hört sich harmonisch an, ist es aber nicht. Kulturelle Unterschiede, Witze auf ihre Kosten sowie die ein oder andere Kuriosität im Hinblick auf Ablauf und Durchführung der Festivitäten bringen Elif an den Rand eines Nervenzusammenbruch.

Dies ist das erste Buch der Autorin, aber hoffentlich nicht ihr letztes. Lustige Bücher lese ich kaum bis gar nicht, hier bin ich aber froh, eine Ausnahme gemacht zu haben. Dieses Buch war das Lustigste, was ich dieses Jahr lesen durfte. Die Schilderungen der Protagonistin waren aus dem Leben gegriffen, viele Situationen habe ich tatsächlich wiedererkannt. Weihnachten ist ein Pulverfass und wenn dann auch noch zwei verschiedene Kulturen aufeinander treffen, sind Unfrieden und Streit vorprogrammiert. Die Eigenheiten der Deutschen werden auf die Schippe genommen, die ein oder andere Spitze hat mich laut auflachen lassen. Gefallen hat mir dabei sehr, dass es nie unter die Gürtellinie ging, und dass auch einige Schrullen der türkischen Familie von Elif zur Sprache gekommen sind. Dieses Buch schreit förmlich danach, verfilmt zu werden, ich würde es mir sehr wünschen. Volle Punktzahl gibt es dafür von mir und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 31.10.2022

Friss die Hälfte

Lügen über meine Mutter
1

Daniela Dröscher erzählt über ihre Kindheit und ich bin entsetzt, angewidert und fasziniert zugleich. Größtenteils aus der Sicht eines Kindes, unterbrochen mit kurzen Resümees als erwachsene Frau, berichtet ...

Daniela Dröscher erzählt über ihre Kindheit und ich bin entsetzt, angewidert und fasziniert zugleich. Größtenteils aus der Sicht eines Kindes, unterbrochen mit kurzen Resümees als erwachsene Frau, berichtet sie über die Ehe ihrer Eltern aus ihrer Sicht in den 1980er Jahren. Wie der Vater die Mutter demütigt, Tag für Tag, weil sie ihm zu dick und dadurch nicht vorzeigbar genug ist. Er, dem die Wirkung nach außen hin fast noch wichtiger ist, als Eheglück und Frieden zu Hause. Er, der als einfacher Angestellter sein Leben lang dem Traum hinterherläuft, befördert zu werden, überhaupt Jemand zu sein. Der damit nicht klarkommt, dass seine Frau etwas besser weiß, der sie klein halten und unterdrücken muss, um besser dazustehen, mehr Schein als Sein.

Ich war mir nicht sicher, ob man dieses Gefühl transportieren kann, das wahrscheinlich jede Frau in ihrem Leben bereits mindestens einmal erlebt hat, nämlich nicht gut genug zu sein. An sich zu zweifeln und zu verzweifeln, weil ein Mann einem sagt, man sei nichts wert, nicht schlank genug oder einfach dumm. Aber die Autorin hat es geschafft, dass ich aus dem Nicken beim lesen nicht mehr herauskam. So, genau so und nicht anders war es früher, das weiß ich, denn ich war dabei. Ich war beim lesen entsetzt, ich bin zerplatzt vor Wut, konnte nicht fassen, wie der Vater manipuliert, gedroht und kleingeistig reagiert hat. Welche Freiheiten und Frechheiten er sich rausgenommen, welchen Luxus er sich erlaubt hat. Alles auf dem Rücken seiner Frau, die als Tochter, Mutter, Schwiegertochter und Pflegemutter tagtäglich den Laden am Laufen gehalten und dazu der Familie ein Leben über ihren Verhältnissen ermöglicht hat.

Diese Erinnerungen in Romanform sind eines der besten Bücher, die ich in der letzten Zeit gelesen habe und sicherlich nicht das letzte Buch der Autorin, das ich lesen werde. Von mir gibt es fünf Sterne mit Sternchen und eine Leseempfehlung. Grandios!

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Veröffentlicht am 28.10.2022

Leider enttäuschend

Der Sturm
1

Kieran ist mit seiner Freundin Mia und der gemeinsamen Tochter auf der australischen Insel Tasmanien zu Besuch, um seinen Eltern beim Umzug zu helfen. Als kurz nach seiner Ankunft ein Verbrechen geschieht, ...

Kieran ist mit seiner Freundin Mia und der gemeinsamen Tochter auf der australischen Insel Tasmanien zu Besuch, um seinen Eltern beim Umzug zu helfen. Als kurz nach seiner Ankunft ein Verbrechen geschieht, brechen alte Wunden auf und die Vergangenheit holt ihn ein. Vor zwölf Jahren gab es einen Sturm auf der Insel, Menschen starben und Kieran gibt sich selbst die Schuld. Plötzlich gibt es Anschuldigungen und Verdächtigungen, die Gerüchteküche brodelt und Geheimnisse kommen ans Licht. Was geschah wirklich vor zwölf Jahren und was hat das Ganze mit dem Mord vor ein paar Tagen zu tun?

Die Geschichte fing gemächlich an und blieb bis zum Ende hin eher ruhig und zurückhaltend. Ich würde hier deswegen eher von einem Spannungsroman sprechen, als von einem Thriller. Lange Zeit wurde ein Geheimnis darum gemacht, was vor zwölf Jahren beim Sturm passiert ist, die vielen dazwischen eingestreuten Andeutungen und Hinweise wiesen aber immer wieder darauf hin, dass es ein Unglück ungeahnten Ausmaßes gewesen sein muss. Die Gegenwart wurde dabei immer wieder unterbrochen durch Erinnerungen und Gedanken von Kieran, was ich zwischendurch als sehr störend empfand, weil diese Abschnitte nicht klar abgegrenzt wurden, was manchmal dazu führte, dass ich kurz irritiert war und gar nicht wusste, in welcher Zeit ich nun tatsächlich bin. Das hätte ich mir anders gewünscht, die fließenden Übergänge empfand ich als schlecht gewählt.

Leider konnte mich das Buch auch insgesamt nicht wirklich abholen, zu langatmig und uninteressant fand ich viele Abschnitte, zu wenig spannend die gesamte Story. Erst im letzten Drittel kam ein wenig Bewegung in die Geschichte rein, allerdings blieb die Spannungskurve permanent weit unter meinen Erwartungen zurück. Die Auflösung war zwar schlüssig, aber der große Knall blieb auch da gänzlich aus. So wirklich überrascht hat mich das Ende, das ich als etwas zu abrupt empfand, leider nicht. Für Fans der Autorin ist das Buch sicherlich empfehlenswert, allen anderen empfehle ich zum Einstieg ihre früheren Werke. Von mir gibt es solide drei Sterne.

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Veröffentlicht am 26.10.2022

Eiskalte Bedrohung

Einsame Nacht
1

Eine Frau fährt am späten Abend alleine durch die Nacht, am nächsten Morgen ist sie tot, ermordet in ihrem zugeschneiten Auto auf einem einsamen Feldweg. Die einzige Zeugin schweigt, hat sie zwar gesehen, ...

Eine Frau fährt am späten Abend alleine durch die Nacht, am nächsten Morgen ist sie tot, ermordet in ihrem zugeschneiten Auto auf einem einsamen Feldweg. Die einzige Zeugin schweigt, hat sie zwar gesehen, wie ein Mann in das Auto der Toten gestiegen ist, aber trotz einem unguten Gefühl nichts gemacht. Nun ist die Scham darüber so groß, dass sie sich nicht meldet. Kate Linville ermittelt und stößt schnell auf einen alten Fall, der auf den ersten Blick überhaupt nicht zum aktuellen Verbrechen passt. Der Täter damals wurde nie gefunden, nun gibt es vielleicht einen neuen Ansatz.

Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um den vierten Band der Reihe um Kate Linville. Wer den vorherigen Teil nicht gelesen hat, dem empfehle ich dringend, dies vor der Lektüre dieses Buches zu tun, denn nicht nur im Privatleben der beteiligten Personen haben sich gravierende Änderungen ergeben, es wird auch oft Bezug genommen auf den abgeschlossenen Fall unter Nennung der schuldigen Person. Dazu kommt, dass sich im Laufe der aktuellen Geschehnisse einige Antworten finden auf Fragen, die den letzten Fall betrafen.

Nun aber zum aktuellen Fall. Bereits der Prolog, der zeitlich fast zehn Jahre vor der Gegenwart spielt, ist so dramatisch, dass ich sofort gefesselt bin. Die Autorin hat die Gabe, eine Geschichte so zu erzählen, dass es trotz der verschiedenen Schauplätze am Anfang nie dazu kommt, dass ich verwirrt bin; im Gegenteil versuche ich, Zusammenhänge zu erkennen, was mir natürlich selten gelingt, so raffiniert ist die Erzählung. Erst nach und nach ergeben sich Ansätze, die es mir möglich machen, die losen Enden miteinander zu verbinden, dennoch dauert es sehr lange, bis auch ich den Durchblick erlange, was natürlich gewollt ist. Bereits früh habe ich einen Verdacht, den ich erst verwerfe, weil die Autorin es schafft, mich in die Irre zu führen, aber letztendlich bestätigt sich dieser, was meine Lesefreude dennoch nicht schmälert, denn es war meinerseits ein Schuss ins Blaue und auch nicht die erste Wahl.

Die Geschichte rund um den Fall war diesmal nicht einfach zu ertragen. Melancholie, Einsamkeit und Depression geben sich hier die Hand, viele Personen im Buch haben ihr Päckchen zu tragen. Das passende Wetter tat das übrige, über allem lag der Hauch einer Traurigkeit, die sich durch das ganze Buch zieht. Ein verzwickter Fall, eine tolle Auflösung, die keine Fragen offen lässt, und eine Ermittlerin, der ich hoffentlich noch bei vielen Fällen über die Schulter schauen darf. Wieder einmal hat Charlotte Link mich auf ganzer Linie überzeugt. Volle Punktzahl gibt es dafür von mir und eine Leseempfehlung.

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