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Veröffentlicht am 17.02.2026

So viele relevante Themen!

Gelbe Monster
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Inhalt (spoilerfrei): Die Mathematikstudentin Charlie muss nach einer Eskalation mit ihrem Exfreund Valentin an einem Anti Aggressionstraining für Frauen teilnehmen, das war die Bedingungen ihrer besten ...

Inhalt (spoilerfrei): Die Mathematikstudentin Charlie muss nach einer Eskalation mit ihrem Exfreund Valentin an einem Anti Aggressionstraining für Frauen teilnehmen, das war die Bedingungen ihrer besten Freundin Ella, damit Charlie weiterhin bei ihr wohnen darf. Im Austausch mit den anderen Frauen beginnt Charlie, sich ihrer eigenen Verantwortung zu stellen und ihre Geschichte neu zu erzählen.

Erzählstil: Man wird ohne Vorwarnung in Charlies Leben geworfen. Es gibt keine sanfte Einführung, keine klare Einordnung. Stattdessen sitzt man plötzlich mit ihr in einer Anti Aggressionsgruppe für Frauen und weiß zunächst kaum, was eigentlich passiert ist. Nach und nach erfährt man in unterschiedlichen Zeitebenen, was in ihrer Beziehung zu Valentin geschehen ist und wie es dazu kam, dass sie nun an diesem Training teilnehmen muss. Die Geschichte entfaltet sich nicht linear, sondern Stück für Stück. Wie Puzzleteile setzt sich langsam zusammen, was Charlie erlebt hat, was sie geprägt hat und warum sie so geworden ist, wie sie ist. Und genau das macht die Spannung aus.Der Stil ist distanziert und gleichzeitig unglaublich klug konstruiert. Anfangs fühlt man sich fast verloren. Man wird reingeschmissen und muss sich selbst orientieren. Die Zeitsprünge sorgen dafür, dass man immer nur Bruchstücke bekommt. Erst später beginnt man zu verstehen, wie alles zusammenhängt. Ich fand das wahnsinnig spannend, weil sich mit jeder neuen Information auch meine Haltung zu Charlie verändert hat. Das Buch zwingt einen förmlich dazu, die eigene Einschätzung immer wieder zu korrigieren. Es ist keine bequeme Lektüre, aber eine, die sehr bewusst mit Perspektive und Wahrnehmung spielt.

Figuren: Charlie wirkt am Anfang ehrlich gesagt unsympathisch. Sehr selbstfixiert, schnell urteilend, voller Selbsthass und gleichzeitig mit extremen Erwartungen an andere. Man fühlt sich ihr nicht nahe. Doch je weiter man liest, desto mehr versteht man sie. Ihr Leiden wird greifbar. Ihre Intelligenz ebenso. Man merkt, wie sehr sie sich selbst im Weg steht und wie stark sie von ihrer Vergangenheit geprägt wurde. Ihre Wut, die anfangs überzogen wirkt, wurde für mich irgendwann vollkommen nachvollziehbar. Auch Valentin wird nicht eindimensional dargestellt. Er wirkt ebenfalls beschädigt, was die Beziehung zwischen den beiden nicht entschuldigt, aber tragischer macht. Es geht hier nicht um klare Täter und Opfer, sondern um zwei Menschen, die auf eine ungesunde Weise miteinander verstrickt sind.

Themen: Das Buch verhandelt unglaublich viele relevante Themen; Selbstwert, Selbsthass, weibliche Wut, Grenzverletzungen in Beziehungen, patriarchale Strukturen, das permanente Sich Entschuldigen von Frauen, etc. Besonders stark fand ich die Frage, wem Wut gesellschaftlich erlaubt ist. Männer dürfen aggressiv sein, in Musik, Kunst und Alltag wird das oft als Ausdruck von Stärke inszeniert. Frauen dagegen gelten schnell als hysterisch oder psychisch instabil, wenn sie laut werden oder sich wehren. Auch dieses ständige Entschuldigen für alles und nichts wird thematisiert. Für den eigenen Körper. Für schlechte Laune. Für Kopfschmerzen. Für ein Nein. Für Raum, den man einnimmt. Und irgendwann staut sich daraus zwangsläufig Wut an. Das Buch wirkt dabei nie platt oder belehrend. Es zeigt Strukturen, ohne sie didaktisch auszuerklären. Man erkennt sie ganz gut von selbst.

Fazit: Es st kein angenehmes Buch, aber ein unglaublich spannendes. Anfangs war ich irritiert und auf Distanz. Doch mit jeder Seite habe ich Charlie besser verstanden. Ihre Wut wurde greifbar. Ihr Schmerz ebenso.
Ich finde das psychologisch sehr klug geschrieben und gesellschaftlich hochrelevant. Es ist ein Roman, der fordert, der Fragen stellt und der lange nachwirkt. Man muss Charlie gar nicht mögen. Aber man lernt, sie zu verstehen. Und vielleicht ist das die größere Leistung dieses Buches.

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Uff! Nicht, was ich erwartet habe...

Schleifen
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Ich bin mit viel Vorfreude in das Buch gestartet, weil mich Thema und Klappentext sofort abgeholt haben. Gerade der wissenschaftliche, mathematische Ansatz hat mich echt neugierig gemacht und mich ein ...

Ich bin mit viel Vorfreude in das Buch gestartet, weil mich Thema und Klappentext sofort abgeholt haben. Gerade der wissenschaftliche, mathematische Ansatz hat mich echt neugierig gemacht und mich ein bisschen an Babel von R. F. Kuang erinnert, also an einen Roman, der komplexe Theorie mit Handlung verbindet. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen.

Stattdessen wirkt der Einstieg schnell seltsam und zunehmend chaotisch. Die Handlung fühlt sich nicht geführt an, sondern willkürlich. Immer wieder tauchen scheinbar zusammenhangslose Informationen, Randnotizen und Abschweifungen auf, bei denen ich nicht einmal sicher bin, ob sie komisch oder bedeutungsvoll sein sollen. Vieles wirkt eher beliebig als bewusst komponiert.
Besonders irritierend ist die Konstruktion: ständige Perspektivwechsel, Zeitsprünge und Szenenbrüche, teilweise im gleichen Absatz. Ein Kapitel springt fast Satz für Satz zwischen zwei Ebenen hin und her, etwa zwischen den fragmentierten Gedanken einer Figur über eine wissenschaftliche Theorie und dem Alltag an einer Universität, wo Briefe mit mathematischen Ideen sortiert werden. Statt Spannung entsteht eher Verwirrung. Dazu kommen lange, teils seitenlange Fußnoten und essayartige Exkurse, zum Beispiel Abschweifungen über Musikkritik oder abstruse Vergleiche, die für mich weder humorvoll noch erkenntnisreich sind. Das bremst den Lesefluss enorm und lässt einen ständig fragen, wozu das alles dient.

Was als intellektuell und experimentell gedacht ist, fühlte sich für mich eher überladen und zerfasert an. Der Roman verliert sich in Formspielereien, ohne genug Halt oder emotionale Anknüpfungspunkte zu geben. Während vergleichbare experimentelle Texte wie "Air" von Christian Kracht für mich zumindest einen inneren Zusammenhang hatten, wirkt dieser hier zunehmend konfus.

Nach rund 100 Seiten überwiegt deshalb Frust statt Neugier. Das Buch hat sein großes Potenzial nicht eingelöst und ich habe es dann leider abgebrochen, weil das Lesen schlicht keinen Spaß mehr machte.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Starke Idee, holprige Umsetzung

Miss Vergnügen
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Inhalt

In Missvergnügen steht Miss Brooks im Zentrum eines Kriminalfalls, der sich rund um Macht, gesellschaftliche Erwartungen und Geschlechterrollen entfaltet. Der Roman spielt in einem wohlhabenden, ...

Inhalt

In Missvergnügen steht Miss Brooks im Zentrum eines Kriminalfalls, der sich rund um Macht, gesellschaftliche Erwartungen und Geschlechterrollen entfaltet. Der Roman spielt in einem wohlhabenden, elitären Umfeld und arbeitet bewusst mit Rollenumkehrungen: Männer geraten in die Opferrolle, Frauen nehmen Machtpositionen ein, sowohl beruflich als auch privat. Verschiedene Figuren und Handlungsstränge verweben sich zu einer Geschichte, die patriarchale Strukturen, weibliche Wut und soziale Fassaden sichtbar machen will und dabei stark auf Zuspitzung, Provokation und satirische Überzeichnung setzt.

Erzählstil

Der Erzählstil von Missvergnügen hat mich über weite Strecken irritiert. Obwohl der Roman auktorial erzählt ist, fehlt mir eine klare Fokussierung. Die Perspektive wechselt häufig und für mein Empfinden sehr willkürlich zwischen verschiedenen Figuren, ohne dass sich dabei ein stabiler Blick oder eine emotionale Nähe aufbauen kann. Oft wusste ich nicht, aus wessen Wahrnehmung oder innerer Haltung gerade erzählt wird, was das Lesen anstrengend gemacht hat.

Hinzu kommen die kurzen, pseudo-sachlichen Einschübe unter den Kapitelüberschriften, die sich mit psychischen oder körperlichen Reaktionen beschäftigen, etwa Attraktivität im Zusammenhang mit Wut, Kommunikationsmodelle oder Konsumverhalten. Diese Passagen wirkten auf mich losgelöst vom jeweiligen Kapitelinhalt und eher wie zufällig eingestreute Beobachtungen, die weder narrativ noch thematisch wirklich eingebunden sind. Statt zusätzliche Tiefe zu erzeugen, haben sie meinen Lesefluss eher unterbrochen.

Auch tonal empfand ich den Roman als sehr unruhig. Brutale, ernsthafte Gewaltdarstellungen stehen neben beinahe kindisch wirkenden Racheaktionen, ohne dass diese Wechsel für mich organisch miteinander verbunden waren. Insgesamt entstand für mich der Eindruck eines textlichen Flickwerks, dem es an innerer Harmonie fehlt.

Figuren

Mit keiner der Figuren konnte ich wirklich warm werden. Sie blieben für mich durchweg überzeichnet und wirkten selten authentisch oder vielschichtig. Besonders auffällig ist die Darstellung der Männer, die fast ausschließlich als sexistisch, egoistisch, triebgesteuert und moralisch verkommen gezeichnet werden. Ich verstehe die dahinterliegende Intention, patriarchale Machtstrukturen sichtbar zu machen und umzudrehen, empfand diese Zuspitzung jedoch als zu eindimensional und aufgesetzt.

Interessanter fand ich einzelne Rollenumkehrungen, etwa im beruflichen Kontext, wenn Frauen in Machtpositionen Männer herabwürdigen oder kleinhalten. Diese Szenen machen spürbar, wie Diskriminierung und Machtmissbrauch funktionieren, unabhängig vom Geschlecht. Dennoch fehlte mir auch hier eine differenziertere Ausarbeitung, sodass die Figuren für mich eher als Träger einer Idee denn als glaubhafte Menschen erschienen.

Problematisch empfand ich zudem die Darstellung von Frauen. Zwar stehen sie häufig als Opfer patriarchaler Erwartungen im Fokus, gleichzeitig werden sie immer wieder selbst misogyn gezeichnet. Wohlhabende Frauen erscheinen oberflächlich, affektiert und konsumfixiert, bereit, ihr Aussehen durch exzessive Schönheitsbehandlungen zu verändern, ohne dass ihnen Reflexion oder Ambivalenz zugestanden wird. Auch die Art, wie Frauen im Buch über andere Frauen sprechen, abwertend, körperbezogen und voller Spott, reproduziert für mich genau jene frauenfeindlichen Muster, die der Roman eigentlich kritisieren will.

Themen

Thematisch greift der Roman viele spannende und wichtige Aspekte auf. Patriarchale Gewalt, weibliche Wut, Machtmissbrauch, gesellschaftliche Erwartungen an Frauen, Care-Arbeit und Rollenzuschreibungen ziehen sich deutlich durch den Text. Besonders positiv hervorheben möchte ich, dass hier einmal nicht Frauen die Opfer brutaler Gewalt sind, sondern Männer. Diese Umkehr empfand ich zunächst als erfrischend und genreuntypisch, gerade im Krimi, in dem weibliches Leid allzu oft zur Selbstverständlichkeit gehört.

Auch die Darstellung von Care-Arbeit, die Frauen selbst von der nächsten Generation selbstverständlich abverlangt wird, fand ich eindrücklich. Dass Frauen nicht einmal gegenüber ihren eigenen Kindern aus dieser Rolle herauskommen, ist ein leiser, aber starker Kommentar.

Gleichzeitig bleibt für mich offen, ob der Roman seine Themen wirklich kritisch reflektiert oder sie teilweise ungewollt verstärkt. Die permanente Überzeichnung, die starke Misogynie in vielen Frauenbildern und die fehlende Differenzierung lassen die Grenze zwischen Kritik und Reproduktion problematischer Denkmuster verschwimmen.

Fazit

Missvergnügen hatte für mich eine starke Grundidee und einen Ansatz, den ich grundsätzlich sehr schätze. Ich habe verstanden, was der Roman sein wollte, welche feministische Provokation und gesellschaftliche Kritik hier angelegt sind. In der Umsetzung hat mich das Buch jedoch nicht überzeugt. Der unklare erzählerische Fokus, die sprunghafte Tonalität, die überzeichneten Figuren und die teilweise selbst misogynen Darstellungen haben mir den Zugang erschwert.

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Veröffentlicht am 08.11.2025

Wird dem Hype in meinen Augen nicht gerecht

A Dark and Secret Magic
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✨ REZENSION zu „A Dark and Secret Magic“ von Wallis Kinney, übersetzt von Jasmin Humburg und erschienen im @kiwispace_verlag

📖 Inhalt (spoilerfrei): Kate, eine dreißigjährige Heckenhexe, lebt nach dem ...

✨ REZENSION zu „A Dark and Secret Magic“ von Wallis Kinney, übersetzt von Jasmin Humburg und erschienen im @kiwispace_verlag

📖 Inhalt (spoilerfrei): Kate, eine dreißigjährige Heckenhexe, lebt nach dem Tod ihrer Mutter zurückgezogen in einem alten Hexenhaus. Dort steht eines Abends ihr Exfreund Mat vor der Tür, ein Nekromant, dessen Magie in Kates Zirkel als verboten gilt. Als ihre Schwestern sie bitten, das jährliche Halloween-Treffen ihres Zirkels auszurichten, findet sie beim Aufräumen des alten Familenanwesens ein rätselhaftes Buch mit einer Nachricht ihrer Mutter. Mit Mat's Hilfe begibt sie sich daraufhin auf eine magische Spurensuche.

🖋️ Erzählstil und Struktur: Kinney schreibt sehr atmosphärisch und detailreich. Doch Kate's Küchenzauber sind für mich etwas zu ausführlich und haben meinen Lesefluss gebremst. Die Handlung folgt einem recht vorhersehbaren Aufbau: bestimmte Wendungen, wie der Ausgang des Kürbisschnitzens zeichnen sich früh ab. Ganz nett sind die im Anhang abgedruckten Rezepte zum Nachkochen, denen sich Kate im Buch gewidmet hat.

👥 Figuren: Kate ist eine in sich gekehrte Protagonistin, mit deren Alter und Lebenssituation ich mich sehr gut identifizieren konnte. Ihre Introvertiertheit und ihr ruhiger Alltag mit Merlin verleihen der Geschichte Authentizität und Wärme. Ihre Schwestern, sowie der restliche Zirkel bleiben mir etwas zu blass und auch Mat finde ich viel zu flach. Die Rückblenden zu seiner Vergangenheit mit Kate bleiben mir zu unklar und zu vage, sodass sich ihre Verbundenheit für mich ein bisschen oberflächlich konstruiert anfühlt.

💡 Fazit: Die Grundidee und die Atmosphäre sind toll, aber das Buch verschenkt an einigen Stellen sein Potenzial. Viele Szenen wirken zu vorhersehbar und folgen bekannten Mustern, wodurch für mich der Tiefgang fehlt. Die vielen Beschreibungen von Kates Kochritualen oder alltäglichen Handgriffen tragen zwar zur Stimmung bei, nehmen aber irgendwann zu viel Raum ein. Und das Ende wirkt für mich zu glatt und zu sehr auf ein Happy End hingeschrieben.

3|5 ⭐️

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Veröffentlicht am 28.10.2025

Taylor Jenkins Reid bekommt Konkurrenz!

Die drei Leben der Cate Kay
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Rezension zu "Die drei Leben der Cate Kay" von Kate Fagan, übersetzt von Claudia Voit und erschienen im Insel Verlag

Inhalt (spoilerfrei): "Die drei Leben der Cate Kay" erzählt die Geschichte einer Frau, ...

Rezension zu "Die drei Leben der Cate Kay" von Kate Fagan, übersetzt von Claudia Voit und erschienen im Insel Verlag

Inhalt (spoilerfrei): "Die drei Leben der Cate Kay" erzählt die Geschichte einer Frau, die sich im Laufe ihres Lebens immer wieder neu erfindet. Annie, die sich später Cass und wieder später Cate nennt, wird als anonyme Schriftstellerin berühmt (ihre Bücher werden sogar verfilmt), doch trägt sie in all ihren drei Leben ein tragisches Geheimnis mit sich herum. Diesem widmet sie sich unter anderem in Form eines Memoires, in dem auch andere Stimmen aus ihren drei Leben zu Wort kommen.

Erzählstil und Struktur: Kate Fagan erzählt diesen Roman auf eine kluge, vielstimmige und ungewöhnliche Weise. Die Kapitel wechseln zwischen unterschiedlichen Perspektiven und Zeiten. Annie-Cass-Cate erzählt ihre Geschichte in verschiedenen Lebensphasen, und immer wieder treten andere Menschen aus ihrem Umfeld hervor. So entsteht das vielschichtige Porträt einer Frau, die versucht, sich selbst zu finden, während sie immer neue Identitäten annimmt. Der Stil ist fein, intelligent und voller Zwischentöne. Fagan hat ein unglaubliches Gespür für Sprache und Rhythmus. Ihre Sätze sind mal nüchtern, mal poetisch, mal unglaublich lustig und immer mit einem leisen Unterton von Melancholie. Sie schafft es, Themen wie Schuld, Liebe und Identität mit einer feinen Ironie und Leichtigkeit zu erzählen. Besonders die kleinen Randbemerkungen, d.h. Cates Kommentare und Einschübe verleihen dem Roman eine besondere Lebendigkeit. Sie sind manchmal humorvoll, manchmal schmerzhaft ehrlich und machen das Buch zu etwas sehr Intimen, das sich sehr echt anfühlt. Anfangs braucht man ein wenig Zeit, um in die Erzählstruktur hineinzufinden, weil vieles unausgesprochen bleibt. Aber genau das ist Teil des Reizes. Spätestens ab Seite 90 entfaltet der Roman eine wahnsinnige Sogwirkung und man kann kaum aufhören zu lesen.

Figuren: Was mich beim Lesen sofort fasziniert hat, war, wie sehr mich dieses Figurenensemble an "Die sieben Männer der Evelyn Hugo" von Taylor Jenkins Reid erinnert hat (nicht inhaltlich eins zu eins, aber in der Art, wie beide Romane Frauen zeigen, die im Rampenlicht stehen und zugleich mit den Erwartungen der Öffentlichkeit, mit ihrer eigenen Identität und mit gesellschaftlichen Zwängen ringen). Im Mittelpunkt steht natürlich Annie (Anne Marie) bzw. Cass bzw. Cate. Sie ist eine Frau, die sich in unterschiedlichen Lebensphasen immer wieder neu erfindet und zugleich versucht, ihrer Vergangenheit zu entkommen. Um sie herum herrscht ein Netz von Menschen, die sie prägen und spiegeln: ihre beste Freundin Amanda, Amandas Schwester, Annies Mutter, eine Schauspielerin, die an der Verfilmung von Annies (bzw. Cates) Büchern mitwirkt, etc. etc. etc. Zu gerne würde ich auf jede einzelne Figur eingehen und warum ich sie so wundervoll, ungeschönt und authentisch porträtiert finde, aber damit würde ich viel zu viel vorweg nehmen und ich möchte meine Rezensionen gerne spoilerfrei halten.

Symbolik und Themen: Das zentrale Thema des Romans ist Identität. Cates wechselnde Namen und Lebensentwürfe spiegeln den Versuch, sich immer wieder neu zu erfinden (leichte CoA-Züge) oder sich selbst zu entkommen. Es geht um die Frage: Wer bin ich, wenn ich meine Geschichte selbst erzähle, und wer, wenn andere sie für mich erzählen? Aber auf der Meta Ebene geht es auch um die Grenzen zwischen Authentizität und Inszenierung von Identität in der Öffentlichkeit. Weiterhin geht es um Schuld, Verantwortung und um Freund:innenschaft, aber vor allem fokussiert der Roman auf eine ganz feinfühlige und subtile Weise starke weibliche Figuren, die allesamt unterschiedlich mit ihrem Schmerz umgehen. Das hat mich wirklich stark berührt.

Fazit: Ich kann mit voller Überzeugung sagen: "Die drei Leben der Cate Kay" gehört zu den besten Büchern, die ich je gelesen habe (außerhalb des Fantasy Genres). Es ist hingebungsvoll, klug, mutig, stark, und zugleich unglaublich gefühlvoll. Ich habe beim Lesen mehrmals geweint, vor allem am Ende, als sich die Spannung zuspitzte und die Emotionen sich entluden wie ein Faden kurz vorm Zerreißen. Es war ein Buch, das ich kaum aus der Hand legen konnte (leicht zu lesen, schwer zu vergessen). Jede Figur hat mich berührt, jede Geschichte hat mich ein Stück näher an Kate herangeführt. Und am Ende bleibt dieses Gefühl, dass man etwas wirklich Besonderes gelesen hat: ein unkonventionelles, tief berührendes, zutiefst menschliches Buch über komplexe Frauen, über Schuld, Liebe, Identität und das Erzählen selbst. Hut ab vor Kate Fagan, zumal dies ihr Debüt ist!

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