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Veröffentlicht am 16.12.2019

Alles schläft - vor allem ich beim Lesen

Alles schläft
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Wie habe ich mich auf diesen Krimi gefreut, denn gerade in der Weihnachtszeit lese ich gerne zur Saison passende Bücher. Leider hat der Titel für mich eine andere Bedeutung offenbart als erwartet: die ...

Wie habe ich mich auf diesen Krimi gefreut, denn gerade in der Weihnachtszeit lese ich gerne zur Saison passende Bücher. Leider hat der Titel für mich eine andere Bedeutung offenbart als erwartet: die einzige die hier schlief war nämlich ich.

Conni kehrt zu Weihnachten in ihren Heimatort Wetterbach zurück, nachdem sie diesen nach dem Tod ihres Vaters Hals über Kopf verlassen hat, um der Trauer an der Seite ihres reichen Freundes in ein Luxusleben nach Brüssel zu entfliehen. Nach der Trennung steht sie jetzt mittellos vor der Tür, und natürlich wird sie von ihrer spießigen Schwester Marion nicht mit offenen Armen empfangen. Kurz nach dem Verschwinden Connis erlitt ihre Mutter einen Schlaganfall, und seitdem muss sich Marion alleine um sie kümmern. Dafür hat sich Marion Connis Jugendliebe Hannes unter den Nagel gerissen, den einzigen Menschen der Conni in diesem Kaff etwas bedeutet und der immer zu ihr gehalten hat. Ganz Wetterbach scheint Conni ihr damaliges Verhalten und ihren Weggang übel zu nehmen. Das könnte Conni nicht egaler sein, doch als sie einen anonymen Brief erhält, bekommt sie es mit der Angst zu tun. Denn zu Schulzeiten verschwand ihre Freundin Irene spurlos, und jetzt wird ihr dasselbe Schicksal angedroht, sollte sie in Wetterbach bleiben...

Eigentlich klingt das alles ganz spannend, aber trotzdem habe ich mich durch die Kapitel schleppen müssen. Zuerst einmal war mir Conni vom ersten Moment an unsympathisch. Sie ist eine oberflächliche Zicke, die sich einen Dreck um ihre Familie und die Gefühle anderer Leute schert und deren Welt sich nur um eins dreht: sich selbst. Noch dazu stellt sie sich selten dämlich an, als sie glaubt jemand hat es auf sie abgesehen. Sie begeht dumme Fehler, die geradezu als Einladung für ihre Feinde dienen, ihr etwas anzutun. Hinzu kommen ganz selbstverständliche Dinge, die mich rot sehen liessen: sie ekelt sich vor ihrer behinderten Mutter, gibt das Geld, dass diese ihr zusteckt, sofort für sinnloses Zeug wie Nagellack aus, behandelt Hannes (der sich wie ein Schaf aufführt und es wohl nicht besser verdient) wie ihr Eigentum und erwartet, dass ihre Freunde sie sofort wieder mit offenen Armen aufnehmen, nachdem sie jahrelang jeden Kontakt gemieden hat. Fast hätte ich mir gewünscht, dass Conni wirklich so wie Irene verschwindet, aber natürlich hätte das die Handlung wohl ziemlich ruiniert...

Also habe ich das Buch im Schnelldurchgang gelesen, um es endlich hinter mich zu bringen. Das war zum Glück nicht schwer, denn der Schreibstil verlangt einem auch nicht gerade viel Aufmerksamkeit ab und so kann man die Seite locker überfliegen ohne wesentliches zu verpassen. Außer vielleicht die soundsovielte Wiederholung von Connis unsäglichem Gejammer und Genörgel. Die letzten Seiten wiesen immerhin noch einen Hauch von Spannung auf, konnten aber nicht über das insgesamt langatmige und leider auch langweilige Werk hinwegtrösten. Und das vorhersehbare Happy End habe ich Conni ehrlich gesagt auch nicht gegönnt.

Schade, aber für mich war das Buch einfach nur ein einziger langer Satz mit X.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.12.2019

Trostlos und dramatisch

Am seidenen Faden: Ein Opfer von Jack the Ripper
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Das Buch erzählt von Catherine Eddowes, die als viertes Opfer von Jack the Ripper traurige Berühmtheit erlangte. Es handelt sich hier allerdings nicht um einen blutigen Thriller oder ein Buch über den ...

Das Buch erzählt von Catherine Eddowes, die als viertes Opfer von Jack the Ripper traurige Berühmtheit erlangte. Es handelt sich hier allerdings nicht um einen blutigen Thriller oder ein Buch über den Ripper, sondern um die dramatische Lebensgeschichte einer Frau, die versucht im viktorianischen London zu überleben. Das Leben damals war hart für Frauen, und wenn sie keinen Mann hatten der sie versorgte, blieben nicht viele Optionen, um sich und ihre Kinder durchzubringen. So landet auch Catherine irgendwann auf der Straße, fängt an zu trinken und hofft nur noch auf ein besseres Leben für ihre Tochter. Dabei steht in jedem Kapitel einer der Gegenstände, die bei Catherine Eddowes' Leichnam gefunden wurden, im Fokus.

Der Autor schafft es hervorragend, die Trostlosigkeit der damaligen Zeit einzufangen. Es wird nichts beschönigt, der Schmutz, die Armut und die Hoffnungslosigkeit der Menschen, vor allem der Frauen, sind allgegenwärtig. Aufgrund von Fehlentscheidungen, teilweise aber auch einfach nur Pech oder dem Umstand, eine Frau zu sein, rutscht Catherine immer tiefer ab, bis sie schließlich ihrem grausigen, aus ihrer Sicht vielleicht aber auch erlösenden Schicksal gegenübersteht.

Die Geschichte ist unglaublich fesselnd geschrieben und hat mich bis zum Ende nicht mehr losgelassen. Einzig die Übersetzung wirkt an mancher Stelle etwas ungelenk und weist auch den ein oder anderen Fehler auf, der mich schon mal über einen Satz stolpern ließ. Fazit: ein packendes Zeitportrait, welches das viktorianischen London zur Zeit des industriellen Umbruchs anhand des dramatischen Schicksals einer unglücklichen Frau hautnah zum Leben erweckt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.12.2019

Wow! Noch besser als Teil Eins

Der Weihnachtosaurus und die Winterhexe
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Kaum hatten wir das Buch in der Weihnachtsauslage der Buchhandlung entdeckt, wurde es auch schon mitgenommen und gelesen. Kaum zu glauben, aber die Fortsetzung der Weihnachtosaurus-Reihe kann den ersten ...

Kaum hatten wir das Buch in der Weihnachtsauslage der Buchhandlung entdeckt, wurde es auch schon mitgenommen und gelesen. Kaum zu glauben, aber die Fortsetzung der Weihnachtosaurus-Reihe kann den ersten Teil sogar noch toppen - die Winterhexe ist noch spannender, komplexer und fantastischer. Diesmal stehen nicht William und der Weihnachtosaurus im Vordergrund, sondern Williams neue Schwester Brenda (Stiefschwester, wie diese nicht müde wird zu betonen) und natürlich die titelgebende ominöse Winterhexe. Da muss man schon dranbleiben und gut aufpassen, um die zeitlichen Zusammenhänge nachvollziehen zu können. Aber da es abends sowieso immer "bitte noch ein Kapitel" geben musste, weil es einfach immer gerade so spannend war, waren wir auch diesmal wieder in Windeseile fertig mit dem Buch und sind erneut restlos begeistert.

Veröffentlicht am 05.12.2019

Nicht meine Art von Humor

Der 35. Mai
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Dieses Buch von Erich Kästner kannte ich noch nicht und es klang sehr witzig, also her damit! Leider war der Humor nicht so ganz meine Sache. Manchmal geschahen Dinge zu willkürlich, auch wenn der rote ...

Dieses Buch von Erich Kästner kannte ich noch nicht und es klang sehr witzig, also her damit! Leider war der Humor nicht so ganz meine Sache. Manchmal geschahen Dinge zu willkürlich, auch wenn der rote Faden - die Reise - natürlich immer vorhanden war. Leider wirkt die Geschichte inzwischen auch sehr altbacken, was Vokabular und Sprache angeht, so dass immer wieder Erklärungen nötig waren. Dementsprechend kann man manche Anekdote, die heutzutage kaum Sinn macht, auch nur im historischen Kontext verstehen. Zum einmal lesen war es OK, aber dieses Buch wird bei uns kein Wiederholungstäter.

Veröffentlicht am 03.12.2019

Zum Alle-Jahre-wieder-lesen

Mama Muh feiert Weihnachten
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Selbst nach der gefühlt hundertsten Mama Muh Geschichte (wir haben kürzlich erst den Sammelband gelesen) haben Mama Muh und die Krähe nichts von ihrem Witz und Charme eingebüßt. Eigentlich ist es sogar ...

Selbst nach der gefühlt hundertsten Mama Muh Geschichte (wir haben kürzlich erst den Sammelband gelesen) haben Mama Muh und die Krähe nichts von ihrem Witz und Charme eingebüßt. Eigentlich ist es sogar richtig schön, die gewohnten Manierismen immer wieder aufs Neue zu erleben (Flatter, krächz - aber Muh, Krähe - etc.) und genau zu wissen, dass die besonnene Mama Muh und die flatterhafte Krähe am Ende immer noch ein Herz und eine Seele sind. So auch in diesem herzerwärmenden Weihnachtsspektakel, in dem Mama Muh der Krähe eine ganz besondere Bescherung bereitet.