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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.04.2019

Wem kann man noch trauen?

Westwall
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Die Polizeischülerin Julia lernt einen jungen Mann namens Nick kennen.
Nach der ersten gemeinsamen Nacht entdeckt sie, dass Nick sie belogen hat. Er hat nicht nur ein großes Hakenkreuz auf dem Rücken tätowiert ...

Die Polizeischülerin Julia lernt einen jungen Mann namens Nick kennen.
Nach der ersten gemeinsamen Nacht entdeckt sie, dass Nick sie belogen hat. Er hat nicht nur ein großes Hakenkreuz auf dem Rücken tätowiert sondern Nick ist auch nicht sein richtiger Name.
Als ihr Leben außer Kontrolle gerät beginnt Julia nach der Wahrheit zu suchen und das führt sie in die Eifel wo eine Neo-Nazi Gruppe agiert.
„Westwall“ von Benedikt Gollhardt ist ein hochspannender Thriller mit politischem Hintergrund.
Dass Thema ist ein Stück deutsche Geschichte und trotzdem ist es sehr aktuell.
Der Handlungsort ist Köln und der Westwall, der den meisten wenigstens dem Namen nach bekannt sein wird.
Schon der Prolog lies mich den Atem anhalten und die Spannung hielt ich über das ganze Buch aufrecht.
Die Protagonisten sind gut beschrieben, trotzdem konnte man sie nie richtig einschätzen.
Dachte man einer gehört zu den Guten wurde man kurz darauf eines besseren belehrt.
Man wusste bald nicht mehr wem man überhaupt noch trauen konnte.
Ich konnte das Buch nach kurzer Zeit kaum noch aus der Hand legen, dass Ungewisse hing ständig im Raum.
Dass Ende war dann auch recht spektakulär und auch schlüssig.
„Westwall“ ist ein sehr zu empfehlender und spannender Thriller.

Veröffentlicht am 28.02.2019

Das Bonner Politkarussell

Rheinblick
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1972 Willy Brandt hat gerade die Wahlen gewonnen und müsste eigentlich Koalitionsverhandlungen führen, er muss sich aber im Krankenhaus einer Stimmbandoperation unterziehen.
Die Logopädin Sonja Engel wird ...

1972 Willy Brandt hat gerade die Wahlen gewonnen und müsste eigentlich Koalitionsverhandlungen führen, er muss sich aber im Krankenhaus einer Stimmbandoperation unterziehen.
Die Logopädin Sonja Engel wird ihm zur Seite gestellt um seine Stimme wieder zu trainieren.
Natürlich ist sie zu Stillschweigen verpflichtet denn sie bekommt automatisch das eine oder andere vertraulich Detail mit.
Genau wie Hilde Kessel, die Wirtin des Lokals Rheinblick. Hier verkehren die Bonner Politiker und führen manche lautstarke Diskussion
Hildes Motto, was im Rheinblick gesprochen wird bleibt im Rheinblick.
Doch beide Frauen haben so ihre Achillesferse. Lassen sie sich erpressen?
Auch in ihrem neuen Roman „Rheinblick“ ist Brigitte Glaser der politischen Bühne treu geblieben.
Sie erzählt mit einer Leichtigkeit über das politische Bonn, dass die Seiten nur so dahin fliegen.
Die Protagonisten sind gut und glaubhaft beschrieben, egal ob es sich um reale oder fiktive Personen handelt. Ich bin über einige Namen gestolpert die ich noch aus meiner Jugend kenne.
Auch die zwei Frauen Hilde und Sonja haben mir gut gefallen.
Auf ihre Art sind sie sehr unterschiedlich.
So ist Sonja Logopädin und versucht Willy Brandt zu therapieren was er aber nicht immer zulässt. Auch im Krankenhaus dreht sich bei ihm alles um die Politik.
Sonja hat familiäre Probleme. Ihr Vater neigt zur Gewalttätigkeit und ihre jüngere Schwester ist verschwunden.
Hilde ist Witwe und versucht das Lokal Rheinblich über Wasser zu halten. Schon einmal hat sie in einer Notlage Namen von Politikern verraten.
Beide Frauen kommen in einen Gewissenskonflikt und müssen sich entscheiden zwischen Loyalität privaten Nöten.
Als kleines Schmankerl ist noch ein Mordfall mit eingebaut um für etwas Spannung zu sorgen.
„Rheinblick“ von Brigitte Glaser bekommt von mir 4 Sterne da es mich gut unterhalten hat.



Veröffentlicht am 02.01.2019

Spannender Auftakt einer neuen Krimi Reihe

Totwasser
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Totwasser ist der Auftakt einer neuen Krimi Reihe mit der sympathischen Anwältin Linn Geller von der Autorin Julia Hofelich.
Linn Geller ist Anwältin und versucht nach einem schweren Unfall einen Neuanfang. ...

Totwasser ist der Auftakt einer neuen Krimi Reihe mit der sympathischen Anwältin Linn Geller von der Autorin Julia Hofelich.
Linn Geller ist Anwältin und versucht nach einem schweren Unfall einen Neuanfang. Einst hat sie in einer bekannten Kanzlei gearbeitet, war kurz davor Partner zu werden. Doch seit ihrem Unfall ist sie nicht mehr dieselbe. Lange hat sie geglaubt, dass der Unfall ein Mordanschlag war. Auch wenn die Ermittlungen anderes ergeben haben fühlt sich Linn heute noch ständig verfolgt. Außerdem fühlt sie sich durch ihre Narbe im Gesicht entstellt und ihr kaputtes Bein behindert sie beim Laufen.
Ihre Ersparnisse sind fast aufgebraucht so versucht Linn den Neuanfang indem sie mit Götz, einem Kollegen eine Kanzlei eröffnet.
Das Glück ist ihr hold und sie bekommt schnell eine Pflichtverteidigung angeboten.
Grace Riccardi, ein bekanntes Model soll ihren Ehemann ermordet und von einer Klippe ins Meer gestürzt haben. Grace ist bereit zu gestehen. Nur Linn glaubt nicht, dass Grace die Tat begangen hat.
Linn gibt sich Mühe ein Vertrauensverhältnis zu ihrer Mandantin aufzubauen was am Anfang wenig Erfolg hat.
Nico Benton, ein bekannter und beliebter Serienstar ist das Opfer.
Nico wird als Saubermann dargestellt.
Nur ist schnell klar Nico war ein Saubermann der seine Frau misshandelt hat.
Je mehr man über Nico erfährt umso mehr merkt man das der Schein trügt.
Beim Lesen war ich hin und hergerissen. Mal glaubte ich, dass Grace ihren Mann ermordet hat und mal dachte ich sie will nur jemanden schützen.
Der Schreibstil von Julia Hofelich ist sehr spannend.
Schon im Prolog fröstelte es mich als ich las, dass jemand in Linns Wohnung war ohne, dass sie es bemerkte.
Die Spannung steigerte sich auch noch durch so Kleinigkeiten wie hier ein Rascheln, da ein Knacken oder durch Schritte die Linn hörte.
Linn suchte sich für alles immer eine logischer Erklärung aber mehr um sich selbst zu beruhigen.
Der Begriff „Totwasser“ mit dem ich erst nichts anfangen konnte wird im Buch auch recht verständlich erklärt und passt gut zur Handlung des Buches.
Wer gerne spannende Krimis liest sollte den Auftakt dieser Serie nicht versäumen.

  • Cover
  • Spannung
  • Stimmung
  • Erzählstil
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.10.2018

5 Sterne sind zu wenig!

Der Spielmann
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In seinem neuen Buch „Der Spielmann“ erzählt Oliver Pötzsch die Geschichte von Johann Georg Faustus, besser bekannt als Faust.
Wer hat Faust nicht in der Schule lesen müssen? Mir war allerdings bis zu ...

In seinem neuen Buch „Der Spielmann“ erzählt Oliver Pötzsch die Geschichte von Johann Georg Faustus, besser bekannt als Faust.
Wer hat Faust nicht in der Schule lesen müssen? Mir war allerdings bis zu diesem Buch nicht bekannt, dass Faust wirklich gelebt hat.
Der Autor ist durch einen Zufall in Knittlingen auf das Geburtshaus von Faust gestoßen und das war der Auslöser für dieses wunderbare Buch.
Bei einem Umfang von über 750 Seiten muss eine Menge Recherchearbeit in diesem Buch stecken. Da nicht sehr viel über Faust überliefert wurde braucht es auch einiges an dichterischer Freiheit.
Dies miteinander zu verknüpfen ist Oliver Pötzsch mit Bravur gelungen.
Die Geschichte hat mich von der ersten Seite an in ihren Bann gezogen und ich habe den dicken Wälzer kaum aus der Hand legen können.
Als Johann nach dem Tod seiner Mutter und dem verschwinden seines Bruders sein zuhause verlassen musste, reiste er dem Zauberer und Gaukler Tonio del Moravia durchs Land. So wissbegierig wie Johann war lernte er viel von seinem Meister.
Tonio hatte sich aber auch den schwarzen Künsten verschrieben. Oder steckt sogar der Teufel in ihm?
Auch als Johann dann Tonio verlassen hat und mit einer Gauklertruppe nach Venedig reiste hat man die Gegenwart von Tonio anhand einiger Sätze die der Autor einstreute gespürt.
Die Gefahr lag immer in der Luft.
Gut haben mir auch die Zitate aus Faust gefallen die der Autor in seinem Buch mit eingestreut hat. Für Leser die Faust nicht kennen gibt es am Ende des Buchs eine Auflistung der Zitate mit der Seitenzahl wo man das Zitat in diesem Buch findet.
Auch ein kleiner Reiseführer „auf Fausts Spuren“ ist im Anhang. Hier habe ich währende Faust Reise parallel nachgelesen.
Jetzt sind die Buchdeckel zugeklappt und mir bleibt nur noch die Vorfreude auf den 2. Teil von der Geschichte um Johann Georg Faustus die im September 2019 erscheinen soll.

Veröffentlicht am 01.10.2018

Große Erzählkunst

Als das Leben unsere Träume fand
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„Als das Leben unsere Träume fand“ ist der neue Roman von Luca di Fluvio.
Es erzählt von 3 Jugendlichen mit 3 unterschiedlichen Schicksalen die alle in der „Neuen Welt“, in Buenos Aires einen Neuanfang ...

„Als das Leben unsere Träume fand“ ist der neue Roman von Luca di Fluvio.
Es erzählt von 3 Jugendlichen mit 3 unterschiedlichen Schicksalen die alle in der „Neuen Welt“, in Buenos Aires einen Neuanfang starten wollen.
Rosetta lebt in Sizilien. Seit dem Tod ihres Vaters versucht sie sich mit dem Vieh und dem Land ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Doch ihre Ziegen werden umgebracht und sie wird vergewaltigt.
Als sie aufgibt und dem Baron, der hinter ihrem Land her ist das Land verkauft bekommt sie nur einen Bruchteil des Wertes.
Als der Baron ihr auch noch zu nahe kommt schlägt sie ihm einen Briefbeschwerer gegen die Stirn.
Rosetta gelingt die Flucht. Sie begibt sich auf ein Schiff in Richtung Buenos Aires um ein neues Leben anzufangen.
Doch die Arme des Barons reichen auch bis dahin.
Rocco, auch aus Sizilien möchte nicht wie sein Vater für die Mafia arbeiten.
Sein Vater hat sein Leben für den Mafiaboss gegeben darum stand er unter dessen Schutz. Doch jetzt will er Ihn in die Pflicht nehmen. Doch Rocco will nur eins, Automechaniker werden.
Der Mafioso schickt ihn nach Buenos Aires zu s einem Neffen. Aber auch der will, dass Rocco für die Mafia arbeitet.
Raechel ist die jüngste, sie ist gerade einmal 13Jahre und lebt mit ihrem Vater und ihrer Stiefmutter in Russland in einer jüdischen Gemeinde.
Raechel ist ein rechter Dickkopf und versucht ihren Vater immer um den Finger zu wickeln.
Sie kann als einziges Mädchen lesen und schreiben. Ihr Vater hat es ihr heimlich beigebracht, denn es schickte sich wohl nicht für Mädchen das zu können.
Als sie eines Tages einen Zettel in der Synagoge sah auf dem stand, dass Mädchen gesucht werden die in Buenos Aires als Büglerin oder Dienstmädchen bei wohlhabenden Menschen arbeiten möchte das unbedingt tun. Ihr Vater verbietet es ihr. Schließlich ist sie erst 13 und Argentinien weit weg.
Als der Vater bei einem Angriff auf die jüdische Gemeinde getötet wird geht Raechel, die sich mit ihrer Stiefmutter nicht versteht heimlich weg.
Doch bald merkt sie was hinter der Sache steckt. Doch da ist es zu spät.
Die Kapitel wechseln sich zwischen den 3 Protagonisten ab. Zwischendurch treffen Rocco und Rosetta aufeinander verlieren sich aber wieder.
Auch Rocco und Raechel treffen sich.
Auch spielt die Sociedad israelita de socorros mutuos varsovia, eine „Organisation“ die Mädchen nach Argentinien verschleppt und sie dort an Bordelle verkauft, eine große Rolle in diesem Roman.
Ich habe die Sociedad im Internet recherchiert, es ist kaum zu glauben, dass so etwas über einen so langen Zeitraum möglich war.
Das Buch war sehr spannend und interessant geschrieben. Manche Stellen waren sehr unrealistisch und einiges war zu gewalttätig.
Doch trotz der Abstriche hat mir das Buch gut gefallen und bekommt von mir 5* den es ist große Erzählkunst.

  • Cover
  • Emotionalität
  • Atmosphäre
  • Charaktere
  • Spannung