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Veröffentlicht am 04.03.2026

Eine schonungslose Abrechnung

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
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„ Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen“ von Christien Brinkgreve ist ein beeindruckend ehrliches Buch. Über mehr als 40 Jahre hinweg war sie verheiratet und blickt nun, nach dem Tod ihres Mannes, mit großer ...

„ Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen“ von Christien Brinkgreve ist ein beeindruckend ehrliches Buch. Über mehr als 40 Jahre hinweg war sie verheiratet und blickt nun, nach dem Tod ihres Mannes, mit großer Klarheit auf eine Ehe zurück, die alles andere als glücklich war. Es ist keine romantische Rückschau, sondern eine schonungslose Bestandsaufnahme.

Radikal ehrlich schreibt Brinkgreve über Verletzungen, Sprachlosigkeit und die schleichende Entfremdung in ihrer Ehe. Besonders eindrücklich, aber auch irritierend ist, dass die Kommunikation am Ende nur per E-Mail zwischen ihnen stattfand. Von Angesicht zu Angesicht fiel ihnen die Kommunikation immer schwerer. Dies spiegelt die emotionale Distanz zwischen ihnen gut wider. Nähe war kaum noch vorhanden. Beim Lesen stellt man sich unweigerlich immer wieder die Frage: Warum hat sie ihn nicht verlassen? Gerade weil sie die Unzufriedenheit so klar benennt.

Vieles wirkt erst im Rückblick, nach dem Tod des Mannes, für Brinkgreve wirklich verstehbar. Beim Aufräumen des gemeinsamen Hauses steigen Erinnerungen auf und verdrängte Gefühle kehren zurück. Das Haus wird zum Symbol eines Lebens, das sie, wie sie selbstkritisch einräumt, sehr vernachlässigt hat. An dieser Stelle im Buch bringt sie es selbst gut auf den Punkt: „ Sie (die Tochter) schüttelt den Kopf über all die verkümmerten Gegenstände, konstatiert grübelnd, dass dieser Hang zum Aufbewahren auch eine Form der Vernachlässigung ist. Die schönen Dinge verschwinden im Chaos.“ (S.120)

Brinkgreve bemüht sich immer wieder, auch ihren Ehemann zu verstehen, seine Schwächen und Prägungen mitzudenken.

Es ist definitiv ein mutiges Buch. Dennoch liest sich das Buch an vielen Stellen als eine späte Abrechnung mit ihrem verstorbenen Mann. Brinkgreve benennt Kränkungen und Versäumnisse klar und ungeschönt. Ihr Mann erscheint dabei fast durchweg emotional unzugänglich, oft unsympathisch und sehr verletzend. Zwar bemüht sie sich stellenweise, seine Prägungen und Schwächen zu verstehen, doch das Gesamtbild bleibt einseitig. Man lernt ihn fast ausschließlich aus der Perspektive ihrer Enttäuschung kennen. Und genau hier bin ich im Zwiespalt. Schreiben als Therapie und als Versuch der Aufarbeitung ist absolut nachvollziehbar. Aber ist es auch notwendig, ein so persönliches und letztlich einseitiges Zeugnis zu veröffentlichen? Der Mann, über den sie schreibt, lebt nicht mehr. Er kann sich nicht äußern, nicht widersprechen, keine eigene Sicht beisteuern. Damit habe ich meine Probleme.

Insgesamt ist es eine eindringliche Auseinandersetzung mit Liebe, Abhängigkeit, Entfremdung und der Frage, warum wir manchmal in Beziehungen bleiben, die uns nicht guttun. Vier Sterne für diese radikale Ehrlichkeit und emotionale Tiefe.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

Eine bewegende Familiengeschichte

Immergrün
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„Immergrün“ von Ruth Olshan ist kein klassischer Roman mit stringenter Handlung und Spannungsbogen. Vielmehr wirkt das Buch wie eine lose Aneinanderreihung von Erinnerungen, Episoden und Gedanken aus dem ...

„Immergrün“ von Ruth Olshan ist kein klassischer Roman mit stringenter Handlung und Spannungsbogen. Vielmehr wirkt das Buch wie eine lose Aneinanderreihung von Erinnerungen, Episoden und Gedanken aus dem Leben der Ich-Erzählerin. Wer eine durchkomponierte Erzählstruktur erwartet, könnte enttäuscht werden.

Im Mittelpunkt steht eine Familie aus Litauen, die in Deutschland offenbar nie wirklich angekommen ist. Zwischen Anpassung und innerer Distanz entsteht eine spürbare Schwermut, die sich durch das gesamte Buch zieht. Statt neue Wege einzuschlagen oder aktiv nach Veränderung zu suchen, verharren die Figuren in einer Art resignativer Haltung gegenüber ihren Lebensumständen. Besonders deutlich wird das bei der Mutter. In Litauen schlug sie eine Laufbahn als Sängerin ein. Ihr innerer Konflikt, nun in Deutschland nicht gesehen zu werden und den Verlust ihrer früheren Identität als Sängerin in der Sowjetunion verkraften zu müssen, prägt die Atmosphäre des Romans stark. Die psychische Erkrankung der Mutter erscheint als Folge dieser Entwurzelung und des Gefühls, ihre künstlerische Stimme verloren zu haben. Diese Passagen gehören zu den emotional stärksten Momenten des Buches.

Allerdings erschweren wiederkehrende Gedankensprünge und ein teils fragmentarischer Stil die Lektüre. Übergänge wirken mitunter abrupt, manchmal erschließen sich Zusammenhänge nicht immer sofort. Dies verstärkt den Eindruck eines Erinnerungsstroms statt einer ausgearbeiteten Romanhandlung.

Insgesamt ist „Immergrün“ ein melancholischer Roman, der weniger durch äußere Handlung wirkt. Die innere Handlung der Ich-Erzählerin steht im Vordergrund. Wer eine dichte, psychologisch geprägte Familiengeschichte schätzt und sich auf eine eher lose Struktur einlassen kann, wird in diesem Buch berührende Momente finden. Leserinnen und Leser, die eine klare Dramaturgie bevorzugen, könnten es jedoch als zu sprunghaft empfinden.

Ich persönlich bin nicht richtig warm geworden mit den Figuren. Sie wirkten distanziert und ich hatte manchmal den Eindruck, dass sich die Figuren als Opfer ihrer Umstände sahen.

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Veröffentlicht am 21.02.2026

Ein Bilderbuch über Achtsamkeit und Entschleunigung

Eilig, so unglaublich eilig!
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Das Bilderbuch „Eilig, so unglaublich eilig!“ von Christian Merveille erzählt eine Geschichte, die nicht nur Kinder anspricht, sondern auch Erwachsene.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein kleiner ...

Das Bilderbuch „Eilig, so unglaublich eilig!“ von Christian Merveille erzählt eine Geschichte, die nicht nur Kinder anspricht, sondern auch Erwachsene.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein kleiner Hase, der es schrecklich eilig hat. Er rennt unaufhörlich, stolpert, verliert seinen Hut und zieht mit seiner ungestümen Art sofort in die Geschichte hinein. Alles scheint dringend und alles scheint sofort erledigt werden zu müssen. Dabei übersieht der Hase so viel Schönes: die kleinen Begegnungen, die freundlichen Gesichter und die schöne Natur um ihn herum. Der kleine Hase verpasst quasi alles, was den Tag besonders macht.

Mit sanfter Leichtigkeit zeigt die Geschichte, wie anstrengend dieses ständige Rennen sein kann und wie wohltuend es ist, einfach einmal stehen zu bleiben und innezuhalten. Ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit viel Feingefühl lädt das Buch dazu ein, über das eigene Tempo nachzudenken. Müssen wir wirklich immer schneller sein? Oder liegt das Glück vielleicht im bewussten Wahrnehmen?

Die farbenfrohen, detailreichen Bilder von Lorenzo Sangiò unterstreichen diese Botschaft auf liebevolle Weise. Sie erzählen oft noch ein wenig mehr als der Text und laden dazu ein, viel zu entdecken.

Gelungen finde ich das Ende. Es lädt dazu ein, das Buch noch einmal von vorn zu lesen und genauer hinzuschauen. Beim erneuten Anschauen des Bilderbuches entdeckt man in den Bildern viele kleine Details, die zuvor vielleicht übersehen wurden. So wird die Geschichte selbst zu einer Übung in Achtsamkeit. Ich schaue genauer hin und nehme dadurch mehr wahr.

Das Buch ist eine zarte Erinnerung daran, dass Zeit nicht nur etwas ist, das uns antreibt, sondern auch ein Geschenk, das wir genießen dürfen. Ein Buch, das Kinder behutsam begleitet und Erwachsene vielleicht ebenfalls einen Moment lang innehalten lässt.

Lesenswert!

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Kraft gebend, lebensbejahend, inspirierend!

Love and be loved
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Kraft gebend, lebensbejahend, inspirierend
„Love and be loved“ von Cleo Wade ist ein wundervolles und zärtliches Bilderbuch. Es ist kraftgebend, inspirierend und lebensbejahend. Cleo Wade richtet ihre ...

Kraft gebend, lebensbejahend, inspirierend
„Love and be loved“ von Cleo Wade ist ein wundervolles und zärtliches Bilderbuch. Es ist kraftgebend, inspirierend und lebensbejahend. Cleo Wade richtet ihre Worte nicht nur an Kinder, sondern genauso an die Erwachsenen, die sie begleiten. Und vielleicht sogar noch mehr an das innere Kind in uns selbst.

„Gestolpert“ bin ich vor allem über den Satz: „Mögest du jemand sein, den du liebst.“ Er hat mich wirklich zum Nachdenken gebracht. Nicht nur unseren Kindern sollten wir diesen Glaubenssatz immer wieder nahebringen. Wir sollten vor allem uns auch selbst dies immer wieder vor Augen führen. Oft gehen wir mit uns selbst so hart ins Gericht, dabei sollten wir viel öfter liebevoller mit uns umgehen. Selbstliebe ist schließlich kein Luxus, sondern das Fundament für alles.

Auch folgende Affirmation fand ich besonders schön und inspirierend:

„Möge dein Geist immer aufgeschlossen sein und mögest du immer ein wenig merkwürdig sein. Oder auch sehr, sehr merkwürdig. Möge deine Merkwürdigkeit deine Superkraft sein. Möge sie dich ermuntern, dich in nahe und ferne Abenteuer zu stürzen.“

Das ist geradezu eine Einladung, so zu sein, wie man ist. Eine liebevolle Erlaubnis zur Eigenheit. Ich bin genau richtig, wie ich bin.

Aber auch tiefgründige und berührende Affirmationen zum Beispiel zum Thema Angst sind in dem Bilderbuch zu finden. Sie verdeutlichen, dass Angst und negative Gefühle normal und auch zum Leben dazugehören. Sie dürfen da sein, entscheidend ist nur, dass sie uns nicht beherrschen.

Es sind so viele weitere wundervolle Affirmationen in dem Buch. Ihr müsst sie einfach selbst entdecken!

Die Illustrationen im Inneren sind zart und zauberhaft. Positiv hervorzuheben ist, dass das Buch nicht mit Bildern überladen ist. Jedes einzelne Bild darf mit der jeweiligen Affirmation für sich wirken. Die Illustrationen unterstützen die Worte, drängen sich aber nicht in den Vordergrund.

„Love and be loved“ ist ein Buch, das man nicht nur einmal liest, sondern immer wieder zur Hand nimmt. Es eignet sich wunderbar als Geschenk, für Kinder, für Jugendliche, aber ebenso für Erwachsene.

Ein Buch voller liebevoller Erinnerungen daran, wer wir im Kern sind: wertvoll, einzigartig und liebenswert.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Eine scheinbar perfekte Familie

Alle glücklich
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Was bedeutet es, wirklich glücklich zu sein?

Kira Mohn erzählt in ihrem Roman "Alle glücklich" von Familie, Liebe und den Herausforderungen des Lebens.

Im Fokus des Romans steht die Familie Holtstein: ...

Was bedeutet es, wirklich glücklich zu sein?

Kira Mohn erzählt in ihrem Roman "Alle glücklich" von Familie, Liebe und den Herausforderungen des Lebens.

Im Fokus des Romans steht die Familie Holtstein: Mutter Nina, Vater Alexander, Sohn Ben (19) und Tochter Emilia (16). Die Geschichte wird aus allen vier Perspektiven erzählt, wodurch ich als Leser tief in die Gedanken, Gefühle und Konflikte jeder Figur eintauche und die familiären Dynamiken aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln erlebe. Die Holtsteins sind nach außen hin eine scheinbar perfekte Familie. Hinter der Fassade verbergen sich aber innere Konflikte, persönliche Sorgen und zerbrechliche Beziehungen, die jede Figur auf ihre eigene Weise prägen. Unausgesprochene Erwartungen und alte Wunden kommen zum Vorschein, Zerreißproben, die Beziehungen mit sich bringen.

"Alle glücklich" ist aber mehr als nur eine Familiengeschichte. Es geht um persönliche Entwicklung, Selbstreflexion und den Mut, eigene Wünsche und Bedürfnisse nicht hintenanzustellen.

Meiner Meinung nach ist es Kira Mohn gelungen, die Dynamiken innerhalb einer Familie realistisch darzustellen. Der Roman überzeugt durch seine emotionale Tiefe und die ehrliche Auseinandersetzung mit dem Thema "Familie" und dem oft trügerischen Ideal nach außen, dass doch alle glücklich sein müssten. Kira Mohn zeigt in dem Roman, wie komplex familiäre Beziehungen sein können, die geprägt sind von Verantwortung, Erwartungen und dem Wunsch, gesehen zu werden.

Besonders spannend und realistisch ist die Beziehung zwischen Emilia und ihrer Freundin Alina, die den Kontakt abbricht. Dieser Moment zeigt, wie verletzlich Beziehungen sein können.

Berührend finde ich vor allem Bens Schicksal. Seine große Einsamkeit und sein Kampf, seinen Platz im Leben zu finden, machen ihn zu einer besonders nahbaren und mitfühlenswerten Figur.

Ein kleiner Kritikpunkt von meiner Seite ist, dass an einigen Stellen die Handlung etwas vorhersehbar ist. Das Ende jedoch hat mich wiederum überrascht.

"Alle glücklich" ist ein Roman, der zum Nachdenken über Familie und eigenes Glück anregt.

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