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Veröffentlicht am 20.05.2026

Kommt wie ein Tsunami daher: erst leise und dann mit einer Wucht

Unter Wasser
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„Unter Wasser“ von Tara Menon kommt wie ein Tsunami daher, zuerst leise, fast unauffällig, bevor die Geschichte mit gewaltiger emotionaler Wucht über einen hereinbricht.

Im Fokus steht die Ich-Erzählerin ...

„Unter Wasser“ von Tara Menon kommt wie ein Tsunami daher, zuerst leise, fast unauffällig, bevor die Geschichte mit gewaltiger emotionaler Wucht über einen hereinbricht.

Im Fokus steht die Ich-Erzählerin Marissa, die auf ihre Kindheit und Jugend in Thailand zurückblickt. Besonders prägend war ihre enge Freundschaft zu Arielle, bis diese 2004 beim verheerenden Tsunami in Phuket ums Leben kam. Von dort an ist nichts mehr, wie es war. Nach dem Unglück zieht Marissa nach New York, doch auch dort gelingt es ihr nicht, der Trauer zu entkommen. Überall wird sie an Arielle erinnert und der Verlust bleibt allgegenwärtig. Sie vermisst sie schmerzhaft.

Sehr eindrücklich ist, wie stark das Motiv des „Unter-Wasser-Seins“ durch die gesamte Erzählung getragen wird. Marissa fühlt sich seit Arielles Tod, als würde sie unter einer schweren, undurchdringlichen Wasseroberfläche leben: gedämpft, isoliert, nicht ganz Teil der Welt um sie herum.

Besonders gelungen ist die bildhafte Sprache. Die Naturbeschreibungen sind intensiv und ausdrucksstark. Farben sind nie einfach nur „blau“, sondern erscheinen als Azur, Türkis oder in unzähligen Schattierungen dazwischen. Dadurch entsteht ein sehr lebendiges, fast sinnliches Naturerleben. Die Kinder in Thailand wachsen mit dieser intensiven Umwelt auf, mit Meerestieren, Korallen und dem Tauchen, etwa beim Beobachten von Mantarochen. Der Leser bekommt ein starkes Gefühl für die Schönheit und Kraft dieser Welt.

Auch die besondere Beziehung zwischen Mensch und Natur zieht sich als zentrales Thema durch den Roman. Selbst im späteren New York bleibt dieses bewusste Wahrnehmen erhalten, wie zum Beispiel im Central Park, wo selbst Mönchssittiche kleine Brücken zur Vergangenheit schlagen. Natur ist hier nicht Kulisse, sondern etwas Lebendiges, fast Prägendes für Identität und Erinnerung.

Beeindruckend ist zudem die Darstellung der Tsunamikatastrophe selbst: die unheimliche Stille vor dem Ereignis, das Verhalten der Tiere, die die Gefahr offenbar früher wahrnahmen und schließlich die erschütternden Szenen danach, etwa beim Bergen der Toten.

Ein klitzekleiner Kritikpunkt war für mich der langsame Erzählbeginn. Die Geschichte baut sich nur langsam auf und hat gerade am Anfang ein paar Längen.

Trotzdem überwiegt klar der positive Eindruck: Eine sprachlich starke und emotional bewegende Geschichte über Freundschaft, Verlust und die Kraft der Natur.

Klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 10.05.2026

Was macht Menschsein aus?

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Wow! Der Roman hat mich komplett in seinen Bann gezogen und habe ihn innerhalb von 2 Tagen verschlungen. Jede Seite endet mit dem Gefühl von: Ich muss wissen, wie es weitergeht!

Die Ausgangssituation ...

Wow! Der Roman hat mich komplett in seinen Bann gezogen und habe ihn innerhalb von 2 Tagen verschlungen. Jede Seite endet mit dem Gefühl von: Ich muss wissen, wie es weitergeht!

Die Ausgangssituation ist beklemmend. 40 Frauen leben seit Jahren eingesperrt in einem unterirdischen Käfig. Sie werden von Männern bewacht ohne zu wissen warum. Als ihnen plötzlich die Flucht gelingt,beginnt jedoch keine Erlösung. Sie befinden sich nun in einer menschenleeren Welt, in der es keine Antworten gibt. Diese Freiheit fühlt sich oft wie ein anderer Käfig an und hat mich stark an „Die Wand“ von Marlen Haushofer erinnert.

Besonders faszinierend fand ich die Erzählerin. Sie ist die Jüngste der Frauen und kennt als Einzige kein anderes Leben als die Gefangenschaft. Dadurch betrachtet sie die Welt mit einer Neutralität. Sie hinterfragt alles: Gesellschaft, Beziehungen, Sprache, Hoffnung, Tod. Weil ihr menschliche Sozialisation fehlt, wirken ihre Beobachtungen schonungslos ehrlich, fast wie der Blick eines Wesens, das das Menschsein von außen betrachtet. In ihr steckt unglaublich viel Hoffnung. Das hat mich am meisten berührt. Trotz dieser trostlosen Welt verliert sie nie die Neugier, ihren Wissensdurst und ihren Mut. Sie will verstehen. Antworten finden. Dem Leben einen Sinn abringen. Gerade dadurch bewahrt sie sich etwas zutiefst Menschliches.

Gefallen hat mir auch, wie das Buch mit dem Tod umgeht. In einer Welt, in der scheinbar alles seinen Sinn verloren hat, bleibt jeder Mensch bedeutsam. Die Verstorbenen werden nicht einfach vergessen, sondern behalten ihre Würde und ihren Platz in den Erinnerungen der anderen.

Dieses Buch stellt viele existenzielle Fragen, dass es noch lange nachhallt: Was macht ein Leben lebenswert? Was macht uns zu Menschen? Wie gehen wir mit unserer Freiheit um? Vieles bleibt unbeantwortet. Der Schluss ist daher etwas ernüchternd und ich hätte mir natürlich mehr Antworten gewünscht, aber genau deshalb passt er so perfekt zu dieser dystopischen Geschichte. Wie im echten Leben bleiben manche Rätsel ungelöst.

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Veröffentlicht am 10.05.2026

Ein Jahreshighlight!

Die Riesinnen
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Schon jetzt ein absolutes Jahreshighlight!
„Die Riesinnen“ von Hannah Häffner habe ich letzten Monat gemeinsam mit meinem Buchclub gelesen und wir waren uns schnell einig, dass dieses Buch etwas ganz Besonderes ...

Schon jetzt ein absolutes Jahreshighlight!
„Die Riesinnen“ von Hannah Häffner habe ich letzten Monat gemeinsam mit meinem Buchclub gelesen und wir waren uns schnell einig, dass dieses Buch etwas ganz Besonderes ist.

Es ist ein warmes, wundervolles Werk, das mich vor allem sprachlich tief beeindruckt hat. Ganz hohe Erzählkunst! Immer wieder gab es Sätze, bei denen ich nur dachte: Wow – wie kann man so schreiben? Diese sprachliche Gewandtheit trägt die Geschichte und verleiht ihr eine besondere Tiefe.

Der Roman erzählt von drei Generationen von Frauen. Es sind Liese, Cora und Eva, die als „Riesinnen“ bezeichnet werden. Sie leben in einem Dorf im Schwarzwald, sind anders, fallen auf, und man redet über sie.

Liese ist in der Nachkriegszeit geboren und lebt in einer Welt, in der Frauen vor allem ihre Pflicht zu erfüllen haben. Selbstverwirklichung ist kein Thema. Ihre unglückliche Ehe mit Bernhard steht exemplarisch für diese Zeit. Dennoch beeindruckt sie mit einer unglaublichen inneren Stärke. Sie weiß, was sie will, und nimmt es sich, wenn sich die Gelegenheit bietet. Besonders berührend ist ihre Liebe zu ihrer Tochter Cora. In ihr zeigt sich: Weitermachen ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit.

Cora wiederum schafft es, aus dem engen Dorf auszubrechen, die Welt zu sehen. Sie ist freiheitsliebend und entschlossen, ihren eigenen Weg zu gehen. Als sie schwanger wird und zurückkehrt, steht sie vor der Frage: Bleiben oder gehen? Besonders stark fand ich ihre Haltung gegenüber Ludwig, dem sie selbstbewusst entgegentritt und klar macht: Das ist nicht ihr Leben, sie hat ihr eigenes, und das hat sie sich verdient.

Mit Eva schließt sich der Kreis. Sie verbindet Vergangenheit und Gegenwart.

Auch Eva hat mich sehr beeindruckt, gerade weil sie Dinge hinterfragt und ein feines Gespür für die Bedeutung von Zeit und Erinnerung entwickelt. Eine Szene ist mir besonders im Kopf geblieben. Auf einer Party steht sie an der Bar und beobachtet die anderen. Alle sind da, weil sie genau dort sein wollen. Nur sie und ihr Freund David scheinen außen vor zu sein. Während David vorschlägt, einfach zu gehen, spürt Eva, dass es um mehr geht, nämlich um diese Jahre, die nicht wiederkommen, die etwas bedeuten müssen. Sie fragt sich, was eigentlich bleibt, wenn es keine Erinnerungen gibt, an denen man sich festhalten kann. Diese Reflexionen verleihen ihrer Figur eine besondere Tiefe und machen deutlich, wie stark das Thema Erinnerung und Bedeutung durch alle Generationen hindurch wirkt.

Besonders gelungen ist, wie jede Generation ihren eigenen Raum bekommt und doch alles miteinander verwoben bleibt. Es geht um Herkunft, um Entscheidungen und um das Weitermachen. Immer weiter, egal wie schwer es ist.

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Veröffentlicht am 10.05.2026

Das raue Leben einer jungen Grönländerin

Das Tal der Blumen
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„Das Tal der Blumen“ von Niviaq Korneliussen ist ein rauer und bedrückender Roman, der einen tiefen Einblick in die grönländische Gesellschaft gibt. Im Mittelpunkt steht eine junge Grönländerin, die sich ...

„Das Tal der Blumen“ von Niviaq Korneliussen ist ein rauer und bedrückender Roman, der einen tiefen Einblick in die grönländische Gesellschaft gibt. Im Mittelpunkt steht eine junge Grönländerin, die sich so weit wie möglich von ihrer Familie entfernen möchte. Sie geht nach Dänemark, um dort zu studieren, doch auch dort findet sie keinen Halt. Statt eines Neuanfangs wird sie mit Vorurteilen und dem Rassismus vieler Dänen gegenüber Grönländern konfrontiert. Sie kommt mit den neuen Strukturen und Erwartungen nicht zurecht, findet keinen Anschluss und bleibt genauso verloren wie zuvor.

Der Roman schildert die Lebensumstände vieler junger Grönländer eindringlich. Hoffnungslosigkeit, Identitätsprobleme, psychische Erkrankungen und tiefe Einsamkeit bestimmen das Leben der Figuren. Besonders erschütternd ist die Thematisierung der hohen Suizidrate unter jungen Grönländern. Der Roman ist sogar strukturell durch die Erwähnung von Suiziden geprägt, was die bedrückende Grundstimmung zusätzlich verstärkt. Gleichzeitig zeigt das Buch, wie schwer es ist, Hilfe zu bekommen. Trotz Hilferufen gibt es kaum therapeutische Angebote, und viele Betroffene bleiben mit ihren Problemen allein.

Was mich besonders beeindruckt hat, war die beklemmende Grundstimmung des Romans. Man spürt regelrecht die Kälte unter den Figuren. Sie gehen kaum herzlich miteinander um, viele wirken emotional abgestumpft, plump, derb und kalt. Diese Verrohung zieht sich durch das gesamte Buch.

Auch sprachlich ist der Roman sehr direkt. Die vulgäre und derbe Sprache passt zwar zur Härte der dargestellten Lebensrealität, war mir stellenweise aber fast zu viel. Gleiches gilt für die teilweise sehr ausführlich beschriebenen sexuellen Handlungen. Hier hatte ich oft den Eindruck, dass die Autorin bewusst provozieren möchte, was mich beim Lesen eher genervt hat als einen Mehrwert für die Handlung zu bieten.

Trotz dieser Kritikpunkte halte ich „Das Tal der Blumen“ für ein wichtiges und eindrucksvolles Buch. Es zeigt ein zerrissenes Land und eine Generation junger Menschen, die zwischen kultureller Identität, Perspektivlosigkeit und gesellschaftlicher Kälte verloren geht. Kein leichter Roman, aber einer, der lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Ein lebensnaher Roman

Pause
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Mit „Pause“ hat Lena Kupke einen Roman geschrieben, der sich sehr nach echtem Leben anfühlt. Im Mittelpunkt steht die 36-jährige Hanna, die merkt, dass ihr Körper nicht mehr mitmacht und sie deshalb ...

Mit „Pause“ hat Lena Kupke einen Roman geschrieben, der sich sehr nach echtem Leben anfühlt. Im Mittelpunkt steht die 36-jährige Hanna, die merkt, dass ihr Körper nicht mehr mitmacht und sie deshalb zurück in ihr altes Kinderzimmer bei ihren Eltern zieht. Gerade diese Ausgangssituation fand ich unglaublich authentisch, weil nicht nur Hanna überfordert ist, sondern auch ihre Eltern, die inzwischen längst ihren eigenen Alltag gefunden haben. Alle müssen sich erst wieder neu aufeinander einstellen. Genau daraus entstehen viele Reibereien, unausgesprochene Konflikte und dieses ständige Gefühl, dass es unter der Oberfläche brodelt.

Besonders gelungen fand ich die Familiendynamik. Die Kommunikation ist oft schwierig, vieles wird verschwiegen oder nur angedeutet. Auch in Hannas Beziehung zu Paul merkt man schnell, wie wenig offen eigentlich gesprochen wird. Gleichzeitig haben alle Figuren ihre Ecken und Kanten, zum Beispiel die Eltern mit ihren Eigenheiten, Schwester Sara mit ihren schrulligen Macken und Hanna selbst, die sich oft nicht gesehen oder gehört fühlt. Dadurch wirken die Figuren nie glatt oder konstruiert, sondern sehr echt.

Trotz der ernsten Themen gibt es viele humorvolle Szenen, bei denen ich lachen musste. Mein Highlight war definitiv die Szene, in der Hanna halbnackt versucht, eine Straßenlaterne auszutreten und ihr Date ein paar Tage später von einer „verrückten Frau“ erzählt, die genau das getan habe, ohne zu merken, dass es Hanna war. Solche Momente lockern die Geschichte wunderbar auf.

Besonders ins Herz geschlossen habe ich die Nachbarin Helen. Sie ist eigentlich die erste Person, die sich wirklich Zeit für Hannas Gedanken und Gefühle nimmt und ihr zuhört, ohne sie kleinzureden. Sehr berührt in diesem Zusammenhang hat mich auch dieses Zitat:
„Ich habe doch sowieso schon immer das Gefühl, dass meine Gefühle und Gedanken eine Zumutung sind, dass ich andere schonen muss, und jetzt mit meiner Geschichte erst recht.“ (S. 254)

An manchen Stellen bleibt die Autorin recht vage. Vor allem bei Themen wie Hannas Fehlgeburt oder der Frage, was letztendlich dazu geführt hat, dass sie im Krankenhaus landet, hätte ich mir etwas mehr Hintergrundinformationen gewünscht. Vieles wird nur angedeutet. Andererseits kann ich mir vorstellen, dass genau das eine bewusste Entscheidung war, weil es eben auch im echten Leben oft keine klaren Antworten gibt.

Insgesamt ist „Pause“ ein authentischer, emotionaler und gleichzeitig humorvoller Roman über Überforderung, Familie und das Gefühl, endlich gesehen werden zu wollen.

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