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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.11.2025

Für Fans obsessiver Figuren und metaphernreicher Sprache

Mit deinen Augen
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Ich bin sehr unvoreingenommen an diesen Roman gegangen, da ich noch kaum Berührungspunkte zu italienischer Literatur hatte. Die Kürze des Buches in Kombination mit einem queeren Kontext sowie dem tollen ...

Ich bin sehr unvoreingenommen an diesen Roman gegangen, da ich noch kaum Berührungspunkte zu italienischer Literatur hatte. Die Kürze des Buches in Kombination mit einem queeren Kontext sowie dem tollen Cover hat mich sehr angesprochen. Schon während des Lesens musste ich für mich aber feststellen: So sehr mich obsessive Figuren immer wieder reizen, so wenig bereiten sie mir doch während der Lektüre Freude.

Schon recht am Anfang war ich etwas verwirrt von Gaias Perspektive auf andere Menschen und das Leben allgemein. Ich habe zum Beispiel bis zum Ende nicht verstanden, warum sie fremden Personen einfach andere, in ihren Augen passendere Namen gibt. Das wirkt auf mich schon recht selbstzentriert und tendenziell unsympathisch. Und auch abgesehen davon hatte ich ziemlich große Schwierigkeiten mit der Obsession der Protagonistin. Diese absolute Verkörperung ihrer Ex-Freundin hat mich in ihrer Intensität regelrecht verstört.

Dabei ist die grundlegende literarische Idee dieser Verwandlung eigentlich wirklich gut. Sie bietet Gaia eine Möglichkeit des Ausbruchs aus ihrem seit Geburt vorbestimmten Leben und des Loslösens von der Herkunftsfamilie (die wirklich nur schwer auszuhalten ist). Die Trennung löst damit auch einen Prozess der Identitätsfindung aus, der mir am Ende aber doch zu nichtssagend blieb. Einige gesellschaftskritische Passagen blitzen immer mal wieder auf, als sonderlich reflektiert würde ich Gaia dennoch nicht bezeichnen.

Schon zwischendrin, aber vor allem zum Schluss habe ich mich dann gefragt, was genau nun die Kernaussage des Romans ist. Manche Elemente, die ich durchaus als metaphernreich bezeichnen würde, sind dabei greifbarer als andere. Aber abschließend gesehen blieb mir die Entwicklung der Hauptfigur zu vage. Das muss nicht pauschal schlecht sein, aber ich bin lieber sehr nah dran an Figuren, die einen deutlichen Entwicklungsprozess durchleben.

Weiterhin schwierig fand ich ich die Isolation Gaias. Sie hat in der gesamten Handlung eigentlich keinen wirklichen Fixpunkt - weder Familie noch Freund*innen spielen eine wahrnehmbar stabilisierende Rolle. Dafür muss mensch wahrscheinlich eine Vorliebe haben und mir sind ehrliche Interaktionen sowie echte Verbundenheit mit anderen Figuren schon ziemlich wichtig. Deshalb war es für mich kein sonderlich überragendes Werk. Phasenweise lässt es sich recht gut lesen, an anderen Stellen war es mir zu stockend. Menschen, die obsessive Figuren und Geschichten mit starkem Prota-Fokus mögen sowie Metaphern nicht scheuen, finden hier aber durchaus ein wertvolles Stück Literatur.

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Veröffentlicht am 25.11.2025

Früher Abbruch und absolute Enttäuschung

I’m a Fan
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Ich habe mir hier wirklich so viel mehr erwartet: Ein gesellschaftskritisches Werk, das sich mit weißem Feminismus und Klassismus auseinandersetzt. Und in Anbetracht dessen könnte ich nicht enttäuschter ...

Ich habe mir hier wirklich so viel mehr erwartet: Ein gesellschaftskritisches Werk, das sich mit weißem Feminismus und Klassismus auseinandersetzt. Und in Anbetracht dessen könnte ich nicht enttäuschter sein.

Die Kapitel sind kurz und lassen sich flott lesen. Das ist aber in meinen Augen auch schon der einzige Pluspunkt. Dem gegenüber steht der größte Minuspunkt: die absolut unsympathische Protagonistin, die ohne jegliche Reife und Selbstreflektion auszukommen scheint. Sie stalkt diverse Menschen, romantisiert ihren toxischen sowie völlig respektlosen "Liebhaber" und bleibt zudem absolut oberflächlich. Ich empfand sie als kindisch und ehrlicherweise enorm schnell einfach nur nervig.

Das ein oder andere Element der erwarteten Gesellschaftskritik verschwindet hinter diesen Figuren einfach komplett, was das Werk für mich ungenießbar machte. Ich breche weniger als eine Handvoll Bücher im Jahr ab, aber das war eines davon.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Der perfekte Krimi für alle, denen Krimis zu viel Krimi sind

Miez Marple und die Tatze der Verdammnis
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Ich bin ein echter Fan der Miez-Marple-Reihe und auch der dritte Band, in einem neuen Verlag erschienen, hinterlässt mich begeistert. Der Humor mit all seinen kätzischen Wortspielen und Anspielungen auf ...

Ich bin ein echter Fan der Miez-Marple-Reihe und auch der dritte Band, in einem neuen Verlag erschienen, hinterlässt mich begeistert. Der Humor mit all seinen kätzischen Wortspielen und Anspielungen auf die menschliche Welt ist sicherlich nicht jedermenschs Geschmack - ABER VERSTEHEN KANN ICH DAS NICHT!! 😃

Es ist Miez’ erster Auswärtsfall und dann gleich so ein glamouröser. Eingecheckt im Luxustierhotel dauert es nicht lange, bis es den ersten Mord gibt. Und dabei soll es nicht bleiben. Alle Luxusgäst*innen haben irgendwie Dreck am Stecken und der Autor schafft es erneut bis zum Schluss, die Auflösung offen zu halten.

Der Krimi ist wirklich die perfekte Wahl für alle, die eigentlich keine Krimis lesen. Wie ich, denn für all die Gewalt und Kriminalität bin ich viel zu zart besaitet. Doch die Bücher der Reihe lesen sich allesamt nicht nur grandios schnell weg, sondern sorgen durch den in meinen Augen sehr besonderen Humor für eine optimale Auflockerung. Die Taten werden auch nicht detailliert beschrieben, es geht eher um die Auflösung des Rätsels und den aktuellen Teil würde ich sogar als besonders entspannt beschreiben im Vergleich zu den beiden Vorgängern.

Ich liebe die kätzische Überlegenheit Menschen gegenüber und wie sie uns als Spezies belächeln. Wieso können wir uns auch nicht einmal selbst ordentlich sauber lecken, sondern müssen auf so etwas wie Seife zurückgreifen?! Ich liebe die zahlreichen (!) Anspielungen, einige hätte ich ohne den Austausch mit anderen nicht einmal gefunden. Meine Freude mit Schnurrsanne, Pawtricia und Co. war endlos!

Wenn ich etwas kritisieren müsste, dann vielleicht die Kürze des Romans. Manchmal wirkte die Handlung stark eingekürzt, sodass es da für mich noch 50 Seiten mehr hätten sein können. Und ganz manchmal waren mir die Wortwitze zu dicht beieinander.

Aber muss ich wirklich etwas kritisieren? Ich denke nicht! Der Roman ist lustig, spannend, unterhaltsam bis zum Schluss und locker an einem Tag lesbar. Auf was wartet ihr noch?

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Veröffentlicht am 07.11.2025

Eine ruhige, aber überaus tiefgründige Geschichte über Heilung und Identität

Beste Zeiten
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Ich mochte Jenny Mustard bereits in ihrem Debüt außerordentlich gerne. Denn obwohl ich mit ruhigen Geschichten oft mal meine Probleme habe, nimmt mich ihr Schreibstil einfach immer völlig in sich auf. ...

Ich mochte Jenny Mustard bereits in ihrem Debüt außerordentlich gerne. Denn obwohl ich mit ruhigen Geschichten oft mal meine Probleme habe, nimmt mich ihr Schreibstil einfach immer völlig in sich auf. So war es auch mit ihrem zweiten Roman, der dem ersten in nichts nachsteht und doch anders ist.

Während Mustards Debüt eine Paarbeziehung im Zentrum stehen hatte, dreht sich die Handlung hier noch einmal viel stärker um die Entwicklung der Hauptfigur sowie eine ganz tolle und angenehm unperfekte Freundinnenschaft. Sickan versucht ihren früheren Traumata sowie ihrem eher ärmlichen Wohnumfeld durch einen Umzug nach Stockholm zu entkommen. Das ist mit Anfang 20 ein sehr nachvollziehbarer Move, aber dass er die Probleme nicht wird lösen können, ist uns sicher allen klar.

Dabei wirkt es doch einige Zeit so, als würde die Freundinnenschaft zur selbstsicheren Hanna genau das tun. Sickan, die eigentlich um jeden Preis den coolen Leuten auffallen will, wächst an der Seite ihrer etwas eigenbrötlerischen Freundin zunächst deutlich. Doch irgendwann holen sie die früheren Prägungen ein. Ich finde es ganz toll, wie die Autorin hier wiederholt politisch wird, deutlicher als in ihrem Debüt. Es geht um Klassismus und was er sowie Mobbing mit Menschen nachhaltig anrichten können. Es geht ebenso um 6ualisierte Gewalt und auch hier schafft es Mustard, das Trauma zu verdeutlichen, ohne die Betroffene einzig darüber zu definieren. Sie macht die Auswirkungen stets klar, ohne effekthascherisch ins Detail zu gehen.

Sickan beginnt in ihrem „neuen Leben“ auch eine weitere Beziehung, die ebenso von viel Ehrlichkeit und Authentizität geprägt ist, aber zu meiner großen Freude nicht als Heilsbringer dargestellt wird. Und obwohl romantische Liebe eine Rolle spielt, macht Mustard deutlich, dass andere Beziehungen mindestens ebenbürtig, wenn nicht sogar bedeutsamer sind. Die Autorin zeigt wie schon in ihrem Debüt ihr Händchen für sanfte und reflektierte Männerfiguren. Loyalität, Ehrlichkeit und ein verletzliches Miteinander - all das spielt eine zentrale Rolle und das ganz unabhängig von der Beziehungsart.

Wer ruhig und fundiert erzählte Geschichten mag, die nah an der Hauptfigur sind, hat hier einen Treffer. Ich mochte „Beste Zeiten“ tatsächlich noch einmal mehr als den Vorgänger, weil er deutlich politischer und noch einen Ticken weniger romantisch ist. Sickans Suche nach Heilung und einer eigenen Identität ist schmerzhaft ehrlich und ich gehe rundum zufrieden aus dem Buch.

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Veröffentlicht am 07.11.2025

Das war nichts - unpassende Tropes, schlechtes Worldbuilding, unreifer Protagonist

The Nightmare Before Kissmas
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Ich habe mich wirklich sehr gefreut auf diese Geschichte, weil ich den leichten Fantasy-Aspekt rund um die Feiertage kombiniert mit einer queeren Romance wirklich sehr vielversprechend fand. RomComs lese ...

Ich habe mich wirklich sehr gefreut auf diese Geschichte, weil ich den leichten Fantasy-Aspekt rund um die Feiertage kombiniert mit einer queeren Romance wirklich sehr vielversprechend fand. RomComs lese ich vor allem mit dem Ziel, eine gute und lustige oder herzerwärmende Zeit zu haben, wenn ich eben genau das brauche. Und an diesen Erwartungen ist der Roman wirklich sang- und klanglos gescheitert.

Es fing für mich schon recht früh an, dass ich nicht so gut in einen Lesefluss gefunden habe. Anfangs dachte ich noch, dass das an einer hölzernen Übersetzung liegt und vielleicht trägt das auch wirklich seinen Teil dazu bei. Doch es geht auch weit darüber hinaus, denn ich habe den Wortwitz und allgemeinen Humor einfach gar nicht gefühlt. Er wirkte plump und unreif - was auch ganz generell auf den Protagonisten Coal zutrifft.

Coal ist Anfang 20, verhält sich aber so sprunghaft, selbstbezogen und lüstern wie ein Teenager (und selbst damit tue ich sicher vielen Teenager*innen unrecht!). Und nicht nur das: Er entwickelt sich auch einfach gar nicht weiter. Das wird im weiteren Verlauf der Handlung zwar über ihn behauptet, weil er teilweise Dinge in die Hand nimmt, aber das geschieht für mich auf eine völlig unglaubwürdige Weise.

Hex ist dagegen eine wirklich sympathische Figur, vulnerabel und sanft, ganz konträr zu seinem Erscheinungsbild. Doch die Chemie zwischen ihm und Coal habe ich bis zum Schluss nicht gespürt. Die spicy Szenen sind okay, sehr konsensgeprägt (was ich gut finde), aber ich hatte da einfach keinen Spark. Auch emotional wird viel gesprochen, aber gefühlt habe ich diese Verbindung nicht. Die weiteren Nebenfiguren bleiben überwiegend blass und eindimensional. Das hätte ich bei starken Protas noch akzeptieren können, aber an der Stelle mangelte es eben auch.

Und dann kommen wir zum Worldbuilding bzw. dessen Fehlen. Wieso wird zu Beginn dieses ganze Feiertagsfamiliensystem eingeführt und dieser komische Freudenzähler, nur um das dann komplett zu vernachlässigen? Ich bin scheinbar auch nicht die einzige, die die Welt bis zum Schluss nicht verstanden hat. Da wäre soooo viel möglich gewesen, so viel Magie und interessante Verflechtungen, aber die Autorin ließ dieses Potenzial ungenutzt.

Auch das Drama rund um Santa ist für mich einfach nur unglaubwürdig und schlecht geschrieben. Es wird ziemlich langweilig und zäh aufgebauscht, um es schlussendlich in gefühlten 3 Sätzen durch den Helden der Geschichte auflösen zu lassen. Und der Grund für Santas Verhalten? Möchte ich natürlich nicht spoilern, aber meine Güte: So einen unreflektiert misogynen Trope habe ich 2025 wirklich nicht mehr erwartet!

Ich verbleibe so heftig enttäuscht wie schon lange nicht mehr. Die Bewerbung mit „Slow Burn“, „Enemies to Lovers“ und „Grumpy x Sunshine“ ist in meinen Augen unfassbar fehlgeleitet - keiner dieser Tropes trifft zu. Und bei so inkonsistentem und teils unlogischem Worldbuilding, veralteten Stereotypen sowie flachen oder unreifen Charakteren bleibt mir die Lust auf die weiteren Teile schon dreimal weg.

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