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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.09.2020

Aufschlussreich!

Keine Panik, ist nur Technik
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Unterhaltsam geschrieben und anschaulich erklärt, vermittelt die Autorin Grundlagenwissen, Anwendungsmöglichkeiten, sowie Schwachstellen von Künstlicher Intelligenz.


Schon seit einer Weile beschäftige ...

Unterhaltsam geschrieben und anschaulich erklärt, vermittelt die Autorin Grundlagenwissen, Anwendungsmöglichkeiten, sowie Schwachstellen von Künstlicher Intelligenz.


Schon seit einer Weile beschäftige ich mich mehr und mehr mit Technik, EDV und Künstlicher Intelligenz - weil ich diese Themen faszinierend und relevant finde. Als ich über dieses Buch stolperte, MUSSTE ich es einfach lesen!


Durch Gespräche mit Freunden, den kostenlosen Onlinekurs zu den Grundlagen von KI Elements of AI, den Kenza Ait Si Abbou ebenfalls erwähnt, sowie ein wenig Recherche hatte ich vor dem Lesen bereits ein grobes Verständnis von künstlicher Intelligenz und von einigen Schlüsselbegriffen wie maschinellem Lernen oder neuronalen Netzwerken wenigstens schon mal gehört - ich kann also nicht beurteilen, inwieweit dieses Buch auch für vollkommen Fachfremde zu lesen ist; auch wenn ich meine, dass es durchaus verständlich sein sollte.

Kenza erklärt und beschreibt erfreulich niedrigschwellig; ohne Formeln und tiefen Einblick in Programmierstrukturen. In einfachen Worten umreißt sie, wie und wo künstliche Intelligenz eingesetzt wird; Schwachstellen und potenziellen Nutzen. Streckenweise war sie mir zu leichtgläubig bzw. unbeschwert was die Freigabe ihrer Daten angeht; gleichzeitig war es beruhigend, bei all der Schwarzmalerei in den Medien auch Positives über die zunehmende Technik zu hören!

Auch vom Aufbau her ist das Buch weniger Fach- denn erzählendes Sachbuch; jedes Kapitel ist einem Anwendungsfeld von KI gewidmet und wird durch eine persönliche Anekdote, meist anhand ihrer tindernden Nachbarin Maria oder dem spanischen Freund Carlos eingeleitet. Das hatte zwar durchaus Charme, wäre für mich aber nicht nötig gewesen.

Bereits in ihrem TED-Talk konnte mich Kenza Ait Si Abbout beeindrucken - was für eine starke, humorvolle und intelligente Frau! Meinen höchsten Respekt dafür, ein anspruchsvolles Buch in einer Fremdsprache zu schreiben und dabei gleichzeitig den Spagat zwischen wissenschaftlicher Präzision und allgemeinzugänglicher Vereinfachung zu meistern!

Klasse fand ich auch Kenzas Forderung nach mehr Diversität in der Technik - sowohl was den fachlichen Hintergrund als auch Geschlecht/Alter/Herkunft/Hautfarbe/Kultur/etc. angeht! Von Interdisziplinarität und verschiedenen Perspektiven profitiert nicht nur die Entwicklung neuer Technologien; es können auch Probleme verhindert werden, wie bei Gesichts- und Stimmerkennung eindrucksvoll gezeigt! In meinem Politikstudium habe ich die gegenseitige Abneigung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften häufig spüren können; umso erfreulicher jedes Mal die Erkenntnis Einzelner, wie bereichernd eine Zusammenarbeit doch ist...

Ein wenig enttäuscht war ich darüber, dass sich das Buch entgegen des Klappentextes ausschließlich mit KI beschäftigt; ich hatte auf einen allgemeineren Blick auf Technik, Algorithmen und Programmieren gehofft - wobei das den Rahmen wohl gesprengt hätte!

  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 30.08.2020

Überraschend großartig

Jamaica Inn
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Unheimlich atmosphärisch, durchaus überraschend in der Auflösung und mit einer grandios taffen Protagonistin - durch und durch ein Lesegenuss!


Seit "Herz aus Glas" steht Rebecca auf meiner Leseliste ...

Unheimlich atmosphärisch, durchaus überraschend in der Auflösung und mit einer grandios taffen Protagonistin - durch und durch ein Lesegenuss!


Seit "Herz aus Glas" steht Rebecca auf meiner Leseliste - durch die LovelyBooks-Klassikerleserunde bin ich zufällig über dieses Buch selbiger Autorin gestolpert und konnte Cover und Klappentext einfach nicht widerstehen!

Glücklicherweise! Denn nun weiß ich nicht nur sicher, dass ich Rebecca unbedingt lesen möchte, sondern hatte ausgesprochene Lesefreude an diesem Buch. Während meine Hoffnungen auf Abenteuer auf hoher See schnell enttäuscht wurden, vermochte mich die Autorin dennoch an die sumpfige Landschaft rund um das Jamaica Inn zu fesseln.

Zum einen lag das an ihrem atmosphärischen Schreibstil, der mich Klammheit und Kälte spüren ließ, nervöse Schauer über den Rücken trieb und Teil der Geschichte werden ließ. Letztlich war von Anfang an klar, was das schreckliche Geheimnis des Ortes und seiner Bewohnenden ist und doch bröckelte der Spannungsbogen an keiner Stelle und konnte das Ende in einigen Punkten überraschen. Die Handlung geht langsam voran - willkommen im Zeitalter der Kutschen und versiegelten Briefe... Normalerweise empfinde ich beschreibungsreiche, aktionsarme Erzählungen als zäh - hier war das jedoch nicht der Fall; so war ich in die Geschichte versunken!

Zum anderen konnte mich Daphne du Mauriers Hauptprotagonistin Mary begeistern, sodass mir selbst eine Wanderung durch das Moor mit ihr Lesefreude bereitete. Mary ist Landkind und durch Schicksalsschläge schon früh eigenständig geworden, Kind ihrer Zeit und geistig dieser doch um Längen voraus und vor allem mit Neugier, Courage, Witz und Intellekt gesegnet. Ich feiere sie dafür, wie unerschrocken sie für ihre Unabhängigkeit ringt, sich dem Ehefrauendasein widersetzt und von einem selbstbestimmten Dasein träumt.

Zudem ist Mary ausgesprochen reflektiert, was ihre gesellschaftliche Position und Optionen als Frau angehen; weigert sich aber, sich den Regeln und Erwartungen ihrer Zeit widerstandslos zu beugen.

Hervorragend ist der Autorin zudem die zarte und zugleich kraftvolle Liebesgeschichte gelungen, die sich nur langsam entspinnt, seitens Mary bitterlichst bekämpft wird und vor allem auf Augenhöhe stattfindet.

Erwähnenswert finde ich an der Stelle, dass die Autorin wohl zeitlebens ihre lesbischen Gefühle unterdrückte und diese - kodiert - auch in manchen ihrer Werke thematisiert hat.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.07.2020

Wärmste Empfehlung ♥

Hallo, Teckel Tom!
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Unglaublich niedlich illustriertes Kinderbuch, dem es grandios gelingt, Diversität im Hintergrund der eigentlichen Dackel-Geschichte darzustellen, zu feiern und normalisieren.


Heute möchte ich euch ein ...

Unglaublich niedlich illustriertes Kinderbuch, dem es grandios gelingt, Diversität im Hintergrund der eigentlichen Dackel-Geschichte darzustellen, zu feiern und normalisieren.


Heute möchte ich euch ein ganz und gar bezauberndes (Kinder-)Buch vorstellen und ans Herz legen ♥

Und zwar die Geschichte von Teckel Tom und wie er zu Sophie kam - unfassbar niedlich illustriert und liebevoll erzählt, ist dieses Buch Lesefreude und Regalzierde! Ich bin ausgesprochener Dackelfan, denke aber, dass die Niedlichkeit der Zeichnungen von Noëlle Smit Kindern wie Erwachsenen Herzchen in die Augen zaubern sollten :)

Besonders gelungen ist zudem, wie die beiden Papas von Sophie zwar erwähnt werden; diese Diversität jedoch unaufgeregt als die Normalität gezeigt wird, die sie sein (dürfen) sollte. Ich finde es großartig, wenn Kinder durch Bücher und andere Medien nicht immer nur das weiße Bilderbuchfamilienkonzept vorgestellt bekommen, sondern schon ganz früh lernen, dass es kein "richtig" und "falsch" gibt, wie und in welchen Konstellationen Menschen sich lieben und zusammenleben, oder auch nicht.

Definitiv braucht es auch Bücher, die explizit über die Stigmata, Diskriminierungen und Ängste von Menschen sprechen, denen die Existenzberechtigung abgesprochen wird oder die als "abnormal" diffamiert werden. Darüber hinaus sind jedoch auch solche Geschichten nötig, die Sichtbarkeit und Representation schaffen, ohne sie explizit zu thematisieren. Dazu ist dieses Buch ein hervorragender Beitrag.

Übrigens: Autorin, Illustratorin und Übersetzerinnen dieses Buches sind alles Frauen :)

  • Cover
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.07.2020

Verliebt in Andalusien

Falling Like The Stars
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Süße Alltagsflucht ohne größere Katastrophen, Dramen oder Missverständnisse ♥


Bereits vor einiger Zeit konnte mich meine Namensvetterin mit Tigerstreifenhimmel begeistern und verzaubern, sodass ich auf ...

Süße Alltagsflucht ohne größere Katastrophen, Dramen oder Missverständnisse ♥


Bereits vor einiger Zeit konnte mich meine Namensvetterin mit Tigerstreifenhimmel begeistern und verzaubern, sodass ich auf ihre neueste (lesbische) Liebesgeschichte äußerst gespannt war.

Schreibstil und Humor fingen mich direkt ein; als es die Protagonistin dann auch noch in meine Herzensheimat Andalusien verschlug, konnte dieses Buch nur noch großartig werden ^^

Während Coming-Out, Hass gegenüber queeren Menschen und das Auseinandersetzen mit der eigenen Sexualität wichtige Themen von LGBTQ-Literatur sind, ist es in meinen Augen genauso wichtig, nicht-heterosexuelle Beziehungen eben nicht nur wegen ihrer Herausforderungen zu porträtieren, sondern auch zu zeigen, dass sie genauso „normal“ und kompliziert sind. Das tut dieses Buch: Ohne größere Dramen und Missverständnisse geht es darum, wie sich zwei Menschen suchen und finden – und welche Schwierigkeiten und alltäglichen Herausforderungen sich ihrem happily ever after entgegenstellen.

Die Geschichte lebt von ihrer Ruhe und Nachdenklichkeit, von der langsamen Entwicklung und liebevollen Gefühlen der Protagonistinnen – kein Strapazieren der Nerven oder wildes Herummachen, sondern Zärtlichkeit und Sich-Raum-Lassen. Mich konnte zudem das heimelige Dorf von Ava und ihre spanische Familie bezaubern; hatte ich doch das Gefühl, auch (wieder) in Spanien zu sein ♥

Für mich ist die Geschichte von Sloane (was für ein erfrischend unverbrauchter Name!) und Ava eine zuckersüße Sommerlektüre, eine Liebesgeschichte auf Augenhöhe und realistisches Alltagsglück: Keine der beiden gibt ihre Unabhängigkeit auf, beide haben ihre starken und schwachen Momente und der Plot ist frei von unnötigem Hin-und-Her oder unglaubwürdigen Entscheidungen und Entwicklungen. Die Botschaft: Liebe ist immer „irgendwie kompliziert“ aber immer gleichwertig. Love is love.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.07.2020

Eine Geschichte, auf die man sich einlassen (können) muss

Das sternenlose Meer
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Verworren und verwirrend, bizarr und bezaubernd - ich bin dieser Liebeserklärung an das Geschichtenerzählen erlegen!


Angesichts der begeisterten Stimmen zu Nachtzirkus konnte ich bei diesem Titel und ...

Verworren und verwirrend, bizarr und bezaubernd - ich bin dieser Liebeserklärung an das Geschichtenerzählen erlegen!


Angesichts der begeisterten Stimmen zu Nachtzirkus konnte ich bei diesem Titel und Klappentext einfach nicht widerstehen - und wusste zugleich nicht, worauf ich mich einlassen würde. Weiß es bis jetzt nicht! Denn dieses Buch ist Prosa und Poesie, Täuschung und Wunder, Märchen und Fabel; und Rätsel. Es geht um Bücher und die Kraft von Worten und den Zauber von Fantasie. Auch wenn das Buch einen roten Faden aufweist - die Erlebnisse von Zachary - ist es vielmehr eine lose und zugleich verwobene Erzählung aus vielen einzelnen Geschichtsfragmenten ohne festen Anfang und Ende.

Durch den bezaubernden Schreibstil gelang es mir von Anfang an, mir auf dieses verworrene und verwirrende Buch einzulassen, die zarte Liebesgeschichte zwischen Zachary und dem geheimnisvollen Geschichtenerzähler zu genießen und die Schönheit in der Langsamkeit der Handlung zu erkennen.

Diese Geschichte ist eine Liebeserklärung an der Welt der Worte und Bücher; denn Geschichten sind immer nur Ausschnitte, nur Teilwahrheiten und letztlich nur durch uns, die Leserschaft, lebendig und bedeutungsvoll. Ich habe definitiv nicht alle Zusammenhänge erkannt, alle Rätsel gelöst, alle offenen Fragen mir beantworten können - und das hat mich dennoch nicht gestört! Dieses Buch muss unvollständig sein und für jede*n Lesenden von eigener Bedeutung.
Für mich ist das Buch wie ein gewaltiger Strom - dagegen anzupaddeln, krampfhaft nach Sinn und Unsinn, Logik und allen Zusammenhängen zu suchen, ist anstrengend bis ergebnislos. Sich der verschachtelten Erzählung einfach hinzugeben, ohne Erwartungen, was als nächstes kommen mag und immer bereit, vermeintlich Wahres wieder aufzugeben, ist dagegen ein wahrer Lesegenuss ♥

Das sternenlose Meer gehört hiermit zu den Büchern, die ich nicht uneingeschränkt empfehlen kann und doch möchte; konnte es mich doch betören. Dennoch glaube ich, dass es nicht jedem Lesegeschmack gefällt und nicht jeder Lesestimmung entspricht. Definitiv werde ich nun bald den Nachtzirkus vom SuB befreien und bin voller Vorfreude und Neugier.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere