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Veröffentlicht am 11.06.2020

... und Periode ist weder "Frauensache" noch unpolitisch!

Periode ist politisch
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Von dieser Lektüre nehme ich einiges mit und kann sie menstruierenden und nicht-menstruierenden Menschen nur empfehlen; schreibt die Autorin doch frank und frei, ohne sich von Tabus oder Scham aufhalten ...

Von dieser Lektüre nehme ich einiges mit und kann sie menstruierenden und nicht-menstruierenden Menschen nur empfehlen; schreibt die Autorin doch frank und frei, ohne sich von Tabus oder Scham aufhalten zu lassen, über die verschiedensten Aspekte der Periode.


Ich weiß gar nicht mehr genau, wie ich eigentlich über dieses Buch gestolpert bin - all zuviel Aufmerksamkeit bekommt es ja nicht. Videotrailer und Leseprobe machten mich jedoch mehr als neugierig, mich zum "Tabuthema" Periode zu belesen.

Und das habe ich nicht bereut! Nicht nur schreibt Franka Frei sarkastisch, unterhaltsam und frisch; sie sorgte bei mir dabei auch für einige Aha-Momente. Von Bedeutung für sozialen und finanziellen Gesellschaftsstatus, über kulturelle Stigmata, Produktbandbreite und die Pille zu Auswirkungen auf Umwelt und Ökonomie - das Buch thematisiert eine Menge Aspekte von Menstruation und zeigt, dass sie definitiv kein "Frauenproblem" ist. Weil Menstruation - hey JKR! - weder ausschließlich Frauen* betrifft noch an sich als Problem gesehen werden sollte.

Es ist unglaublich, dass Menstruation (immer noch) ein solches Tabuthema ist; so wenig darüber gesprochen und geforscht wird... umso mehr braucht es Bücher wie dieses! Auch das Verlagslabel ist bereits Ausdruck der Marginalisierung und Tabuisierung des Themas; ist Heyne Hardcore doch ein Label für "unkonventionelle, kritische, unbequeme Alternativen abseits ausgetretener Mainstream-Pfade" und veröffentlicht sonst vor allem Underground, Erotik, Rock ’n’ Roll und Spannung.

Ganz oft habe ich beim Lesen zustimmend mit dem Kopf genickt oder selbigen ungläubig geschüttelt, so manches Mal verblüfft oder überrascht die Augen aufgerissen oder gar das Internet durchforstet. Gerade über die Pillenpause als "Friedensangebot" an die Kirche stolperte ich ^^

Kleine Kritik gibt es für den stellenweise belehrend wirkenden Ton - gerade bezüglich Menstruationsprodukte positioniert sich die Autorin mehrfach deutlich und lässt wenig Raum für Diskussion. Aber in Ordnung, das Buch heißt ja auch Manifest und nur weil eine Meinung geäußert wird, muss ich der ja nicht blind folgen, sondern kann eigene Recherche anstellen und/oder eine eigene Einstellung entwickeln/haben. Bezüglich Patriarchat, Homo- und Transphobie, oder was Menschen noch für unlogischen Hass entwickeln können, kann ich ihre Statements jedoch nur lauthals bejahen, wir brauchen (leider) viel mehr öffentlichen Stimmen, die benennen, was schiefläuft und warum wir in unseren Köpfen ausmisten müssen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 08.06.2020

#savetheoceans

Geheimnisvolle Schönheiten
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Wunderbare Momentaufnahmensammlung, die die Schönheit, Vielfalt und Energie der Unterwasserwelt dokumentiert.


Zum heutigen Welttag der Ozeane möchte ich euch ein Buch vorstellen, das Einblick in die ...

Wunderbare Momentaufnahmensammlung, die die Schönheit, Vielfalt und Energie der Unterwasserwelt dokumentiert.


Zum heutigen Welttag der Ozeane möchte ich euch ein Buch vorstellen, das Einblick in die wunderbare Vielfalt und den Zauber dieser Welt unter der Wasseroberfläche gibt ♥

Ich bin mir nicht sicher, wie dieses Buch zu bezeichnen ist Coffetablebook, Fotobuch, Bildband... oder vielleicht ein wenig von allem? Anyhow, Geheimnisvolle Schönheiten präsentiert eindrucksvolle und ästhetische Momentaufnahmen aus dem Reich der Meere. Einen Blick auf meine Lieblingsseite habe ich bereits vor ein paar Tagen gegeben.

Sortiert nach Tiefenmeter erfreuen die doppelseitigen und durch den schwarzen Hintergrund umso leuchtenderen Aufnahmen das Auge. Wie Fotograf Tobias Friedrich auch ausführt, liegt sein Augenmerk auf der Schönheit, auf der Darstellung - ein biologisches oder zoologisches Nachschlagewerk ist dieses Buch also dezidiert und intendiert nicht. Dennoch hätte ich mir Bildunterschriften gewünscht - in welchem Meer die Bilder jeweils aufgenommen wurden und was se darstellen. Manche Fotografien, gerade die Nahaufnahmen, machten es mir als ungeschulte Meeresbiologin schwer, zu erkennen, ob es sich um Tier oder Pflanze handelt - lateinische Fachbegriffe haben mir also nicht gefehlt, doch eine Beschriftung wie "Mandarinenfische beim Laichen" wäre erfreulich gewesen.

Davon abgesehen kann ich von diesem Buch nur Schwärmen; gelingt es ihm doch, die fragile Schönheit unseres blauen Planeten einzufangen und daran zu erinnern, appellieren und inspirieren, sich für den Erhalt unserer Meere und Ozeane - uns und den bewohnenden Tieren und Pflanzen zuliebe - einzusetzen.

  • Cover
Veröffentlicht am 01.06.2020

What if the sword chose a queen?

Cursed - Die Auserwählte
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BAMM, was für eine komplette Überraschung und in allen Punkten grandios gelungene Arthussagen-Adaption, durch dessen Seiten ich nur so geflogen bin und dessen Fortsetzung ich entgegenfiebere!


Alles an ...

BAMM, was für eine komplette Überraschung und in allen Punkten grandios gelungene Arthussagen-Adaption, durch dessen Seiten ich nur so geflogen bin und dessen Fortsetzung ich entgegenfiebere!


Alles an diesem Buch - Verlagssparte, Covergestaltung, Titel und Netflixwerbung - ließen mich kalt und schienen mir "Lies mich nicht" zu sagen - und doch habe ich der Geschichte im Rahmen der #NetgalleyDEChallenge eine Chance gegeben...
Und wow! WOW! Ich LIEBE einfach alles an diesem Buch...

DIE GRUNDIDEE: What if the sword chose a queen - muss ich dazu noch mehr sagen?! Yes, please! Das offene Ende und das Dankwort lassen eine Fortsetzung mehr als wahrscheinlich erscheinen - welche ich kaum erwarten kann, denn nun sind alle Figuren der Arthuslegende im Spiel... Die Herrin vom See, Arthur, Merlin, Morgan, Lanzelot, Percival, der grüne Ritter... ich habe mich nebenbei mit den Legenden beschäftigt, da ich bis auf die Namen wenig wusste und liebe es, wie Thomas Wheeler sich sowohl an Überliefertes hält und zugleich ganz viel Freiraum schafft und kreativ interpretiert.

DIE PROTAGONISTIN: Bekannterweise bin ich ein großer Fan von Kick-ass Protagonistinnen und während Nimue alle Eigenschaften einer solchen starken und unabhängigen Frau aufweist, ist sie zugleich keine 0815-Heroine, die wie Katniss mit ihrem Schicksal hadert und über ihre Entscheidungen lamentiert. Nimue handelt - schnell, entschlossen und aufopfernd. Ja, sie zweifelt, ja sie trifft falsche Entscheidungen, ja sie verhält sich nicht immer moralisch unantastbar - aber weder für das Lüften ihrer Familiengeheimnisse, noch für die Liebesgeschichte oder politische Entscheidungen lässt sie sich in alle Zwischenspiele verwickeln - sie küsst den Mann, den sie will und fordert jeden und jede heraus, der sich ihr in den Weg stellt. BAMM!

DAS TEMPO: Eng mit der Protagonistin verbunden ist die Dichte der Erzählung - ein Kampf reiht sich an die nächste Schlacht, und auch wenn Raum für Überlegungen und Zweifel bleibt, ist kein Kapitel ohne Aktion. Verrat und doppeltes Spiel, verschiedenste Akteure unterschiedlichster Interessen - Nimues England ist gewaltgebeutelt und konfliktzerrissen, und das schlägt sich in Tempo und Atmosphäre nieder!



Und auch der "Rest" - Schreibstil, Setting und Atmosphäre, Nebenfiguren und Verschmelzung der verschiedenen Erzählstränge fügen sich wunderbar zusammen, geben der Geschichte Tiefe und machen das Buch zu einer wahren Lesefreude! Mit am meisten begeistert hat mich, wie der Autor es vermag, die Geschichte zugleich unkompliziert zu erzählen; keine unnötigen Missverständnisse, Dramen, langwierigen Erkenntnisprozesse, und seine Erzählung zugleich nicht an Komplexität, Vielschichtigkeit und Authentizität mangeln zu lassen. Keine Szene war redundant oder unnötig und dennoch war das Buch nicht sachlich-nüchtern oder abgehackt.

Mindestens genauso begeistert hat mich die Fantasie des Autors; genau wie Nimue war ich sprachlos ob der Vielfalt und Schönheit der Feys; ihre Wildheit und Naturverbundenheit, ihr bizarres Äußeres... hier hat Thomas Wheeler aus dem Vollen der Imagination geschöpft und zugleich geschickt beschrieben.

Okay, ich habe gelungen - ich liebe nicht alles; die Illustrationen Frank Millers gefielen mir ehrlicherweise gar nicht. Zu kantig, zu deformiert und meinen Geschmack einfach unästhetisch. Beim eBook sind sie zudem überflüssig, da viel zu klein und nicht vergrößerbar - aber darüber konnte ich im wahrsten Sinne des Wortes wegsehen und habe den Zeichnungen geringe Aufmerksamkeit geschenkt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.04.2020

Kindheitserinnerung

Sandmännchens Freunde
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Alles in allem eine lustige und unterhaltsame Geschichtensammlung aus dem Märchenwald; mehr als zwei-drei Vertonungen konnte ich der schrillen Stimmen wegen allerdings nicht am Stück hören ^^



Kennt ...

Alles in allem eine lustige und unterhaltsame Geschichtensammlung aus dem Märchenwald; mehr als zwei-drei Vertonungen konnte ich der schrillen Stimmen wegen allerdings nicht am Stück hören ^^



Kennt ihr noch Sandmännchen und seine Freunde? Letzten Jahr feierte die Kultserie bereits ihr 60jähriges Bestehen und anlässliches dieses Jubiläums wurde eine dreiteilige Hörbuchsonderausgabe veröffentlicht, die ich euch heute vorstellen möchte.

Die Kindersendung Unser Sandmännchen, kurz auch einfach Sandmann wird wie gesagt seit dem 22. November 1959 ausgestrahlt - seit der Wiedervereinigung vom RBB. Durchgesetzt hat sich das Ostsandmännchen, während der an Käpt´n Iglo erinnernde Westsandmann nach der Wende "in Rente gegangen" ist. Die wohl bekanntesten Bewohner*innen des Märchenwaldes sind wohl Kobold Pitti(platsch), Ente Schnatterinchen und Hund Moppi, sowie Herr Fuchs und Frau Elster - und genau diese Figuren präsentieren auf drei CDs einige ihrer Abenteuer.

Die Stimmen all´ dieser Charaktere sind unverkennbar - auch auf diesen Hörbüchern. Heinz Schröder, Friedgard Kurze, Günter Puppe, Günther Schiffel, Heinz und Ingeborg Fülfe, Barbara Augustin und Renate Elze sind wohl seit Generationen die bekanntesten Stimmen in Kinderzimmern! Mehr als zwei Geschichten, die etwa eine Viertelstunde gehen, am Stück zu hören, geht auf die Ohren; für einen kurzen Ausflug ins Märchenland sind die Tracks jedoch hervorragend. Die Dynamiken und Verhaltensweisen brachten mich immer wieder zum Lachen; gerade charakteristische Laute wie Pittis oih!, Schnattchens naknaknak oder Herr Fuchses essses! ließen mich schmunzeln.

Es war zudem interessant, die Geschichten aus Erwachsenenperspektive zu hören - ich konnte zum Beispiel feststellen, dass ein "klassisches" Rollenbild eingeschrieben ist, welches Jungs/Männer als die Starken und Mädchen als die Fürchtenden und die Hilfsbedürftigen darstellt - als Mädchen kann Schnattchen natürlich nicht Indianer spielen (die übrigens aus heutiger Sicht kulturell fragwürdig dargestellt werden ^^) und als Familienvater im Spiel guckt Moppi natürlich Fußball und trinkt Bier. Das ändert jedoch nichts an dem unterhaltsamen Charakter der Geschichten aus dem Märchenwald.

Die dritte CD ist komplett Herrn Fuchs und Frau Elster gewidmet, worüber ich mich nach zwei CDs mit Pitti & Co gefreut habe - die beiden waren schon immer meine Favoriten! Auch Mauz, Hoppel, Borstel, Putzi und Onkel Uhu haben ihre (Gast-)Auftritte. Highlight war definitiv die Erkältungsgeschichte, das passte auch im heutigen Kontext gant wunderbar :D

  • Cover
Veröffentlicht am 25.04.2020

Hommage auf Jane Eyre

Die stummen Wächter von Lockwood Manor
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Abgesehen von der streckenweise unangenehmen Protagonistin ein liebevoller Roman, der nicht mit großen Paukenschlägen sondern gekonntem, langsamen Aufbau bis hin zur furchtbaren Enthüllung in seinen Sog ...

Abgesehen von der streckenweise unangenehmen Protagonistin ein liebevoller Roman, der nicht mit großen Paukenschlägen sondern gekonntem, langsamen Aufbau bis hin zur furchtbaren Enthüllung in seinen Sog zieht.


Während das Cover einen sommerleichten Roman verspricht, deutet der Klappentext die düstere Geschichte an. An sich ist die Handlung weder ausgesprochen ereignisreich oder von Schnelllebigkeitkeit geprägt, noch ist das Buch ein Schauerroman voller Schrecken - und dennoch fröstelte es mich des Öfteren, meinte auch ich das Grauen, den Wahnsinn des Hauses spüren zu können. Ganz wie bei Jane Eyre spielt die Autorin Jane Healey mit ihren Figuren und Lesenden, führt auf falsche Fährten, schafft eine beklemmende Atmosphäre. Allerhand Anspielungen zu ebenjenem Klassiker hat die Autorin zudem eingebaut!

Bis zur Auflösung hatte ich das furchtbare Geheimnis, das über Lockwood Manor liegt, nicht erkennen können; im Nachhinein wurde dieses jedoch grandios subtil vorbereitet und aufgebaut. Alles ergab letztlich Sinn und dennoch bleibt dieser leise Hauch von Unsicherheit, von letzten Ungewissheiten, was erklärbar und was doch übernatürlich sein muss...

Die Liebesgeschichte ist ebenfalls Schicht für Schicht errichtet worden, zart und bezaubernd. Lucy ist zudem eine wunderbare Frau, die ich gerne kennenlernen würde, auch wenn ich sie ab und an ob ihrer Zartbesaitetheit doch gerne geschüttelt hätte ^^ Hetty hingegen ging mir immer wieder auf die Nerven mit ihrer pedantischen Art und wie sie im Selbstmitleid ob der genervten Art, mit der sie behandelt wird, schwelgt. Ein anderer Charakter hätte vermutlich nicht in die Geschichte gepasst; nur ein solcher, wenig umgänglicher und sturer Mensch, akribisch bis zur Verbissenheit, hätte die Handlung bis zur schließlichen Eskalation aufrechterhalten und treiben können - und doch; eine liebenswertere Hauptprotagonistin hätte ich mir gewünscht!

Der Schreibstil gefiel mir von der ersten Seite: Von einem feinen Humor durchzogen, einnehmend und wunderbar bildlich - ich konnte Kälte und Entsetzen förmlich spüren, meinte, das Rascheln von Seide und knarksender Schritte zu vernehmen. Die Geschichte ist auf eine Weise geschrieben, die sich nicht rasend schnell weglesen ließ, sondern mich in der vermeintlichen Trägheit der Handlung durch die Seiten trug.

Zum historischen Hintergrund noch ein Wort: Ich habe recherchiert, dass wohl ein Großteil der Sammlung des Naturgeschichtlichen Museums London tatsächlich in Landhäuser evakuiert wurde; Lockwood Manor und die Ereignisse darauf sind jedoch Fiktion. Ich würde also sagen, dass dieses Buch kein historischer Roman, sondern ein Roman mit historischem Setting ist.

Wer sich von dieser Geschichte also eine seichte Lektüre verspricht, sollte besser die Finger vom Buch lassen; wer sich jedoch auf ein langsames, aber atmosphärisch dichtes und gelungen geschriebenes Wandeln durch ein Haus mit einem furchtbaren Geheimnis, auf Wahnsinn und Verfolgungsängste einlassen kann und möchte, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere