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Veröffentlicht am 02.05.2026

Mörderische Bretagne

Bretonisch mit Meeresrauschen
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Jo Kervella, die gerade die kleine Musikkneipe Breizhbleu eröffnet hat, wird nach einem Konzert brutal niedergeschlagen. Neubürger haben es in Camaret-sur-Mer nicht immer einfach, zumal wenn sie aus Paris ...

Jo Kervella, die gerade die kleine Musikkneipe Breizhbleu eröffnet hat, wird nach einem Konzert brutal niedergeschlagen. Neubürger haben es in Camaret-sur-Mer nicht immer einfach, zumal wenn sie aus Paris kommen. Doch das geht zu weit, denkt Buchhändlerin Tereza Berger und beginnt zu recherchieren, wer ein Motiv dafür hat, Jos Tod zu wünschen.

Gabriela Kasperski hat für den siebten Band ihrer Bretagne-Reihe „Bretonisch mit Meeresrauschen“ erneut einen spannenden Plot gewählt. Dieses Mal entführt sie uns in die umkämpfte Musikszene. Doch auch Camaret-sur-Mer lernen wir von einer neuen Seite kennen. Teil sieben hat mich schnell in seinen Bann gezogen und bestens unterhalten. Auch für Neueinsteiger ist der Roman geeignet.

Tereza beschließt im Fall Jo zu ermitteln. Sie glaubt nicht, dass die Mieterin ihrer Cabane von dem jungen Musiker niedergeschlagen wurde, den die Polizei verdächtigt. Dabei ist die Buchhändlerin eigentlich vollauf damit beschäftigt ihrem ehemaligen Verlobten aus dem Weg zu gehen. Seit sie ihn vor knapp einem Jahr aus Panik vor dem Traualtar stehen ließ, herrscht Funkstille zwischen den beiden. Nur mit Mühen ist Tereza einigermaßen über diesen Verlust hinweg gekommen. Und jetzt ist Gabriel aus Schottland in die Bretagne zurückgekehrt! Trotz ihres Liebeskummers hört Tereza auf ihren Instinkt und versteckt den jungen Mann vor der Polizei. Bei ihren Recherchen fördert sie verschiedene Motive zutage, lüftet gut gehütete Geheimnisse, entlarvt fiese Intrigen und kommt krummen Machenschaften auf die Spur. Mithilfe der Nonnen vom Leuchtturmkloster, allen voran die bezaubernde Sœur Nominoë, gelingt Tereza der entscheidende Ermittlungsschritt.

Dieses Mal steht die sympathische Buchhändlerin selbst im Mitteilpunkt. Mit ihrer stets griffbereiten Boule-rouge ist sie für (fast) alle Situationen gerüstet. Ihr Liebesleben bzw. dessen Abwesenheit macht ihr aber derzeit schwer zu schaffen. Auch die anderen Charaktere sind authentisch und es hat mich gefreut, alte Freunde wiederzutreffen. Wie immer ist die Liebe der Autorin zur Bretagne in allen Kapiteln spürbar. Jeder Band dieser Reihe erscheint mir wie eine Reise in diese malerische Gegend und ich liebe die atmosphärische Beschreibung von Landschaft, Bretonen und Bräuchen. Meinem Romantikerherz kommt es sehr entgegen, dass Tereza und Gabriel offensichtlich noch eine zweite Chance haben. Daneben kommt der Kriminalfall nicht zu kurz.

Tereza löst auch diesen Fall und alles war wieder ganz anders als Emil Vanderbrouke vermutete. Ich frage mich, warum der zum Commissaire befördert wurde. Die Spannung hält bis zum Ende an, das wir nach zahlreichen Wendungen erreichen und die Auflösung überzeugt.

Ich freue mich sehr, dass Gabriela Kasperski Inspiration und Ideen nicht ausgehen und fiebre schon ihrem nächsten Fall entgegen. Volle Punktzahl von mir.

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Veröffentlicht am 28.04.2026

Wenn dein schlimmster Albtraum wahr wird

Einsam wie der Tod
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In einer True-Crime-Episode auf YouTube wird der Fall „Halvard Bjørnstad“ aus dem Jahr 2009 thematisiert. Seinerzeit hatte dieser zwei Morde begangen und plante einen erweiterten Suizid mit seinen Töchtern. ...

In einer True-Crime-Episode auf YouTube wird der Fall „Halvard Bjørnstad“ aus dem Jahr 2009 thematisiert. Seinerzeit hatte dieser zwei Morde begangen und plante einen erweiterten Suizid mit seinen Töchtern. Er ertrank, aber die Kinder überlebten. Angeblich ist jetzt ein Zeuge aufgetaucht, der behauptet, dass der mörderische Vater nicht gestorben ist, sondern entkommen konnte. Diese Information schockiert Sanna und Elin, die überlebenden Kinder. Sofort engagiert Sanna ihren Chef, den Privatdetektiv Rolf „Wolf“ Larsen, um die Wahrheit herauszufinden. Sie und Elin müssen unbedingt wissen, ob ihr Peiniger tatsächlich tot ist. Wolf ermittelt und entdeckt, dass Halvard Bjørnstad, Doppelmörder und Kinderschänder, möglicherweise noch lebt.

„Einsam wie der Tod“ ist der dritte Band der Norwegenkrimireihe von Bernhard Stäber. Als Neueinsteigerin habe ich mich gut zurechtgefunden. Obwohl die Gewalt und der Missbrauch, dem die Mädchen ausgesetzt waren, erschütternd sind, hat mich der Fall schnell gefesselt.

Wolf und Sanna finden heraus, dass der Informant des YouTubers Vidar Kvernberg ein ehemaliger Polizist, Einar Åsen, ist. Dieser bestätigt, dass damals in unmittelbarer Nähe der Stelle, wo Bjørnstad ins Meer stürzte, ein junger Sportsegler auf dem Weg zu den Orkneyinseln ankerte. Diese mögliche Spur wurde seinerzeit nicht weiter verfolgt, weil der Sohn einer sehr reichen Familie erfolgreich von Anwälten abgeschirmt wurde. Åsen gibt den Detektiven zwar den Namen des Seglers, aber ihre Ermittlungen stagnieren. Nach zwei Monaten hält Elin, die an einer Borderline-Störung leidet, die Ungewissheit nicht mehr aus. In einer Nacht- und Nebelaktion dringt sie zu dem reichen Erben vor und fragt ihn, ob er Bjørnstad zu den Orkneyinseln mitnahm. Ihr schlimmster Albtraum wird wahr.

Stäbers Charaktere haben mich überzeugt. „Wolf“ Rolf Larsen, vom Tod seiner Frau erschüttert, benötigt einen Neuanfang und verlässt Oslo und Kripos in Richtung Provinz. Er ist gut vernetzt, sympathisch und nutzt seine Berufserfahrung für den neuen Job. Sanna arbeitet als Journalistin und stundenweise für Wolf als freie Mitarbeiterin. Sie kommt mit ihrer dissoziativen Identitätsstörung einigermaßen klar und findet sich im Leben zurecht, aber das Grauen ihrer Kindheit hat sie nie ganz losgelassen. Ihr Vater, Halvard Bjørnstad, betrachtet sich als tief religiösen Menschen. Tatsächlich hat er sich eine Welt konstruiert, die seine gewalttätigen Ausbrüche rechtfertigt und die Schuld für seinen pädophilen Missbrauch einem kleinen Mädchen bzw. dem Dämon, der in sie gefahren sein soll, anlastet.

Der Fall „Halvard Bjørnstad“ wird auf zwei Zeitebenen erzählt.
2009 als die Gewalttaten und Übergriffe eines toxischen Vaters gegen seine Familie eskalierten und mit dem angeblichen Tod des Verbrechers endeten. Die Ereignisse werden aus wechselnden Perspektiven geschildert. Was die Mädchen erdulden mussten, ist genauso unerträglich, wie die Rechtfertigungsversuche des Täters.

In der Gegenwart wühlt eine True-Crime-Sendung die Vergangenheit wieder auf, die die Schwestern bis heute belastet. Bernhard Stäber vermittelt nachvollziehbar, warum die Schwestern mit der Ungewissheit nicht leben können, die ihre mühsam errungenen Fortschritte gefährdet. Sie müssen die Wahrheit erfahren und haben keine Wahl. Erneut lautet die Alternative: Er oder wir!

Die Geschichte hat mich in ihren Bann gezogen. Es war erschütternd zu lesen, was Sanna und Elin widerfahren ist und sie dauerhaft verletzt hat. Um so stärker fand ich ihre Weigerung, erneut die Opferrolle anzunehmen. Sie beschließen vielmehr aktiv zu werden und das Übel zu bekämpfen. Das sorgte bei mir für Gänsehaut. Ebenfalls Anteil an der eher düsteren Atmosphäre des Romans hat die gelungene bildhafte Beschreibung der wilden Natur Norwegens und der Orkneyinseln.

Der Spannungsbogen hält bis zum Showdown am Ende. Ich hoffe, dass die Reihe fortgesetzt wird und dann noch ein paar offene Fragen beantwortet werden. Bernhard Stäber hat mich so gut unterhalten, dass ich Band 1 und 2 noch lesen werde.

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Veröffentlicht am 27.04.2026

Ist Ispettrice Marias Ex ein Mörder?

Tödliche Begegnung
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Samstagabend. Commissaria Giovanna Ruggieri freut sich auf ein Essen mit ihrem alten Nachbarn Ludovico. Doch die Idylle wird jäh gestört durch einen Anruf der Carabinieri. An der Uferpromenade von Varenna ...

Samstagabend. Commissaria Giovanna Ruggieri freut sich auf ein Essen mit ihrem alten Nachbarn Ludovico. Doch die Idylle wird jäh gestört durch einen Anruf der Carabinieri. An der Uferpromenade von Varenna wurde eine erstochene Frau gefunden. Immerhin scheint der Fall klar zu sein, denn der mutmaßliche Täter ist bereits verhaftet. Der Verdächtige, Stefano Bianchi, hatte noch die Tatwaffe in der Hand. Er verweigert jede Aussage und will nur mit einer Person sprechen - Ispettrice Maria di Bartolomeo, seiner Ex-Frau.

Elisa Corti lässt in „Tödliche Begegnung“ ihr Dreamteam Giovanna und Maria erneut zusammen ermitteln. Besondere Brisanz erhält der aktuelle Fall durch die Identität des Hauptverdächtigen. Ist Marias Ex-Mann tatsächlich ein brutaler Mörder? Diese Frage habe ich mir auch gestellt. Bis zur Lösung des Falls hat mich der Lombardei-Krimi spannend unterhalten.

Alles spricht gegen Stefano. Das Opfer, Liliana Gatti, und er hatten eine Beziehung, die sie erst kürzlich beendeten. Danach folgte noch ein heftiger Streit. Nur Stefanos Fingerabdrücke sind auf der Tatwaffe, er wurde als letzter vom Handy der Toten angerufen und der Mord sieht wie ein Verbrechen aus Leidenschaft aus. Questore, Staatsanwalt und Giovannas Kollege Fini sind überzeugt, dass sie den Täter bereits in Haft haben. Nur Giovanna zögert. Nicht nur, weil Maria felsenfest von der Unschuld ihres Ex-Manns überzeugt ist, sondern weil sie ihr Instinkt zögern lässt. Gemeinsam mit der Gemeindepolizistin hat Giovanna vor einem Jahr einen komplizierten Mordfall gelöst. Seither gehört die quirlige Maria zum näheren Freundeskreis der Commissaria.

Prolog und Rückblicke ins Jahr 2002 lassen uns Szenen aus Lilianas Vergangenheit miterleben. Der Schluss liegt nahe, dass hier der Schlüssel zur Lösung des Falls liegt. Warum ist damals Lilianas beste Freundin Alice verschwunden?

Die sympathische Giovanna ist eine kompetente und sehr gründliche Ermittlerin, die sich auf ihren Instinkt verlassen kann. Sie scheut keine Mühen noch vermeidet sie Diskussionen mit dem Questore, solange das Ermittlungsergebnis sie nicht überzeugt. Eher introvertiert, taut sie allmählich auf, knüpft Freundschaften und scheint ihren Platz in Bellagio gefunden zu haben. Ich finde es sehr sympathisch, dass sie ihren Ermittlungsstand mit Schildkröte Bruno „diskutiert“. Maria ist wesentlich extrovertierter und fest in ihren Clan integriert, sie ergänzt sich hervorragend mit der Commissaria, ist intelligent und sympathisch. Auch die Nebencharaktere überzeugen. Eine wichtige Rolle spielen natürlich der Comer See, seine anrainenden Gemeinden und „La Dolce Vita“. Das Lokalkolorit lässt stellenweise Urlaubsfeeling aufkommen.

Letztendlich knacken Giovanna und Maria den Fall und sogar noch einen zweiten. Obwohl ich dieses Mal nicht auf den Täter gekommen bin, fand ich die Lösung überzeugend. Allerdings gibt es auch kritische Anmerkungen von mir. Ich fand, dass der Auflösung des Falles zu wenig Raum gegeben wurde und das Ende deshalb überhastet wirkt. Auch die besonders brutale Ausführung des Mordes, quasi eine „Übertötung“, passt nicht zum Profil des Täters.

Der Lombardei-Krimi hat mich auch dieses Mal gut unterhalten und ich hoffe auf eine Fortsetzung der Reihe.

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Veröffentlicht am 26.04.2026

Immerwährender Sommer

Ins fahle Herz des Sommers
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Alle Warnungen der Klimaforscher haben sich bewahrheitet. Innerhalb nur weniger Jahre verändert sich das Wetter massiv. Die herrschende Hitzewelle endet nicht mehr und vernichtet die Ernten. Der Kampf ...

Alle Warnungen der Klimaforscher haben sich bewahrheitet. Innerhalb nur weniger Jahre verändert sich das Wetter massiv. Die herrschende Hitzewelle endet nicht mehr und vernichtet die Ernten. Der Kampf um die Ressourcen, um Wasser und Lebensmittel, beginnt. Dann bricht eine Pandemie aus, die „neue Pest“ und tötet einen großen Teil der Menschheit.

In diesem Setting spielt Andreas Eschbachs neues Buch „Ins fahle Herz des Sommers“. Eine Dystopie, die es in sich hat und den Leser in ihren Bann zieht.

Fausto Tardillon wollte gemeinsam mit seinem Bruder Giuseppe in den Norden fliehen, nach Grönland oder Sibirien, wo die Temperaturen angeblich noch erträglich sind. Damals war das noch möglich. Doch dann starb Giuseppe, erstochen von einem Wahnsinnigen, dem er helfen wollte. Fausto gab seine Flucht nach Norden auf und landete im kleinen Dorf Saint-Aumarec, wo nur noch wenige leben, die alte Madame Mareveaux, Pfarrer Ducreux und die Bauernfamilie Braque, die sich abschottet. Jeder kämpft ums Überleben und Fausto zieht in Vollmondnächten los, um die Umgebung zu erkunden und nach Nutzbarem zu suchen.

Eines Tages taucht eine geheimnisvolle junge Frau, Valérie, auf. Sie scheint die Hitze sehr gut zu vertragen und ernährt sich bevorzugt vom Fruchtfleisch der allgegenwärtigen Kakteen, einer invasiven Art, die überall wächst. Fausto verliebt sich und die beiden jungen Leute ziehen zusammen. Es stellt sich heraus, dass Valérie unter einer partiellen Amnesie leidet. Sie weiß nur wenig über ihre Herkunft und das frühere Leben. Fausto ist glücklich und bereit, seine Freundin zu beschützen. Gegen die Begierde der drei Braque-Söhne und vor den Fremden, die ins Dorf kommen und bleiben. Sie ähneln Valérie frappierend, was Fausto sehr beunruhigt. Doch dann wird die junge Frau schwanger und das Paar freut sich auf das Baby. Sie ahnen nicht, was auf sie zukommt.

Fausto ist ein sympathischer junger Mann, der sich trotz aller Widrigkeiten, seine Menschlichkeit bewahrt hat. Er unterstützt die alte Madame Mareveaux und den betagten Pfarrer so gut er kann. Unermüdlich versorgt er seine Pflanzen und arbeitet ständig, um das Überleben zu sichern. Die anderen Charaktere bleiben dagegen flach, was ich im Fall von Valérie schade finde. Gern hätte ich mehr über sie erfahren.

Andreas Eschbach beschreibt anschaulich, wie sich die zuerst als besonders schön empfundenen Sommer innerhalb weniger Jahre zu einer fortwährenden Hitzekatastrophe entwickeln. Danach tötet eine weltweite Seuche eine große Zahl an Menschen. Der Autor schildert überzeugend die bedrückende Atmosphäre, die den Überlebenden keine Perspektive bietet. Es wird immer heißer und der Norden ist unerreichbar abgeschottet und zudem überbevölkert. Am Beispiel von Fausto, der als Erzähler fungiert, wird der beschwerliche Alltag, die Ausweglosigkeit des Daseins geschildert. Dieser Teil der Dystopie hat mich gefesselt.

Allerdings finde ich, dass der Liebesgeschichte zu viel Raum gegeben wird. Was die Beziehung und ihre Folgen mit Fausto macht, ist nachvollziehbar. Warum aber erfährt der Leser so wenig über Valéries Empfinden, ihre Vergangenheit und die Ursache ihrer Amnesie? Und was ist mit den Fremden? Woher kommen sie? Warum jetzt und in wessen Auftrag? Worin besteht die Rolle von BioGen? Am Buchende waren noch einige meiner Fragen unbeantwortet, obwohl andere Wendungen wenig überraschten.

„Ins fahle Herz des Sommers“ ist ein spannendes Buch über ein Thema, das uns alle angeht. Zum Stichwort „Gedankenexperiment“ mit dem der Roman beworben wird: Ich als Eschbach-Fan finde, da wurde Potenzial verschenkt.


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Veröffentlicht am 22.04.2026

Bruno bekommt Gegenwind

Bredouille
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An einem kalten Dezembermorgen entdeckt Bruno die Leiche von Monique Duhamel, einer erfolgreichen Unternehmerin, in deren geparktem Fahrzeug. Offensichtlich hat sie sich selbst das Leben genommen. Aber ...

An einem kalten Dezembermorgen entdeckt Bruno die Leiche von Monique Duhamel, einer erfolgreichen Unternehmerin, in deren geparktem Fahrzeug. Offensichtlich hat sie sich selbst das Leben genommen. Aber warum auf einem abgelegenen Rastplatz, weit entfernt von ihrem Wohnort? Etwas erscheint Bruno merkwürdig und lässt seine Alarmglocken läuten. Während er sich um Totenschein und Abtransport der Verstorbenen kümmert, stellt er fest, dass zwei seiner Freundinnen, die Ärztin Fabiola und die Richterin Annette, mit der toten Monique bekannt waren. Noch ahnt er nicht, wie sehr dieser Zwischenfall sein Leben, beruflich wie privat, durcheinander wirbeln wird.

Als großer Fan der Reihe habe ich mich auf den 18. Fall Brunos gefreut. Martin Walker hat mich einmal mehr bestens unterhalten.

Bruno erfährt, dass Monique nach einer kürzlich erlittenen Fehlgeburt die Hoffnung auf eigene Kinder begraben musste. Dies konnte sie nicht verkraften und deshalb hat sie sich umgebracht. Erst viel später wird klar, was Brunos Alarmglocken läuten ließ. Während der Chef de police noch damit beschäftigt ist, Moniques Fall abzuschließen, gerät ein junger Rekrut der Polizeiakademie ins Zwielicht. Dass es sich dabei um den missratenen Neffen eines einflussreichen Generals handelt, sorgt für Erschütterung bis in die höchsten Kreise. Lange ist ungewiss, inwieweit die Straftaten des jungen Mannes aufgedeckt und belangt werden. Dass auch sexuelle Belästigungen zu seinen Untaten gehören, verleiht dieser Angelegenheit zusätzliche Brisanz.

Freundschaft und Zusammenhalt sind in St. Denis keine Einbahnstraße. Als Bruno in die Titel gebende Bredouille gerät, stellen sich seine Freunde und Bekannten, aber auch die Kollegen an seine Seite. Die Verwaltungsassistentin Colette erweist sich erneut als wertvolle Unterstützung und hervorragende Strategin. Bruno findet in ihr eine brillante Verbündete. Auch ihr Rat bezüglich seiner gut gemeinten Einmischung in die Belange seines Bekannten Xavier und dessen Frau erweist sich als richtig.

Gut gefallen hat mir, dass die Verzweiflungstat Moniques, Bruno über den eigenen Status und seine Träume nachdenken lässt. Da trifft es sich gut, dass eine Situation, die schon viel zu lange schwelte, jetzt zu Ende geht und Platz für Neues macht. Darauf hatte ich schon länger spekuliert. Einmal mehr hat mir Brunos Umsicht und Rechtschaffenheit imponiert. Zeitweise wünschte ich mir, er hätte irgendeine Marotte oder kleine Schwäche, die ihn ein bisschen weniger perfekt erscheinen ließe. Angesichts des abgrundtief Bösen, dem er in "Bredouille" die Stirn bieten muss, ist er jedoch genau richtig, so wie er ist.

Martin Walker bleibt sich, glücklicherweise, treu. Brunos Fälle bewegen sich immer etwas abseits der üblichen Krimis. Bei ihm spielen stets auch geschichtliche Bezüge oder gesellschaftliche Belange eine Rolle, über das Lokalkolorit in Form einer hervorragenden Küche und der spektakulären Landschaft weit hinaus.

Auch diesen Fall, eigentlich sind es zwei, kann Bruno aufklären. Alle offenen Fragen werden geklärt, aber es bleibt ein fahler Nachgeschmack angesichts der Kampagne gegen Bruno und was heute in dieser Richtung alles möglich ist. Auf Brunos 19. Fall freue ich mich jetzt schon und hoffe zuversichtlich auf ein weiteres Zusammentreffen mit Laura und George Sand.

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