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Veröffentlicht am 05.01.2020

Leben im Exil

Die Verlobte des Achilles
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Seit Jahren lag das Buch zuoberst auf einem Stapel in meiner Leseecke, aber ich habe mich gescheut, es aufzuschlagen, da mir klar war, dass der Roman an Ereignisse in meiner frühen Jugend rührt, die ich ...

Seit Jahren lag das Buch zuoberst auf einem Stapel in meiner Leseecke, aber ich habe mich gescheut, es aufzuschlagen, da mir klar war, dass der Roman an Ereignisse in meiner frühen Jugend rührt, die ich gern vergessen hätte.
Und so kam es dann auch: selten hat mich ein Buch emotional so durchgeschüttelt wie dieses.
Dabei hat mir die Sprache anfangs gar nicht gefallen, so dass ich beinahe nach ca. 30 Seiten abgebrochen hätte. Dann hatte mich aber die Story schon so gepackt, dass ich weiterlesen musste.
Die Autorin hatte mich bei einer Lesung in Athen tief beeindruckt, obwohl mir zu dem Zeitpunkt noch gar nicht klar war, was für ein außergewöhnliches Leben sie hatte und wie dieses sie geprägt hat. Dazu wusste ich nicht, dass sich der Roman "Achilles' Fiancée" um ihren Lebensweg rankt und großenteils autobiografisch ist.

Zur Story:
Paris 1967. Eleni, die eigentlich Daphne heißt (Eleni ist ihr Deckname aus dem Widerstand), ist zum zweiten Mal in ihrem Leben ins Exil gezwungen worden, diesmal wegen des Terrors der Militärjunta in Griechenland. Sie verdient sich zusammen mit anderen griechischen Exilanten als Statistin in einem Actionfilm ein paar Francs. Während des Drehs erinnert sie, die nie jemand anderes als "die Verlobte des Achilles" gewesen ist, sich an verschiedene Phasen aus ihrem Leben.

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Veröffentlicht am 05.01.2020

Merkwürdig A-Team Band 8

Dunkelziffer
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Die 14-jährige Emily verschwindet spurlos, bei einer Klassenfahrt in den dunklen Wäldern des nordschwedischen Ångermanlands.
Ist es von Bedeutung, dass in der Nähe aktenbekannte Pädophile wohnen? Wo ist ...

Die 14-jährige Emily verschwindet spurlos, bei einer Klassenfahrt in den dunklen Wäldern des nordschwedischen Ångermanlands.
Ist es von Bedeutung, dass in der Nähe aktenbekannte Pädophile wohnen? Wo ist die Verbindung zu dem grausam enthaupteten Mann? Das Stockholmer Ermittlerteam um Paul Hjelm und Kerstin Holm bekommt einiges zu tun.
Die Story hat mich weniger begeistert (oder mitgenommen wie sonst üblich, wenn Kinder involviert sind) als die üblich geschickte Erzählweise des Autors, denn spannend war das Hörbuch bis zum Ende.
Allerdings bleiben auch einige Fragen offen, manche Zusammenhänge fand ich nicht schlüssig.
"Lebensbejahende Kraft"? pah.

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Veröffentlicht am 05.01.2020

Europäische Geschichte - eine griechische Tragödie

Athen, Paradiesstraße
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Bis vor Kurzem hatte ich wenig Ahnung über die neuere Geschichte Griechenlands. Gerade einmal die bis in die Siebzigerjahre andauernde Militärdiktatur, "die Junta", war mir ein Begriff. Über die Jahrzehnte ...

Bis vor Kurzem hatte ich wenig Ahnung über die neuere Geschichte Griechenlands. Gerade einmal die bis in die Siebzigerjahre andauernde Militärdiktatur, "die Junta", war mir ein Begriff. Über die Jahrzehnte zuvor, die Bürgerkriegsjahre und die Rolle Griechenlands während des Zweiten Weltkriegs bzw. die politischen Kräfte und ausländischen Interessen, die die griechische Gesellschaft geprägt haben, wusste ich bisher nichts.

Die Familientragödie, die Sofka Zinovieff in ihrem Roman entwirft, wäre undenkbar ohne den geschichtlichen Hintergrund (zu dem sich übrigens im Anhang ein kurzer Abriss findet).
Penelope hat ihren dreijährigen Sohn bei ihrer Familie zurückgelassen, als sie gewungen war aus Griechenland nach Russland ins Exil zu flüchten. Als ihr Sohn, inzwischen selbst Vater von zwei Kindern, bei einem Autounfall umkommt, kehrt sie nach Athen zurück und stellt sich der Vergangenheit. Ihre englische Schwiegertochter Maud stellt nach dem Tod ihres Mannes fest, wie wenig sie über ihn und seine Familie weiß, und beginnt Nachforschungen anzustellen.
Erzählt wird abwechselnd aus der Perspektive von Maud und Penelope. Dadurch eröffnen sich dem Leser nicht nur die Sichtweisen der beiden Frauen, sondern indirekt auch die anderer handelnden Personen, wie Penelopes Eltern und Mauds Kinder. Und dies macht für mich den großen Unterschied aus zu einem anderen Roman, dessen Geschichte auf derselben Periode der griechischen Geschichte fußt, "Die Verlobte des Achilles" von Alki Zei, bei dem, nicht weniger berührend und mitreißend, alle Geschehnisse aus dem Blickwinkel der Hauptperson geschildert werden.

"Athen, Paradiesstraße " war eine Lektüre, die noch lange nachwirkt.

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Veröffentlicht am 26.12.2019

Fragwürdig

Mord am Mandela Square
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Mfuneni findet in einem völlig vermüllten Badezimmer die Leiche seines Freundes Musa, vor der Küste läuft die Vorführung eines neuen Waffensystems aus dem Ruder, und Frank Sattler begibt sich nach Südafrika, ...

Mfuneni findet in einem völlig vermüllten Badezimmer die Leiche seines Freundes Musa, vor der Küste läuft die Vorführung eines neuen Waffensystems aus dem Ruder, und Frank Sattler begibt sich nach Südafrika, um nach der Tochter eines Freundes zu sehen, die dieser in Gefahr glaubt.

Kurz darauf befindet sich Frank Sattler schon mitten im Geschehen. Der Mord an Mfunenis Freund bleibt nicht der letzte. Frank Sattler ist unterwegs zusammen mit Pia und Mfuneni, zwei Aktivisten, auf der Flucht vor gefährlichen Killern und mögliche weitere Mordopfer zu warnen. Was folgt, ist locker geschrieben, spannend und liest sich flüssig bis auf ein paar kleine Ungereimtheiten. Dabei bleiben die Personen etwas blass bis auf die Figur des Frank Sattler.

Was mir am unlogischsten gleich zu Beginn auffiel ist, wie ein vernunftbegabter Mann, dazu noch Wissenschaftler, in einer vermüllten, unhygienischen Umgebung auf die aggressive Anmache einer Frau eingeht, über deren Sexualverhalten man nur spekulieren kann, und mit ihr spontan ungeschützten Sex hat.

Am Ende erwartet den Leser ein wilder Showdown, es werden alle Fäden zusammengeführt, und nachdem die Drahtzieher aufgedeckt sind, wartet der Autor mit noch einer zusätzlichen Überraschung auf.

Positiv zu vermerken sind das wunderschöne Cover (obgleich die schöne Frau nur Dekoration ist und keine Rolle im Roman spielt) und die Tatsache, dass der Autor nicht unter einem ausländisch klingenden Pseudonym schreibt, was in letzter Zeit offensichtlich so in Mode ist. Die Story wird allein aus dem Blickwinkel eines deutschen Wissenschaftlers erzählt, der sich durch seine Aufenthalte in Südafrika gute Ortskenntnisse verschafft hat.

Fazit: Kein Derrik aber auch kein Benny Griessel...

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Veröffentlicht am 19.12.2019

Beeindruckender Debutroman

Regenroman
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Ein junges Paar zieht aufs Land und renoviert ein altes Haus. Alles ganz normal, nur regnet es , regnet es , regnet es. So wie Regen und Schlamm das Mauerwerk zerstören , so bekommt auch die Beziehung ...

Ein junges Paar zieht aufs Land und renoviert ein altes Haus. Alles ganz normal, nur regnet es , regnet es , regnet es. So wie Regen und Schlamm das Mauerwerk zerstören , so bekommt auch die Beziehung der beiden schleichend die ersten Risse.
Regen, Pfützen, Schlammlöcher, Feuchtigkeit und Schimmelpilz im Haus, der Garten durchzogen von Abwassergräben und kahlgefressen von nimmersatten sich ständig begattenden Schnecken, alles wird von Tag zu Tag schlimmer und zieht das Haus und seine Bewohner immer tiefer in den Morast. Das ist alles sehr unappetitlich, aber die Art der Schilderung ist es keineswegs:
mir hat der Roman grandios gefallen!

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