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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.08.2019

Zwischen zwei Welten, grandios!

Die Rabenringe - Fäulnis (Band 2)
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Die Erwartungen waren groß nach dem großartigen ersten Band der Trilogie. Odinskind hatte mich als eigentlich nicht durch Fantasy zu Begeisternde komplett überzeugt.
Nach der ersten Verwunderung, mich ...

Die Erwartungen waren groß nach dem großartigen ersten Band der Trilogie. Odinskind hatte mich als eigentlich nicht durch Fantasy zu Begeisternde komplett überzeugt.
Nach der ersten Verwunderung, mich mit Hirka in London wiederzufinden (was hatte ich denn erwartet, was geschehen würde, nachdem Hirka die Rabenringe passiert hat?), konnte ich nicht anders, als mitzufiebern. Wie schon im ersten Band gelingt es der Autorin, ihren Figuren einschließlich der Nebenfiguren eine Tiefe zu verleihen, die dem Leser erlauben, das Geschehen - und es gibt wieder einige unvorhersehbare Wendungen - bis zum Schluss mitzuerleben. Nach einem packenden Showdown gegen Ende und einer darauf folgenden schwerwiegenden Entscheidung bleibt nur die Hoffnung auf eine baldige Fortsetzung und die Vorfreude auf den abschließenden dritten Band. Grandios!

Veröffentlicht am 08.07.2019

Ein grandioser Einstieg und am Ende viele offene Fragen

Tiefes Grab
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Martin Reese führt ein Doppelleben. Nach außen hin führt er nach erfolgreichem Verkauf seines HighTech-Unternehmens ein normales Familienleben, was aber selbst seine Frau nicht ahnt, ist, dass er bei seinen ...

Martin Reese führt ein Doppelleben. Nach außen hin führt er nach erfolgreichem Verkauf seines HighTech-Unternehmens ein normales Familienleben, was aber selbst seine Frau nicht ahnt, ist, dass er bei seinen angeblichen Campingausflügen die Gräber von Opfern eines Serienkillers aufspürt und diese anonym der Polizei meldet. Die Besessenheit, mit der er dies betreibt, seine dunkle Vergangenheit, die Tatsache, dass die Schwester seiner Frau mit hoher Wahrscheinlichkeit einst auch zu einem dieser Opfer geworden war, all dies macht den Beginn des Thrillers so spannend. Man fragt sich, wie weit wohl die Besessenheit des Martin Reese geht , was ihn antreibt und wie weit er wohl gehen wird. Was ist mit Tinsley geschehen? Warum leben die beiden Eheleute Martin und Ellen so gleichgültig nebeneinander her? Was macht dies mit Kylie, ihrer vierzehnjährigen Tochter?
Martin ist der Ich-Erzähler des Romans. Auch wenn er dadurch seine Überlegungen und Beweggründe preisgibt, bringt ihn dies dem Leser nicht näher, seine überhebliche und geringschätzige Art macht ihn unsympathisch. Seine Frau Ellen bleibt seltsam blass, verwunderlich ist nur ihre geringe emotionale Bindung zu ihrem Ehemann.
Das Ermittlerduo ist auch nicht gerade ein Dreamteam, es besteht aus Sandra, die intelligent und eigensinnig nicht bereit ist, ihre Gedankengänge mitzuteilen und Chris, der gutmütig genug ist, ihr das nicht übelzunehmen und es dabei zu belassen.
Die Story nimmt im zweiten Drittel etwas Fahrt auf, ohne jedoch fesseln zu können, dazu sind die Ereignisse zu voraussehbar, und kommt dann schließlich zu einem Ende, das unbefriedigend ist. Weder haben sich die handelnden Personen wesentlich weiterentwickelt, noch gibt es Klarheit über ihre Beweggründe, viele Fragen bleiben ungeklärt.
Jede Figur hätte so viel Potential gehabt (auch die Story), das wurde leider verschenkt. Schade.

Veröffentlicht am 24.06.2019

Kein Frühling

Der europäische Frühling
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Der Titel "Der europäische Frühling" könnte auf Aufbruch oder Neuanfang schließen lassen. Das Gegenteil ist der Fall. Der Autor beschreibt exemplarisch ein Europa, das am Ende ist, das zerfällt und in ...

Der Titel "Der europäische Frühling" könnte auf Aufbruch oder Neuanfang schließen lassen. Das Gegenteil ist der Fall. Der Autor beschreibt exemplarisch ein Europa, das am Ende ist, das zerfällt und in dem die bisher gültigen Konventionen keinen Wert mehr haben. In den Städten herrscht Chaos, es gibt trotz Überwachung ständig Unruhen und Übergriffe. Die es sich leisten können, leben auf der Insel Lolland, Migranten bzw die, die sich nicht integrationswillig zeigen, deportiert man nach Mozambique in eine umzäunte, gut bewachte und bestens organisierte Containerstadt.
Zu den menschlichen Protagonisten gehören Elizabeth, ihr Mann Stig und die gemeinsame Tochter Emma. Elizabeth ist Wissenschaftlerin und arbeitet an dem interdisziplinären Forschungszentrum auf Lolland an der Erforschung und Entwicklung der künstlichen Intelligenz. Stig, der ehemals aus der Punkszene kommt, ist längst schon zum angesagten Galeristen avanziert, den an der Kunst vor allem sein Gewinn interessiert. Ihre Tochter Emma hat psychische Probleme, die sich unter anderem in Essstörungen und ihrer ständigen Todessehnsucht äußern.
Ein weiterer Bewohner Lollands ist der Künstler Christian, eine Figur, auf die ich gern verzichtet hätte. Er hält sich für seine sexuellen Bedürfnisse ein geistig zurückbebliebenes Mädchen. Die drastischen Sexszenen hätten für meinen Geschmack kürzer gehalten sein sein können.
Ein Highlight des Romans ist die Reihe von Gesprächen zwischen Jack (Jagdhund) und Wilhelm (Elster), die in der nahen Zukunft stattfinden, beide sind Geschöpfe von Elisabeths Forschungsarbeit. In den Einschüben tauschen sich die beiden Tiere sehr reflektiert über ihr Leben aus und lassen beim Leser keinen Zweifel daran, dass sie die einzigen sind, die sich überhaupt Gedanken über die Verhältnisse machen, die Vor- und Nachteile ihrer Lebensumstände.
Alles in allem ist "Der europäische Frühling" ein interessanter Roman, der dadurch versteht zu verstören, dass viele Figuren, Situationen und Verhältnisse durchaus vertraut sind und aus dem Hier und Jetzt stammen könnten.

Veröffentlicht am 12.06.2019

Gibt es im Leben wirklich nur „die einzige Geschichte“ ?

Die einzige Geschichte
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Gibt es im Leben wirklich nur „die einzige Geschichte“ ?

Für Pauls Liebe scheint dies so zu sein. Er ist gerade erst neunzehn, als er Susan, eine achtundvierzigjährige verheiratete Frau, kennenlernt ...

Gibt es im Leben wirklich nur „die einzige Geschichte“ ?

Für Pauls Liebe scheint dies so zu sein. Er ist gerade erst neunzehn, als er Susan, eine achtundvierzigjährige verheiratete Frau, kennenlernt und sogleich weiß, dass dies die Liebe seines Lebens ist.
Julian Barnes lässt Paul in drei Abschnitten den Verlauf seiner Liebesbeziehung anhand seiner Erinnerungen erzählen. Im ersten Abschnitt schildert Paul in der Ich-Form das erste Stadium des Verliebtseins und den Umgang der beiden Liebenden miteinander, im folgenden Abschnitt wechselt er zum Du, das Paar ist nach London gezogen und lebt dort zusammen. Im dritten und letzten Abschnitt berichtet er von sich in der dritten Person, er reflektiert die Auswirkungen seiner großen Liebe auf sein aktuelles und weiteres Leben.

Eine Angewohnheit der beiden Liebenden, Paul hält Susan an den Handgelenken, ursprünglich nur eine liebevolle Geste, wird im weiteren Verlauf zu einem Bild in seinem Alptraum, in dem er jedoch Susan an den Handgelenken festhält, um sie vor dem Sturz aus dem Fenster zu bewahren. Dabei hat er er Angst, sie könne ihm entgleiten, er sei nicht stark genug, um sie zu halten. Später wandelt sich sein Alptraum: Er hält sie an den Handgelenken, um ihren Sturz aufzuhalten, hat nun aber Angst davor, von ihr mit in die Tiefe gerissen zu werden.

„Die einzige Geschichte“ hat mich tief beeindruckt und die Gedanken über die Liebe und das Leben in jeder Phase werden mir noch eine Weile zu schaffen machen, ganz im positiven Sinn.

Veröffentlicht am 02.06.2019

Unterschiedliche Realitäten

F
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02.06.2016:
Ich war neugierig und musste F gleich lesen, schnell und mit möglichst wenigen Unterbrechungen.
Allerdings weiß ich nun nicht , was ich von dem Roman halten soll. Erstaunlicherweise war dies ...

02.06.2016:
Ich war neugierig und musste F gleich lesen, schnell und mit möglichst wenigen Unterbrechungen.
Allerdings weiß ich nun nicht , was ich von dem Roman halten soll. Erstaunlicherweise war dies für mich der dritte Roman in Folge, der sich mit der Brüchigkeit der realen Welt befassst bzw. mit unterschiedlichen Realitäten, die in Wechselwirkung zueinander stehen. Aber nicht das war es, was mich bei F irritiert hat. Es war vielmehr die Figur des Hynotiseurs. Und aus irgendeinem Grund hatte ich den (irrigen) Eindruck, es gebe einen anderen Roman von Kehlmann, in dem der Hynotiseur Mesmer eine Rolle spielt. Seltsam.
Wie auch immer, obgleich mir nicht ganz schlüssig, hat mir F dennoch gut gefallen.