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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.09.2025

Ungewöhnlich, aber sehr eindrucksvoll und voller politischer Energie

Der Beweis meiner Unschuld
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Ich kannte den Autoren Jonathan Coe vor der Lektüre dieses Buches tatsächlich noch gar nicht, aber er hat sich für mich durch "Der Beweis meiner Unschuld" praktisch aus dem Stehgreif als Experte für die ...

Ich kannte den Autoren Jonathan Coe vor der Lektüre dieses Buches tatsächlich noch gar nicht, aber er hat sich für mich durch "Der Beweis meiner Unschuld" praktisch aus dem Stehgreif als Experte für die politischen Denkweisen in Großbritannien, sei es der Konservativen oder sei es der Linken, bewiesen und etabliert.

Das Buch ist eine Mischung aus Krimi, politischer Bestandaufnahme und Analyse der Folgen von meist doch recht extremen politischen Ansichten - in Taten und Gedanken. Coe entwickelt eine vielschichtige Story, die den Leser so manches Mal auf die falsche Spur führt. Erst ganz am Ende wird klar, wohin die Reise tatsächlich geht - und doch bleibt eigentlich auch am Schluss noch jede Menge Raum für Spekulationen.

Ein toller, sprachlich ausgereiften Roman/Krimi, der viele Klischees über die Briten bedient, aber damit wahrscheinlich oftmals auch ins Schwarze trifft. Die Lektüre macht Spaß und zieht den Leser mit der Zeit immer tiefer in den Sog einer ausgefeilten Geschichte.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Starker Tobak - wie eine Wende so viele Leben beeinflussen und lenken kann

Adlergestell
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"Adlergestell" von Laura Laabs ist ein sehr eindrücklicher und vor allem bewegender Roman über die Veränderungen, die der Fall einer Mauer und eine politische wie gesellschaftliche Wende in und mit den ...

"Adlergestell" von Laura Laabs ist ein sehr eindrücklicher und vor allem bewegender Roman über die Veränderungen, die der Fall einer Mauer und eine politische wie gesellschaftliche Wende in und mit den Leben so vieler Menschen verursachen können, die unmittelbar, unvorbereitet und vor allem ohne geeignete Anleitung mit ihnen konfrontiert wurden.

Die Erzählerin berichtet zunächst unschuldig und ein Stück weit kindlich naiv über die plötzlichen Veränderungen, die sich unmittelbar nach der Wende (die sie nicht versteht: "wer hat sich wohin gewendet?") und dem Mauerfall (den sie auch nicht versteht: "Welche Mauer ist umgefallen und warum hat mam sie nicht einfach wieder aufgestellt?") in ihrem Leben und dem Leben ihrer beiden Schulfreudinnen Lenka und Chaline ereignen.

Anfänglich recht humorvoll zu lesen, hat der Leser von Anfang an das ungute Gefühl, dass unter der Oberfläche etwas schwelt, dass das dicke Ende noch kommt, und dass sich die Geschichte nicht unbedingt in Richtung Happy End entwickelt.

"Adlergestell" ist ein Roman, aber es könnte auch eine reale Biographie von Bewohnern einer Siedlung am Rande von (Ost-) Berlin in den Nach-Wende-Jahren sein. Mit allen schönen und den mehrheitlich extrem unschönen Entwicklungen, die die Autorin Laura Laabs in beeindruckender Klarheit, aber auch völlig unaufgeregt herausarbeitet. Erschreckend, wie viele Leben von einem Punkt, dem "Adlergestell", aus in wie viele völlig gegensätzliche Richtungen laufen können.

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Veröffentlicht am 02.08.2025

Herrlich lustig, aber auch sehr verständnisvoll

Im Reich der Pubertiere
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Auch in seinem zweiten Band der "Pubertier"-Trilogie widmet sich der Autor Jan Weiler wieder sehr amüsant und anschaulich dem besonderen Zusammenleben mit seinen beiden pubertierenden KIndern und dem damit ...

Auch in seinem zweiten Band der "Pubertier"-Trilogie widmet sich der Autor Jan Weiler wieder sehr amüsant und anschaulich dem besonderen Zusammenleben mit seinen beiden pubertierenden KIndern und dem damit verbundenen täglichen Wahnsinn, der in zahlreichen Familien durchaus bestens bekannt sein dürfte. Jan Weiler erzählt in seiner umfassenden Kolumnensammlung sehr pointiert alltägliche Geschichten, die er mit seinen Sprößlingen, der 16jährigen Carla und dem 13jährigen Nick, erlebt, ohne dabei jemals eine Grenze zu überschreiten. Vielmehr berichtet er liebe- und gefühlvoll, aber nicht ohne ein großes Maß an Ironie, von den Eskapaden der Pubertiere innerhalb seine Familie und gibt den ein oder anderen Rat, wie man mit diesen umgehen kann.

Ein sehr amüsantes und ausgesprochen lesenwertes Buch, dass alle Eltern verschlingen sollten - alleine schon um zu Realisieren, dass man nicht allein ist mit dem bei genauerem Hinsehen gar nicht mal so unberechenbaren Pubertier.

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Veröffentlicht am 28.07.2025

Zwei Opfer, keine Zusammenhänge...?

FriesLandGier (Küstenkrimi)
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Zwei Morde auf Sylt in nur einer Nacht, nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Auf den ersten Blick haben weder die Morde noch die Opfer irgendetwas miteinander zu tun. Rätselhaft, aber die beiden ...

Zwei Morde auf Sylt in nur einer Nacht, nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Auf den ersten Blick haben weder die Morde noch die Opfer irgendetwas miteinander zu tun. Rätselhaft, aber die beiden Kommissare Carsten Wolf und Fabiu Covaci stürzen sich in die Ermittlungen. Wobei - von stürzen kann eigentlich keine Rede sein, denn Carsten Wolf hat noch schwer an einem prägenden Ereignis der jüngsten Vergangenheit zu knabbern. Aber sein junger Kollege Covaci weiß, wie er den Veteran aus seiner selbstgewählten Isolation lockt - auf wenn er sich der Gefahr eines Wolf'schen Donnerwetters aussetzt. Gemeinsam mit einem kompetenten Team im Hintergrund gehen die beiden die Aufklärung der Fälle an und stoßen schließlich doch auf mögliche Zusammenhänge.

Die Autorin Nele Bruun läßt - wie so oft in ihren Krimis - zwei eigenwillige, charakterstarke, aber auch völlig unterschiedliche Persönlichkeiten gemeinsam in einem rätselhafte Fall ermitteln. Beide Protagonisten - sowohl der Veteran Carsten Wolf, als auch der Jungspund Fabiu Covaci, der nicht zuletzt aufgrund seiner Herkunft in seiner vorherigen Dienststelle scheinbar einiges erdulden musste, tragen jeweils ihr eigenes Päckchen. Aber wenn es um die Ermittlungen geht, sind sie ein Team, das sich schätzt und das sich aufeinander verlassen kann.

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Veröffentlicht am 04.07.2025

Schön und beruhigend zu lesen, dass es auch anderen Eltern so geht...

Das Pubertier
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"Das Pubertier" von Jan Weiler beschert dem Leser einen sehr amüsanten Einblick in das Leben eines Vaters, der am Leben an seiner pubertierenden Tochter weiterhin teilhaben möchte, was aber von Carla (der ...

"Das Pubertier" von Jan Weiler beschert dem Leser einen sehr amüsanten Einblick in das Leben eines Vaters, der am Leben an seiner pubertierenden Tochter weiterhin teilhaben möchte, was aber von Carla (der Tochter = dem Pubertier) weitestgehend versucht wird zu verhindern. Sehr humorvoll macht sich der Autor deshalb auf, im Stile eines Forschers mit verschiedenen "Versuchsanordnungen" die Eigenheiten seines Pubertiers zu erkunden - ein Versuch, der selten klappt, aber viele neue und meist spaßige Erkenntnisse (zumindest für den Leser) mit sich bringt. Ein Studienbericht, der extrem Spaß macht.

"Das Pubertier" ist ein Buch, das Eltern Mut macht, denn es zeigt, dass man mit den besonderen Eigenheiten seines pubertierenden Mitbewohners nicht alleine da steht. Vielleicht sind die Ausprägungen unterschiedlich, aber letztlich ist ein Pubertier ein Pubertier...

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