Mama, wie weit noch?
Nein, dieses Buch ist keine nostalgische Erinnerung an Urlaubsreisen nach Italien im vollgestopften Familienauto, mit zwei Geschwistern links und rechts, und dem Beutel mit Muttis ...
Mama, wie weit noch?
Nein, dieses Buch ist keine nostalgische Erinnerung an Urlaubsreisen nach Italien im vollgestopften Familienauto, mit zwei Geschwistern links und rechts, und dem Beutel mit Muttis geschmierten Broten auf dem Schoß. Aber es liest sich so. Ein wenig.
Die Ausgangsidee war super, die Vorfreude groß, der Kofferraum ist beladen mit ein paar originellen Wendungen, Schreibstil und Charakterentwicklung – Pardon, die Butterbrote – flutschen. Und trotzdem… Mama, wann sind wir endlich da?
Es zieht sich. Manche Dialoge kehren wieder, wie dieses eine Lied, das zu jeder vollen Stunde im Radio läuft, andere ziehen sich wie die Verkehrsnachrichten am ersten Sommerferienwochenende. Und dann dieser Stau im letzten Drittel, der alles lahmlegt, und dessen Ursache so notwendig ist wie „Stau durch Gaffer“.
Dass ich mich mit dem Setting „Gynäkologie“ nicht unbedingt in mein persönliches Urlaubsparadies manövriert habe, war mir klar. Trotzdem wollte ich dem Buch aufgrund vieler positiver Rezensionen eine Chance geben. Was soll ich sagen: Das Setting kam ungefähr so intensiv zur Sprache wie man über die Kirchtürme der Alpendörfer spricht, an denen man vorbeifährt, wenn man auf den Gotthardtunnel zusteuert. Also so gut wie nicht. Dafür sind verwirrend viele andere Autos, Pardon, Nebenfiguren auf der Straße unterwegs.
„Der Weg ist das Ziel“ ist bei diesem Buch also NICHT das passende Motto, das Ziel trotzdem schön, denn (Spoiler): Sie kriegen sich.
Danke an @netgalley.de für das Rezensionsexemplar!
Dieses Buch macht Spaß, auch wenn es mit einem schlimmen Schicksalsschlag für Protagonistin Grace beginnt. Man fühlt sofort mit, wie sie von ihren KollegInnen wie ein rohes Ei behandelt wird, tut weh (auch ...
Dieses Buch macht Spaß, auch wenn es mit einem schlimmen Schicksalsschlag für Protagonistin Grace beginnt. Man fühlt sofort mit, wie sie von ihren KollegInnen wie ein rohes Ei behandelt wird, tut weh (auch wenn sie es nur gut meinen) und Ethans Reaktion bei ihrer ersten Begegnung ist im Kontrast dazu so lieb, dass man den unsympathischen Typen aus Band 1 sofort ins Herz schließt. Das passiert auch Grace sehr schnell, was in diesem Band aber deutlich glaubwürdiger geschieht, als in Band 1. Ich fand die zwei zusammen ein sehr stimmiges Paar. Auch die Rahmenhandlung bleibt spannend und nimmt Fahrt auf, mit einigen überraschenden Wendungen. Parallel dazu fiebert man auch mit Grace’ eigener “Ermittlung” mit, die in Sachen Spannungsfaktor, Aufbau und Plottwisteinsatz zwar überhaupt nicht neu ist, aber dennoch so angelegt wurde, dass man das Buch über mehrere Stunden nicht weglegen kann.
Danke an @netgalley.de für das Rezensionsexemplar!
Solide, aber teilweise unrealistisch und trotzdem bleibt es nicht lang im Gedächtnis. Die soziale "Kluft" zwischen den beiden Hauptfiguren ist zu groß, ihr Aufeinandertreffen, Kennenlernen, Sich-Verlieben ...
Solide, aber teilweise unrealistisch und trotzdem bleibt es nicht lang im Gedächtnis. Die soziale "Kluft" zwischen den beiden Hauptfiguren ist zu groß, ihr Aufeinandertreffen, Kennenlernen, Sich-Verlieben dafür zu banal, um diese Kluft glaubhaft überwinden zu können. Ich hab mich immer wieder gefragt - wieso mögen die sich noch gleich? Sie wirken wie zwei Fremde, die am Ende befreundete Fremde sind, die zwischendurch mal im Bett gelandet sind, wobei das dann wieder unnötig ausführlich zwei Kapitel lang beschrieben wird. Mehr Mut zu Close-Door-Romanen! Die Rahmenhandlung hingegen macht Spaß, man freut sich auf die weiteren zwei Bücher, deren ProtagonistInnen weitaus interessanter scheinen.
Danke an @netgalley.de für das Rezensionsexemplar!
Einmal mehr in der aktuellen Buchwelt geht es in dieser „neuen“ Reihe um Figuren aus einer bereits erschienenen. Dadurch hat man das Gefühl, man müsste die Figuren schon kennen, tut es aber nicht. Man ...
Einmal mehr in der aktuellen Buchwelt geht es in dieser „neuen“ Reihe um Figuren aus einer bereits erschienenen. Dadurch hat man das Gefühl, man müsste die Figuren schon kennen, tut es aber nicht. Man erfährt viel über ihr Inneres, aber paradoxerweise nichts über ihre Oberfläche. Was ist das für ein Hotel, in dem Emory arbeitet? Warum ist Ellis Debbies beste Freundin, obwohl sie kaum in Erscheinung tritt? Warum wird nicht thematisiert, wie unmöglich sich Riley benimmt? Vor allem die Nebenfiguren bleiben dadurch blass. (Und ja, ich habe die besagte andere Reihe erst kürzlich gelesen und gemocht!)
Der Schreibstil hat mich leider nicht abgeholt, einige Vergleiche und Bilder sind inhaltlich nicht schlüssig oder gar falsch (Stichwort „Dirigentin“).
Das Buch enthält unnötig viele Anglizismen (Was zur Hölle bedeutet „messy“ in Bezug auf eine Beziehung?!).
Was mich fast am meisten gestört hat: Das Buch liest sich wie der Knigge des 21. Jahrhunderts.
Stelle dich nicht nur mit deinem Namen, sondern auch mit deinen Pronomen vor, um zu suggerieren, dass du akzeptierst, wenn dein Gegenüber nicht die Pronomen verwendet, die du automatisch für es wählen würdest.
Trink deinen Kaffee nur mit Hafermilch, irgendwann schmeckt es auch dir besser als mit Kuhmilch.
Bring immer vegane Cupcakes mit (und am besten auch glutenfrei).
Schau bitte nicht "Blind Side" weil es da um White Savior geht und man nicht unterstützen sollte, dass es in Filmen „dauernd“ darum geht, wie weiße Menschen nicht-weiße Menschen retten.
Erwähne möglichst häufig, dass Jungs selbstverständlich Nagellack tragen können. (Find ich sogar cool, wird nur uncool, wenn ständig darauf herumgeritten wird.)
Wenn du ein Mann bist und du erklärst einer Freundin etwas, entschuldige dich anschließend für eventuelles Mansplaining.
Stichwort Halloweenkostüm: Verkleide dich nicht als Hip Hopper, denn das ist genauso abwertend, wie wenn du dich als Angehörige einer bestimmten Ethnie verkleidest. (Frage: Hab’s nicht vor, aber wäre es denn okay, wenn ich mich als ein bestimmter Hip Hopper verkleide?)
Lange Rede, kurzer Sinn: All das ist wichtig und richtig. Aber beim Lesen ständig das Gefühl haben, belehrt zu werden, dass selbst die alltäglichsten Dinge nicht „richtig“ sind, fühlt sich extrem abwertend an. Der Film „Blind Side“ gefällt dir? Puh, moralisch fragwürdig. Hafercappucino schmeckt für dich wie Müsli im Kaffee? Stell dich nicht so an. Du nennst nicht jedem deine Pronomen? Da steckt aber jemand im letzten Jahrhundert fest.
Wäre die Zahl der Botschaften und Belehrungen in diesem Buch um die Hälfte reduziert und weniger militant vorgetragen worden, würden sie zum Nachdenken anregen. Weniger ist mehr hätte hier gelten sollen. Aber so bin ich einfach nur erschöpft.
Ironischerweise stehen die Hauptfiguren, besonders Debbie, im krassen Widerspruch zum moralischen Perfektionismus, den sie ständig predigen.
Sie liest die Nachrichten einer Kollegin, als die gerade auf dem Klo ist. Nur weil der Name ihres Mannes auf dem Display aufgetaucht ist?
Sie ist sauer, weil er hinter ihrem Rücken mit seiner Ex-Freundin schreibt. Ganz abgesehen davon, dass sie den Chat gelesen und mit ein bisschen gesunden Menschenverstand auch richtig hätte interpretieren können, ist das grundsätzlich nicht schlimm. Mir schien es so, als wäre hier irgendein künstliches Konfliktpotential gesucht worden.
Und zu guter Letzt, ein kurzes Feedback zur Namensgebung: Den Spitznamen "Deb" finde ich im Deutschen eher ungünstig gewählt...
Danke an netgalley.de für das Rezensionsexemplar!
How to: Meet and Greet mit Romeo und Julia in Hogwarts but make it Gossip Girl und Bridgerton.
Es war einmal ein Pre-College in der Schweiz für die Elite der Elite der Elite, das war aufgeteilt in zwei ...
How to: Meet and Greet mit Romeo und Julia in Hogwarts but make it Gossip Girl und Bridgerton.
Es war einmal ein Pre-College in der Schweiz für die Elite der Elite der Elite, das war aufgeteilt in zwei verfeindete Häuser. Die traten jedes Jahr in einem nicht näher definierten Wettkampf gegeneinander an und dem Siegerhaus winkte neben Ruhm und Ehre auch die garantierte Zusage zur Wunsch-Elite-Uni.
Irgendwo in diesem zeit- und raumlosen Eliteinternat (Schweiz? Wo Berge? Welche Sprache? Okay, ich stelle keine Fragen!), das ungefähr jeden Vibe der Buchwelt einzufangen versucht (Hogwarts, Gossip Girl, Bridgerton, Romeo&Julia, Stolz&Vorurteil und was sonst das Herz begehrt), trifft die Präsidentin des Hauses Alpha auf den Präsidenten des Hauses Omega. Sie ist ärmer als die anderen (aber irgendwie doch nicht), er verkörpert den reichen, privilegierten Bad Boy (aber irgendwie doch nicht), beide hassen einander, aber – ihr erratet es – irgendwie doch nicht.
Was über weite Strecken zu lesen echt Spaß macht (wenn man Bock auf elitäre Enemies mit Louboutins und Rosenbouquets in völlig weltfremdem, aber doch bestechend einzigartigem Setting hat), wird leider im letzten Drittel etwas langatmig. Noch dazu verstrickt sich der Plot in ein höchst verwirrendes Intrigenspiel, bei dem zu viele Personen beteiligt sind, und dessen Auflösung den Elitären Nicht-Hoxus-Pokus ad absurdum führt, statt ihn zu Demaskieren.
Fazit: Bis zum Finale hat das Buch auf schräge Art Spaß gemacht, danach scheiterte es leider an sich selbst.
Bin bei 3,5 Sternen, und gespannt auf Band 2!
Danke an @netgalley.de und den Verlag für das Rezensionsexemplar!