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Veröffentlicht am 09.03.2025

Tolle Aufmachung

Magnolia Table - Teil 3
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Ich kenne Joanna Gaines natürlich durch Fixer Upper, hier holt sie meist ziemlich heruntergekommene Häuser ins Hier und Jetzt und ich liebe ihren Stil einfach. Das sie auch einen Faible fürs Kochen hat, ...

Ich kenne Joanna Gaines natürlich durch Fixer Upper, hier holt sie meist ziemlich heruntergekommene Häuser ins Hier und Jetzt und ich liebe ihren Stil einfach. Das sie auch einen Faible fürs Kochen hat, wird in der ein, oder anderen Folge deutlich und mittlerweile gibt es neben den beiden Vorgängerbüchern auch eine eigene Kochshow, die ich ebenfalls mit viel Freude verfolgt habe. Einige der Rezepte aus dieser Show sind hier in diesem Buch enthalten.

Das Buch ist unglaublich hochwertig aufgemacht, ist relativ groß und schwer, mit Lesebändchen ein richtiger Hingucker für die Küche. Jedes Rezept ist fotografisch in Szene gesetzt und macht direkt Lust aufs nachkochen. Das Buch beginnt mit einer Widmung für Joannas Vater und einer kleinen Einleitung, in der sie erzählt, woher ihre Liebe zum Kochen kommt. Hier wird sie sehr persönlich und gibt Einblicke in ihre Kindheit, auch zu einigen der Rezepte gibt es einleitend ein paar Worte zur Entstehung, oder der Hintergrundidee. Das verleiht dem Buch nochmal eine sehr persönliche Note.

Die im Buch enthaltenen Rezepte verteilen sich auf Brot, Frühstück, Vorspeisen und Appetizer, Suppen und Salate, Beilagen, Abendessen, Desserts, wobei viele davon sehr flexibel einsetzbar sind. Zu jedem Rezept gibt es Angaben zur Zubereitungs-, Gar- und Abkühlzeit. Am linken Seitenrand sind die Zutaten aufgelistet, die in 99 Prozent der Fälle überall zu kaufen sind, wobei der Verlag auf seiner Internetseite auch die Möglichkeit bietet bestimmte Dinge zu bestellen. Die Rezepte sind von unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad, mal ganz simpel, mal etwas aufwendiger, aber immer sehr ausführlich und nachvollziehbar erklärt, es ist sicher für jeden Geschmack etwas dabei und man findet auch viele kindertaugliche Gerichte. Wovor man bei diesen Rezepten keine Angst haben sollte ist allerdings die Verwendung von Zucker, Butter und natürlich auch Fleisch, denn viele der Rezepte sind eben auch typisch amerikanisch. Hier gilt aber, wie so oft im Leben, die Dosis macht das Gift.

Ich habe direkt beim ersten durchschauen mehrer Rezepte entdeckt, die ich unbedingt nachkochen bzw backen möchte. Das Honig-Hafer Brot hat es mir als Brotfan direkt angetan, aber auch mehrer leckere Nudelrezepte, den Humus und die Buttervariationen werde ich definitiv ausprobieren und die Bananen Pancakes habe ich bereits zur Resteverwertung nachgebacken, lecker. Ein ebenfalls sehr interessantes Kapitel ist das zum Thema Einlegen mit Kimchi, oder eingelegtem Spargel. Eine Zutat, vor der ich allerdings riesen Respekt habe, möchte ich noch erwähnen, Okras, da bin ich wohl raus.

Ich bin total begeistert von dem Buch, es eignet sich gut zum Verschenken und ist definitiv zu schön, um nur im Regal zu stehen. Kleiner Wermutstropfen, leider weicht das Design komplett von dem der Vorgänger ab und passt optisch nicht wirklich dazu, das finde ich ziemlich schade. Und was ich auch noch erwähnen möchte, das Buch war in Folie eingeschweißt und hatte nach dem Auspacken einen starken Geruch, für empfindliche Personen vielleicht erstmal nicht so schön, allerdings ist dieser Geruch nach wenigen Tagen verflogen. Ich verstehe natürlich den Gedanken so ein hochwertiges Buch zum Schutz einzufolieren, würde aber, auch in Sachen Umweltschutz, diesen Punkt nochmal überdenken.

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Veröffentlicht am 07.03.2025

Das perfekte Verbrechen?

Der Gourmet
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Sterne-Koch Jared Keaton sitzt seit Jahren für einen perfiden Mord im Gefängnis, für den an seiner eigenen Tochter, allerdings fehlt von der Leiche jede Spur und Keaton hat den Mord nie gestanden. Als ...

Sterne-Koch Jared Keaton sitzt seit Jahren für einen perfiden Mord im Gefängnis, für den an seiner eigenen Tochter, allerdings fehlt von der Leiche jede Spur und Keaton hat den Mord nie gestanden. Als plötzlich eine junge Frau in einem ländlichen Polizeibüro auftaucht und behauptet Elizabeth Keaton zu sein, erscheinen die damaligen Ermittlungen plötzlich in einem ganz neuen Licht und der ermittelnde Beamte, Washington Poe, muss sich einigen unangenehmen Fragen stellen. Natürlich kommt Keaton kurz darauf frei und plötzlich gerät Poe in die Schusslinie.

Direkt im ersten Kapitel, verlangt der Autor seinen Lesern einiges ab. Hier wird bis ins kleinste Detail beschrieben, wie sich Keaton eine Spezialität schmecken lässt, die eigentlich verboten ist. Die Intensität, mit der der Autor diese kurze Szene beschreibt, ist absolut genial, aber lässt hinterlässt bei mir Ekel und Gänsehaut. Vegetarier sollten sie vielleicht überblättern, den sie könnte sehr brutal und verstörend wirken. Ich bin einiges gewöhnt, aber hier habe auch ich erstmal durchatmen müssen. Ich kann natürlich nur rätseln, warum der Autor diese Szene ins Buch eingebaut hat, aber ich glaube sie soll einfach schon im Vorfeld jeden Zweifel darüber ausräumen, was für ein Mensch Jared Keaton ist.

Im Verlauf der Geschichte lernt der Leser ihn immer besser kennen und eigentlich ist von Anfang an klar, der Mann ist schuldig, man kann sich einfach keine andere Auflösung der Geschichte vorstellen. Um so frustrierter wird man beim Lesen, wenn es Poe und seiner brillianten Kollegin Tilly nicht gelingt Beweise für seine Schuld zu finden. Poeˋs und Tillyˋs Arbeit wird sehr detailliert beschrieben, wer amerikanische Crime Serien ala CSI, oder Criminal Minds kennt, wird hier sicher einige Parallelen erkennen. Im Vordergrund steht zum einen die akribische Rekonstruktion der Ereignisse rund um die Tat, die Hintergrundrecherche zu Keatonˋs Person, aber an erster Stelle natürlich die Frage, wenn Elisabeth Keaton tot ist, wer ist dann die junge Frau, die behauptet Elisabeth zu sein und wie zum Teufel kann ihre DNA mit der von Elisabeth übereinstimmen. Poe und Tilly versuchen also etwas zu beweisen, das gar nicht möglich sein kann.

Der Schreibstil des Autors macht es einem unglaublich leicht tief in die Geschichte einzutauchen, mich hat er trotz des grausigen ersten Kapitels direkt gepackt. Er erzählt hochspannend, aber absolut nachvollziehbar von den Bemühungen der Ermittler Keatonˋs Schuld zu beweisen. Damit es dem Leser bei all dieser Ermittlungsarbeit nicht langweilig wird, wird eine gewisse Brisanz erzeugt und Poe plötzlich in den Fokus der Beamten gerückt, er muss so also nicht nur eine Beweise für den damaligen Mord finden, sondern auch noch welche für seine eigene Unschuld.

Als Leser zweifelt man keine Sekunde daran, dass Jared Keaton ein Mörder ist, ein Egomane, ein Narzisst und sogar ein Psychopath. Der Autor schafft hier eine absolute Anti-Figur, wie ich sie nur selten erlebt habe und das ohne das Keaton selbst all zu oft agiert, allein das Bild das sich durch die Recherche ergibt, reicht aus, um den Leser komplett gegen ihn einzunehmen. Anders bei Poe und Tilly. Beide Figuren sind absolute Sympathierträger und ich hätte das Buch wahrscheinlich wütend in die Ecke geknallt, wenn die am Ende nicht ihren Erfolg bekommen hätten. Bei Poe und Tilly könnte man dem Autor jetzt ein ganz klein bisschen vorwerfen ins Klischee gerutscht zu sein. Poe, der einzelgängerische Ermittler, der überall aneckt, aber absolut loyal und integer ist und an seiner Seite Tilly, die brilliante Analytikerin mit Problemen in sozialer Kompetenz. Ein typischer Nerd dem man sogar Asperger Autismus diagnostizieren kann, mit einem schwindelerregend hohem IQ, aber keiner Ahnung wie man Smalltalk macht. Die Dialoge mit Tilly sind allerdings sehr erheiternd und geben dem Buch die ein, oder andere witzige Szene.

Mich konnte das Buch absolut überzeugen, der Autor hat ein glaubhaftes Setting und sympathische Ermittlerfiguren konstruiert, denen man gerne bei weiteren Fällen über die Schulter schauen möchte.

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Veröffentlicht am 02.03.2025

Abenteuer Ödland

Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland
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Eine Reise von Peking nach Moskau ist schon allein durch die Entfernung ein Abenteuer, wenn es dann aber auch noch durch eine lebensfeindliche Ödnis geht und nur die Wände des Zuges den Reisenden vor den ...

Eine Reise von Peking nach Moskau ist schon allein durch die Entfernung ein Abenteuer, wenn es dann aber auch noch durch eine lebensfeindliche Ödnis geht und nur die Wände des Zuges den Reisenden vor den lauernden Gefahren draußen schützen, wird es ein noch Größeres. Im Zug eine interessante Mischung aus Passagieren und Personal, eine junge Frau auf der Suche nach der Wahrheit, ein alternder Professor, ein manischer Forscher, ein blinder Passagier, eine Zugwaise, die allgegenwärtigen Vertreter der Kompanie und nicht zuletzt der Captain, die die Verantwortung dafür trägt, das der Zug sicher durch das Ödland kommt.

Der Schreibstil von Sarah Brooks hat mich vom ersten Satz an gefangen. In der Szene zu Beginn, am Bahnhof habe ich die ganze Zeit darauf gewartet, dass Hercule Poirot um die Ecke kommt um den Mord im Orientexpress aufzuklären. Diese ganze Stimmung, die beschriebene Szenerie hat mich total daran erinnert und das fand ich nicht unbedingt schlecht. Im Verlauf der Geschichte wandelt sich diese Stimmung vom Anfang dann sehr und nimmt eine komplett andere Richtung, die vielleicht nicht jeder Leser mag und erwartet hat. Am ehesten fühlte ich mich jetzt an den Film und die Serie Snowpiercer, oder auch Shadow and Bone erinnert, viele Beschreibungen nehmen hier, fast etwas zu plakativ, Bezug. Wenn etwa beschrieben wird wie Weiwei, das im Zug geborene Mädchen durch ihre Größe überall reinpasst und dadurch Arbeiten an unzugänglichen Stellen erledigen konnte, wenn man ihr durch die verschiedenen Waggons folgt, oder bei der Beschreibung des Ödlandes an sich. Hier kommen doch einige Parallelen zum Vorschein. An sich mag ich es durchaus, wenn man beim Lesen Anklänge erkennt und die Inspiration des Autors/der Autorin durchscheint, hier war es aber manchmal etwas zu viel.

Trotzdem hat mich diese fantastische Geschichte erreicht, bei der Beschreibung der Gefahren des Ödlandes hat die Autorin aus dem Vollen geschöpft und auch die Stimmung im Zug konnte mich überzeugen, die bangen Erwartungen, die Ängste angesichts der Vorkommnisse auf der letzten Durchquerung, die allmähliche Entspannung die sich einstellt, das Gefühl einer trügerischen Sicherheit gestützt auf die verstärkte Metallhülle des Zuges. Die Figuren sind vielschichtig, bleiben bis auf Weiwei und Maria aber eher blass, so erschließt sich dem Leser nicht unbedingt die Manie, mit der der Naturforscher unbedingt seinen Ruf wiederherstellen will und dafür sogar sein Leben riskiert und auch der Captain spielt eher eine Nebenrolle, obwohl sie für das Leben aller Insassen verantwortlich ist. Mysteriös und verschwommen bleibt auch Weiweis blinder Passagier, hier allerdings mit voller Absicht.

Die Durchquerung des Ödlandes ist etwas auf das sich der Leser einlassen muss, ungeachtet der Gefahren, die hinter den Zugfenstern lauern. Das fantastische an der Geschichte ist dabei nicht unbedingt auf den ersten Blick zu erkennen und könnte manchen Leser vergraulen, mir hat es unglaublich gut gefallen und so sehe ich auch über ein paar klitzekleine Längen im Mittelteil hinweg. Was mich tatsächlich etwas mit dem Buch hadern lässt (meckern auf hohem Niveau) ist, dass ich leider nicht ganz hinter die Botschaft, die Moral der Geschichte komme. Am ehesten ist dies wohl - das Leben findet einen Weg, oder das der Mensch, allein durch seine Anwesenheit, seine Umgebung verändert, das eine Erforschung ohne Einflussnahme nicht möglich ist, oder ich interpretiere hier etwas hinein, das gar nicht da ist. Wer weiss, vielleicht erbarmt sich ja mal ein angesehener Literaturprofessor und analysiert das Buch. Bis dahin empfehle ich es gern weiter, denn durch seinen Genremix aus Fantasy, Dystopie, Reisebericht und Steampunk, angereichert mit ein paar Gruselelementen und ein wenig Klimathematik, ist das Buch sehr facettenreich und spannend.

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Veröffentlicht am 02.03.2025

Cold Case und ein aktuelles Verbrechen

Der Seher
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Eigentlich ist Kryptologe Arne Stiller zur Feier des Ruhestandes seiner Kollegin Inge eingeladen, aber natürlich hat er vergessen sich dafür frei zunehmen und so hat er Rufbereitschaft, als die Meldung ...

Eigentlich ist Kryptologe Arne Stiller zur Feier des Ruhestandes seiner Kollegin Inge eingeladen, aber natürlich hat er vergessen sich dafür frei zunehmen und so hat er Rufbereitschaft, als die Meldung zu einem Überfall auf einen Bauarbeiter im Dresdner Zwinger eingeht. Was als tätlicher Angriff beginnt, zeigt allerdings schnell Hinweise auf ein unaufgeklärtes Verbrechen aus der Vergangenheit, das spurlose Verschwinden eines Säuglings. Der verletzte Bauarbeiter hat etwas ausgegraben, etwas, das menschliche Knochen enthält, offensichtlich die des verschwundenen Babys von damals.

In seinem mittlerweile siebten Fall bekommt es Arne Stiller mit einem kniffligen Fall zu tun. Sein Können als Kryptologe ist gefordert, gibt es doch verschlüsselte Botschaften auf der Zeitkapsel, in der die Knochen gefunden wurden und in einer damals erschienenen mysteriösen Todesanzeige. Lange weiß Stiller hier nicht weiter und das man ihm nach dem Weggang seines Alter Egos Inge direkt eine Praktikantin vor die Nase setzt macht das Ganze nicht unbedingt leichter. Hier kommt dann auch direkt Stillers muffelige, eigenbrötlerische Art zum Vorschein, die die Zusammenarbeit mit ihm nicht unbedingt leicht macht. Aber Stiller ist, wie er eben ist und wer die Bücher von Elias Haller kennt, kennt auch seine Vorliebe für besondere Charaktere.

An besonderen Charakteren mangelt es nicht. Während Inge auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Dienst eine Nebenrolle zugewiesen bekommt, spielt Stillers Praktikantin eine etwas größere. Haller bedient sich hier einiger Klischees, wenn er die Neue direkt in ein paar Fettnäpfchen treten lässt, oder sie in der Pathologie erstmal schwächelt. Ihr ganzes Auftreten und ihr Äußeres wirkt ein bisschen überdreht und übertrieben. Bei den starken Frauenfiguren, die der Autor sonst im Repertoire hat, hätte ich das eigentlich nicht gebraucht.

Der Fall wird spannend erzählt, wie ich finde fast etwas zahm für Hallers Verhältnisse, aber das passt gut zur Geschichte. Diese besticht weniger durch Brutalität, sondern erzeugt Gänsehaut einfach durch den Umstand, dass es sich bei den Opfern um Säuglinge handelt. Ein Horrorszenario für alle Eltern. Der Leser folgt Stiller bei seinen Ermittlungen und erlebt dazwischen immer wieder Episoden, in denen der Täter, immer nur als "die Person" betitelt auftritt und Einblick in sein Seelenleben gibt. Haller macht es hier besonders spannend, denn dadurch, dass man nicht genau weiß, ob "die Person" männlich, oder weiblich ist, ist die Auswahl an möglichen Verdächtigen größer. Ich war bis zuletzt auf der falschen Spur und wurde von der Auflösung komplett überrumpelt, die vielleicht ein bisschen sehr konstruiert ist. Trotzdem hat mich der Fall wieder sehr gefesselt und ich habe das Buch ziemlich schnell weggelesen. Ein Fall, der sich auch gut für Neulinge im hallerschen Universum eignet und durchaus eigenständig gelesen werden kann.

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Veröffentlicht am 20.02.2025

Deutsch-Dänisches Ermittlerteam

Die Brandung – Leichenfischer
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Bei archäologischen Grabungen im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Dänemark stößt Fria Svensson auf das Grab einer Frau, die eindeutig nicht schon seit der Wikingerzeit dort begraben liegt. Der Fall ...

Bei archäologischen Grabungen im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Dänemark stößt Fria Svensson auf das Grab einer Frau, die eindeutig nicht schon seit der Wikingerzeit dort begraben liegt. Der Fall weißt Parallelen auf zu einem anderen Fund den Kommissar Ohlson in Flensburg bearbeitet. Fria gibt ihrem Bekannten einige Hinweise, die vielleicht auf die Spur des Mörders führen könnten.

Leichenfischer ist der zweite Fall der Reihe "Brandung" rund um das ungleiche Ermittlerteam Svensson auf dänischer und Ohlson auf deutscher Seite. Während der eher kauzige Ohlson von berufswegen auf Verbrecherjagd geht, hat die impulsive Fria ihre Ausbildung bei der Polizei abgebrochen und arbeitet als Archäologin, natürlich nicht, ohne sich weiter in beratender Tätigkeit anzubieten. Das Buch nimmt natürlich ab und zu Bezug auf den Vorgänger, ist aber super eigenständig zu lesen, da der Fall in sich abgeschlossen ist, ich habe hier keine Hintergrundinfos vermisst.

Die Autorin schafft interessante Figuren, die zugegebenermaßen manchmal schon ein bisschen klischeehaft daherkommen, allen voran Ohlson mit seiner typisch norddeutschen Zurückhaltung, wir würden ihn hier bei uns als Stoffel bezeichnen. Im Gegensatz dazu Fria, die, obwohl keine Beamtin, immer schön auf eigene Faust ermittelt und mit ihren Alleingängen für Unruhe sorgt, aber eben auch für die wichtigen Hinweise.

Der Krimi wird eher ruhig, aber dennoch spannend erzählt. Gerade im Mittelteil kommt das Geschehen etwas ins Stocken, man spürt gut den Frust der Ermittler, hier hilft es natürlich sehr, dass die Geschichte auf zweiter Ebene viel aus dem Privatleben der Hauptfiguren erzählt. So erlebt man hautnah das turbulente Liebesleben von Frias Mitbewohner Marten, das dann auch eine Art Cliffhanger liefert, der hoffentlich im dritten Fall aufgelöst wird. Ebenso erlebt man als Leser das Geschehen aus der Sicht der Frauen, die der Mörder in seiner Gewalt hat.

Die Geschichte springt immer wieder zwischen den verschiedenen Handlungsebenen hin und her. Bei den Szenen in Gefangenschaft, ist man anfangs etwas unsicher, was den zeitlichen Ablauf angeht, kommt dann aber später dahinter. Die Autorin kommt hier ganz ohne die Beschreibung körperlicher Gewalt aus, die Psychospielchen ihres Täters sind aber ziemlich perfide und dienen in erster Linie dazu Macht über seine Opfer auszuüben und diese seelisch zu brechen. Es werden Themen wie Stalking, behandelt, psychischer, aber auch physischer Missbrauch, hier speziell im Bezug auf eine junge Frau mit kognitiver Beeinträchtigung. Es kommen einige Formen von Gewalt gegen Frauen in einem Fall zusammen.

Lange weiß man nicht wirklich, wie sich die Geschichte entwickelt, es gibt mehrere mögliche Szenarien, mit denen die Autorin den Leser in die Irre führt. Letztlich hat mich der Täter überrascht, die Zusammenhänge kann man durchaus als konstruiert bezeichnen und sie sind schon stark vom Zufall abhängig, aber vieles ist nunmal zufällig im Leben.

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