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Veröffentlicht am 29.05.2023

Roadtrip mit Gruselfaktor

Road of Bones – Straße des Todes
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Die Kolyma ist eine Straße im tiefsten Sibirien, obwohl Straße hier wahrscheinlich nicht unbedingt das beschreibt, was wir uns darunter vorstellen. Auf 1200 Meilen ist hier einfach eine Schotterschicht ...

Die Kolyma ist eine Straße im tiefsten Sibirien, obwohl Straße hier wahrscheinlich nicht unbedingt das beschreibt, was wir uns darunter vorstellen. Auf 1200 Meilen ist hier einfach eine Schotterschicht auf den Permafrostboden aufgebracht worden. Unter dieser Schotterschicht liegen die Überreste derer, die am Bau der Straße beteiligt waren, meist Gefangene aus den unzähligen Gulags, aber auch für Autofahrer wird die Kolyma oft zum eisigen Grab. Dieser Tatsache verdankt sie dann auch den Titelgebenden Beinamen Road of Bones, Straße der Knochen.

Autor Christopher Golden schickt seine beiden Protagonisten Teig und Prentiss auf einen Roadtrip der besonderen Art. Filmemacher Teig steckt finanziell in der Klemme und hofft mit einer Reportage über diese unwirtliche Gegend aus seinem Tief zu kommen. Prentiss, Freund und immer wieder Geldgeber von Teig ist hauptsächlich dabei, um seine Investition zu schützen.

Die Geschichte startet recht klassisch für diese Art Grusel mit einer Alltagssituation, der Leser erwartet in keiner Weise das, was später im Verlauf der Geschichte passiert. Ich mag diese vielleicht schon fast altmodische Art der Herangehensweise sehr, erinnert mich das Ganze doch etwas an Storys von Stephen King. Hier konkret musste ich stellenweise an seinen Roman "Duddits" denken.

In den ersten Kapiteln werden die wenigen beteiligten Figuren eingeführt. Hier hatte die Geschichte dann auch die ein oder andere Länge, einfach aber eben auch, weil man so gar nicht weiß, was der Autor einem eigentlich sagen will und dann, quasi aus dem Nichts, beginnt die Hetzjagd. Die Story spielt hier geschickt mit verschiedensten Horrorelementen, während manches recht detailliert beschrieben wird, bleibt anderes der Phantasie des Lesers überlassen. Bei einigen Szenen kam mir das Beschriebene etwas holprig daher, Handlungsabläufe vielleicht nicht unbedingt realistisch nachvollziebar. Wahrscheinlich würde einiges visuell besser funktionieren, aber das ist nur meine subjektive Meinung.

Das Buch vermischt recht spannend Legenden der indigenen Bevölkerung Sibiriens, mit ein bisschen Blair Wich Project und Reality TV Geisterjagd. Wer, wie ich, auf diese Art moderner Schauergeschichte steht, wird sich gut unterhalten fühlen.

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Veröffentlicht am 29.05.2023

Klimawandel

Der Eisbär und die Hoffnung auf morgen
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"Wir sind alle Frösche in einem Topf, die nicht merken das sie gekocht werden." Diese sehr treffende Metapher liest man gleich mehrfach im Buch. Meist gebraucht Hauptfigur Tom sie um zu verdeutlichen, ...

"Wir sind alle Frösche in einem Topf, die nicht merken das sie gekocht werden." Diese sehr treffende Metapher liest man gleich mehrfach im Buch. Meist gebraucht Hauptfigur Tom sie um zu verdeutlichen, wie wir Menschen sehenden Auges in die Klimakatastrophe steuern. Die Erde wird sich, ebenso wie das Wasser im Kochtopf, immer mehr erwärmen, das Eis der Polkappen schmelzen, der Meeresspiegel ansteigen und laut Toms Prognose wird Politiker Causley dann nicht mehr im Wohnzimmer seines Hauses im kleinen englischen Küstenort St. Piran sitzen können, ohne zu ertrinken.

Genau dieses Szenario, Gegenstand einer aberwitzigen Wette zwischen dem jungen Studenten Tom und dem Klimawandelleugner Causley, zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Anhand dieser Wette sind die Lebensläufe der Figuren miteinander verbunden und der Leser begleitet die beiden Männer. Immer wieder wird ihre Geschichte aufgegriffen, wobei es verschiedene, unterschiedlich große Zeitsprünge gibt. Über Jahrzehnte hinweg bekommen wir so immer wieder Einblicke in das Leben der Figuren, ihre Arbeit, ihre persönliche Entwicklung und auch in die vortschreitenden klimatischen Veränderungen.

Der Autor schickt uns Leser mit wunderschönen Worten an wunderschöne Orte und während er und oppulent von diesen Orten vorschwärmt mahnt er gleichzeitig wie fragil und zerbrechlich dies alles ist. Die Figur Tom ist hierbei der erhobene Zeigefinger, der oft sehr radikal und unverblühmt die Zukunft unseres Planeten aufzeigt, während der Politiker Causley stellvertretend für die Menschen steht, die die Klimakrise leugnen, gar für eine Verschwörung halten. Natürlich sind die Figuren hier vielleicht etwas überzeichnet, aber letztlich doch gar nicht so weit von der Realität entfernt. Auch die beschriebenen Klimafakten sind reale Probleme, die beschriebenen Szenarien längst keine bloße Utopie.

Das Buch verpackt eine eindringliche Message in eine teils durchaus ironische Geschichte. Der Stil des Autors macht das Lesen zu einem Erlebnis, ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und habe es in einem Rutsch durchgelesen. Eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 23.05.2023

Kleinstadtleben

Dunkelzeit
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Alma und Clyle beschäftigen den jungen Hal auf ihrer Farm. Hal ist nach einem Unfall in seiner Kindheit geistig beeinträchtigt, führt aber trotzdem ein relativ selbstständiges Leben, hat seine Arbeit und ...

Alma und Clyle beschäftigen den jungen Hal auf ihrer Farm. Hal ist nach einem Unfall in seiner Kindheit geistig beeinträchtigt, führt aber trotzdem ein relativ selbstständiges Leben, hat seine Arbeit und seine Freunde. Als ihn zwei Kumpels zu einem Jagdausflug einladen ist er begeistert, allerdings läuft das Ganze nicht wie geplant.

Vorab! Schon das Cover des Buches gibt Hinweise auf das landwirtschaftlich geprägte Kleinstadtleben, das den Leser hier erwartet. Und eben dieses Kleinstadtleben, dieses spezielle soziale Gefüge, die Atmosphäre sind es auch, was das Buch vorrangig behandelt. Natürlich ist das Buch als Kriminalroman untertitelt und der Klappentext unterstreicht diesen Eindruck. Der Kriminalfall um die verschwundene Peggy ist dann auch Thema, allerdings nicht in dem Maße, wie man es in einem klassischen Krimi erwarten würde.

Ich würde das Buch eher in die Kathegorie Milieustudie, oder Gesellschaftsdrama einordnen. Die Figuren sind gefangen in den festgefahrenen Strukturen ihres Umfelds. Lebensläufe scheinen vorgezeichnet, Andersartigkeit wird zwar oberflächlich akzeptiert, aber immer auch argwöhnisch beäugt. So verwundert es den Leser nicht, dass recht schnell nach dem Verschwinden der jungen Frau der "Dorftrottel" als Täter präsentiert und vorverurteilt wird. Hier zeigt die Autorin dann auch ihre Stärken, denn das Verhalten der Figuren ist hier sehr klar und treffend gezeichnet.

Großen Raum in der Geschichte nimmt die Beziehung von Alma und Ehemann Clyle ein. Bei den Bemühungen Hal zu verteidigen kommen die Beiden nicht umhin ihre Beziehung zueinander zu überdenken. Der Leser nimmt hier an der Aufarbeitung lang verdrängter Gefühle teil und erlebt eine Ehe auf dem Prüfstand. Hier ist man als Leser manchmal etwas von den Figuren und ihrerm "herumgeeiere" genervt, aber letztlich passt das ganz gut, den so sind die Charaktere eben. Einen erfrischenden Kontrast dazu bietet die Figur von Milo, dem Bruder der verschwundenen Peggy, der in seiner Trauer so echt ist und mit seiner kindlichen, aber gleichzeitig so reifen Art hinter die Fassade der Erwachsenen blickt und so letztlich als Erster die Wahrheit erkennt. Allein das macht den Roman sowas von lesenswert.

Der Roman lebt von den leisen Tönen, das kleinstädtische, landwirtschaftliche Leben Mitte der achtziger Jahre wird treffend dargestellt, die Träume und Hoffnungen der Jugendlichen ebenso, wie das Hadern der Erwachsenen mit verpassten Möglichkeiten und Chancen. Wer hier einen spannungsgeladenen Krimi erwartet wird enttäuscht sein, wer sich aber auf die Geschichte einlässt und einen Blick unter die Oberfläche riskiert, wird sich gut unterhalten fühlen. Eine absolut lesenswerte Milieustudie mit starken Figuren. Der Stern Abzug bezieht sich nur auf die, für mich falsche, Genrezuordnung des Buches.

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Veröffentlicht am 23.05.2023

Mord im alten Ägypten

Rächende Geister
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Renisenb ist nach dem Tod ihres Mannes wieder ins Haus ihres Vaters gezogen. Hier leben ihre Großmutter, ihre Brüder mit ihren Familien und einige Bediensteten. Der Vater ist ein wichtiger Mann und viel ...

Renisenb ist nach dem Tod ihres Mannes wieder ins Haus ihres Vaters gezogen. Hier leben ihre Großmutter, ihre Brüder mit ihren Familien und einige Bediensteten. Der Vater ist ein wichtiger Mann und viel auf Reisen, als er von einer dieser Reisen mit einer neuen, jungen Ehefrau nach Hause kommt, bringt das sehr viel Unruhe in das sonst eher beschauliche Leben der Familie.

Der Kriminalfall ist eigentlich total typisch für Agatha Christie, andererseits aber auch wieder nicht, denn die Geschichte ist komplett im alten Ägypten angelegt. Das war erstmal ziemlich gewöhnungsbedürftig, nicht nur wegen der Namen. Ich hätte gern gewusst, was die Intention AC's war ihre Geschichte so anzulegen, allerdings fehlt eine Erklärung dazu in meinem Buch. Ich weiß allerdings von anderen Lesern, dass es einige Ausgaben des Buches gibt, in denen ein erklärendes Vorwort zu finden ist. Natürlich kennt man als Fan der Autorin ihren Faible für die Antike, war sie doch mit ihrem zweiten Ehemann viel auf Ausgrabungen unterwegs.

Das Setting der Geschichte mag zwar ungewöhnlich sein, die Handlung und der Ablauf hingegen sind es so gar nicht. Als eifriger Leser kommt einem Vieles durchaus aus anderen Romanen der Autorin bekannt vor. Die Geschichte ist im Grunde so universell, dass man sie so, Eins zu Eins, ins England um 1920 versetzen könnte - ein Landsitz, eine vermögende Familie, ein alles kontrollierender Vater, rivalisierende Söhne und plötzlich eine neue Stiefmutter. Da ist die Katastrophe quasi vorprogrammiert.

Die Figuren werden direkt zu Beginn dem Leser vorgestellt, das Familienkonstrukt beschrieben. Mir hat so ein bisschen das Lokalcholorid gefehlt, wenn ich eine Geschichte aus dem alten Ägypten lese, will ich schon mehr als ein paar komplizierte Namen und einige kurze Angaben zu einem Begräbnisritual. Anders als in den meisten Romanen von AC gibt es keine Ermittlerfigur, allenfalls die Großmutter der Familie kann man so ein bisschen als Pondon zu Miss Marple verstehen. Der Roman ist durchaus unterhaltsam, vielleicht in einigen Aspekten etwas vorhersehbar. Die Mordmethoden durchaus interessant, die Motive letztlich die althergebrachten. Für mich nicht unbedingt einer ihrer Besten.

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Veröffentlicht am 09.05.2023

Lesenswert

Jenseits der Magie
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Ich teile die Leidenschaft für Bücher leider nur mit meinen beiden ältern Töchtern. Erst habe ich ihnen Bücher vorgelesen und später habe ich ihre Bücher dann mitgelesen, um zu wissen was sie sich da so ...

Ich teile die Leidenschaft für Bücher leider nur mit meinen beiden ältern Töchtern. Erst habe ich ihnen Bücher vorgelesen und später habe ich ihre Bücher dann mitgelesen, um zu wissen was sie sich da so "reinziehen". Heute gehen unsere Geschmäcker zwar oft auseinander, aber es gibt noch immer viele Gemeinsamkeiten und so kommt es nicht selten vor, dass ich ihnen ein Buch zum Lesen gebe und umgekehrt. Den Start in die wunderbare Welt von Harry Potter konnte ich mit meiner Großen hautnah erleben und Jahre später dann mit den jüngeren Geschwistern wieder aufs Neue.

Das nun ausgerechnet der Schauspieler des fiesen Draco eine Biographie schreibt, hm , nun ja, hat mich jetzt vordringlich nicht so interessiert. Wie wahrscheinlich viele Fans habe ich eher die Entwicklung von Hermine (Emma Watson) und Harry (Daniel Radcliffe) verfolgt, schließlich konnte ich Draco nicht leiden. Und überhaupt, was schreibt der den in seinem Alter eine Biographie? Hat doch noch gar nichts erlebt der Junge. So meine Gedanken als meine Tochter davon redete das Buch zu kaufen. Was bin ich froh, dass ich mich doch entschieden habe das Buch zu lesen.

Recht schnell ist man von dem frechen kleinen Kerl eingenommen, von dem da erzählt wird. Sehr unkompliziert und leicht erzählt Tom Felton von seiner Kindheit, seiner Famile, seinen Brüdern. Ehrlich, aber immer auch mit einer gehörigen Portion Selbstironie und Augenzwinkern gibt er Einblicke, die manchem vielleicht peinlich wären. Der Leser erfährt natürlich viel über seine Zeit in der Harry Potter Familie, aber darüber hinaus auch noch so viel mehr aus dem Leben abseits davon.

Das Buch beschreibt natürlich die tollen Erfahrungen, aber auch sehr ehrlich die Negativen, die letztlich im Absturz geendet sind. Mir hat es die Filmfigur Draco sympatischer gemacht, aber vor allen dingen den Menschen Tom Felton.

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