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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.03.2026

Das Cover und der Titel passen. Gelungener untypischer Krimi.

Giftiger Grund
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Thomas Knüwer ist ein ungewöhnlicher, für das Genre untypischer Roman gelungen. Angekündigt als Krimi, zu dem er erst spät wird. Vorher ist das Buch eher eine interessante Milieustudie und erinnert an ...

Thomas Knüwer ist ein ungewöhnlicher, für das Genre untypischer Roman gelungen. Angekündigt als Krimi, zu dem er erst spät wird. Vorher ist das Buch eher eine interessante Milieustudie und erinnert an ein Jugendbuch, zumal die Protagonisten zwei junge Erwachsene und ein ca. 10jähriges Mädchen sind. Aus deren Perspektiven wird das Buch abschnittsweise erzählt. Joran, sympathischer labiler junger Mann, ist nach einer Straftat aus dem Gefängnis entlassen worden und versucht, ein geregeltes Leben zu beginnen. Charu ist Influencerin, die Zeitraffervideos von Lost Places ins Internet stellt. Wie auch das Mädchen Edda kommen sie aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Als die Drei an einer verfallenen ehemaligen Tankstelle aufeinandertreffen, nimmt die Handlung dramatisch an Fahrt auf und die Dinge nehmen ihren Lauf. Ungewöhnlich für einen Krimi finde ich schon, dass die Polizei kaum in Erscheinung tritt. Weder ein Kommissar noch eine Kommissarin kommen vor.
Die Schreibweise ist gut, der Spannungsaufbau gefällt mir. Der Humor kommt nicht zu kurz, auch wenn er teilweise im Halse stecken bleibt. Gerade der Schluss mit dramatischen Wendungen trieft von schwarzem Humor.
Mein Fazit: Sehr zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 22.02.2026

Keine leichte Kost, aber atmosphärisch dicht

Alma
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Mit einer schönen bildhaften Sprache, mit langen Sätzen, vielen oft geheimnisvollen Andeutungen und Metaphern beschreibt die Autorin Federica Manzon in „Alma“, wie sich die politischen Verwerfungen und ...

Mit einer schönen bildhaften Sprache, mit langen Sätzen, vielen oft geheimnisvollen Andeutungen und Metaphern beschreibt die Autorin Federica Manzon in „Alma“, wie sich die politischen Verwerfungen und der Zerfall des ehemaligen Jugoslawien im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts auf die Menschen der Region um Triest auswirken. Die großbürgerlichen Eltern von Almas Mutter repräsentieren noch das alte Österreich-Ungarn mit seinen konservativen Wertvorstellungen, während ihr kroatischer Vater, obwohl in Triest wohnend, für den sozialistischen Machthaber Marschall Tito arbeitet. Sie hat schon als Kind Mühe, sich in diesem Umfeld zu orientieren, zumal ihre Mutter chaotisch und ihr Vater meistens abwesend ist. Die Situation verschärft sich, als die Familie den gleichaltrigen Serben Vili aufnimmt, der wie viele Menschen nach Triest flieht.
Eindrucksvoll beschreibt Manzon die Entwurzelung besonders der beiden jungen Menschen während ihrer Pubertät und der Zeit, in der sie sich als junge Erwachsene behaupten müssen. Neben dem Privatleben Almas, die ein schwieriges Verhältnis mit Vili eingeht, nehmen die brutalen Auseinandersetzungen zwischen Serben, Kroaten und Bosniern einen breiten Raum in diesem Buch ein. Alma versucht als Journalistin, Erklärungen für den Hass zwischen den jugoslawischen Volksgruppen zu finden und das Verhalten ihres Vaters und Vilis zu verstehen.
Ein atmosphärisch dichter Roman mit einem versöhnlichen Ende.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Spannende Satire

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Kristof Magnusson ist mit „Die Reise ans Ende der Geschichte“ ein ausgezeichneter Roman gelungen, nach meiner Einschätzung eher eine Satire bzw. Parodie zum Genre „Spionagethriller“ als ein Abenteuerroman ...

Kristof Magnusson ist mit „Die Reise ans Ende der Geschichte“ ein ausgezeichneter Roman gelungen, nach meiner Einschätzung eher eine Satire bzw. Parodie zum Genre „Spionagethriller“ als ein Abenteuerroman wie im Klappentext angekündigt. Ein raffinierter Prolog zeigt die Gefahren auf, in der Spione leben. Der Leser weiß aber lange Zeit nicht, in welche Richtung die Handlung läuft und was die Protagonisten miteinander erleben. Da ist zunächst einmal Dieter Germeshausen, ein eher einfach gestrickter kulturell desinteressierter Mann, der aus gekränkter Eitelkeit zum Doppelspion wird und der befürchten muss, dass er auffliegen wird, nachdem der Kalte Krieg beendet wurde. Dann der sympathische junge Dichter Jakob Dreiser, früh erfolgreich, sehr kommunikativ, aber von seinem Leben gelangweilt. Die von einem Botschafter der USA in Rom zurück gelassene Dominique Fishbowl, Alkoholikerin, aber mit dem richtigen Durchblick sowie die von allen unterschätzte Francesca Aquatone, die russischen Botschaftsangehörigen in Rom die italienische Sprache und wohl noch andere Dinge vermittelt. Auf diese Ausgangslage muss man erst einmal kommen, zumal es noch weitere interessante Charaktere gibt. Das Buch ist durchzogen von Seitenhieben auf die deutsche, italienische und sowjetische Gesellschaft und das Lesen bereitet höchstes Vergnügen. Gefallen hat mir auch, dass es anders als in typischen Spionagethrillern kaum Gewalt und keine Toten gibt und dass die typische schwarz-weiß-malerische Unterscheidung von Gut und Böse fehlt. Auch wenn die Handlung nicht durchweg ernst zu nehmen ist, fand ich den Roman spannend und kann ihn nur sehr empfehlen.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Tiefsinnige Erzählungen

Der Fluss der Zeit
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Fünf bisher unveröffentlichte Erzählungen aus dem Nachlass des bekannten Autors Pascal Mercier († 2023). Alle tiefsinnig, teils tragikomisch, nachdenklich, teils beklemmend, teils zum Schmunzeln, auch ...

Fünf bisher unveröffentlichte Erzählungen aus dem Nachlass des bekannten Autors Pascal Mercier († 2023). Alle tiefsinnig, teils tragikomisch, nachdenklich, teils beklemmend, teils zum Schmunzeln, auch abstrus. Es geht um das Erinnern, um Brüche im Leben, um Beziehungen. Die Personen werden vom Autor mit ironischer Distanz sehr gut beobachtet und agieren unerwartet, aber überwiegend nachvollziehbar. Ein sprachliches Highlight, die Pointen sitzen.
Einzige Kritik: Warum muss ein so kurzes Buch so teuer sein? Andererseits ist jede Seite ihr Geld wert auch in Relation zu anderen Dingen des Lebens wie Essen gehen und Verreisen.

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Veröffentlicht am 04.01.2026

Tragische historische Ereignisse und der Versuch ihrer Aufarbeitung

Zurück unter Mördern
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Weniger Krimi, mehr zeitgeschichtlicher Roman, in dessen Mittelpunkt das (reale!) tragische Schicksal einer säkularisierten jüdischen Hamburger Kaufmannsfamilie in der Nazidiktatur und die Aufarbeitung ...

Weniger Krimi, mehr zeitgeschichtlicher Roman, in dessen Mittelpunkt das (reale!) tragische Schicksal einer säkularisierten jüdischen Hamburger Kaufmannsfamilie in der Nazidiktatur und die Aufarbeitung oder auch „Nichtaufarbeitung“ der Nazigräuel nach Kriegsende steht. Der (fiktive) durch den Verlust seiner Frau und seinen Einsatz an der Front ebenfalls betroffene Jurist und Privatdetektiv Henry Mahler soll im in großen Teilen zerstörten Hamburg herausfinden, ob der Überlebende Oswald Lasally einen Teil seines Vermögens zurück erhalten kann und ob sein Vater Suizid begangen hat wie die Polizei damals behauptete oder ob er umgebracht wurde.
Die Handlung wird in zwei Zeitebenen geschickt erzählt. Der Autor Michael Jensen hat ausgezeichnet recherchiert und beschreibt viele Hintergründe der damaligen Vorkommnisse. Wie der Titel schon besagt, haben es nach dem Krieg viele Mitläufer und Täter in verantwortungsvolle Positionen geschafft und behindern die Aufklärung, notfalls mit Gewalt.
Im letzten Teil wird das Buch doch noch zum Thriller. Nach meinem Empfinden nimmt die Beschreibung von körperlicher Gewalt Überhand. Ich mag es nicht, wenn ich den Eindruck bekomme, dass sich ein Autor daran berauscht. Auch gefallen mir einige Formulierungen nicht, wie man sie zugegeben in vielen Thrillern findet. Deshalb lese ich z.B. nicht Bücher von Fitzek, eins hat mir gereicht.
Insgesamt hat mir das Buch trotz der vielleicht subjektiven Einschränkungen gut gefallen, besonders die historischen Geschehnisse und Zusammenhänge fand ich interessant.

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