Eine jüdische Familie auf der Flucht vor den Nazis
Die Glücksfrauen - Die Kraft der BücherIm zweiten Teil der Glücksfrauen-Trilogie – Die Kraft der Bücher - von Anna Claire geht es um Luises Freundin Maria und ihre Flucht aus Deutschland.
Nachdem es June gelungen ist, Marias Enkelin Sandra ...
Im zweiten Teil der Glücksfrauen-Trilogie – Die Kraft der Bücher - von Anna Claire geht es um Luises Freundin Maria und ihre Flucht aus Deutschland.
Nachdem es June gelungen ist, Marias Enkelin Sandra in Rio de Janeiro ausfindig zu machen, begeben sich die beiden Frauen mit dem Fluchttagebuch von Maria auf eine abenteuerliche Reise durch Europa, immer in der Hoffnung, eine Spur der dritten Freundin, Anni, zu finden.
Durch das zögerliche Verhalten von Jakob, Marias Ehemann, ist eine normale Ausreise 1939 für die jüdische Buchhändlerfamilie nicht mehr möglich. Ihnen bleibt nur die Flucht über Frankreich, Spanien nach Lissabon in Portugal, immer im Gepäck die drei Lieblingsbücher, die ihr Kraft und Halt geben. Eine gefährliche Fluchtroute, die immer wieder unterbrochen werden muss, da das Geld auszugehen droht, Jakob in Frankreich inhaftiert wird und der Weg über die Pyrenäen nur mit Hilfe des Widerstandkämpfers Samuel gelingt. Mit Samuels Hilfe erhalten sie Visa für Brasilien, doch wieder ist Jakob zögerlich und möchte in Portugal bleiben, hat er doch gemerkt, dass sich etwas zwischen Samuel und Maria entwickelt, so dass dieser alleine nach Brasilien aufbricht. Als sich die Situation in Europa zuspitzt, setzt Maria alle Hebel in Bewegung und bekommt gefälschte Visa für die Eineise nach Brasilien. Zusammen mit ihrem Ehemann und den beiden Kindern, beginnt sie dort einen Neuanfang und eröffnet Jahre später eine kleine Buchhandlung.
June findet Sandras in dieser Buchhandlung, die kurz vor der Schließung steht. Obwohl beide Frauen so unterschiedlich sind, entwickelt sich während der Reise eine tiefe Freundschaft. Durch das Fluchttagebuch finden sie heraus, dass es Maria gelungen ist, Kontakt zu Anni aufzunehmen, so dass sie sich entschließen, ihrer Spur zu folgen.
Die Autorin hat mich vom ersten Augenblick mitgenommen. Sie schildert die Verhältnisse in Nazi-Deutschland authentisch. Die Charaktere sind gut herausgearbeitet und ihre Handlungen nachvollziehbar, so dass verständlich ist, dass Jakob seine Buchhandlung nicht einfach aufgeben möchte. Erst als es. für eine normale Emigration zu spät ist, entschließt er sich für die Flucht. Da sind Juden aber in ganz Europa schon nicht mehr gerne gesehen. Er entwickelt einen Minderwertigkeitskomplex, der sich noch verstärkt, als er merkt, dass sich seine Frau zu Samuel hingezogen fühlt, dem Macher, der alles kann und dem alles gelingt. Maria gibt ihrem Mann die Schuld für die prekäre Situation, hat sein Verhalten doch dazu geführt, dass sie ihren Kindern nicht einmal eine ordentliche Bildung, genügend zu essen und ein anständiges Dach über dem Kopf bieten kann.
Sehr eindringlich beschreibt die Autorin die Flucht, das Ausgeliefertsein, die Angst, den Falschen das Vertrauen zu schenken und auf das Entgegenkommen Fremder angewiesen zu sein.
Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Die Geschichte von Maria und ihrer Familie hat mich sehr bewegt, so dass es mir schwergefallen ist, das Buch aus der Hand zu legen.