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Veröffentlicht am 06.06.2026

Roman über Freundschaft, Liebe und zweite Chancen, der stark charakterorientiert ist und die äußere Rahmenhandlung etwas monoton hält.

Kein Sommer ohne August
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Charlie Henderson lebt in London, wo ihr einziger Lebensinhalt die Arbeit in einer Eventagentur ist. Als sie überraschend die Nachricht erhält, dass sie die Buchhandlung "One Last Chapter" geerbt hat, ...

Charlie Henderson lebt in London, wo ihr einziger Lebensinhalt die Arbeit in einer Eventagentur ist. Als sie überraschend die Nachricht erhält, dass sie die Buchhandlung "One Last Chapter" geerbt hat, kehrt sie notgedrungen in ihren Heimatort Liberty Beach an der Ostküste der USA zurück. Dort trifft sie auf August, den Enkel der Besitzerin der Buchhandlung, mit dem sie zwölf Sommer verbracht hat und der zu ihrem besten Freund wurde, bis sich ihre Gefühle intensivierten und sie sich ineinander verliebten. Seit zehn Jahren haben sie keinen Kontakt mehr, nachdem Charlie Liberty Beach überstürzt verlassen hatte.

Der Roman wird aus der Perspektive von Charlie geschildert und wechselt zwischen der Vergangenheit und den zwölf gemeinsamen Sommern mit August und der Gegenwart mit dem unverhofften Wiedersehen Jahre später.

Aus einer Kinderfreundschaft mit der verbindenden Liebe zu Büchern war eine Liebe geworden, für die es kein Happy End gab. Was zwischen den beiden vorgefallen ist und zum Bruch geführt hat, bleibt zunächst ungewiss. In der Gegenwart herrscht eine angespannte Stimmung zwischen den beiden, wobei sich Charlie davor fürchtet, sich erneut in August zu verlieben.

Die Entwicklung der Friends-to-Lovers-Story wird authentisch beschrieben. Charlie und August kommen sich Jahr für Jahr näher, gleichzeitig bleiben jedoch Unsicherheiten und Unausgesprochenes, was sie auf Distanz zu einander hält. Die unterschiedliche soziale Herkunft, Scham und die Angst, die innige Freundschaft zu gefährden, scheinen unüberwindbare Hürden. Zudem ist Charlie geprägt von den unglücklichen Liebesgeschichten ihrer Mutter, weshalb sie ihr Herz vor Verletzungen schützen möchte.

Die Geschichte entwickelt sich langsam und wird arg in die Länge gezogen, da sich die beiden Hauptfiguren und ihrem (Liebes-)glück unaufhörlich im Weg stehen. Beide Erzählstränge beinhalten dieselbe Problematik, über die nicht gesprochen wird. Der rosa Elefant steht im Raum, Fehler wiederholen sich und lassen die Geschichte ohne neue Impulse eintönig werden.
Die Stimmung ist melancholisch und trotz Summer Vibes durch Charlies Bedenken, Wehmut und Sehnsucht von einer unterschwelligen Melodramatik geprägt. Der Schreibstil ist warmherzig und voller Liebe für die Figuren, Bücher und den Wohlfühlort einer Buchhandlung, der gleichzeitig Flucht in andere Welten und Zuhause ist.

"Kein Sommer ohne August" ist ein Roman über Freundschaft, Liebe und zweite Chancen, der stark charakterorientiert ist und die äußere Rahmenhandlung etwas monoton hält.

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Veröffentlicht am 05.06.2026

Geld allein macht nicht glücklich - kritisch-humorvoller Blick in das Leben der weißen Oberschicht in New York City

Pineapple Street
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Sasha stammt aus einer Mittelschicht-Familie in Neuengland und hat in die Stockton-Familie eingeheiratet. Zusammen mit ihrem Ehemann Cord wohnt sie in dem ehemaligen Wohnhaus ihrer Schwiegereltern in der ...

Sasha stammt aus einer Mittelschicht-Familie in Neuengland und hat in die Stockton-Familie eingeheiratet. Zusammen mit ihrem Ehemann Cord wohnt sie in dem ehemaligen Wohnhaus ihrer Schwiegereltern in der Pineapple Street, wo sie sich in einer Mischung aus Antiquitätenladen und Messie-Haushalt wiederfindet. Auch innerhalb der Familie fühlt sie sich als "Goldgräberin" nicht wohl, sondern ausgegrenzt.
Darley ist die älteste Tochter der Stocktons, verheiratet mit dem nicht-weißen Malcolm und Mutter zweier Kinder. Ihren Beruf hat sie aufgegeben und fühlt sich, reduziert auf die Rolle als Tochter reicher Eltern, nutzlos.
Auch ihre jüngere Schwester Georgiana ist trotz des Erbes eines Immobilienvermögens im Rücken nicht sorgenlos, hat sie sich doch unglücklich in einen Kollegen verliebt.

Der Roman wird abwechselnd aus den Perspektiven der drei Frauen geschildert, die alle für sich privilegiert, aber nicht ohne Probleme sind.
Die Figuren sind lebensecht und auch wenn einem das millionenschwere Luxusleben fremd ist, kann man sich sehr gut in sie hineinversetzen. Sie zeigen Unsicherheiten, hinterfragen ihre Rollen und Lebensentwürfe, wobei Darley und Georgiana ihren Snobismus nie ganz ablegen können und in ihrer eigenen Welt gefangen sind. Diese unsensible Seite bekommt vor allem Sasha zu spüren, die sich dennoch um Zugehörigkeit bemüht.

Der Roman vermittelt einen kritisch-humorvollen Einblick in das Leben der weißen Oberschicht in New York. Es geht um Familie, die Beziehungen untereinander, gesellschaftliche Verpflichtungen und die Suche nach Identität sowie um Klassenunterschiede und Rassismus. Durch die wechselnden Perspektiven und unterschiedlichen Wahrnehmungen ist das Buch abwechslungsreich und unterhaltsam, auch wenn wirklich fesselnde Momente ausbleiben.
Im Verlauf der Handlung wird eine Entwicklung der Hauptcharaktere in eine positive Richtung erkennbar, was auch zu einem harmonischen Ende führt und die Bedeutung der Familie unabhängig vom Finanzstatus betont.

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Veröffentlicht am 03.06.2026

Packender Thriller mit unerwarteten Wendungen und Verzweiflungstaten in unfassbarem Ausmaß

Weil sie lügt
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Juliane Brunner ist seit anderthalb Jahren verschwunden. Ihre Familie ist an dem Verlust zerbrochen. Der Vater wird verdächtigt, seine Tochter getötet zu haben und ist in Untersuchungshaft. Die Mutter, ...

Juliane Brunner ist seit anderthalb Jahren verschwunden. Ihre Familie ist an dem Verlust zerbrochen. Der Vater wird verdächtigt, seine Tochter getötet zu haben und ist in Untersuchungshaft. Die Mutter, die bereits davor depressiv war, hat sich lethargisch in ihre eigene Welt zurückgezogen. Julis jüngere Schwester Anna kümmert sich so gut es geht um den kleinen Bruder Leon und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser.
Kurz vor Anklage des Vaters ergeben sich neue Spuren in dem Fall. Wohnung und Keller der Familie werden erneut durchsucht und lassen Erschütterndes zu Tage treten. Während Anna weiterhin an die Unschuld ihres Vaters glaubt, geht die Polizei nun davon aus, dass es sich bei dem Familienvater um einen Serienmörder handeln könnte.

Der Roman wird wechselseitig aus der Perspektive der Schwester der Vermissten und der leitenden Ermittlerin in dem mutmaßlichen Mordfall, Katharina Engels, geschildert. Die Kapitel sind kurz und enden häufig mit Cliffhangern, was für Dynamik und anhaltende Spannung sorgt.

Annas Verzweiflung über den Verlust der Schwester und die Last der Verantwortung für die Familie ist spürbar. Ihr Leben scheint damit komplett aus den Fugen geraten, denn in ihrer freien Zeit beschäftigt sie sich unaufhörlich damit, den wahren Täter zu finden.
Währenddessen ermittelt die Polizei in dem Fall weiter, der nicht nur mit dem Fund von Überresten eines Skeletts im Keller der Familie Brunner, sondern auch mit einem weiteren Leichenfund im Umkreis der Familie eine überraschende Wende erhält.

"Weil sie lügt" ist eine Spurensuche aus zwei Perspektiven, die sich unerwartet und wendungsreich entwickelt. Nicht nur aufgrund des Titels fragt man sich, wem zu trauen ist und bei welchen neuen Erkenntnissen, es sich um falsche Fährten handelt. Der Fall der vermissten Juliane wird größer, als gedacht, offenbart Verzweiflung und dunkle Geheimnisse. Dabei ist der Roman mehr als nur ein Thriller mit spannenden Ermittlungen, handelt er doch auch von einer gebrandmarkten Familie, falschen Verdächtigungen und der Last von Schuldgefühlen, die Emotionen wecken und bietet damit die perfekte Mischung aus Spannung und Drama.

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Veröffentlicht am 01.06.2026

Innerer Monolog über Einsamkeit und das Gefühl, nicht dazuzugehören - vor dem Hintergrund des sensiblen Themas erstaunlich wenig berührend

Sister, Sister
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Ausgehend vom Klappentext und beschrieben als "liebevolles Porträt von Schwesternschaft" hatte ich eine andere Art der Geschichte erwartet. Der Klappentext fasst vielleicht die Lebensumstände der beiden ...

Ausgehend vom Klappentext und beschrieben als "liebevolles Porträt von Schwesternschaft" hatte ich eine andere Art der Geschichte erwartet. Der Klappentext fasst vielleicht die Lebensumstände der beiden Schwestern knapp zusammen, nicht aber den Inhalt des Buches.

Der Roman ist in drei Teile untergliedert, wobei der erst längste Abschnitt 21 Versuche eines Abschiedsbriefes Sigrids auf der Grundlage von Tagebucheinträgen beschreibt. Ich verrate nicht zu viel, dass es sich dabei um Suizid handelt, wie auch die Triggerwarnung eingangs auf den Roman vorbereitet.
Der zweite Abschnitt ist die Reaktion Margits darauf, der letzte Sigrids Therapie-Tagebuch.

Die unterschiedlichen Perspektiven sind Erinnerungen an die Kindheit und Jugend und Versuche der Rechtfertigung oder Erklärung für die Todessehnsucht. Dabei kommt es zu Widerrufen und Offenbarungen von Lügen, die irritieren und sowohl Sigrid als auch Margit zu unzuverlässigen Erzählerinnen machen.

Der Roman besteht aus andauernden inneren Monologen und zum Teil absurden Gedankenstrudeln aufgrund der blühenden Fantasie beider Schwestern. Dabei kommt es zu zahlreichen Wiederholungen im Hinblick auf die gemeinsame Vergangenheit, was Sigrid bewegt und was möglicherweise der Auslöser für ihren Selbstmordversuch gewesen sein könnte.

Anders als gedacht, ist die Beziehung der Schwestern zu einander nur ein Randaspekt der Erzählung. Es geht vielmehr um Einsamkeit, das Gefühl, nicht "normal" zu sein, nicht dazuzugehören und den Wunsch, nicht erwachsen zu werden. Dazu kommen die äußeren Umstände in der homophoben Kleinstadt, Queerness, die Opiodkrise, eine verlorene Freundschaft und die Schuldgefühle deswegen, die Sigrid belasten.
Neben dem sensiblen Inhalten Suizid/ Selbstmordversuch sind es viele weitere bewegende Themen, die am Ende erschreckend wenig berühren können, macht es der Erzählstil doch schwer, Zugang zur Hauptfigur zu erhalten.

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Veröffentlicht am 30.05.2026

Unterhaltsam und spannend, aber das Konstrukt des Krimis überzeugt am Ende leider überhaupt nicht

Akte Nordsee - Die letzte Predigt
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In Estherwiek wird die Silberne Konfirmation gefeiert, bei der alte Wunden an einen Unfall während des Konfirmanden-Zeltlagers wieder aufreißen. Auch die ehemalige Konfirmandin Lena, die anlässlich des ...

In Estherwiek wird die Silberne Konfirmation gefeiert, bei der alte Wunden an einen Unfall während des Konfirmanden-Zeltlagers wieder aufreißen. Auch die ehemalige Konfirmandin Lena, die anlässlich des Jubiläums aus Hamburg in ihre Heimat zurückgekommen ist und eine Änderung des Sorgerechts für ihren Sohn erstreiten möchte, ist wenig willkommen. Ein vertrauliches Gespräch mit dem Pastor ermuntert diesen zu einer scharfen Predigt um Gerechtigkeit und Verrat, die Fragen aufwirft.
Zwei Tage später sind sowohl der Pastor als auch Lena tot. Niklas John hatte Lena zuletzt gesehen und gerät deshalb ins Visier der Polizei. Die Anwältin Fentje Jacobsen, die sich vor Kurzem von Niklas getrennt hatte, hält die beiden Todesfälle für keinen Zufall und stellt Nachforschungen an, um Niklas zu unterstützen, während die Polizei eine falsche Spur zu verfolgen scheint.

"Die letzte Predigt" ist der vierte Band der Krimireihe "Akte Nordsee" um die Anwältin Fentje Jacobsen und den Journalisten Niklas John, die sich durch ihre gemeinsamen Ermittlungen in früheren Kriminalfällen emotional näher gekommen sind.

Der Roman beginnt sehr gemächlich und stellt zunächst auf die Beziehungen der verschiedenen Protagonisten ab, die mitunter schwierig sind. Bis die erste Leiche gefunden wird und man das Gefühl erhält, einen Krimi zu lesen, vergehen mehr als hundert Seiten. Der Klappentext fasst mehr als die Hälfte des Romans zusammen und verrät damit vorab auch schon zu viel über die zweite Leiche und eine mögliche Involvierung von Niklas, wobei der Verdacht gegen ihn letztlich gar keine gravierenden Auswirkungen hat.

Wie in den Bänden zuvor, folgen Fentje und Niklas ihren Instinkten und gehen mitunter unkonventionelle Wege, um mehr Informationen über die beiden Toten und die Umstände ihrer Tode zu erfahren. Befragungen in Lenas Umfeld ergeben Bezüge zum Prolog, der im Vorfeld nur schwer einzuordnen war.

Das Finale ist unleugbar spannend, aber die Vorgehensweise der Täter dilettantisch und fast schon ärgerlich idiotisch. Am Ende wird dem Leser durch einen Dialog zwischen Fentje und Niklas zwar eine Erklärung für die Ereignisse geliefert, die aber in keiner Weise überzeugt. Weder der erste noch der zweite Mord, noch der Mordversuch (unter Zeugen!) waren nötig. Das ganze Konstrukt des Romans mit vielen unnötigen Nebenschauplätzen, Polizeiversagen und dem richtigen Riecher der beiden Hauptfiguren ist zwar unterhaltsam, wirkt am Schluss aber nicht stimmig.

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