Interessantes, historisches, aber doch stellenweise sehr zähes Zeitzeugnis der Epoche der Aufklärung.
Die LungenschwimmprobeMit 700 Seiten war dieser historische Roman, der auf einer wahren Begebenheit beruht, durchaus herausfordernd, zumal er natürlich sprachlich an die Zeit um 1680 angepasst und teilweise doch auch sehr langatmig ...
Mit 700 Seiten war dieser historische Roman, der auf einer wahren Begebenheit beruht, durchaus herausfordernd, zumal er natürlich sprachlich an die Zeit um 1680 angepasst und teilweise doch auch sehr langatmig und stellenweise langweilig ist.
Dennoch erkenne ich die viele Arbeit an, die der Autor, der Verlag, die Übersetzer etc. hier reingesteckt haben. Wer Fan historischer Aufzeichnungen, alter Sprache, deutscher Geschichte, medizinischen Praktiken, sowie der Epoche der Aufklärung ist, der ist mit diesem Buch auf jeden Fall gut bedient.
Es hatte durchaus seine spannenden, tragischen und herzzerreißenden Momente. Man hat dem Autor die Liebe zu diesem Fall angemerkt. Es war interessant in diese Zeit einzutauchen, in der Kirchen die Wissenschaft verteufelten, weil sie um ihre Macht und Deutungshoheit Angst hatten.
Es geht um die 15-jährige Anna Voigt vom Gut Greitschütz nähe Leipzig, die eine Totgeburt erlitten hat, der aber vorgeworfen wird, ihr Kind zusammen mit ihrer Mutter umgebracht zu haben. Sie erwartet die Hinrichtung. Doch ihr Vater versucht alles, um sie zu retten und engagiert den Anwalt Christian Thomasius.
Er will mit Hilfe des angesehen Dr. Schreyers und seiner sog. Lungenschwimmprobe beweisen, dass das Kind nie gelebt hat. Aber die Theologen und Richter wollen von diesem neumodischen Unsinn nichts wissen.
Der Verfall von Anna und Zerfall der gesamten Familie Voigt, was ihnen angetan wird, diese ganze Ungerechtigkeit und das barbarische Verhalten, ist natürlich sehr tragisch und nicht schön zu lesen. Zum Glück sind diese Zeiten vorbei.