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Veröffentlicht am 02.11.2017

Gebrauchsanleitung für den Bürger der Zukunft

Homo Deus
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In Homo Deus (übersetzt etwa "göttlicher Mensch") beschreibt Yuval Noah Harari die Zukunft des jetzigen Menschen, des Homo sapiens.
Er beschreibt, woher wie kommen, warum wir sind, wie wir sind und mögliche ...

In Homo Deus (übersetzt etwa "göttlicher Mensch") beschreibt Yuval Noah Harari die Zukunft des jetzigen Menschen, des Homo sapiens.
Er beschreibt, woher wie kommen, warum wir sind, wie wir sind und mögliche Zukunftsperspektiven.
Es ist ein Sachbuch mit etwa 537 Seiten (zzgl. Anhänge).

Der Autor Harari wurde 1976 in Israel geboren und ist Lehrbeauftragter an der Hebrew University in Jerusalem für Weltgeschichte. Er schrieb bereits den Bestseller "Eine kurze Geschichte der Menschheit".

Harari beginnt mit einem Einführungskapitel, in dem man die Richtung des Buches erahnen kann und in dem wichtige Grundbegriffe geklärt werden.

Anschließend geht es in drei Hauptkapiteln weiter damit, wie wir die Welt erobern konnten, wer oder was uns bisher einen Sinn gegeben hat und anschließend endet es mit einer Vision unserer Zukunft.

Der Autor verbindet die Bereiche Wissenschaft, Religion, Biologie, Medizin, Soziologie sowie Philosophie und viele mehr...
Das Werk liest sich wie eine Gebrauchsanleitung für uns selbst, die keinem vorenthalten sein sollte.
Nichtsdestotrotz kann die Erzählweise des Autors verstörend und provozierend sein und ich selbst war mehrfach in der Versuchung, die Lektüre zu beenden, doch ich war ebenso fasziniert.

Das Buch ist gleichermaßen eine Verpflichtung und ein Versprechen: Es erfordert vom Leser viel Konzentration und Vorstellungskraft, doch im Gegenzug offenbart Harari Einsichten, die einen im wahrsten Sinne des Wortes von den Socken hauen.
Es ist eine Aufforderung, einmal den Kopf zu heben und über den Rand des Gummiboots zu schauen, in dem wir alle sitzen und das uns flussabwärts in einer dramatischen Geschwindigkeit mit sich führt. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, darf jeder für sich selbst entscheiden - Hauptsache, wir tun es.

Fazit: Klare Leseempfehlung für Lesestunden mit voller Konzentration. Keine Wohlfühllektüre für den Feierabend. Dieses Buch ist das Kleingedruckte in den AGBs der Menschheit, die sonst nie jemand liest.

Veröffentlicht am 04.12.2017

Leichte Lektüre in der Leserunde

The Chosen One - Die Ausersehene
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Das E-Book "The Chosen One" von Isabell May habe ich im Rahmen einer Leserunde kennen gelernt. Es stammt aus dem Bereich Fantasy/ Young Adult.
Isabell May ist eine noch recht junge und mir unbekannte Autorin.

Worum ...

Das E-Book "The Chosen One" von Isabell May habe ich im Rahmen einer Leserunde kennen gelernt. Es stammt aus dem Bereich Fantasy/ Young Adult.
Isabell May ist eine noch recht junge und mir unbekannte Autorin.

Worum geht's?
Die junge Skadi ist ein Mädchen in einer ganz besonderen Gesellschaft: Eine Seuche hat dazu geführt, dass die allermeisten Frauen unfruchtbar wurden. Daher hat eine allmächtige Regentin ein System etabliert, in dem die wenigen fruchtbaren Frauen mit allem Luxus in einer Burg unter ihrer Aufsicht leben und ihre einzige Aufgabe darin besteht, dem Volk Kinder zu gebären - von ausgesuchten, jungen, kräftigen Männern gezeugt.
Sie steht kurz vor der ersten Erfüllung dieser Aufgabe und beginnt zu zweifeln...
Was sich daran anschließt, ist eine interessante Mischung aus Fantasy, Abenteuer und Romantik.

Und wie hat es mir gefallen?
Positiv aufgefallen sind mir vor allem das Cover, die angenehme Länge der Kapitel (bei meiner Lesegeschwindigkeit ca. 10 - 20 min) und der Austausch mit der herzlichen Autorin in der Leserunde!
Meine Erwartungen bezüglich des Themas wurden teilweise erfüllt. Alles wurde kurz beleuchtet, aber mir persönlich nicht tiefgreifend genug. Ich finde es besser, wenn man mit einem Buch in eine ganz neue Welt eintauchen kann und auch Nebenaspekte beleuchtet werden. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, ich erführe nur die für die Hauptstory notwendigsten Dinge. Andererseits gab es auch Passagen, die sich in die Länge zogen und keine Spannung aufbauten. Das führt natürlich zu einer schnell lesbaren Lektüre, was auch nicht unbedingt schlecht ist, aber mir fehlte da etwas.
Die Sprache ist recht einfach gehalten und man kann das Buch in einem Rutsch lesen. Zur Zielgruppe: Für mich als 26-jährige war das Thema etwas zu leicht und unbeschwert, ich würde das Buch daher definitiv auch U18-Leserinnen empfehlen.

Mein Fazit für euch!
Kaufen, wenn ihr eine leichte Lektüre für abends nach einem langen Tag erwartet mit einem interessanten Thema und einfacher Sprache.
Nicht kaufen, wenn ihr so richtig eintauchen wollt in eine neue Welt und ihr intensive Liebesgeschichten und fesselnde Abenteuer erwartet.

  • Cover
  • Charaktere
  • Gefühl
  • Idee
  • Lesespaß
Veröffentlicht am 26.10.2017

Leon hat mich in seine Kindheit mitgenommen

Mein Name ist Leon
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Mein Name ist Leon von Kit de Waal

Die Geschichte spielt in Großbritannien um das Jahr 1980. Leon ist ein (zunächst) neunjähriger, dunkelhäutiger Junge, der mit seinem Halbbruder Jake bei seiner Mutter ...

Mein Name ist Leon von Kit de Waal

Die Geschichte spielt in Großbritannien um das Jahr 1980. Leon ist ein (zunächst) neunjähriger, dunkelhäutiger Junge, der mit seinem Halbbruder Jake bei seiner Mutter Carol lebt. Seine Mutter schafft es aufgrund körperlicher und psychischer Probleme nicht, sich um die beiden Jungen zu kümmern und vernachlässigt sie mehr und mehr.
Leon übernimmt eine liebevolle Bruder-Rolle und versucht, die Verhältnisse zu verheimlichen und hilft so gut er es eben kann.
Doch alles kommt anders, als eines Tages die Behörden auf die Familie aufmerksam werden...

Kit de Waal hat viele Jahre als Anwältin für Familienrecht gearbeitet und selbst zwei Kinder adoptiert. Diese Erfahrungen setzt sie in ihrem Roman glaubwürdig um. Zudem gibt es noch eine weitere Ebene in diesem Buch: den Rassismus insbesondere gegenüber dunkelhäutigen Immigranten. Auch dieser Aspekt findet sich in der Biographie der Familie der Autorin.

Ich habe mich anfang schwer getan mit der Erzählweise und der Handlung. Nach und nach habe ich aber immer mehr mitgefühlt mit Leon und konnte mich auch wieder richtig erinnern, wie ich selbst als Kind Dinge wahrgenommen habe.
Die Sprache ist recht einfach und man benötigt eben Einfühlungsvermögen in die Gedanken eines Kindes, um Freude an diesem Buch zu haben. Die Darstellung des Unterschieds zwischen der (Erwachsenen-)Realität und dem Empfinden und Erleben eines Kindes ist faszinierend.

Interessant ist auch, wie ganz nebenbei historische Aspekte einfließen, wie etwa die Hochzeit im Königshaus oder die irischen Unruhen.

Mein Fazit:
Wer mal wieder die Welt durch die Augen eines Kindes sehen möchte und nicht davor zurück schreckt, dass diese Kindheit keine guten Voraussetzungen mitbringt, findet hier ein dramatisches Buch, das einen aber auch immer wieder zum Lächeln bringt.