Ein Must Read!
NEMESIS' TÖCHTERNormalerweise benutze ich keine Worte wie „Must-Read“ für eine Rezension. Jeder Mensch hat einen eigenen Geschmack, eigene Themen, die ihn berühren – und das ist gut so. Warum ich diesmal trotzdem mit ...
Normalerweise benutze ich keine Worte wie „Must-Read“ für eine Rezension. Jeder Mensch hat einen eigenen Geschmack, eigene Themen, die ihn berühren – und das ist gut so. Warum ich diesmal trotzdem mit genau diesem Titel starte?
Weil dieses Thema so wichtig ist wie selten zuvor.
Wir erleben derzeit ein Umdenken – oder vielleicht besser gesagt: ein Rückdenken. Männer, die sich patriarchale Zeiten zurückwünschen, obwohl diese nie wirklich geendet haben. Frauen werden nach wie vor systematisch klein gehalten – oft mit der scheinheiligen Frage: „Was wollt ihr denn noch? Ihr seid doch längst gleichberechtigt.“
Doch wer genauer hinsieht, erkennt: Das Patriarchat existiert weiterhin – subtiler, verdeckter, aber nicht weniger gefährlich.
Das Buch bietet einen eindrucksvollen Exkurs über die Dämonisierung von Frauen – in der Geschichte, der Mythologie, der Religion und unserer Gegenwart. Besonders eindrucksvoll ist der geschichtliche Einblick in die Zeit der sogenannten Hexenverbrennungen. Diese endlich als das anzuerkennen, was sie wirklich waren – systematische Frauenmorde, ein massenhafter Femizid – ist überfällig. Stattdessen wird dieses grausame Kapitel heute oft verharmlost: Man feiert Halloween, verkleidet sich als „Hexe“ und spielt mit einer Symbolik, deren Ursprung unermessliches Leid bedeutete. Die eigentliche Bedeutung wird damit heruntergespielt – und das ist schmerzhaft, wenn man sich der historischen Realität bewusst wird.
Noch immer werden Frauen als zickig, emotional oder hysterisch bezeichnet – für Verhaltensweisen, für die Männer gelobt oder augenzwinkernd entschuldigt werden. Diese Absurdität tut weh, und doch ist sie real.
Dieser Text – und das Buch – sind kein Aufruf zu Männerhass. Sie sind ein Appell:
Frauen endlich wirklich gleichzusetzen.
Nicht mehr von ihnen zu verlangen als von Männern.
Und sie nicht zu degradieren, nur weil sie unbequem sind, wenn sie die Wahrheit aussprechen.
Männer mussten nie für ihre Rechte kämpfen.
Frauen tun es bis heute.