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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.02.2026

Perfekt unperfekt

Love and be loved
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Für die einen zu schlicht und zu unperfekt, für die anderen liebevoll und rückbesinnend. Cleo Wade hat mit diesem Buch ein Werk voller Zuneigung für ihre Töchter geschaffen. Begonnen hat alles ...

Für die einen zu schlicht und zu unperfekt, für die anderen liebevoll und rückbesinnend. Cleo Wade hat mit diesem Buch ein Werk voller Zuneigung für ihre Töchter geschaffen. Begonnen hat alles mit einem Gedicht, aus dem schließlich ein illustriertes Geschenkbuch beziehungsweise Bilderbuch entstanden ist.

Die Illustrationen sind einfach, kindlich, fast so, als wären sie nebenbei hingekritzelt, ohne künstlerischen Anspruch oder technische Raffinesse. Genau das mag viele stören. Für mich jedoch liegt darin der Charme des Buches und die konsequente Spiegelung seiner Botschaft. Es geht um liebevolle Wünsche, um Bestärkung darin, man selbst zu sein, den eigenen Weg zu gehen, das zu tun, was man mag, und das Leben auszukosten, unabhängig vom ständigen Druck, sich anzupassen.

Gerade um diesem Anpassungsdruck zu widersprechen, wirken die farbigen Scribbles so stimmig. Technisch saubere, perfekte Illustrationen hätten die Message verfehlt. Auch der Text bleibt bewusst einfach. Keine große Poesie, keine sprachlichen Kunststücke, sondern klare, herzliche Gedanken, die der Seele guttun.

Es ist weder ein herausragendes Werk in Bezug auf Sprache noch auf Kunst, aber eines in Bezug auf Herz und Haltung. Ein leiser, warmer Gegenentwurf zum allgegenwärtigen Perfektionswahn.

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Veröffentlicht am 06.02.2026

Nicht ganz überzeugend

Vesselless – Mein verräterisches Herz
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Die Ideen des Romans sind interessant, doch die Umsetzung zieht sich stellenweise sehr in die Länge. Man merkt deutlich, dass es sich um einen Debütroman handelt. Vieles wirkt gewollt, manches ...

Die Ideen des Romans sind interessant, doch die Umsetzung zieht sich stellenweise sehr in die Länge. Man merkt deutlich, dass es sich um einen Debütroman handelt. Vieles wirkt gewollt, manches dadurch überfrachtet oder zu stark ausgeschmückt, sodass unterwegs immer wieder Spannung verloren geht. Zudem hatte ich mir inhaltlich etwas anderes erhofft, insbesondere einen stärkeren Fokus auf Geister statt auf Krieg. Im Zentrum steht Nizzara, die für ihren tyrannischen Vater die kalte und beherrschte Kriegerin spielt, innerlich jedoch barmherzig ist und dem eisernen Palast nur zu gerne entfliehen würde. Dagen, ein sogenannter Deathwalker, soll ihre reine Seele stehlen, um selbst frei zu werden. Daraufhin beobachtet er sie zunächst lange, beginnt mit ihr zu sprechen, und so verläuft ihre erste Begegnung eher sanft als dramatisch.

Allgemein wird man wie durch einen Strudel aus kleineren und größeren Ereignissen in eine Welt gezogen, in der Vertrauen Mangelware ist. Der Fokus liegt stark auf dem bloßen Erhalt der eigenen Person, denn jeder falsche Schritt kann buchstäblich den Kopf kosten. Zuneigung zeigt sich in kleinen Momenten und vermehrt durch Gesten. Das gefiel. Die langsame Annäherung der Figuren und der Umstand, dass die Beziehung nicht sofort von null auf Liebe springt, haben mir ebenfalls gefallen. Dennoch empfand ich Daggen und Nizarra als Hauptfiguren nicht als interessant genug, um dauerhaft zu fesseln.

Das Buch weist einige deutliche Längen auf, und dranzubleiben wurde stellenweise fast zu einer Ausdauerprobe. Zwar wird man zwischendurch belohnt, doch es dauert zu lange, bis die Handlung eine Dynamik entwickelt, die einen wirklich nicht mehr loslässt. Meistens fiel es mir leicht, das Buch zur Seite zu legen, ohne groß weiter darüber nachzudenken. Was bei mir eher selten vorkommt.

Sprachlich ist der Roman gut geschrieben, emotional gepackt hat er mich jedoch nicht. Worldbuilding und Magiesystem sind zwar durchdacht, trafen in den Details aber schlicht nicht meinen Geschmack. Das betrifft sowohl die Beschreibungen als auch die Art, wie die Magie eingesetzt wird. Jeder scheint eine sogenannte Vessel zu besitzen, an die Geister gebunden und im Kampf genutzt werden, wobei sich die Magie häufig in Form von energetischen Kugeln äußert. Auch Nizarras persönlicher Konflikt konnte mich nicht vollständig überzeugen. Sie soll auf Befehl ihres Vaters heiraten, will das jedoch nicht und sehnt sich nach Freiheit. Obwohl sie weiß, was sie nicht will und auch dafür kämpft, bleibt sie ihrem Vater gegenüber oft sehr passiv. Das ist angesichts seines unberechenbaren Charakters nachvollziehbar, dennoch fehlte mir eine klarere Positionierung und Entwicklung ihrer Figur.

Insgesamt bin ich sehr unsicher, ob ich den zweiten Teil lesen werde. Zeitweise hatte ich beim Lesen kaum Freude und fühlte mich eher, als müsste ich mich durchkämpfen. Dabei sind einige gute Ideen vorhanden, für meinen persönlichen Geschmack jedoch nicht stimmig umgesetzt.

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Veröffentlicht am 05.02.2026

Gutes Debüt mit deutlichen Schwächen

Nightweaver
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Am Anfang war ich begeistert: düster, atmosphärisch, abenteuerlich, mysteriös. Dieses Gefühl hielt auch eine ganze Weile an. Bis zu einem für mich zentralen Logikproblem bei der Entwicklung der ...

Am Anfang war ich begeistert: düster, atmosphärisch, abenteuerlich, mysteriös. Dieses Gefühl hielt auch eine ganze Weile an. Bis zu einem für mich zentralen Logikproblem bei der Entwicklung der gesamten Piratenfamilie zu Dienern. Für derart rebellische Figuren gab es mir schlicht zu wenig Widerstand. Da ich das Leben am Hof der Nightweaver jedoch zunächst sehr spannend fand, sah ich darüber hinweg.

Die Welt dieses Fantasy-Spektakels ist insgesamt extrem düster und brutal. Die Gewalt wird sehr explizit geschildert, ohne Umschreibungen oder Andeutungen. Das sollte man wissen, für empfindlichere Gemüter ist das definitiv nichts.


Problematisch wurde für mich vor allem der Mittelteil, der stellenweise fast soapig wirkte. Vermutlich der erwähnte "Downton-Abbey-Anteil". Da ich die Serie selbst nie gesehen habe, kann ich hier nur mutmaßen. Der erhoffte "Fluch-der-Karibik-Vibe" war leider nur am Anfang und zum Ende hin wirklich präsent. Das eigentliche Piratenleben wurde mir insgesamt zu wenig beleuchtet.

Aster als Hauptfigur gefiel mir nur durchschnittlich gut, was vor allem am Schreibstil lag. Statt ihre Gefährlichkeit und ihren Ruf über Handlungen und Szenen zu zeigen („show, don’t tell“), wird sehr häufig wiederholt, dass sie eine Piratin ist und eine Neigung zur Gewalt hat. Das wirkte auf mich eher behauptet als erlebbar. Allgemein fehlte mir Tiefe bei den Charakteren und ihren Entwicklungen. Es wirkte häufig eher konstruiert, als organisch durch die Handlung angetrieben.

Grundsätzlich ist das Buch stark erzählerisch angelegt. Das Worldbuilding gefiel mir dabei durchaus, auch wenn ich verstehen kann, dass genau das viele Leser:innen abschreckt. Es wird viel zur Lore der verschiedenen Wesen erklärt, ebenso wie zum politischen Aufbau der Welt. Von der Grausamkeit her fast ein Game of Thrones. Die Wesen in ihrer Vielfalt ein bunter Mix aus vampirähnlichen Kreaturen und einer Angels vs. Demons-Atmosphäre. Das System an sich fand ich spannend genug, um mich darauf einzulassen, allerdings erfordert es konzentriertes Lesen. Hinzu kommt eine große Anzahl an Figuren, von denen ich einige beim Lesen eher „ausgeblendet“ habe, was später zu kleineren Verständnisproblemen führte.

Insgesamt haben mir vor allem Anfang und Ende sehr gut gefallen. Auf den erzählerischen Stil, die explizite Gewalt und den soapigen Mittelteil muss man sich einlassen können. Als Neuinterpretation mythologischer Motive ist das Buch für mich durchaus gelungen. Wegen des sehr langatmigen Mittelteils (insbesondere der vielen oberflächlichen Beziehungsdynamiken, die mich persönlich eher langweilen) vergebe ich 3,5 Sterne. Aufgerundet auf 4.

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Veröffentlicht am 29.01.2026

Leben in Traumstädten

Der chinesische Kompass
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Am Anfang der Geschichte lernen wir Lai Fang kennen, die Teile ihrer Erinnerung verloren hat, sich jedoch noch an ihren Vater erinnert. Ihre Suche nach ihm bleibt zunächst ergebnislos. Schließlich nimmt ...

Am Anfang der Geschichte lernen wir Lai Fang kennen, die Teile ihrer Erinnerung verloren hat, sich jedoch noch an ihren Vater erinnert. Ihre Suche nach ihm bleibt zunächst ergebnislos. Schließlich nimmt sie die Hilfe von Suresh in Anspruch, den sie über Online-Dating kennenlernt. Ab diesem Punkt wird es schwierig, ihre Beziehung spoilerfrei wiederzugeben, weshalb ich in der Handlung etwas vorspringe.

Der angekündigte Fantasyanteil entfaltet sich vor allem in der zweiten Hälfte des Romans. Um der Überbevölkerung der Welt entgegenzuwirken, haben die Chinesen einen Weg gefunden, sogenannte Traumstädte zu errichten und dort zu leben. In diesem Kontext stößt Lai schließlich auf eine heiße Spur, die sie ihrem Vater näherbringt.

Das Buch liest sich sehr schnell weg – die rund 200 Seiten hatte ich innerhalb eines Tages durch. Damit sind wir auch direkt bei den Stärken des Romans: Diese liegen eindeutig in seinen Ideen. Der entworfene fantasievolle Teil ist innovativ, spannend und eng mit politischen sowie gesellschaftlichen Problematiken verknüpft. Vieles wird durch eine Mischung aus Fantasie und Wissenschaft erklärt, was dem Worldbuilding eine gewisse Plastizität verleiht. Allerdings wird dieser Ansatz nicht konsequent durchgehalten.

Den Mittelteil habe ich als stimmig empfunden. Zum Ende hin wirkt die Handlung jedoch übereilt: Viele Aspekte werden nicht ausreichend erklärt oder zufriedenstellend zu Ende geführt. Es bleiben mehr Fragen als Antworten. Das kann zwar ein bewusstes Stilmittel sein, um zum eigenständigen Nachdenken anzuregen, geht hier jedoch leider auf Kosten von Story und Kontinuität.

Auch der Einstieg wirkt überhastet. Die Entwicklung der Beziehung zwischen Lai und Suresh erschien mir bereits auf den ersten Seiten fragwürdig. Ein ausführlicherer Beginn, der beide Figuren facettenreicher darstellt, hätte eine stärkere emotionale Bindung ermöglichen können. So bleibt beispielsweise unklar, warum Lai Drogen von Suresh annimmt, obwohl sie ihn kaum kennt. Die Beziehung wirkt wie eine flüchtige Bekanntschaft, der sie plötzlich vollkommen vertraut.

Insgesamt ist es eine Geschichte mit wirklich starken Ideen und großem Potenzial, dessen Umsetzung jedoch nicht durchgehend überzeugt. Weitere 100 bis 150 Seiten hätten der Story gutgetan und ihr mehr Tiefe, Details und erzählerische Ruhe verleihen können.

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Veröffentlicht am 28.01.2026

Wenn Fantasy Gesellschaft hinterfragt

How to Kill Fate (Fate Dilogie, Bd. 2)
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Ich habe bereits den ersten Teil sehr gerne gelesen, und auch dieser Band konnte die Geschichte für mich überzeugend abschließen.

Das Finale der Dilogie setzt nahtlos dort an, wo Band 1 endet. In der ...

Ich habe bereits den ersten Teil sehr gerne gelesen, und auch dieser Band konnte die Geschichte für mich überzeugend abschließen.

Das Finale der Dilogie setzt nahtlos dort an, wo Band 1 endet. In der Geschichte steckt dabei so viel, dass zwei Bände fast zu knapp wirken. Man findet philosophische Ansätze ebenso wie zahlreiche kleinere und größere Parallelen zu Geschichte und Politik. Gesellschaftskritik ist allgegenwärtig, ebenso Anspielungen auf das Patriarchat. Die Fülle an tiefsinnigen Dialogen und Gedanken macht einen Reread absolut lohnenswert. Allein schon, um sich in Ruhe Zitate zu notieren.

Ich lese selten mehr als ein Buch pro Autor*in, da ich mich meist thematisch orientiere. Saskia Louis gehört jedoch eindeutig zu den Ausnahmen. Von ihr habe ich bereits mehrere Bücher gelesen und wurde noch nie enttäuscht.

Ihre Fantasy-Romane besitzen stets eine große inhaltliche Tiefe und brechen bewusst mit klassischen Genre-Regeln. Auch hier stehen große Begriffe wie Schicksal, Glück, Zufall, Liebe und Krieg im Fokus. Allerdings ohne sie klischeehaft zu behandeln. Stattdessen werden diese Konzepte hinterfragt, ohne dass die Geschichte sich in rein philosophischen Diskussionen verliert. All das ist eng mit einer spannungsvollen Handlung verwoben.

Ein besonderes Lob gilt der Ausarbeitung des Charakters Nevin sowie den Gedanken und Gesprächen, die durch ihn entstehen. Die Art, wie er in die Handlung eingeflochten wird, wirkt dabei perfekt unperfekt. Vor allem liebe ich, dass durch ihn das Thema freundschaftliche Liebe beleuchtet und als gleichwertig zur romantischen Liebe dargestellt wird. Ist man erst etwas wert, wenn man einen „Seelenpartner“ an der Seite hat oder haben möchte? Nein – wir geben uns unseren Wert selbst. Eine wundervolle Hommage an die Mehrdimensionalität von Liebe, ohne dabei in Kitsch abzurutschen.

Alle, die genug von klischeehafter Romantasy haben, sollten hier definitiv einen Blick hineinwerfen. Diejenigen, die Band 1 gelesen haben und mochten sowieso.

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