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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.04.2026

Starker Aufbau, etwas zu erklärendes Ende

Guilty Pleasure
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Willkommen im Hotel Guilty Pleasure. Wir wünschen Ihnen einen unangenehmen Aufenthalt.

Ich lese selten Thriller, doch dieser hat sofort meine Neugier geweckt und mich nicht enttäuscht. Wir begleiten fünf ...

Willkommen im Hotel Guilty Pleasure. Wir wünschen Ihnen einen unangenehmen Aufenthalt.

Ich lese selten Thriller, doch dieser hat sofort meine Neugier geweckt und mich nicht enttäuscht. Wir begleiten fünf Fremde bei ihrer Ankunft in einem geheimen Luxusresort, von dem niemand genau weiß, wo es sich befindet. Jeder von ihnen folgt seinen eigenen Regeln und hat ganz eigene Probleme zu bewältigen. Mit der Zeit verwebt sich alles immer stärker miteinander, und auch die Intensität steigt von Seite zu Seite.

Das Buch ist deutlich düsterer, als das Cover oder der Beginn der Geschichte vermuten lassen. Es enthält einige explizite Beschreibungen. Daher würde ich empfehlen, zumindest die Content Note am Ende des Buches zu überfliegen. Wer möchte, kann sich auf die fettgedruckten Begriffe beschränken. Um sich jedoch wirklich auf die emotionalen Herausforderungen vorzubereiten, sollte man sie vollständig lesen. Viele der angesprochenen Themen treten erst in der zweiten Hälfte des Thrillers stärker in den Vordergrund.

Der Schreibstil ist flüssig, und mir gefiel das fast kammerartige Setting, in dem sich die Intensität immer weiter steigert und die Handlungsstränge zunehmend miteinander verschmelzen. Eine große Wendung habe ich zwar früh vorhergesehen, dennoch hat es Spaß gemacht zu verfolgen, wie sie sich entfaltet. Das Ende wirkte auf mich etwas zu erklärend und hat die zuvor aufgebaute Spannung leicht abgeschwächt.

Insgesamt fühlte ich mich gut unterhalten, würde jedoch dazu raten, das Buch nicht unbedacht zu lesen. Es behandelt einige harte Themen und enthält eindringliche Beschreibungen. Für Leser*innen unter 18 Jahren ist es nicht geeignet.

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Veröffentlicht am 08.04.2026

Kalt wie Asphalt, warm im Herzen

Solange ein Streichholz brennt
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Dieses Buch ist leise, tief berührend und in seiner Wahrheit so kalt wie Asphalt. Ich habe jede Seite genossen. Alina und Bohm könnten auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein, doch dieser ...

Dieses Buch ist leise, tief berührend und in seiner Wahrheit so kalt wie Asphalt. Ich habe jede Seite genossen. Alina und Bohm könnten auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein, doch dieser Roman lädt dazu ein, tiefer zu schauen.
Er hinterfragt Leistungsdruck, den schönen Schein der Medienwelt und die Sensationsgier unserer Gesellschaft. Gleichzeitig gewährt er einen eindringlichen Einblick in das Leben auf der Straße, ganz ohne seltsame oder überzeichnete Klischees.
Jeder Moment wirkt authentisch und hallt nach. Nichts fühlt sich effekthascherisch an. Obwohl die Geschichte fiktiv ist, wirkt sie erstaunlich echt und kaum konstruiert. Man kann sich beim Lesen einfach treiben lassen und findet zugleich etwas zutiefst Bewegendes.
Wer tiefsinnige Geschichten liebt, die zum Nachdenken anregen, sollte diesem Buch eine Chance geben. Manche Szenen sind mir sehr nah gegangen und haben noch lange nachgewirkt.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Leise Eskalation mit eindringlichen Ende

Happy Head
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Welch Fiebertraum. Im allerbesten Sinne eines intensiven Leseerlebnisses.

Als ich den Klappentext gelesen habe, dachte ich zunächst, die Geschichte würde in Richtung sektenähnlicher Behaviour Modification ...

Welch Fiebertraum. Im allerbesten Sinne eines intensiven Leseerlebnisses.

Als ich den Klappentext gelesen habe, dachte ich zunächst, die Geschichte würde in Richtung sektenähnlicher Behaviour Modification Schools gehen. Da ich die Netflix-Dokumentation „Das Programm – Hinter den Kulissen der Disziplinierungsindustrie“ gesehen habe, bin ich vermutlich mit der Erwartung an deutlich krassere Szenen herangegangen. „Happy Head“ ist jedoch subtiler.

Man merkt von Anfang an, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. Dennoch dauert es eine Weile, bis sich die Ereignisse wirklich zuspitzen. Die Verbindung zur Dokumentation war dabei nur mein eigener Gedanke, denn die Inspiration des Autors liegt woanders. Der aktuelle Mental Health Trend hat ihn dazu bewegt, ein Setting zu erschaffen, in dem mit einem besseren, glücklicheren Leben geworben wird, während sich dahinter etwas Düsteres verbirgt. Das macht die Geschichte erschreckend aktuell.

Im Kern geht es um Manipulation und Gaslighting. Ich musste dabei auch an das Euthanasieprogramm des Zweiten Weltkriegs denken. Alles beginnt vergleichsweise harmlos und steigert sich zunehmend. Die Challenges werden immer intensiver. Teilweise fühlte ich mich auch an den Film „Das Experiment“ erinnert, der auf einem realen Fall basiert. Insgesamt bleibt es etwas abgeschwächt, da es sich um ein Jugendbuch handelt, dennoch ist es eindringlich und vor allem auf den letzten Seiten sehr fesselnd.

Zwischendurch empfand ich die Handlung jedoch als etwas schleppend. Möglicherweise lag das auch an meiner Erwartungshaltung. Die Charaktere sind sehr unterschiedlich angelegt, was ich grundsätzlich positiv sehe. Im Hinblick auf das Thema schwierige Jugendliche hätte ich mir jedoch stellenweise mehr Rebellion gewünscht. Bis auf wenige Ausnahmen bleiben die Teilnehmer des Happy Head Programms erstaunlich ruhig. Selbst Finn, der als schwierig beschrieben wird, wirkt weniger widerspenstig als erwartet. Natürlich ist mir bewusst, dass dies Teil der Inszenierung des Programms ist und um ihn bewusst ein bestimmtes Image aufgebaut wird. Trotzdem hätte ich mir hier etwas mehr Mut im Character Building gewünscht. Gerade im Mittelteil hätte das der Geschichte mehr Tiefe und Eigenständigkeit verleihen können.

Damit bleibt „Happy Head“ für mich ein sehr gutes Buch, das sein volles Potenzial nicht ganz ausschöpft. Am Ende konnte es mich jedoch überzeugen. Zwischenzeitlich war ich kurz davor, nur drei Sterne zu vergeben. Letztlich sind es starke vier Sterne geworden und ich würde am liebsten direkt mit Band zwei weitermachen.

Mein Fazit lautet daher: Dranbleiben lohnt sich. Die Spannung steigt.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Schatztruhe der Redensarten

Duden – Wer hat den Teufel an die Wand gemalt?
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Übersichtliches Nachschlagewerk zu über 700 Redensarten, gegliedert nach Stichworten von A bis Z. Schon optisch macht das Buch mit seinem grünen Design und den plakativen Illustrationen einiges her.

Sprache ...

Übersichtliches Nachschlagewerk zu über 700 Redensarten, gegliedert nach Stichworten von A bis Z. Schon optisch macht das Buch mit seinem grünen Design und den plakativen Illustrationen einiges her.

Sprache und ihr Ursprung haben mich schon immer fasziniert, und Redewendungen fand ich dabei besonders spannend. Der Duden-Verlag hat mit „Wer hat den Teufel an die Wand gemalt?“ ein ausführliches und zugleich sehr zugängliches Werk geschaffen. Zu jeder Redensart gibt es eine kurze Bedeutungserklärung sowie kompakte Informationen zu ihrem Hintergrund. Dabei führt das Buch durch ganz unterschiedliche Epochen und Themenbereiche.

Besonders interessant sind die zusätzlichen Sondertexte. Sie widmen sich zum Beispiel den Ursprüngen von Redensarten in der Religion, der englischen Sprache, im Handwerk oder im Mittelalter. Dadurch liest sich das Buch nicht nur wie ein Lexikon, sondern teilweise auch wie eine kleine Reise durch die Geschichte der Sprache.

Ich kann dieses Buch allen empfehlen, die sich für Sprache oder Geschichte interessieren. Aber auch für Leserinnen und Leser, die einfach gern ein paar spannende Anekdoten parat haben möchten. Zum Beispiel darüber, was der Spruch „Allerhöchste Eisenbahn“ mit einem deutschen Schriftsteller zu tun hat.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Die Wahrheit hinter dem Glanz

Letzter Akt
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Langsam und poetisch erzählt. Wenig Spannung, dafür viel Entschleunigung bis hin zu einem dramatischen letzten Akt, der alles umstürzt.

Obwohl das Buch mit rund 200 Seiten recht kurz ist, habe ich lange ...

Langsam und poetisch erzählt. Wenig Spannung, dafür viel Entschleunigung bis hin zu einem dramatischen letzten Akt, der alles umstürzt.

Obwohl das Buch mit rund 200 Seiten recht kurz ist, habe ich lange dafür gebraucht. Ich hatte etwas anderes erwartet: mehr schillernde Theater- und Künstlerszene und weniger ruhige Momente hinter den Kulissen. Tatsächlich geht es vielmehr um die Stille zwischen dem Glanz, um wahre Identität und das, was vom Leben bleibt, wenn die Maske fällt. Das funktioniert durchaus, ist aber ein anderer Ansatz, als ich zunächst vermutet hatte.

Der Roman ist in drei Teile beziehungsweise Akte gegliedert. Wir lernen die Schauspielerin Dora kennen, die sich von dem Künstler Victor angezogen fühlt. Er lebt eher zurückgezogen und getrennt von seiner Familie, mit gelegentlichen Besuchen seiner neunjährigen Tochter. Dora hingegen, in Deutschland geboren, führt ihr Leben in London, weit entfernt von ihren Wurzeln. Auch ihre Schauspielkarriere hat sie immer weiter von ihrer Herkunft entfernt. Wurde sie anfangs noch als „die Deutsche“ besetzt, änderte sich das mit wachsendem Bekanntheitsgrad.

Abschnitt für Abschnitt nähern wir uns Doras Jugend in den 1980er-Jahren. Eine Zeit, in der sie vieles verdrängt hat. Eine Zeit, die sie selbst als Ursprung ihrer Liebe zur Schauspielerei bezeichnet. Doch eigentlich geht es mehr um das Freilegen alter Wunden. Victor hilft ihr dabei, wenn auch auf ungewöhnliche Weise. Ein Porträt, das er von ihr malt, erweist sich als Spiegel ihrer Seele und führt sie zu der Begegnung mit einer Person, über die sie lange nicht mehr nachgedacht hat.

Der Titel „Letzter Akt“ bleibt auch nach dem Lesen mehrdimensional in seiner Bedeutung. Zwischendurch musste ich mich ein wenig zwingen weiterzulesen, da die Erzählung sehr ruhig ist und wenig passiert. Vor allem der Mittelteil wirkt etwas zäh. Gegen Ende jedoch fühlt sich der Rückblick in die 80er beinahe wie ein Schnitt an. Innerhalb der Geschichte verschmilzt dieser Abschnitt jedoch mit Victors Gemälde. Sein Bild wird zu einem Manifest jener Vergangenheit.

Damit ist es kein Buch, das durch Spannung oder Humor fesselt. Vielmehr ist es ein ruhiger, nachdenklicher Roman mit Mut zu leisen Tönen. Ein Roman, der seinen vollständigen Sinn erst zum Ende hin entfaltet und noch lange nachklingt.

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