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Veröffentlicht am 05.08.2023

Atmosphärische Krimiunterhaltung mit einer Superwoman

Madame le Commissaire und die Mauer des Schweigens
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Im Knaur Verlag erscheint Pierre Martins 10. Band der Krimireihe "Madame le Commissaire und die Mauer des Schweigens".

In Fragolin in der Provence geht es beschaulich zu, doch dann wird bei dem Abriss ...

Im Knaur Verlag erscheint Pierre Martins 10. Band der Krimireihe "Madame le Commissaire und die Mauer des Schweigens".

In Fragolin in der Provence geht es beschaulich zu, doch dann wird bei dem Abriss eines Ferienhauses ein eingemauertes Skelett gefunden. Ein Loch in der Schädeldecke deutet auf einen gewaltsamen Tod hin und Isabelle Bonnet übernimmt nur widerwillig auf Wunsch der Bürgermeisterin den Cold Case – schließlich widmet sie ihre Aufmerksamkeit lieber aktuellen Verbrechen. Überhaupt gilt ihr derzeitiges Interesse weniger dem Skelett-Fall als dem Verschwinden ihres Freundes Nicolas, der sie aus Marokko um Hilfe bittet.


Der Krimi startet mit einem absolut fesselnden Prolog einer stuntmäßigen Actionszene mit Superwoman Isabelle Bonnet, die sie kaum überlebt haben kann. Doch kaum hat man diese Aufregung hinter sich, erlebt man Isabelle lebend in einem Restaurant, wo sie über den eingemauerten Skelett-Fund unterrichtet wird. Während sie sich eher unwillig auf Chantals Wunsch hin mit dem Fall beschäftigt, erreicht sie ein Hilferuf von Nicolas aus Marokko. Daraufhin überlässt sie die Recherchearbeit bezüglich des Skeletts gerne ihrem verläßlichen Gehilfen Apollinaire und fliegt nach Marrakesch, wo sie ihre Kontakte spielen lässt und .
Der Fall des Skeletts führt zu einem unseriösen Finanzberater, der sich inzwischen in Haft befindet und auch die Vorbesitzer sind irgendwie auffällig, der Ehemann verschwand spurlos. Eine Mauer des Schweigens umgibt den alten Fall und so recht kann sich Isabelle auch nicht in den Fall einfühlen, denn gedanklich ist sie mehr mit ihrem Privatleben beschäftigt. Weder von Rouven noch von Nicolas hat sie in letzter Zeit etwas gehört. Als sie dann plötzlich ein Hilferuf von Nicolas aus Marokko erreicht, fliegt sie sofort nach Marrakesch und lässt ihre alten Kontakte zum Geheimdienst spielen.

In Marrakesch steckt Nicolas in Untersuchungshaft wegen eines Drogendeals, ihn dort hinauszuholen, erfordert einer besonderen Finte, die ihr alter Kollege Rachid genial, aber zwielichtig ersinnt und einfädelt.

Die Krimihandlung im Skelettfall und die Geheimnisse um Nicolas werden immer wieder eingebaut in genussvolle Szenen mit Champagner, Wein und kulinarischen Genüssen Südfrankreichs und Marokkos. Das sorgt für angenehme Wohlfühlstimmung zum Abschalten und schafft ein authentisches Bild von Urlaubserinnerungen. Der Krimifall schwächelt dieses Mal allerdings etwas, denn als gewiefte Kommissarin müsste Isabelle schneller darauf kommen, dass der Täter auch das Opfer sein könnte.

Es stört mich zunehmend, dass Isabelle in diesen Krimis immer mehr zur Superheldin mutiert und sogar ziemlich unbeschadet gefährliche Situationen übersteht. Selbst wenn Isabelle früher Leiterin einer geheimen Antiterroreinheit war, kommen mir ihre übertriebenen Superkräfte und ihre extreme Unverletzlichkeit doch nicht gerade realistisch vor.

Trotz der Kritik mag ich das frankophile Flair des Romans und habe das gezeigte Leben in Marokko ebenfalls genossen. Es ist ein lesenswerter Fall und den Einblick in das Privatleben der Kommissarin finde ich sehr unterhaltsam.

Diese Reihe eignet sich als Urlaubslektüre gleichermaßen gut für frankophile Leserinnen wie für Krimifreunde, alledings wackelt die Glaubwürdigkeit der Madame le Commissaire immer mehr.

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Veröffentlicht am 02.08.2023

Bewegend, interessant und fesselnd erzählter Roman

Salz und Schokolade (Die Halloren-Saga 2)
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"Süße Wunder" ist der zweite Band der Halloren-Saga "Salz und Schokolade" von Amelia Martin aus dem Ullstein Verlag.

Halle an der Saale, 1905: Die Schokoladenfabrik von Ernst David steht vor einem strukturellen ...

"Süße Wunder" ist der zweite Band der Halloren-Saga "Salz und Schokolade" von Amelia Martin aus dem Ullstein Verlag.

Halle an der Saale, 1905: Die Schokoladenfabrik von Ernst David steht vor einem strukturellen Umbruch, entweder David erweitert den Betrieb zu einer großen Manufaktur oder er bleibt ein kleines Traditionsgeschäft. Wenn sich doch nur seine Töchter für die Söhne der Konkurrenz interessieren würden! Am liebsten sähe es Ernst, wenn die ältere Tochter Cäcilie (Cici) den Chocolatier Julius ehelichen würde, der als Sohn des großen Kakaoimporteurs Leopold Mendel die Zukunft des Davidschen Betriebes sichern würde. Aber auch Julius hat eine andere Frau im Blick, die Salzwirkertochter Ida, die Vater Mendel auch nicht standesgemäß erscheint.


Nachdem mir bereits Teil 1 "Der Geschmack der Freiheit" gut gefallen hat, wollte ich unbedingt auch den zweiten Band der Halloren-Saga lesen, der zeitlich vor dem ersten Band angesiedelt ist. Und ich muss sagen, auch hier hat die Autorin wieder alles gegeben, um ihren lebendig gezeichneten Charakteren Leben einzuhauchen, die Lebenswege spannend auszugestalten und mit dem damaligen Zeitgeist und dem üblichen Reglement im gesellschaftlichen Bereich auszufüllen.

Die Geschichte lässt uns am gut situierten und sorgenlosen Leben der Töchter des Schokoladenfabrikanten David teilnehmen. Dabei wird deutlich gemacht, welche Etikette von jungen Frauen der gutbürgerlichen Gesellschaft erwartet wurde. Cici ist eine lebhafte junge Frau, die mehr vom Leben erwartet, als sittsam auf den von den Eltern gewünschten Bräutigam zu warten, während ihre Schwester Elise von einem Studium träumt. Vater David schlägt sich mit finanziellen Sorgen um die Zukunft seines Betriebes herum und erhofft sich eine gute Verbindung durch eine Verheiratung Cäcilies. Und auch beim Kakaoimporteur Mendel hängt die Weiterführung des Firmenimperiums von seinen Söhnen Julius und Friedrich ab.

Amelia Martin zeichnet eine lebendige Abbildung vielfältiger Figuren aus allen Gesellschaftsschichten der damaligen Zeit und lässt dabei auch die existentiellen Schwierigkeiten und Lebensprobleme von Arbeiterfamilien eindringlich deutlich werden. Cäcilie möchte die große Liebe erleben, doch sie soll eine von den Eltern eingefädelte Ehe eingehen. Auf unterhaltsame und fesselnde Weise stellt die Autorin durch ihre unterschiedlichen Charaktere das vielschichtige Gesellschaftsleben mit tragischen Unfällen, Wünschen, Sorgen und Nöten dar und zeigt mit einzelnen Liebesbegegnungen etwas Romantik, die sich ungeachtet der elterlichen Wünsche entwickelt.

Durch den flüssigen und einnehmenden Erzählstil kann man den Roman gut weglesen und wird durch die bildhaften Beschreibungen der Mode, Küche und Gebäude auch wunderbar unterhalten. Die Figuren wirken authentisch und sehr lebendig und spielen eine passende Rolle vor dem historischen Hintergrund, der auch die Geschehnisse des 1. Weltkriegs einbezieht.

Die Entwicklung der Schokoladenmanufaktur bildet die Rahmenhandlung des Buches und auch über die Zunft der Halloren wird hier erzählt. Wer den ersten Band der Buchreihe noch nicht kennt, sollte ihn unbedingt lesen.


Ein kurzweiliger, zeitbeschreibender Roman, der mich mit den unterschiedlichen Schicksalen gefesselt und gut unterhalten hat.

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Veröffentlicht am 01.08.2023

Dieser Roman ist bewegend, fesselnd und tiefgründig, einfach grandios!

Perlenbach
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Im Ullstein Verlag erscheint Anna-Maria Casparis Roman "Perlenbach", der zweite Band der Eifel-Roman-Trilogie. Sie erzählt die Geschichte dreier Leben an der Schwelle zum 20. Jahrhundert.

Monschau, ...

Im Ullstein Verlag erscheint Anna-Maria Casparis Roman "Perlenbach", der zweite Band der Eifel-Roman-Trilogie. Sie erzählt die Geschichte dreier Leben an der Schwelle zum 20. Jahrhundert.

Monschau, Ende des 19. Jahrhunderts: In der Tuchmacherstadt treffen Wilhelm, Jacob und Luise als Kinder aufeinander, von dieser Zeit an verbindet sie eine dauerhafte Freundschaft. Der Bauernsohn Wilhelm lebt in Wollseifen in ärmlichen Verhältnissen beengt mit etlichen Geschwistern und unter der Fuchtel eines jähzornigen Vaters. Dem kargen und arbeitsreichen Leben kann Wilhelm immerhin in den Wintermonaten entkommen, denn dann wird er als Gesellschaft für Jacob von dessen Vater Herr Becker nach Montjoie geholt und geht mit Jacob in die Schule. Dort lernt Wilhelm auch Jacobs Freundin Luise kennen, sie ist die Tochter eines Arztes. Alle drei verbindet seit diesen Kindertagen eine dauerhafte Freundschaft und alle wollen ihre Lebensträume verwirklichen. Doch ihr Leben verläuft unter den Gegebenheiten und Zwängen der Zeit in anderen Bahnen.

Anna-Maria Caspari nimmt uns in "Perlenbach" wie schon in "Ginsterhöhe" mit in die Eifel. Sie beschreibt das beschwerliche Leben der Bewohner von Monschau (Monjoie) zwischen 1867 und 1904.
Jacob und Luise entstammen guten finanziellen Verhältnissen und nehmen jeden Winter den Bauernjungen Wilhelm als ihren Freund in Monschau auf, ihre Freundschaft festigen sie mit Perlen aus dem Perlenbach. Für ihre Zukunft haben alle unterschiedliche Vorstellungen von ihrem Leben. Luise möchte Ärztin werden wie ihr Vater, doch in dieser Zeit ist ein Studium für Frauen kaum vorstellbar. Jacob soll die Tuchfabrik seines Vaters übernehmen, hat daran aber wenig Interesse und wird zur Ausbildung bei einem anderen Tuchfabrikanten geschickt. Wilhelm sieht in der Tuchfabrik seine Chance, der bäuerlichen Armut entfliehen und dort eigenes Geld zu verdienen.

Drei Kinder aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten haben große Pläne für ihre Zukunft und schwören sich mit ihren Perlen aus dem Perlenbach die ewige Freundschaft. Die Autorin beschreibt auf fesselnde Weise ihre Lebenswege und lässt die Leser in eine Zeit voller politischer und gesellschaftlicher Zwänge eintauchen. Es wird eindringlich und lebendig dargestellt, welche Hindernisse den Freunden in den Weg gelegt werden und wie ihr Leben verläuft. Luise kämpft sich tapfer als Frau durch ein Studium und schafft die Ausbildung zur Ärztin. Der kränkliche Jacob entdeckt seine homosexuelle Neigung, doch das ist in dieser Zeit noch gesetzlich verboten. Und Wilhelm verspielt seine Chance in der Tuchfabrik und landet wieder auf dem Bauernhof, doch er findet sein persönliches Glück mit einer Frau.

Die Geschichte bringt sehr eindrücklich die Schwierigkeiten der damaligen Realität zum Ausdruck und wird durch Tagebucheinträge der Gouvernante Friederike noch mit Lebensdingen der drei Freunde und wichtigen historischen Fakten des Weltgeschehens ergänzt. Durch diesen Trick ist der Leser nah am Zeitgeschehen und sieht die Lebenswege authentisch vor diesem historischen Umbruch.


Das Buch fesselt mich durch die unterschiedlichen Schicksale und Erlebnisse der Charaktere. Es war interessant zu sehen, wie sich die Freunde zeitlebens nicht aus den Augen verlieren und wie sie in Luises und Jacobs Fall zur gegenseitigen Unterstützung bereit waren. Sehr ergriffen hat mich das Schicksal von Wilhelms Familie und ich habe mit ihm gebangt, dass er doch noch zu seinem Glück finden würde.

Bewegende Schicksale aus der Eifel zeigen den schmalen Grat zwischen Träumen und Realität in der Gründerzeit. Dieser fesselnde Roman lässt auf eindringliche Weise das Zeitgeschehen lebendig werden und zeigt die Widrigkeiten des Lebens durch die drei Freunde.

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Veröffentlicht am 29.07.2023

Ein fesselnder Mix aus packendem Familiendrama und Krimi mit tollen Naturbeschreibungen

Tochter des Marschlands
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Im Heyne Verlag erscheint das Romandebüt "Tochter des Marschlands" von Virginia Hartman.

Loni Mae Murrow hat ihr Talent zu Zeichnen zu ihrem Beruf gemacht, sie erstellt naturgetreue Illustrationen von ...

Im Heyne Verlag erscheint das Romandebüt "Tochter des Marschlands" von Virginia Hartman.

Loni Mae Murrow hat ihr Talent zu Zeichnen zu ihrem Beruf gemacht, sie erstellt naturgetreue Illustrationen von Vögeln für ein Naturkundemuseum in Washington. Als sich ihr Bruder bei ihr meldet, weil ihre Mutter Ruth erkrankt ist, macht sie sich unwillig auf in die Kleinstadt Tenetkee im Marschland Floridas. Denn Loni hat ihre Heimat verlassen, um die Erinnerungen an den tragischen Tod ihres Vaters Boyd hinter sich zu lassen. Doch dann findet sie nach ihrer Rückkehr einen Hinweis, der den Bootsunfall des Vaters in eine andere Richtung lenkt. Sie begibt sich auf die Suche nach dem wahren Grund und kommt dabei auch den Dingen des Lebens auf die Spur, die ihr wichtig sind.

Loni ist in ihrem Beruf als Vogelzeicherin glücklich, die Liebe zur Natur hat sie von ihrem verstorbenen Vater Boyd geerbt, der ihr im Marschland Floridas die Augen für die Schönheit von Flora und Fauna geöffnet hat. Als Loni gerade mal zwölf Jahre alt ist, stirbt Boyd bei einem Bootsunfall. Ihre Mutter erwähnt nach seinem Tod nie wieder seinen Namen und erwartet das auch von Loni und ihrem viel jüngeren Bruder Phil. Als Loni bereits 36 Jahre als ist, erkrankt ihre Mutter an Demenz und ihr Bruder bittet Loni um Unterstützung. Während sie sich um ihre Mutter kümmert, fallen ihr ein paar Ungereimtheiten zum Tod ihres Vaters auf, sie beginnt mit ihren Nachforschungen, die auch ins Marschland führen. Sie mietet ein Kanu bei Adlai und die Landschaft übt sofort wieder eine unglaubliche Anziehungskraft auf Loni aus und Adlai gefällt ihr auch zunehmend besser.



Bei diesem Roman kann man wunderbar in Floridas Natur versinken, denn die Autorin zeigt Lonis Arbeit im Museum, beschreibt die großartige Botanik in lebendigen Naturbeschreibungen und erwähnt viele Vogelarten, auf die Loni bei ihren Kanutouren durchs Marschland trifft. Ich hatte mehrfach das Gefühl, auf einer Safari zu sein. Aber die Handlung lebt nicht nur davon, Loni ist der Aufklärung des Todes ihres Vaters auf der Spur und kommt nach mühevoller Nachforschung auch hinter die Wahrheit. Gleichzeitig spürt sie ihre persönlichen Wurzeln im Marschland, sie trifft Phil und seine kleine Familie, sowie ihre Schulfreundin Eileen und findet einen Menschen, dem sie vertrauen kann, Adlai. Zwischen ihnen bahnen sich Gefühle an, die im Roman aber nicht groß im Vordergrund stehen. Es paar Längen bezüglich der Buchkisten und deren Inhalts haben mich etwas im Lesefluss gehindert. Dafür ziehe ich einen halben Stern ab.

Die gut erzählte Geschichte hat mich mit der starken Loni, die sich im Marschland auskennt, mit der Krimihandlung und den landschaftlichen Gegebenheiten der schön beschriebenen Schauplätzen sofort an "Der Gesang der Flusskrebse" von Delia Owens erinnert. Vielleicht war dieser Roman ja ein Anlass für Virginia Hartman, etwas Ähnliches schreiben zu wollen. Auf alle Fälle hat sie es geschafft, mich von Anfang bis Ende zu fesseln und dabei ins Marschland zu entführen. Die Suche nach der Wahrheit von Boyds Tod sorgt bei einige Bewohnern für Aufregung, Drohgebärden und Widerstand und bringt damit auch spannende Momente mit sich, die für Loni auch zu einer Gefahr werden.


Dieses großartige Debüt eines interessanten Familiendramas vor landschaftlicher Kulisse kann ich unbedingt empfehlen. Wer Naturschilderungen mag, wird hier auf eine spannende Safari in Floridas Sümpfe entführt.



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Veröffentlicht am 28.07.2023

Leider nicht so toll wie die Vorbände

Ziemlich bunte Zeiten
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Im Blanvalet Verlag erscheint Angelika Schwarzhubers Roman "Ziemlich bunte Zeiten".

Der junge Ben ist Spitzenkoch und arbeitet in einem Delikatessenladen am Chiemsee. Stets ist er als Freund und Tröster ...

Im Blanvalet Verlag erscheint Angelika Schwarzhubers Roman "Ziemlich bunte Zeiten".

Der junge Ben ist Spitzenkoch und arbeitet in einem Delikatessenladen am Chiemsee. Stets ist er als Freund und Tröster von Anna, Ilona und Zoe in schwierigen Lebensmomenten an ihrer Seite. Seitdem die Beziehung mit seinem Freund Bernhard in die Brüche gegangen ist, hat er mit der Liebe abgeschlossen. Doch dann trifft er Florian und es fliegen die Schmetterlinge im Bauch. Aber zu einer neuen Partnerschaft ist er noch nicht bereit, jetzt sind seine Freundinnen an der Reihe und müssen ihrem Ben den Weg zum Glück ebnen.


Nachdem ich die bisherige Trilogie der drei Freundinnen am Chiemsee mit großer Freude gelesen habe, war ich gespannt, was der vierte Band beinhalten würde. Dieses Mal rückt der Koch Ben in den Mittelpunkt der Handlung und man erlebt, wie er nach einer gescheiterten Beziehung keine neue Liebesgeschichte anfangen möchte. Gerade ist er auch ganz zufrieden mit seinem Leben und genießt die Patchworkfamilie von Anna, Zoe und Ilona und deren Kindern und kann seine Kochleidenschaft mit einem Catering-Service ausleben. Doch dann lernt er Florian kennen und es trifft ihn Amors Pfeil mitten ins Herz. Aber er nimmt an, dass Florian hetero ist und will keine freundschaftliche Basis aufnehmen, sondern eine echte Beziehung. Genau da erscheint Bernhard und Bens Gefühle spielen ihm einen Streich.

Angelika Schwarzhuber unterhält ihre Leserinnen mit gewohnt lockerem und flüssigen Erzählstil und lässt die Widrigkeiten, Sorgen, Freuden und Wünsche ihrer Charaktere lebendig einfließen. Ich konnte mich gut in die Gefühle von Ben hineindenken, fand ihn aber als Figur recht blass und auch zu unentschlossen und hasenfüßig. Die queere Liebesgeschichte fand ich leider auch nicht so romantisch und absolut vorhersehbar. Charmant erzählt ist die Geschichte allemal, aber dieses Mal sprang bei mir der Funke irgendwie nicht über, die Handlung war mir durch die vielen kleinen Vorfälle des Lebens der zahlreichen Figuren insgesamt zu alltagsmäßig und ich konnte mit den Personen auch nicht so richtig mitfiebern.


Schade, dieses Mal konnte mich dieser Roman nicht ganz abholen, es fehlte mir vor allem der Humor, der die Vorbände immer so lesenswert gemacht hat.

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