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Veröffentlicht am 02.02.2022

Neubeginn vor traumhafter Kulisse

Nordlichtträume am Fjord
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Julie Larsen ist die Autorin von "Nordlichtträume am Fjord" aus dem Harper Collins Verlag.

In Annabells Leben läuft gerade alles schief: Freund weg, Wohnung weg und dann auch noch schwanger. Also beschließt ...

Julie Larsen ist die Autorin von "Nordlichtträume am Fjord" aus dem Harper Collins Verlag.

In Annabells Leben läuft gerade alles schief: Freund weg, Wohnung weg und dann auch noch schwanger. Also beschließt sie, Hamburg hinter sich zu lassen und in das norwegische Dorf Elvasund zu fahren, um sich dort über einiges klar zu werden. Sie will bei Familie Solberg als Aushilfe arbeiten und wird gleich bei ihrer Ankunft darüber informiert, dass ein Vertrag gar nicht zustande gekommen ist. Doch die Bewohner des kleinen Dörfchens sind hilfsbereite Leute und dank Berit Solberg bekommt Annabell eine Chance. Es gilt die historische Spinnerei einzurichten, die Marketingaufgaben zu übernehmen und ein touristisches Konzept für die Gegend zu erstellen. In dieser malerischen Landschaft fühlt sich Annabell gleich heimisch und bemerkt auch die heimlichen Blicke von Schäfer Bjarne, zu dem auch sie sich hingezogen fühlt.

In diesem Roman begleiten wir Annabell, die vor den Katastrophen ihres Lebens in Hamburg nach Norwegen flüchtet. Die Schwangerschaft belastet sie mit viel Ungewissheit, denn wahre Mutterliebe hat sie als Kind kaum gekannt. Was kommt da auf sie zu? Bei den Solbergs fühlt sie sich familiär aufgenommen, zwar hat Berit eine harte Schale, aber einen weichen Kern und ihre Tochter Camilla und die Kinder sind ganz liebenswürdig. Ich mag auch den pensionierten Tierarzt Thorbjörn, der Berit überreden will, ihre Spinnerei einer Genossenschaft anzugliedern, damit sie sichere Abnehmer gewinnt. Und dann ist da noch Bjarne, wir lernen ihnen als hilfsbereiten und herzensguten Mann kennen, der sich gern zurückzieht, denn er hat einen Sprachfehlen und die Erinnerungen an einen zurückliegenden Unglücksfall machen ihm schwer zu schaffen. Doch er und Annabell nähern sich an, allerdings gibt es immer wieder Unsicherheit auf beiden Seiten. Für mich war es recht vorhersehbar, dass sie gut zueinander passen. Die Liebesgeschichte, die auch romantische Szenen enthält, zieht sich etwas in die Länge. Die Handlung zeigt abwechslungsreiche Szenen, mal muss ein Lamm von Hand aufgezogen werden oder es gilt die Marketingkampagne für den Ort zu stemmen und auch in der Spinnerei ist einiges zu tun. Mit wachsendem Appetit habe ich die Szenen in der Küche genossen, wo zum Ende des Buches die vorweihnachtliche Zubereitung norwegischer Spezialitäten stattfinden. Zimtschnecken und andere Köstlichkeiten haben mir echt den Mund wässerig gemacht. Auch die bildhaft beschriebenen Ausflüge vor der wunderschönen winterlichen Kulisse mit schneebedeckten Wäldern und zugefrorenen Fjorden sind einfach ein echter Genuß. Dazu noch die tanzenden Nordlichter, die waren natürlich die Kirsche auf der weihnachtlichen Torte.

Bei "Nordlichtträume am Fjord" kann man wunderschön abtauchen ins winterliche Norwegen mit seiner landschaftlichen Schönheit. Aber es werden auch durch die schwierige Ausgangslage Annabells Sorgen und Nöte aufgezeigt und ihre Unsicherheit über ihre Gefühle. Sie macht eine Entwicklung durch und wird erwachsen, doch zuvor muss sie sich über ihre Schwangerschaft klar werden und ob sie Verantwortung übernehmen will. Mit Bjarne führt sie viele Gespräche, fühlt sich verstanden und unterstützt. Kann sie sich hier eine Zukunft aufbauen?



Für den Winter ist diese schöne, teilweise romantische Geschichte mit Norwegen-Flair eine absolut passende Lektüre. Am Ende kommt dann noch weihnachtliche Hygge-Stimmung auf.

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Veröffentlicht am 31.01.2022

Bunter Ratespaß mit Lerneffekt

Mein Fahrzeuge- und Berufe-Ratebuch - Weißt du, wer den Traktor fährt?
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Im Penguin-Junior Verlag erscheicht das Bilderbuch "Weißt du, wer den Traktor fährt?" von Danielle Mc Lean für Kinder ab zwei Jahren.

Der kleine Astronaut probiert verschiedene Fahrzeuge aus: Vom Traktor ...

Im Penguin-Junior Verlag erscheicht das Bilderbuch "Weißt du, wer den Traktor fährt?" von Danielle Mc Lean für Kinder ab zwei Jahren.

Der kleine Astronaut probiert verschiedene Fahrzeuge aus: Vom Traktor über das Polizeiauto, er klettert in ein U-Boot und fährt Zug. Dann findet er sein Raumschiff, in dem er zum Mond fliegen kann.

Dieses kunterbunte stabile Papp-Bilderbuch lädt mit seinen Klappen zum Mitmachen ein. Was verbirgt sich wohl hinter der jeweiligen Klappe?

Spielerisch erfahren Kinder die Verbindung zwischen Fahrzeug und passendem Beruf. Wer fährt denn wohl den Traktor - der Bauer oder der Astronaut? Hinter den Klappen entdecken die Kinder die jeweilige Berufsgruppe.

Ein Klappvergnügen mit Verwechslungsspaß: Hier werden Berufe und die dazu passenden Fahrzeuge spielerisch in den richtigen Zusammenhang gebracht.
Diese Klappen machen neugierig und so steigen die Kinder mit dem kleinen Astronauten in verschiedene Fahrzeuge, lernen die Begriffe dafür kennen und erfahren hinter den Klappen den passenden Beruf.

Was für ein schönes und sehr stabiles Bilderbuch, das kindgerecht und mit einfachem Text Berufe und Fahrzeuge vorstellt und geschlechtsspezifisch auch die weibliche Berufsbezeichnung zeigt. Bauer, Polizistin, Kapitän und Lockführerin werden hier als Tierfiguren vorgestellt. Die Hintergrundbilder enthalten manche Details, die entdeckt werden wollen und zum Erzählen anregen.

Ein buntes Fahrzeugbuch mit fröhlichem Ratespaß und Lerneffekt für den Lebensalltag.

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Veröffentlicht am 31.01.2022

Eine Selbstanalyse, die mich nicht durchgängig fesseln konnte

Manifesto. Warum ich niemals aufgebe. Ein inspirierendes Buch über den Lebensweg der ersten Schwarzen Booker-Prize-Gewinnerin und Bestseller-Autorin von »Mädchen, Frau etc.«
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Im Tropen Verlag erscheint die Biografie "Manifesto - Warum ich niemals aufgebe" von Bernardine Evaristo.

Bernardine Evaristo wächst als eines von 8 Kindern mit einer englischen Mutter und einem nigerianischen ...

Im Tropen Verlag erscheint die Biografie "Manifesto - Warum ich niemals aufgebe" von Bernardine Evaristo.

Bernardine Evaristo wächst als eines von 8 Kindern mit einer englischen Mutter und einem nigerianischen Vaters in Großbritannien auf. In dieser Großfamilie musste sie sich früh behaupten, als Farbige ist sie in den sechziger Jahren den Anfeindungen durch Rassismus ausgesetzt und ihre spätere Homosexualität ist ein weiterer Punkt, der ihr Leben nicht gerade leichter machte.

Als Memoir und Meditation über ihr Leben bezeichnet Bernardine Evaristo ihr biografisches Buch und lässt uns in ihre Familiengeschichte eintauchen, an ihrem weiteren Lebensweg und ihrer Persönlichkeitsbildung teilhaben. Die Auszeichnung mit dem Booker-Preis 2019 als erste Schwarze Frau war für sie die krönende Auszeichnung für ihren Kampfgeist und ihr Durchhaltevermögen in langen Durstperioden des Schreibens.

Der Erzählstil wirkt auf mich wie eine distanzierte Stilform, die sich Evaristo in ihrer Prosa anerzogen hat. Dabei geht sie auf ihre persönlichen Erfahrungen mit Rassendiskriminierung ein, berichtet von ihren Liebesbeziehungen und zeigt, welcher Stellenwert für sie die Schriftstellerei besitzt. Sie spürt ihren Vorfahren nach, einem Mix aus mehreren Kontinenten und berichtet aus ihrem Familienleben als eines von 8 Kindern. Von Kindesbeinen an ist sie ständig Anfeindungen gegen ihre Hautfarbe ausgesetzt und lernt, sich dagegen zu behaupten. Man kann schon sagen, dass sie ein sehr ausgeprägtes, starkes Selbstbewusstsein besitzt. Vielleicht eine Folge ihrer Abstammung. Auf ihre Vorfahren ist sie stolz, sie stammen verschiedenen Herkunftsländern und mussten sich alle erst ihren Platz im Leben erkämpfen. Mit den Erfolgen in der Schriftstellerei zahlt sich endlich Bernardines Kampfgeist aus, sie fühlt sich als Vorreiterin für die Bewegung der people of colour.

Einzelne Teile des Buches fand ich etwas sperrig zu lesen, manche aber sehr interessant, dazu gehört auch die interessante und lebendig erzählte Geschichte ihrer Kindheit und ihres Erwachsenwerdens. Danach geht es um ihre Liebschaften, um ihre Zeit als Schauspielerin und in alle Lebensbereiche, die sie ausprobiert hat. Ihre Erzählung dreht sich zwangsläufig um ihre Schreiberfahrungen und ihre Bücher, immer wieder um die Liebe, um Anfeindungen, zahlreiche Umzüge, Niederlagen und den späten Erfolg als Autorin. Manchmal hatte ich den Eindruck, sie sei etwas zu ichbezogen und selbstsüchtig. Wahrscheinlich wird man so, wenn man sich gegen Anfeindungen behaupten will. Aber die Selbstdarstellung ist immer eine trügerische Form in autobiografischen Büchern, weil nur die einzelne Autorin selbst Zeugnis über sich ablegt.

Durch das gesamte Buch zieht sich die Botschaft Evaristos, indem sie dazu rät, sich niemals aufzugeben und für seine persönliche Entfaltung zu kämpfen. Konkrete Beispiele macht sie speziell an ihren persönlichen Lebenserfahrungen fest. Das ist zwar ein mutmachender Ansatz, hilft aber in Einzelfällen nicht praktisch weiter und jeder Lebensweg ist anders. Aber sie macht mit ihrem persönlichen Werdegang allen (farbigen) Frauen Mut, ihren eigenen Weg zu gehen und sich zu selbstbewussten Persönlichkeiten zu entwickeln.

Es ist ein mutmachender Gedanken- und Werdegang einer starken und selbstbewussten Frau und zeigt persönliche Lebensereignisse, Misserfolge und Wendungen in ihrem Leben. Evaristo möchte ihre Leserinnen dazu ermuntern, ihren ganz eigenen Lebensweg zu gehen, allen Widrigkeiten zum Trotz.

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Veröffentlicht am 29.01.2022

Heitere Krimiunterhaltung mit regionalem Touch

Die letzte Pille bringt den Tod
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Der Allgäu-Roman "Die letzte Pille bringt den Tod" ist das Debüt von Romina Angeli aus dem Harper Collins Verlag.

Burglbach ist ein friedliches, verschlafenes Dörfchen im Allgäu, aber als der Apotheker ...

Der Allgäu-Roman "Die letzte Pille bringt den Tod" ist das Debüt von Romina Angeli aus dem Harper Collins Verlag.

Burglbach ist ein friedliches, verschlafenes Dörfchen im Allgäu, aber als der Apotheker Ludwig Fischlinger tot aufgefunden wird, ist es mit der Ruhe erst einmal aus und vorbei. Eine willkommene Gelegenheit für Walli Schimmel, die flippige, umtriebige Rentnerin, die sich sofort an die Ermittlungen macht. Die Polizei geht nicht von Mord aus, aber Walli schon. Nun muss sie nur noch ihren begriffstutzigen Sohn Wolfi, Polizist, aber nicht gerade ein Top-Ermittler, davon überzeugen. Aber am besten, sie übernimmt selbst die Suche nach dem Mörder!

Bei diesem Buch darf man sich auf eine humorvolle Unterhaltung freuen, die mit einer Krimiermittlung unterlegt wurde und im ländlichen Allgäu spielt.

Walli ist eine verrückte Nudel mit speziellem Kleidungsstil, sie lebt mit ihrem Sohn Wolfi, Ü40 und Polizist, unter einem Dach. Für ihr Alter ist sie noch sehr agil und mit dem richtigen Riecher für Krimifälle ausgestattet. Als ihre Freundin Friedl den toten Apotheker Fischlinger findet, wirft Walli gleich mal ein Auge auf die Leiche. Der wurde ermordet, so lautet ihre Schlussfolgerung. Und weil sie weiß, dass die Polizei hier nicht mit hellen Köpfen ausgestattet ist, sie kennt ja ihren Sohn Wolfi, nimmt sie die Ermittlungen gleich mal selbst in die Hand. Einige Informationen kann sie ja dem Wolfi abluchsen und bringt dann eins und eins zusammen.

Bei diesem Buch ist man ständig mit Walli unterwegs und erkundet die Lebenssituation des toten Apothekers und seiner jungen Witwe. Freundin Friedl lebt noch etwas hinterwäldlerisch ohne Internet und sorgt mit ihren Bemerkungen im Dauerdialekt für lebensnahe Allgäuer Art und den regionalen Charakter in der Story. Man muss sich ihr Kauderwelsch zwar ein wenig zusammenreimen, aber inhaltlich versteht man es schon. "Noi, noi, noi, dis ka it sei." Zitat Seite 176

Nachdem der Fall erst einmal in Gang gekommen ist, stößt Walli bei ihren Ermittlungen auf illegale Geschäfte, gerät damit in Gefahr und lässt sich trotzdem nicht abwimmeln. Da kann ihr "depperter" Sohn Wolfi nur staunen und die Leser ebenfalls. Sehr unterhaltsam sind auch die ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden, aber etwas anderes würde zu Walli auch nicht passen. Sehr abwechslungsreich folgt man der Handlung und rät mit, wer wohl die letzte Pille verabreicht hat.

Mir hat besonders der lockere, ironisch, humorige Erzählstil gefallen, der auch mal mit derben Flüchen daherkommt. Nur den "Saupreußen" verzeihe ich nicht! Beim Lesen hatte ich die markanten Personen immer gut vor Augen, die Charaktere sind schon ausgefallen und man kann ihre Eigenarten auch gut erkennen.
Heitere Unterhaltung mit regionalem Touch und einer etwas verrückten Hobbyermittlerin, die man gerne begleitet.

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Veröffentlicht am 28.01.2022

Ein toller Bilderbuchspaß über die bunte Welt!

Anders? Genau richtig!
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Das Bilderbuch "Anders? Genau richtig!" von Sven Gerhardt und Nikolai Renger erscheint im Penguin Junior Verlag für Kinder ab 2 Jahren.

Bei diesem Buch sind auf jeder Seite verschiedene Tiere dargestellt, ...

Das Bilderbuch "Anders? Genau richtig!" von Sven Gerhardt und Nikolai Renger erscheint im Penguin Junior Verlag für Kinder ab 2 Jahren.

Bei diesem Buch sind auf jeder Seite verschiedene Tiere dargestellt, man muss schon genau hinsehen, um die Tiere zu entdecken, die sich von ihren Artgenossen im Aussehen unterscheiden. Anfangs tanzt nur ein Elefant aus der Reihe, doch mit jeder Seite kommt ein weiteres buntes Tier hinzu. Bei den Pinguinen sind es schon sechs Tiere, die man suchen muss. Am Ende feiern alle diese Tiere gemeinsam ein fröhliches Fest.

Kinder sind vom Wesen her noch unvoreingenommen, sie begegnen deshalb vorurteilsfrei allen Menschen und Tieren, die anders aussehen. Mit diesem herrlich illustrierten Buch wird die Vielfalt aufgezeigt und es wird deutlich gemacht, dass jeder genau richtig ist, so wie er aussieht. Dank der Suchaufgaben haben Kinder Spaß, mit den witzigen Tierfiguren wird die Fantasie angeregt und sie lernen ganz nebenbei die Zahlen von 1-6 kennen. Das Buch ist außerdem total witzig, denn wer muss beim Anblick der gestylten Löwenmähnen, der lächelnden Haie oder der gepunkteten Zebras nicht schmunzeln?

Die Illustrationen von Nikolai Renger sind sehr detailreich und total lustig anzusehen und die kurzen Reime sind gut verständlich und machen Spaß. Da suchen Kinder gern nach den Tieren, die sich von der Masse abheben.

Dieses Buch fördert die soziale Kompetenz, Toleranz und Fantasie, indem es den Blick auf selbstverständliche Weise auf die Unterschiedlichkeiten lenkt. Außerdem führt es Kinder in die Welt der Zahlen ein. Ein toller Bilderbuchspaß mit einer wichtigen Botschaft, witzig verpackt!

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