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Veröffentlicht am 24.07.2020

Schöner historischer Krimi

Die Tote in der Sommerfrische
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Viktoria Berg kommt aus gutem Hause, ihr Vater ist Staatsanwalt. Trotzdem hat sie sich bei ihrem Vater durchgesetzt und wird Lehrerin werden. Bevor sie ihre erste Stelle antritt geht sie noch in die Sommerfrische ...

Viktoria Berg kommt aus gutem Hause, ihr Vater ist Staatsanwalt. Trotzdem hat sie sich bei ihrem Vater durchgesetzt und wird Lehrerin werden. Bevor sie ihre erste Stelle antritt geht sie noch in die Sommerfrische nach Norderney. Christian Hinrich ist Journalist und soll für eine Damenzeitschrift einen Artikel über die Sommerfrische auf Norderney schreiben. Eines Abends findet er eine Tote am Strand und Viktoria erkennt diese als ihre Jugendfreundin Henny. Die Polizei geht von einem Selbstmord aus, doch Viktoria und Christan glauben da nicht dran. So machen sie sich gemeinsam auf Spurensuche und geraten zwischen die gesellschaftlichen Fronten.



Das Buch schildert vor allem die gesellschaftlichen Verhältnisse im Kaiserreich kurz vor dem ersten Weltkrieg. Die Hierarchien sind ganz klar geregelt, der Adel hält sich für etwas besonders und schaut auf alle herab. Die zu Geld gekommenen Industriellen, halten den Adel für überflüssig und jeden, der nicht entsprechend Geld verdient für nicht ebenbürtig. Der Mittelstand grenzt sich wiederum von den Arbeitern ab und auch diese hegen und pflegen ihre Vorurteile. Manchmal ist mir die Borniertheit der entsprechenden Vertreter in diesem Buch gewaltig auf den Keks gegangen.

Allerdings war mir auch immer bewusst, dass es tatsächlich genau so war und auch die Behandlung der Frau war damals ja noch sehr heftig. So muss sich Viktoria zwischen einer beruflichen Laufbahn als Lehrerin und einer Heirat entscheiden. Wobei sie sich für die Entscheidung zu arbeiten massiv rechtfertigen muss.



Der Kriminalfall entwickelt sich tatsächlich als ziemlich verwickelt und die Auflösung ist doch recht überraschend.

Das Buch ließ sich sehr gut lesen, man hatte das Geschehen direkt vor Augen. Durch den Wechsel der Perspektive zwischen Viktoria und Christian bekommt der Leser einen guten Einblick in das Innenleben der beiden und kann ihre Zweifel und Unsicherheiten gut nachvollziehen. Außerdem entstehen so immer wieder kleine Brüche, die den Leser dazu bringen, weiterlesen zu wollen, um zu erfahren, wie es weitergeht.



Das Buch ist der Auftakt einer Reihe. Ich bin gespannt, wie Viktoria und Christian sich wiedersehen und wie sich die Beziehung der beiden zueinander weiter entwickelt.

Von mir daher eine Leseempfehlung für diesen schönen historischen Krimi.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.07.2020

interessante Science Fiction

Krieg der Klone - Die Trilogie
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Krieg der Klone umfasst die drei Bände der Trilogie in einem Buch. Da sich die Bücher doch von sich unterscheiden, werde ich die Bücher einzeln besprechen.

Krieg der Klone:
John Perry besucht an seinem ...

Krieg der Klone umfasst die drei Bände der Trilogie in einem Buch. Da sich die Bücher doch von sich unterscheiden, werde ich die Bücher einzeln besprechen.

Krieg der Klone:
John Perry besucht an seinem 75. Geburtstag das Grab seiner Frau und meldet sich dann freiwillig zur Kolonialen Verteidigungs Armee, kurz KVA. Alles was er bis dahin weiss ist, dass sein Körper auf irgendeine Art und Weise verjüngt werden wird und er dafür bis zu zehn Jahre Militärdienst im All zu leisten hat und nie mehr auf die Erde zurückkehren wird. Als sich herausstellt, dass er seinen Dienst in einem gentechnisch verbesserten Klon verbringen wird ist die Überraschung erst groß. Doch John Perry passt sich schnell an sein neues Leben an und es gelingt ihm auch bald Karriere zu machen.

Mir hat dieser erste Band sehr gut gefallen. Das Buch ist komplett aus John Perrys Perspektive in Ich-Erzähler-Form geschrieben. Durch seinen feinen Humor ist es sehr unterhaltsam und man identifiziert sich schnell mit ihm. Allerdings muss man sagen, dass das Buch auch durch unglaubliche Grausamkeiten geprägt ist, führt die Menschheit doch gegen nahezu jede Alienspezies, auf die sie trifft, Krieg. Manchmal fällt es da schwer, das ganze Vorhaben zu befürworten. Trotzdem fand ich das Buch sehr interessant und gut zu lesen.

Die Geisterbrigade:
Überraschenderweise beginnt Band zwei dann komplett anders. Das Buch ist aus der Perspektive eines auktorialen Erzählers geschildert. Die Menschheit wird bedroht durch ein Bündnis dreier Alienvölker. Und ein Mensch ist zu ihnen übergelaufen. Allerdings hat er eine Kopie seines Bewusstseins hinterlassen, die nun in den Klon Jared implantiert wird, um an Informationen zu kommen, warum Charles Boutin zu den Aliens übergelaufen ist. Doch Jared entwickelt erst ein eigenes Bewusstsein, bevor sich Boutins bemerkbar macht. Damit hat er zwar Zugriff auf die Erinnerungen, ist aber trotzdem nicht wie seine eigentliche Vorlage.
Ich fand es anfangs etwas schwierig in der Setting hineinzukommen, aber die Geschichte an sich fand ich dann doch sehr spannend. Auch hier geht es zeitweise recht grausam zu und das Verhalten der Kolonialen Union ist auch oft genug moralisch fragwürdig. Aber dem Autor gelingt es die Schwierigkeiten mancher Entscheidungen deutlich zu machen. Jared hat mir als Figur ausgesprochen gut gefallen, er ist das perfekte Beispiel für die diversen Dilemma, in denen einzelne Menschen gerne mal stecken. Und das, obwohl er ja „nur“ ein Klon ist und noch nicht sehr alt.. Auch die Standesdünkel der „Naturgeborenen“ und die Vorurteile der Klone gegenüber ihnen werden ausführlich beleuchtet. Insofern wird hier diese Gesellschaftsform von genau der anderen Seite her beleuchtet. Im Großen und Ganzen hat mir auch der zweite Band wieder gut gefallen.

Die letzte Kolonie:
Band 3 ist dann wieder aus der Sicht von John Perry geschildert. Er und seine Frau Jane Sagan und ihre Adoptivtochter Zoe Leben als Ombudsmann und Sicherheitsfrau auf einer Kolonie, als sie gebeten werden die Leitung einer neuen Kolonie zu übernehmen. Das Ganze Unterfangen stellt sich als etwas heraus, mit dem niemand, der an dieser neuen Kolonie beteiligt ist, gerechnet hat. Die Kolonie steht plötzlich alleine da und es ist unklar, was zu tun ist, um zu überleben. In diesem Band geht es viel um die Politik der Kolonialen Union und um die im Vorgängerband bereits angedeuteten Konklave. Die Kolonisten von Roarnoake sind komplett auf sich gestellt und schnell stellt sich heraus, dass sie ein Spielball der Kolonialen Union sind. Lange bleibt unklar, wem man trauen kann und wem nicht. Im Großen und im Kleinen. Ich fand das Ganze sehr spannend und habe das Buch sehr gerne gelesen. Hier tauchte auch wieder der Humor des ersten Buchs auf. Besonders Savitri Guntupalli ist mir hier positiv im Gedächtnis geblieben.

Insgesamt haben mir diese drei Bücher gut gefallen. In den ersten beiden Bänden waren mir zu viele Grausamkeiten im Kriegsgeschehen geschildert, im dritten Band hat sich das dann im Rahmen gehalten. John Scalzi hat mit diesem Universum sehr lebendige und liebenswerte Charaktere geschaffen und auch immer wieder auf Vorurteile und Hochnäsigkeiten auch unserer eigenen Welt hingewiesen. Vieles was hier in den Weiten des Universums passiert, ist auch auf unsere Erde gang und gäbe. Interessant fand ich auch die technischen Möglichkeiten, die hier geschildert werden.

Alles in allem ist die Trilogie solide Science Fiction Unterhaltung, die ich durchaus empfehlen kann. Mir hat es viel Vergnügen gemacht die Bücher zu lesen.

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Veröffentlicht am 18.07.2020

Zeitzeugnis

Als wär's ein Stück von mir
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Carl Zuckmayer war mir lange Zeit nur als der Autor des Hauptmann von Köpenick bekannt, den ich in der Schule lesen durfte. Über ihn und sein Leben habe ich mich lange keine Gedanken gemacht, obwohl ich ...

Carl Zuckmayer war mir lange Zeit nur als der Autor des Hauptmann von Köpenick bekannt, den ich in der Schule lesen durfte. Über ihn und sein Leben habe ich mich lange keine Gedanken gemacht, obwohl ich die Autobiographie seiner Frau „Die Farm in den grünen Bergen“ bereits als Teenager begeistert gelesen hatte. Als ich letztens nun „Die Schule am Meer“ von Sandra Lüpkes gelesen habe, tauchte er in einer kurzen Nebenrolle auf, spielt doch sein großer Bruder eine wichtige Rolle in diesem Buch. Das brachte mich dazu Die Farm in den grünen Bergen noch einmal zu lesen und dann nach einer Biographie seines Lebens Ausschau zu halten.


Als wär’s ein Stück von mir ist seine Autobiographie, die er 1966 verfasst hat, als er mit seiner Frau bereits zurück in Europa war und in Saas Fee seine letzten Jahre verbrachte. Das Buch beginnt mit den Jahren, die er mit seiner Frau in Henndorf verbracht, bis sie durch die Nazis von dort vertrieben wurden und in die Schweiz flüchten mussten. Erst danach setzt eine chronologische Erzählweise ein, in der die Jahre der Jugendzeit, der Erlebnisse im 1. Weltkrieg und den Jahren bis zu den ersten Erfolgen folgen. Es folgen die Jahre der Emigration in den USA und die Rückkehr nach dem Krieg.


Interessant wird es immer dann, wenn Zuckmayer von seinen direkten Erlebnissen erzählt. Da ist man mitten im Geschehen und spürt die Angst, bzw. die Lebensfreude. Etwas schwieriger zu Lesen fand ich das Buch wenn es sich um Ortsbeschreibungen oder charakterliche Darstellungen von Zeitgenossen handelte. Was vermutlich auch daran liegt, dass viele der Namen heute kein Begriff mehr sind.


Trotz allem war es ein gut zu lesendes Buch und mich hat überrascht wie reflektiert Zuckmayer das Verhalten der Deutschen und besonders der Intellektuellen in der Weimarer Republik beurteilt. Dass man hier zu blauäugig war und zu wenig unternommen hat. Auch dass der erste Weltkrieg herbeigesehnt wurde kann er aus eigener Erfahrung nicht bestätigen. In seinem Umfeld glaubte niemand an den Krieg, bis er wirklich ausbrach.

Ich habe Carl Zuckmayer in diesem Buch als einen interessanten und sehr nachdenklichen Menschen kennenglernt, der eine ungewöhnliche Lebensgeschichte zu erzählen hat.


Von mir daher eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 14.07.2020

Die Schatten der Vergangenheit

Die Frauen von der Purpurküste – Isabelles Geheimnis (Die Purpurküsten-Reihe 1)
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mélies Leben ist komplett aus den Fugen geraten. Sie kann nach einem Schicksalsschlag nicht zurück ins Leben finden. Daraufhin beschließt sie nach Collioure zu fahren und im Haus ihrer Großmutter eine ...

mélies Leben ist komplett aus den Fugen geraten. Sie kann nach einem Schicksalsschlag nicht zurück ins Leben finden. Daraufhin beschließt sie nach Collioure zu fahren und im Haus ihrer Großmutter eine Auszeit zu nehmen. Bei einem Besuch bei ihrer Großmutter im Seniorenheim drückt diese ihr ein altes Tagebuch in die Hand, mit dem Auftrag es zu lesen. Bei der Lektüre stellt sich heraus, dass ihre Großmutter ihr Leben lang ein Geheimnis gewahrt hat, das nun gelüftet werden soll.

Am Anfang fiel es mir etwas schwer ins Buch zu kommen, weil mir Amélie in ihrem Jammertal ein wenig auf den Keks ging. Sie scheint unter einer Depression zu leiden und lässt niemanden an sich heran. Umso erstaunlicher ist dann allerdings die Veränderung, die dann in Collioure vor sich geht. Hier schafft sie es, sich wildfremden Menschen zu öffnen und relativ schnell ins Leben zurück zu finden. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt, den ich an dem Buch habe.

Die Geschichte von Isabelle, Amélies Großmutter, ist wirklich tragisch und zeigt, dass man Menschen nicht nach ihrem Äußerem oder ihrer Nationalität beurteilen sollte. Die Nebenfigur des Benjamin, dem unerwarteten Mitbewohner Amélies, bleibt lange im Dunkeln und löst sich erst spät auf.

Der Schreibstil ist spannend und das Kopfkino läuft auch von Anfang an. So hat man sowohl die Geschichte in der Gegenwart, als auch die in der Vergangenheit sofort vor Augen. Und die Baguettes und die Dips, die Amélie kreiert, würde ich gerne mal probieren. Auch die Gegend um Collioure muss wunderschön sein, ein Platz, an dem man auch gerne Urlaub machen würde.

So kann ich dieses Buch durchaus empfehlen und auch die folgenden Bände werde ich im Auge behalten.

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Veröffentlicht am 12.07.2020

Zuviel des Guten

Das Juliusspital. Ärztin aus Leidenschaft
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Viviana kommt aus einer angesehen Familie in Würzburg. Ihr Vater leitet das Bankiershaus Winkelmann, ihr Bruder wird dieses in Zukunft weiterführen. Viviana wird mit ihren 16 Jahren auf ein Leben vorbereitet, ...

Viviana kommt aus einer angesehen Familie in Würzburg. Ihr Vater leitet das Bankiershaus Winkelmann, ihr Bruder wird dieses in Zukunft weiterführen. Viviana wird mit ihren 16 Jahren auf ein Leben vorbereitet, in dem sich alles um den Haushalt, den Ehemann und die Familie dreht. Doch sie lernt einen Steinmetzgesellen kennen und verliebt sich. Prompt wird sie schwanger und enttäuscht so die Familie. Anstatt das Kind nach der Geburt aufzugeben, schleicht sie sich davon und schlägt sich fortan alleine durch. Sie bekommt eine Stelle als Wärtnerin in der Apotheke des Julius-Spitals und lernt so die Möglichkeiten der Medizin immer besser kennen. Das weckt den Wunsch in ihr, selbst Ärztin zu werden. Dafür und für die Bildung der Frauen kämpft sie nun.

Das Buch an sich ist hoch ambitioniert. Es geht um die Medizin, die Forschung, um das Bankierswesen und um die gesellschaftlichen Verhältnisse in Würzburg um 1850. Ich muss aber sagen, dass mir die gelieferten Informationen zu all den Themen zwischendrin einfach zu viel wurden. Seitenweise Erklärungen zur medizinischen Forschung oder Diagnostizierung von Krankheit oder Erklärungen zu unterschiedlichen Kreditarten und anderen Geschäften eines Bankhauses ließen zwar auf eine gute Recherchearbeit der Autorinnen schließen, waren mir aber dann einfach zu viel des Guten. Bei den Seitenlinien der Erzählung, in denen immer wieder unterschiedliche Professoren begleitet werden, hatte ich teilweise Mühe zu erkennen, bei wem ich gerade war, da die Herren hier nur mit Vornamen genannt wurden, im Rest der Geschichte aber nur mit Nachnamen.

Die Geschichte an sich fand ich sehr interessant und auch Vivianas Werdegang war durchaus glaubwürdig. Allerdings nervte es mich zunehmend, wenn es wieder in ihren Füßen kribbelte, was wohl dem Leser anzeigen soll, dass jetzt etwas wichtiges passiert.

Vivianas Familie fand ich furchtbar engstirnig und borniert. Da war wenig bis nichts von Liebe zu den eigenen Kindern zu spüren und auch Vivianas Bruder wirkte einfach nur selbstsüchtig und eigennützig auf mich.

Alles in allem war es eigentlich ein Buch mit einer interessanten Handlung, die mir aber zu sehr in der Informationsfülle verloren ging. Manchmal wäre hier weniger mehr gewesen.

Den zweiten Band der Reihe, der im August erscheint, werde ich vermutlich nicht mehr lesen, dafür hat mich dieses Buch einfach nicht überzeugen können

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