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Veröffentlicht am 15.09.2016

Niemand ist frei von Schuld

Der letzte Pilger
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„Der letzte Pilger“ startet mit einem gruseligen Prolog: Der einstige Widerstandskämpfer Carl Oscar Krogh wurde bestialisch in seinem Haus in Oslo ermordet. Ein später Racheakt?

Danach führt uns der Roman ...

„Der letzte Pilger“ startet mit einem gruseligen Prolog: Der einstige Widerstandskämpfer Carl Oscar Krogh wurde bestialisch in seinem Haus in Oslo ermordet. Ein später Racheakt?

Danach führt uns der Roman in die Vergangenheit, nach Lillehammer in den Mai des Jahres 1945, zu Kaj Holt, der für die englische Militärpolizei tätig ist und Peter Waldhorst, einen deutschen Gestapo-Offizier, verhören will. Zwei Tage später ist Holt tot. Angeblich war es Selbstmord. Auch der schwedische Kriminalinspektor Gösta Persson, der den Fall untersucht, stirbt.

Zurück in der Gegenwart, lernen wir den Osloer Kommissar Tommy Bergmann kennen. Er wird zu einem alten Knochenfund in die Nordmarka gerufen. Wo ist die Verbindung? Was war damals wirklich passiert? Und was hat die schöne Spionin Agnes Gerner mit alldem zu tun?

Eine komplexe Handlung, ein Heer von Protagonisten und Rückblenden in die Vergangenheit gilt es zu verfolgen. Schauplätze sind Norwegen, Schweden, England und Deutschland.

Gard Sveen erzählt die Geschichte der NS-Zeit in Norwegen rückwärts. Selbst wenn der Leser der Polizei immer einen Schritt voraus ist, wird Spannung aufgebaut, die langsam gesteigert wird und nicht mehr nachlässt. Die Geschichte nimmt viele überraschende Wendungen, bis zum unerwarteten Ende. Nur schrittweise wird enthüllt, wohin das Ganze führen soll.

Eine Geschichte, die zeigt, wie Liebe, Freundschaft, aber auch Hass und Verrat das menschliche Schicksal beeinflussen - mit überraschenden, dramatischen und manchmal auch brutalen Folgen.

Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Nichts ist wie es scheint, niemand ist, wer er zu sein scheint. Wer ist Täter, wer ist Opfer? Tommy Bergmann hat zwar mit den Dämonen seiner Vergangenheit zu kämpfen, aber er ist klug und erkennt schließlich als Einziger die Lösung.

Fazit: Eine zeitgeschichtliche Erkundung verpackt in einem spannenden Politkrimi. Ein starkes Debüt!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Schwarze Dämmerung und Weiße Vergeltung

Die Strömung
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Endlich ein neuer Fall für Olivia Rönning und Tom Stilton. Denn "Die Sprungflut" und "Die dritte Stimme" hatte ich mit Begeisterung verschlungen.

Cilla und Rolf Börjlind gehen gleich in medias res. Schonen, ...

Endlich ein neuer Fall für Olivia Rönning und Tom Stilton. Denn "Die Sprungflut" und "Die dritte Stimme" hatte ich mit Begeisterung verschlungen.

Cilla und Rolf Börjlind gehen gleich in medias res. Schonen, Südschweden: Die dreijährige Emelie wird in ihrem Sandkasten brutal ermordet, als die Großmutter kurz zum Telefonieren im Haus ist. Emelie wurde aus Ghana adoptiert. Liegt hier das Motiv? Kurz darauf wird in Stockholm ein kleiner Junge getötet. Wo ist die Verbindung? Bald ist klar, dass die bestialischen Kindermorde etwas mit dem ungelösten Fall der schwangeren Edelprostituierten Jill zu tun haben.

Handelt es sich um die Taten einer rassistischen Zelle namens 'Vit Vedergällning' (Weiße Vergeltung)? Oder war es doch die obskure Sekte? Olivia, die jetzt für die Polizei in Höganäs in Südschweden arbeitet und ihr sympathischer Ex-Kollege Tom ermitteln. Plötzlich verschwindet auch noch die hochschwangere Jenny. Eine verzweifelte Suche beginnt...

Cilla und Rolf Börjlind haben "Die Strömung" erneut routiniert in Szene gesetzt. Gleich mehrere Erzählstränge gilt es zu verfolgen. Eine komplexe und spannende Geschichte über menschliche Abgründe. Brisant und aktuell. Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Auch Mette Olsäter und Abbas el Fassi sind wieder mit dabei.

Durch Rückblenden in die Vergangenheit nimmt die Geschichte viele überraschende Wendungen, bis zum unerwarteten Ende. Allerdings fand ich die Story nicht so gut wie die beiden Vorgänger. Auch passt der deutsche Titel meines Erachtens nicht. Der Originaltitel lautet: 'Svart gryning' was so viel bedeutet wie 'Schwarze Dämmerung'. Und tatsächlich geht es in einem Buch des toten Sektenführers Stellan Eklind um genau das: "Eine düstere Morgendämmerung."

Fazit: Krimi-Spannung aus Schweden. Faszinierend düster!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Zwischen Wahn und Wirklichkeit

Aroma des Todes
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„Aroma des Todes“ startet mit einem geheimnisvollen Prolog. Erst ganz zum Schluss finden sich alle Puzzleteilchen zu einem gruseligen Ganzen zusammen.

Danach lernen wir Sylvia Bönnemark kennen. Sie lebt ...

„Aroma des Todes“ startet mit einem geheimnisvollen Prolog. Erst ganz zum Schluss finden sich alle Puzzleteilchen zu einem gruseligen Ganzen zusammen.

Danach lernen wir Sylvia Bönnemark kennen. Sie lebt mit ihrer Mitbewohnerin Anna zusammen in Östersund, Schweden, hat Blackouts und kann sich an vieles in der Vergangenheit nicht erinnern.

Sylvia ist Malerin, Anna Krankenschwester. Eines Tages findet sie vor ihrer Haustür ein Buch: Sie selbst ist die Autorin und der Inhalt beschreibt in allen Einzelheiten den Mord an ihrem Freund Mats. Natürlich kann sich Sylvia weder daran erinnern, ihren Freund ermordet, noch das Buch geschrieben zu haben.

Wie sich herausstellt, ist Sylvia seit Jahren bei einem Psychiater in Behandlung, genau wie ihre Mutter zuvor. Und welche Rolle spielt ihr Vater, der Großindustrielle Gustav Bönnemark?

Die Leseprobe hatte meine Neugier geweckt, weil „Aroma des Todes“ auf einen fesselnden, psychologisch raffinierteren Thriller hoffen ließ - und ich wurde nicht enttäuscht. Denn nichts ist wie es scheint. Niemand ist, wer er zu sein scheint.

Der in Köln geborene Autor Jacob Nomus, erzählt die Geschichte mit stetig steigender Spannung bis zum überraschenden Ende. Was ist wahr und was ist nur das Ergebnis unserer Fantasie? Wie so oft, liegt die Erklärung in Sylvias Kindheit.

Fazit: Ein kurzweiliges, temporeiches Lesevergnügen. Hochspannung garantiert!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Tatort Saarbrücken

Seelenschwarz
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Die Kugel eines Killers. Aus dieser ungewöhnlichen Perspektive beginnt „Seelenschwarz“, der Debütroman des Drehbuchautors Joner Storesang. Worum geht es?

Drei Frauen wurden per Kopfschuss ermordet. Thomas ...

Die Kugel eines Killers. Aus dieser ungewöhnlichen Perspektive beginnt „Seelenschwarz“, der Debütroman des Drehbuchautors Joner Storesang. Worum geht es?

Drei Frauen wurden per Kopfschuss ermordet. Thomas Bulpanek, Ex-Fallanalytiker und Anti-Gewalt-Trainer, wird von seinem ehemaligen Mentor Josef Martens um Hilfe gebeten.

Frau und Tochter weilen in den USA und so hat Thomas keine Skrupel, eine geheimnisvolle Zeugin, die obdachlose Jugendliche Sassa, bei sich einzuquartieren. Unterstützung findet Thomas bei Mirjam Reichert, die von einem Unbekannten gestalkt wird. Sie ist die rechte Hand des ehrgeizigen Politikers Johannes Wolfarth. In einem weiteren Handlungsstrang wird das Schicksal eines Mannes geschildert, der in Frankreich lebt, von Hass zerfressen. Wo ist die Verbindung?

Bei einer Befragung erschießt sich der Doktorvater von Marie, sie ist eine der toten Frauen, vor den Augen der Polizei. Offenbar war er pädophil. Liegt hier das Motiv?

Immer tiefer verstrickt sich Thomas in das Netz eines übermächtigen Gegners, bis seine Suche nach der Wahrheit zu einem blutigen und actionreichen Kampf ums Überleben wird…

„Seelenschwarz“ überzeugt mit einem ausgefeilten Plot, der den Rahmen der konventionellen Mörderjagd ausweitet. Eine komplexe, dennoch hochspannende Geschichte. Niemand ist, wer er zu sein scheint. Aus Tätern werden Opfer, aus Opfern Täter. Eine Konfliktsituation, die den Leser emotional einbindet und verführt, seinen Fuß auf die falsche Seite zu stellen.

Nur mit den Protagonisten bin ich nicht warm geworden. Thomas Bulpanek, hat mit den Dämonen seiner Vergangenheit zu kämpfen. Trotz Schlaf- und Medikamentenentzug startet er einen Alleingang, der ihn fast das Leben kostet. Aber auch Mirjam hat ihre Geheimnisse. Ihr Handeln konnte ich oft nicht nachvollziehen und mich erst recht nicht damit identifizieren.

Schreibstil und Originalität liegen über dem Durchschnitt, aber was Joner Storesang daraus gemacht hat, verträgt in jedem Fall noch eine Steigerung.

Fazit: Gelungener Auftakt einer neuen Krimi-Reihe um einen unkonventionellen Ermittler.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Szenen einer Ehe

Wenn du mich tötest
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„Du darfst mich nicht verlassen!“ hatte sie erst gefleht und dann gedroht. „Wenn du mich verlässt, tötest du mich!“

Kinlochbervie, ein Küstenort in den schottischen Highlands. Julian meldet seine Frau ...

„Du darfst mich nicht verlassen!“ hatte sie erst gefleht und dann gedroht. „Wenn du mich verlässt, tötest du mich!“

Kinlochbervie, ein Küstenort in den schottischen Highlands. Julian meldet seine Frau Laure als vermisst. Aber ist er deshalb auch ein Mörder? Beide hatten mehrere Tage in der einsamen Sandwood Bay gezeltet. Plötzlich ist Laura spurlos verschwunden. Was war geschehen?

Detective Sergeant John Gills aus Inverness ermittelt und schon bald gerät Julian unter Verdacht, seine Ehefrau ermordet zu haben. Denn nicht weit entfernt wird die Leiche einer jungen Frau an Land gespült. Sie hat blonde, lange Haare, genau wie Laura…

Erzählt wird - teilweise in Rückblenden - das Psychogramm einer Ehe. Ein komplexes Verwirrspiel großer Gefühle. Gekonnt seziert Karen Winter Schritt für Schritt Lug und Trug sowie menschliche Abgründe und deren Folgen.

„Wenn du mich tötest“ punktet mit vielen falschen Fährten und überraschenden Wendungen, mit denen die Autorin die Geschichte voran und die Spannung in die Höhe treibt. Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Nichts ist wie es scheint. Niemand ist, wer er zu sein scheint.

Die schottische Atlantikküste ist die schöne und zugleich mörderische Kulisse für diesen packenden Psychothriller voller Atmosphäre und Aberglaube.

Fazit: Ein Blick in menschliche Abgründe. Düster, soghaft und hochspannend!