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Veröffentlicht am 13.03.2025

Ein modernes Märchen

Von hier aus weiter
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Es ist ganz erstaunlich, dass ein Buch über eine trauernde Witwe so nett sein kann. Ich hatte ein bisschen Angst, es zu lesen, aber es ist ein wirklich hübsches Buch.

Marlene ist Lehrerin im Ruhestand ...

Es ist ganz erstaunlich, dass ein Buch über eine trauernde Witwe so nett sein kann. Ich hatte ein bisschen Angst, es zu lesen, aber es ist ein wirklich hübsches Buch.

Marlene ist Lehrerin im Ruhestand und plötzlich ganz allein im Haus. Rolf, ihr Ehemann, hat beschlossen, sein Leben zu beenden, bevor der Krebs es tut. Marlene ist am Boden zerstört und möchte auch nicht mehr leben. Sie ist wütend und verbittert und will niemanden sehen. Aber Jack, ihr ehemaliger Schüler und Ida, Rolfs Ärztin, schaffen es, sie aus dem Schneckenhaus zu locken. Die drei machen sich auf zu einem skurrilen Roadtrip.

Das klingt so komprimiert ziemlich absurd, aber es entwickelt sich allmählich und ist sehr schön geschrieben. Marlenes Trauer und Verzweiflung sind einfühlsam beschrieben, werden aber durch eine gute Portion Selbstironie erträglich. Wenn dann Jack in Marlenes Haus platzt und die Rolle des verständnisvollen Mitbewohners übernimmt, der nichts fordert, die alte Frau grummeln lässt und sie liebevoll bekocht, wird es nahezu kuschelig. Man kann das unrealistisch finden, aber es liest sich schön. Es macht Spaß, sich auf dieses moderne Märchen einzulassen und mitzuerleben, wie Marlene neuen Lebensmut bekommt, obwohl ihre Situation aussichtslos schien.

Ein berührendes Buch, ein feines Hörbuch, herzerwärmend und schön gelesen!

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Veröffentlicht am 08.03.2025

Wie man alle Grenzen sprengt

Wenn wir lächeln
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Ein gutes Buch muss nicht gleichzeitig ein schönes Buch sein, dafür ist dieses Buch das beste Beispiel. Es ist furchtbar gut geschrieben und ganz, ganz schrecklich.

Jara und Anto sind 15, beste Freundinnen ...

Ein gutes Buch muss nicht gleichzeitig ein schönes Buch sein, dafür ist dieses Buch das beste Beispiel. Es ist furchtbar gut geschrieben und ganz, ganz schrecklich.

Jara und Anto sind 15, beste Freundinnen und suchen ihren Platz im Leben. Dabei ist klar, dass sie alles wollen, was ihre Mütter nicht wollen, dass sie klarkommen, selbstständig sind, im Grunde erwachsen und machen können, was sie wollen. Die Grenzen muss man natürlich ausloten, aber das ist doch toll!
Es ist ganz furchtbar, diesen beiden Mädchen zuzusehen, die sich in geradezu allem verstricken, was das Erwachsenwerden mit sich bringt. Mädchen oder Frau? Was muss man sich gefallen lassen? Muss man sich überhaupt gefallen lassen, was einem nicht gefällt oder weiß man erst, dass es nicht gefällt, wenn man es ausprobiert hat? Ist man cool, wenn man es nur spielt? Jara und Anto spielen mit Gefahren, als wäre es ein Sport und wenn was schiefgeht, lächeln sie. Als aber Anto unvermittelt von der Brücke in die Ruhr springt, vergeht Jara das Lächeln.

Mascha Unterlehberg lässt einen einfühlsam in die Köpfe dieser Mädchen gucken und liefert zwar keine Antworten, aber Ideen. Man kann sie ein bisschen verstehen, manchmal, auch wenn nahezu alles was sie tun falsch ist. Man bekommt auch Ideen dazu, warum sie das tun könnten und auf jeden Fall fühlt man, wie schwer es sein kann, sich in die Rolle als Frau einzufinden und zu behaupten. Frauwerden ist nicht nur Erwachsenwerden.

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Veröffentlicht am 06.03.2025

Nicht das beste Buch des Autors

Skin City
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Ich bin grundsätzlich Fan von Johannes Groschupfs Krimis, weil er so wunderbar atmosphärisch schreibt. Man bekommt viel mehr als einen Krimi erzählt, man kann auch in finsterste Ecken Berlins abtauchen ...

Ich bin grundsätzlich Fan von Johannes Groschupfs Krimis, weil er so wunderbar atmosphärisch schreibt. Man bekommt viel mehr als einen Krimi erzählt, man kann auch in finsterste Ecken Berlins abtauchen und erlebt hautnah, wie es da so ist. Hier hat mir dieses Erlebnis gefehlt. Es ist noch immer ein gut erzählter Krimi, aber ich war nicht so nah dran.

Die Polizistin Romina Winter kannte ich schon aus dem Vorgängerbuch. Sie ist Roma, tough unangepasst und jetzt ist tatsächlich ihre eigene Familie in finstere Dinge verwickelt. Rominas Schwester wurde schlimm verprügelt, warum?
Daneben bekommt man es noch mit der Kunstwelt zu tun. Ein Hochstapler ist unterwegs, der als Kunstberater windige Geschäfte abwickelt. Und eine georgische Einbrecherbande räumt systematisch im Villenviertel Berlins auf.

Das alles wird plastisch und einfühlsam beschrieben und hängt irgendwie zusammen. Vielleicht war das aber ein bisschen viel auf einmal. So manche Wendung der Geschichte kam mir schon sehr zufällig vor. Sogar Romina unterläuft spontan eine seltsame Wandlung. Man hat sie als originelle Frau kennengelernt haben, die mit beiden Beinen im Leben steht, plötzlich ist sie liebeskrank. Der Tod ihres Vaters dagegen bewegt sie nicht besonders, der muss untersucht werden, aber für Trauer scheint sie keine Zeit zu haben.

Das neue Buch von Johannes Groschupf ist unterhaltsam und lesenswert, in gewisser Weise sogar überraschend, aber seine anderen Bücher haben mir deutlich besser gefallen.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Klein, fein, unterhaltsam, informativ und sehr besonders

Die Hochzeit des Figaro
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Dies war mein zweites Buch aus der Reihe Opera re:told und ich bin wieder sehr begeistert. Man bekommt hier eine Art musikalischen Booksnack, eine ausführliche Inhaltsangabe mit Musikuntermalung, die großen ...

Dies war mein zweites Buch aus der Reihe Opera re:told und ich bin wieder sehr begeistert. Man bekommt hier eine Art musikalischen Booksnack, eine ausführliche Inhaltsangabe mit Musikuntermalung, die großen Spaß macht.

Diesmal stellt Frederic Böhle „Figaros Hochzeit“ vor. Als Mozart 1785 diese Oper schrieb war sie ein Skandal. Und tatsächlich ist die Handlung auch aus heutiger Sicht nicht jugendfrei. Da pocht so ein Graf auf sein Recht primae noctis, obwohl das offiziell längst abgeschafft wurde. Der Diener Figaro und das Dienstmädchen Susanna wollen heiraten, aber der Graf Almaviva hat auch ein Auge auf Susanna geworfen. Seiner Frau Rosina, die er doch im „Barbier von Sevilla“ gerade erst geheiratet hatte, gefällt das gar nicht. Rosina, Figaro, Susanna und der Page Cherubino inszenieren ein Verwirrspiel mit Verkleidungen, um dem lüsternen Grafen eine Lektion zu erteilen.

Das ist natürlich albern, aber vor 200 Jahren war die Commedia dell’arte populär, die mit speziellen Figuren, viel Klamauk und durchsichtigen Intrigen gearbeitet hat und in dieser Tradition muss man dieses Stück sehen, erklärt uns Frederic Böhle sehr anschaulich im Plauderton. Er führt uns durch das ganze Stück, die Arien werden nicht gesungen, nur instrumental angedeutet, wodurch man in der kurzen Zeit auch einen sehr schönen musikalischen Eindruck der Oper bekommt.

Dieses Buch wurde nominiert für den Deutschen Hörbuchpreis 2025 in der Kategorie "Das besondere Hörbuch" und genau das ist es auch, klein, fein, unterhaltsam, informativ und sehr besonders. Es dauert 1 Stunde und 39 Minuten.

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Toller Stil, toller Sprecher, wenig originelle Handlung

Klapper
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Den Erzählstil dieses Buches mochte ich sehr. Es klingt frisch, originell, auf ganz eigene Art poetisch, schon irgendwie nach Jugendsprache, aber Jugendsprache mit einem Lyrikfilter, ein klein bisschen ...

Den Erzählstil dieses Buches mochte ich sehr. Es klingt frisch, originell, auf ganz eigene Art poetisch, schon irgendwie nach Jugendsprache, aber Jugendsprache mit einem Lyrikfilter, ein klein bisschen viel Wetterbericht, aber das schafft Ambiente. Das Lesen macht großen Spaß.

Die Handlung ist sparsam, es geht deutlich mehr um Befindlichkeiten. Thomas ist 15, ein Nerd, der sich in Computerspielen auskennt, im Leben weniger. Er wird Klapper genannt, weil er so dünn ist, dass seine Gelenke klappern. Und dann kommt Bär in seine Klasse, die Bär heißt, weil sie sich Bär nennt. Was passiert ist wenig überraschend, bis auf eins. Eine Überraschung gibt es schon. Ansonsten haben wir hier Teenager mit dem ganzen Teenagerprogramm von Hemmungen über Drogenkonsum zu Peinlichkeiten, Verliebtheiten oder nicht, langweiligen Lehrern und nervigen Eltern. Dabei wird das Innenleben der Teenager sehr einfühlsam und plastisch geschildert, Verklemmtsein und Selbstzweifel zum Miterleben, nur wer will das denn miterleben? Ich bin froh, dass ich das hinter mir habe. Kurze Schwenks in das Leben des erwachsenen Klappers bringen nicht viel mehr Erkenntnis, außer dass eine verstörende Kindheit verstörte Erwachsene hervorbringt.

Die Erwachsenen im Geschehen sind durch die Bank unglaubwürdig. Erst sind sie durchgedreht und lästig, später dann doch elterlich liebevoll, warum weiß man nicht. Vielleicht ist das auch Kindersicht, die sich gewandelt hat, wahrscheinlich ist es schlicht egal, weil sie nur ein schlecht durchdachter Rahmen sind. Richtig daneben fand ich den Lehrer, der den durch und durch introvertierten Klapper nötigt, auf einer Beerdigung ein paar nette Worte zu sagen, niemand auf der Welt kann so unsensibel sein, selbst wenn Klapper natürlich daran wächst, eine unmögliche Aufgabe gemeistert zu haben.

Pascal Houdus liest das Hörbuch und macht das großartig, verkörpert die unterschiedlichsten Figuren authentisch, sogar Bärs schwer verstrahlten Vater. Es dauert 5 Stunden und 47 Minuten und ist durchaus ein Erlebnis durch den tollen Stil und den tollen Sprecher. Der Inhalt hat mich nicht so überzeugt, aber ich bin sehr gespannt auf weitere Bücher des Autors, der hier ein vielversprechendes Debüt abgeliefert hat.

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