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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.02.2025

Witzig, traurig und sehr besonders

Wir kommen zurecht
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Dies ist ein trauriges Buch. Es geht um die Reste einer Familie. Perfekt war ihr Familienleben noch nie aber inzwischen überleben sie nur noch, Philipp und sein Vater Lothar.

Philipp steht kurz vor dem ...

Dies ist ein trauriges Buch. Es geht um die Reste einer Familie. Perfekt war ihr Familienleben noch nie aber inzwischen überleben sie nur noch, Philipp und sein Vater Lothar.

Philipp steht kurz vor dem Abitur findet aber zunehmend Spaß am Kiffen auf dem Friedhof, statt zu Hause zu büffeln und Lothar vergräbt sich in seiner Arbeit. Für Fantasie, Spaß und Gefühle war Astrid zuständig in ihrer Familie, aber Astrid ist nicht mehr da. Astrid, mit all ihren verrückten Ideen, ist verrückt, nicht nur überspannt, richtig verrückt und das macht das Leben abwechslungsreich aber auch unberechenbar. Lothar kam damit nicht klar und Philipp ist zutiefst verunsichert schon seit frühester Kindheit.

Das alles wird hier ausgebreitet und feinfühlig präsentiert in diesem ganz speziellen Erzählstil, der mir schon in „Nordstadt“ so gefallen hat, originell, witzig, eigen und dabei doch voller Weisheit.

„…er dachte ununterbrochen an den Sex mit Mascha. Er war, wie ihr Pony versprach: Anders! Anders! Anders! Er konnte ihn mit nichts, das er zuvor erlebt hatte, vergleichen. Man verglich ja auch nicht Chopin mit Backofenpommes. Und beides war geil. Philipp freute sich über diese Einsicht.“

Die Atmosphäre ist dicht und tieftraurig, obwohl es humorvoll erzählt ist. Hier geht es um ein Drama ohne Handlung, eine vertrackte Situation ohne Ausweg, die unendlich belastend ist, die aber auch lichte Momente bekommt durch jede Menge originelle Sidekicks. Philipps Freund Lorenz hat für alles den richtigen Spruch, Oma Lotte ist speziell, aber verlässlich und Onno, ist wohl einfach Onno, der Einzige, der mit Astrid klarzukommen scheint.

Vielleicht hätte ich mir die Spur mehr Handlung jenseits von Philipps Schüleralltag gewünscht, der ist schon arg dominant, aber ein tolles Buch ist es trotzdem. Es ist ein intensives Erlebnis, ein Buch zum Lachen und Weinen, witzig, traurig und sehr besonders.

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Veröffentlicht am 08.02.2025

Beste Unterhaltung mit Tiefgang und Sogwirkung

Only Margo
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Eigentlich wollte ich in dieses Buch nur mal kurz reinhören, aber dann konnte ich irgendwie nicht mehr aufhören. Dabei ist es gar keine riesen Geschichte. Margo ist 19 und schwanger von ihrem Prof. Das ...

Eigentlich wollte ich in dieses Buch nur mal kurz reinhören, aber dann konnte ich irgendwie nicht mehr aufhören. Dabei ist es gar keine riesen Geschichte. Margo ist 19 und schwanger von ihrem Prof. Das ist nicht neu und nicht besonders spannend, wird hier aber so hübsch erzählt, dass man gebannt lauscht.

Margo ist cool, witzig und unbedarft, als sie feststellen muss, dass junge Mütter ganz andere Menschen sind als junge Mädchen. Plötzlich lässt ihr Liebster sie sitzen, ihrer Chefin ist es egal, ob der Babysitter krank ist und ihren Mitbewohnerinnen ist das Baby zu laut. Ihr ganzes Leben steht Kopf, da braucht es kreative Lösungen.

Es macht großen Spaß, Margo zu begleiten. Ihre Familie ist originell, ihre Mutter eine alternde Schönheit mit Torschlusspanik, ihr Vater ein Ex-Wrestler mit Rücken- und Drogenproblemen. Margo hat weit mehr zu berücksichtigen als nur das Wohl ihres Kindes. Sie ist ein bisschen eine Lebenskünstlerin, die verletzlich und unsicher ist und sich trotzdem nicht unterkriegen lässt.

Hier werden sehr unterhaltsam die Probleme junger alleinerziehender Mütter beleuchtet. Es geht um Doppelmoral in vielerlei Hinsicht, um Behördenabsurditäten und um die Frage, was Mutterschaft bedeutet.

Das Hörbuch liest Chantal Busse sehr schön. Man ist nach kürzester Zeit davon überzeugt, hier würde Margo höchst persönlich sprechen, in der ersten oder dritten Person Singular, je nach dem, wie nahe ihr das Geschehen gerade geht. Es dauert 10 Stunden und 57 Minuten und ist wunderbare Unterhaltung mit Tiefgang und Sogwirkung.

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Veröffentlicht am 06.02.2025

Grausiges Spektakel in hübscher Sprache

Das Buch Anderswo
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Ich wusste nicht, was BRZRKR -Comics sind und habe das Stichwort in der Buchbeschreibung gar nicht beachtet. Aber wahrscheinlich ist das ein guter Anhaltspunkt, ob man für dieses Buch geeignet ist, meine ...

Ich wusste nicht, was BRZRKR -Comics sind und habe das Stichwort in der Buchbeschreibung gar nicht beachtet. Aber wahrscheinlich ist das ein guter Anhaltspunkt, ob man für dieses Buch geeignet ist, meine Welt ist es definitiv nicht.

Den Anfang habe ich drei Mal gehört und dann beschlossen, dass ich einfach weiterhöre, ohne zu verstehen, worum es geht. Man landet mitten im Gemetzel zwischen Trümmern und Körperteilen und da ist der Mann und der Andere, tot oder verletzt, oder war er tot und ist es nicht mehr? Es ist schrecklich in nahezu jeder Hinsicht. Der Erzählstil ist sehr geschliffen, alles andere ein Chaos.
So geht es dann weiter. Irgendwie geht es um Unute, der unsterblich ist, der schon Jahrtausende auf der Welt ist, gelegentlich in einen Berserkerrausch verfällt und alles niedermetzelt, was ihm begegnet. Eine obskure Organisation möchte ihn erforschen, vernichten, als Waffe benutzen oder ein wenig von allem. Und über die Jahrtausende hinweg verfolgt ihn ein unsterblicher Hirscheber, ein Schwein, mit dem man dann direkt noch Tierversuche anstellen kann, wenn man es erwischt. Das ist alles so absurd und blutig wie es klingt, wenn auch hübsch erzählt. In Rückblenden erfährt man ein wenig aus Unutes Vergangenheit, zum Gesamtverständnis trägt das aber wenig bei.

Dieses Hörbuch ist schön erzählt und wird von wechselnden Sprechern toll gelesen, leider habe ich so gut wie gar nichts verstanden. Für mich war es ein grausiges Spektakel mit viel Blut, undurchsichtiger Mystik, undurchsichtigen Machenschaften und einem Kampfschwein. Es dauert 14 Stunden und 12 Minuten.

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Veröffentlicht am 01.02.2025

Kunstvoll und berührend

Moorhöhe
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Ohne die dringende Empfehlung mehrerer Freundinnen hätte ich dieses Buch wohl nicht beachtet, es sieht harmlos aus, dabei ist es ganz großes Kino.
Es erzählt eine Familiengeschichte über fünfhundert Jahre ...

Ohne die dringende Empfehlung mehrerer Freundinnen hätte ich dieses Buch wohl nicht beachtet, es sieht harmlos aus, dabei ist es ganz großes Kino.
Es erzählt eine Familiengeschichte über fünfhundert Jahre hinweg in kurzen Episoden. Der Bauernhof Nevabacka steht mitten in der finnischen Einöde, neben Wald und dem Moor. „Nevabacka“ heißt „Moorhöhe“. Um da zu leben, muss man eigen sein und das sind sie alle, die Mitglieder dieser Familie.
Man lebt mit der Natur, den Jahreszeiten und den Geistern des Moores. Manch eine Begebenheit wird im Lauf der Zeit zur Legende und wir waren dabei, haben den wahren Kern der Geschichte miterlebt. Auch wenn man manch einen nur kurz begleitet, gehen einem die Schicksale zu Herzen.
Der Erzählstil ist schön und einfühlsam und wechselt in jedem Kapitel die Stilmittel. Da erfährt man mal eine ganze Lebensgeschichte in einem Gedicht oder durch die Briefe eines Mädchens. Das ist kunstvoll und berührend und erfordert Taschentücher.
Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 24.01.2025

Umwerfend

Für Polina
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Ich kann Liebesgeschichten nicht leiden und deshalb lese ich keine, außer Takis Würger schreibt sie. Diese Geschichte ist eine Liebesgeschichte und absolut umwerfend. Sie trifft mitten ins Herz, lange ...

Ich kann Liebesgeschichten nicht leiden und deshalb lese ich keine, außer Takis Würger schreibt sie. Diese Geschichte ist eine Liebesgeschichte und absolut umwerfend. Sie trifft mitten ins Herz, lange bevor sie eine Liebesgeschichte ist.

Hannes und Polina kennen sich seit ihrer frühesten Kindheit. Ihre Mütter werden schon im Krankenhaus Freundinnen, kurz nachdem sie ihre Kinder bekommen haben. An dieser Stelle sind wir erst auf Seite 20 im Buch, bereits verliebt in Fritzi Prager und ihre Freundin Günes und haben schon fünf Mal gelacht.

Takis Würger gelingt hier ein Kunststück. Er trifft genau den richtigen Ton, die perfekte Mischung aus Atmosphäre und Originalität. Die Figuren sind allesamt Außenseiter, die einem mit all ihren Schrullen ans Herz wachsen. Und wenn Fritzi mit Baby Hannes in die alte Villa des knurrigen Heinrich Hildebrand zieht, erleben wir eine Art modernes Märchen, das sich ganz knapp an der Kitschgrenze bewegt, sie aber tatsächlich nie überschreitet. Die Geschichte ist schön, warmherzig, witzig und beinahe kuschelig, aber es passiert auch Tragisches, das dann umso mehr trifft.

Man begleitet Hannes durch seine Kindheit und lernt ihn dann als jungen Mann kennen, der ein Eigenbrötler ist, der aber auch ein herausragendes Talent für das Klavierspielen hat. Durch sein Klavierspiel kann er jeden berühren, mehr als es Worte je könnten. Und an einem absoluten Tiefpunkt angekommen rafft Hannes sich auf und versucht dieses Talent zu nutzen.

Dieses Buch ist sehr besonders und trifft, es erzählt von ungewöhnlichen Menschen, von Liebe in unterschiedlichsten Erscheinungsformen und von der Kraft der Musik, es bewegt tief und amüsiert gleichzeitig. Ich habe viel gelacht und auch geweint, bin höchst beindruckt und begeistert. Unbedingt lesen!

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