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Veröffentlicht am 03.09.2018

lebendiger Geschichtsunterricht

Land im Sturm
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Unsere Reise durch die deutsche Geschichte beginnt im Jahre 955 mit Arnulf, dem Sohn eines Schmiedes. Noch sehr jung muss er durch einen üblen Verrat aus seiner Heimat, dem Inntal, nach Bayern flüchten, ...

Unsere Reise durch die deutsche Geschichte beginnt im Jahre 955 mit Arnulf, dem Sohn eines Schmiedes. Noch sehr jung muss er durch einen üblen Verrat aus seiner Heimat, dem Inntal, nach Bayern flüchten, zu einer Zeit, in der die Ungarn im Land wüten. Bei der Entscheidungsschlacht König Ottos gegen die Ungarn ist Arnulf gezwungenermaßen mit dabei. Arnulf lässt sich in Bayern nieder und setzt die Familientradition als Schmied fort. Aber seine Vergangenheit holt ihn ein und er ist wieder gezwungen, weiter zu ziehen, weiter nach Norden. Das nächste Kapitel und die folgenden handelt dann in größeren Zeitsprüngen jeweils von seinen Nachkommen. Das Buch ist in fünf Abschnitte unterteilt, in denen uns immer wieder vier Familien begegnen, Wir begleiten diese Familien durch 1000 Jahre deutsche Geschichte, aufregende Zeiten, dramatische Situationen, wichtige politische Ereignisse und Wendepunkte.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist flüssig und las sich sehr gut. Man fühlte sich in die jeweilige Zeit versetzt und konnte sich alles bildhaft vorstellen. Ulf Schiewe hat es meisterlich verstanden, diese Familiengeschichte auch zu einem lebendigen Geschichtsunterricht zu machen. Vieles aus der deutschen Geschichte war mir nicht (mehr) bewusst, immer wieder habe ich zwischendurch gegoogelt, um einige Details noch zu vertiefen. Der geschichtliche Hintergrund ist gut recherchiert und spannend erzählt verpackt, auch mit Details, die man so noch kaum gelesen hat. Die Seiten flogen nur so dahin, und ich war an jedem Abschnittsende traurig, die lieb gewonnen Protagonisten hinter mir lassen zu müssen. Das einzige, was mir nicht so gut gefallen hat, war, dass nicht immer zu Ende erzählt wurde, wie es mit den Charakteren und ihrem weiteren Leben weiter ging, bevor wieder ein neuer Abschnitt und damit ein Zeitsprung kam. Aber insgesamt war das ein tolles Buch, das mich gut unterhalten hat und das noch eine Weile nachklingen wird. Ich kann es jedem Liebhaber historischer Romane nur empfehlen.

Veröffentlicht am 23.07.2018

hatte mir mehr davon versprochen

A Stranger in the House
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Karen ist gerade dabei, das Abendessen zuzubereiten, als sie einen Anruf erhält, aufgrund dessen sie Hals über Kopf aus dem Haus stürmt. Nicht einmal ihre Handtasche hat sie mitgenommen. Sie ist so aufgeregt ...

Karen ist gerade dabei, das Abendessen zuzubereiten, als sie einen Anruf erhält, aufgrund dessen sie Hals über Kopf aus dem Haus stürmt. Nicht einmal ihre Handtasche hat sie mitgenommen. Sie ist so aufgeregt beim Autofahren, dass sie einen Unfall erleidet. Sie wacht im Krankenhaus wieder auf und kann sich an nichts erinnern. Nicht, warum sie aus dem Haus gegangen ist, nicht wo sie war und nicht, was passiert ist. Kurze Zeit später wird in der Nähe von Karens Unfallort in einem verlassenen Restaurant eine Leiche gefunden. Und am Tatort findet man Gummihandschuhe, die anscheinend Karen gehören. Karens Mann Tom ist entsetzt, als seine Frau unter Mordverdacht gerät und verhaftet wird. Aber was weiß er wirklich über sie? Und dann ist da noch Brigid, die Nachbarin von gegenüber, die alles immer sehr genau beobachtet und Karens beste Freundin ist.

Das Buch beginnt mit Karens Unfall. Was davor geschieht, wird erst nach und nach aufgedeckt. Der Schreibstil ist schnörkellos und sehr einfach, mit kurzen Sätzen, aber gut zu lesen. Die Charaktere waren mir leider alle nicht sonderlich sympathisch. Das macht für mich immer viel aus. Wenn ich mit jemandem Mitgefühl oder Sympathie empfinden kann und daher mitfiebere, tauche ich einfach tiefer in die Geschichte ein und bleibe nicht so außen vor, wie es hier leider der Fall war. Weder Karen, noch Brigid, noch Tom, dessen Verhalten ich trotz der Situation überhaupt nicht nachvollziehen konnte, haben mich berührt. Ich mochte sie alle nicht. Die Handlung konnte mich nach einem starken Anfang auch nicht durchgängig fesseln. Alles schien ein wenig vorhersehbar. Die Autorin versuchte zwar, durch unvorhersehbare Wendungen zu überraschen, aber die erzielten bei mir nicht den gewünschten Effekt. Das Buch war nicht völlig langweilig, aber ich hätte mir definitiv mehr Thrill gewünscht. Man wartete die ganze Zeit, dass da noch was kommt, was einen umhaut, einen richtigen Knaller sozusagen, aber das, was der Knaller wohl sein sollte, hat mich nicht zufrieden gestellt. Mehr als drei Sterne sind daher nicht drin. Und von der Autorin werde ich nicht noch ein Buch lesen, da bin ich Spannenderes gewohnt.

Veröffentlicht am 25.06.2018

Geschichte und Fiktion gekonnt verwoben

Das Mätressenspiel
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Helena lebt mit ihrer Mutter und ihren Schwestern auf Gut Minnigerode. Die Finanzen sind knapp, aber Helena ist mit Adrian von Schwanewede verlobt und hofft, ihn nach seiner Rückkehr von einer Kavalierstour ...

Helena lebt mit ihrer Mutter und ihren Schwestern auf Gut Minnigerode. Die Finanzen sind knapp, aber Helena ist mit Adrian von Schwanewede verlobt und hofft, ihn nach seiner Rückkehr von einer Kavalierstour zu heiraten. Aber ein Schicksalsschlag verändert alles. Helenas Bruder Laurentz, der mit den kaiserlichen Truppen unterwegs war, verstarb auf einem Erkundungsritt. Doch nicht nur das: Helenas Onkel Roderik eröffnet ihnen, dass die Ländereien an ihn als männlichen Erben zurückfallen. Die geänderte finanzielle Situation Helenas nimmt der Vater von Adrian zum Anlass, die Verlobung zu lösen. Helena und ihre Mutter kommen überein, dass Helena am Hannoveraner Hof ihr Glück suchen soll. Sie hofft, bei Herzogin Sophie einen reichen Ehemann zu finden, der sie und ihre Familie versorgt. Doch kaum angekommen, erringt sie die Aufmerksamkeit von Gräfin Clara von Plathen, Mätresse Ernst Augusts, des Herzogs von Hannover. Diese will Einfluss auf Ernst Augusts Sohn Georg Ludwig bekommen und ihm daher eine Mätresse zuführen, die ihr verpflichtet ist. Und das Mätressenspiel beginnt...

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist flüssig und sehr bildhaft. Man fühlt sich zurückversetzt in die damalige Zeit, denn Geschichte und Fiktion sind sehr geschickt verwoben. Man bekommt einen guten Einblick in höfische Intrigen, das Streben nach Macht und Einfluss, den Prunk und all die Oberflächlichkeiten. Es geht in diesem Buch auch viel um die noch heute bestehenden Herrenhäuser Gärten und ihre Gestaltung, was ich sehr interessant fand. Die Charaktere sind zudem gut und lebensnah gezeichnet, es gibt auch ein Wiedersehen mit einer Figur aus "das blaue Medaillon". Helena z.B. ist eine kluge und bodenständige Frau, und obwohl ich manchmal nicht nachvollziehen konnte, wie sie sich verhält, fand ich sie sehr sympathisch. Man hat viel mit ihr mitgefühlt und war ganz in die Geschichte eingesogen. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt.

Veröffentlicht am 05.02.2018

nichts für schwache Nerven

Der Todesmeister
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An einer Spreebrücke wird ein totes junges Mädchen gefunden, die sich dort verhakt hat. Es ist die Nichte des Justizsenators. Vor ihrer brutalen Ermordung wurde sie offensichtlich tagelang misshandelt ...

An einer Spreebrücke wird ein totes junges Mädchen gefunden, die sich dort verhakt hat. Es ist die Nichte des Justizsenators. Vor ihrer brutalen Ermordung wurde sie offensichtlich tagelang misshandelt und übel zugerichtet.
Viktor Puppe, der sich gerade aus privaten Gründen vom Innenministerium zum LKA versetzen ließ, macht sich mit seinen beiden neuen Kollegen an die Ermittlungen. Erschwert werden diese von ganz oben, offensichtlich ist man sehr schnell mit einem gefundenen Täter zufrieden und stellt die Ermittlungen ein. Viktor und sein Team ermitteln jedoch heimlich weiter.

Das Buch ist nichts für schwache Nerven, aber ich fand es sehr spannend. Der Schreibstil liest sich gut, auch wenn mir Frotzeleien und Sprücheklopferei unter den Ermittlern eigentlich etwas zu viel war. Dennoch könnte das auch in Realität manchmal durchaus der Ton sein. Der Spannungsbogen wird von Anfang bis Ende gehalten, gegen Ende noch mal eine Schippe drauf gelegt. Von dem Ermittlerteam würde ich gern mehr lesen.

Veröffentlicht am 02.10.2017

gut geschrieben und untrhaltsam

Das blaue Medaillon
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Die Venezianerin Alessa hat schon früh ihre Eltern verloren. Ihr Großvater hat sie aufgezogen und ihr das Diebeshandwerk beigebracht. Sehr geschickt kann Alessa fast jedes Schloss öffnen und bezwingt auch ...

Die Venezianerin Alessa hat schon früh ihre Eltern verloren. Ihr Großvater hat sie aufgezogen und ihr das Diebeshandwerk beigebracht. Sehr geschickt kann Alessa fast jedes Schloss öffnen und bezwingt auch steile Fassaden. Als ihre Tante Zenobia im Sterben liegt, schenkt diese ihr ein Medaillon, das Alessas Mutter gehört hat. Es ist der Schlüssel zu einem lang gehüteten Geheimnis, das einigen Größen in Venedig gefährlich werden könnte. Kaum ist Alessas Tante tot, wird Alessas Großvater ermordet und Alessa muss in aller Hast fliehen. Sie schließt sich einer Truppe Gaukler an, die nach Deutschland reist, um am Celler Hof des Herzogs Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg aufzutreten. Dort lebt auch Zenobias unehelicher Sohn, einer Affäre von Zenobia mit Herzog Georg Wilhelm entsprungen und nun Alessas einziger Verwandter. Ein Auftragsmörder ist Alessa und ihrem Medaillon jedoch schon auf der Spur...

Mir hat der Schreibstil des Buches sehr gut gefallen. Bildhaft und mit Liebe zum Detail hat die Autorin die Geschehnisse um Alessa sowie auch ihre Figuren beschrieben, so dass man sich alles sehr gut vorstellen kann. Das Kopfkino läuft von der ersten Minute. Es gibt zwar auch viele ruhigere Passagen, wenn es z.B. um das Leben bei Hofe geht, aber insgesamt fand ich die Handlung spannend und unterhaltsam. Mir war Alessa als starke junge Frau sehr sympathisch, zum einen mutig, klug und einfallsreich, aber manchmal auch etwas naiv und im Umgang mit dem Herzog z.B. hin und wieder etwas respektlos, aber alles passte zu ihrer Persönlichkeit. Neben Abenteuer und Spannung fehlte eine Liebesgeschichte natürlich auch nicht. Für mich hatte das Buch alles, was ein guter historischer Roman mitbringen sollte. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt.