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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.10.2024

Emotionale Geschichte

Der Bademeister ohne Himmel
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Die 15-jährige Linda stellt sich vor, wie es wäre, wenn sie vor ein Auto liefe und die Menschen um sie herum erkennen würden, dass sie Hilfe gebraucht hätte. Doch es gibt zwei Menschen in ihrem Leben, ...

Die 15-jährige Linda stellt sich vor, wie es wäre, wenn sie vor ein Auto liefe und die Menschen um sie herum erkennen würden, dass sie Hilfe gebraucht hätte. Doch es gibt zwei Menschen in ihrem Leben, die sie davon abhalten. Das ist zum einen ihr einziger Freund Kevin, der ebenfalls an der Welt (ver)zweifelt, und zum anderen der 86-jährige Hubert. Hubert ist dement und baut immer mehr ab. Er wird von der polnischen Pflegerin Ewa betreut, doch Huberts Tochter bittet Linda, ein paar Nachmittage in der Woche bei Hubert zu sein und ihn zu umsorgen, da sie einen besonderen Draht zu ihm hat. Hubert war früher Bademeister und obwohl er schon seit Jahren im Ruhestand ist, bestimmt das Schwimmbad immer noch sein Leben. Und Linda hat ganz eigene Ideen, wie sie Huberts Erinnerungen wachhalten kann.

Petra Pellini erzählt auf sehr eindringliche und humorvolle Weise von den verschiedenen Beziehungen. Für Linda sind Kevin und Hubert, aber auch Ewa nach geraumer Zeit, feste Ankerpunkte in ihrem Leben und Konstanten, auf die sie sich verlassen kann. Mich hat gerade die Art, wie Linda mit Hubert umgeht, wie ernst sie ihn und seine Bedürfnisse nimmt, berührt.
Die Demenz bekommt den Raum und die Ernsthaftigkeit, die sie braucht, ohne dabei zu melancholisch oder traurig zu sein, aber eben auch ohne falsche Hoffnungen.
Mich konnte Petra Pellini durch ihren flüssigen und interessanten Schreibstil vollkommen in ihren Bann ziehen und ich mochte die Figuren total gern.
Ein emotionaler Roman, der mir noch eine ganze Weile in Erinnerung bleiben wird!

Veröffentlicht am 14.10.2024

Toller Debütroman

Okaye Tage
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Sam, 28 Jahre alt, lebt in Stockholm, besucht ihre Familie in London jedoch schon seit ihrer Jugend regelmäßig und fühlt sich dort sehr wohl. Als sie den Sommer für ein Praktikum in einer Londoner Agentur ...

Sam, 28 Jahre alt, lebt in Stockholm, besucht ihre Familie in London jedoch schon seit ihrer Jugend regelmäßig und fühlt sich dort sehr wohl. Als sie den Sommer für ein Praktikum in einer Londoner Agentur verbringt, lernt sie auf einer Party Luc kennen. Während Sam etwas chaotisch, spontan und impulsiv ist, wirkt Luc kontrolliert, ist idealistisch und sucht nicht nur den perfekten Job für seine Ideale, sondern auch seinen Platz in der Welt. Obwohl Sams Zeit in London begrenzt ist, lernen sich die beiden weiter kennen, verlieben sich ineinander und beginnen eine Beziehung.

Sam und Luc sind in ihren Endzwanzigern, erarbeiten sich eine Karriere, haben Ziele und Träume. Die räumliche Distanz zwischen London und Stockholm ist für die Beziehung der beiden nicht einfach. Aus wechselnden Perspektiven wird von den Ups and Downs, den berauschenden Gefühlen, den Herausforderungen und Krisen erzählt.
Ich mag den Schreibstil von Jenny Mustard sehr gern, denn der Ton schwankt je nach Situation zwischen Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit und übermittelt die Emotionen, Zweifel und Verlustängste nachvollziehbar.
Sowohl Sam und Luc mochte ich sehr und konnte ihre Gedanken und ihr Handeln größtenteils nachvollziehen. Auch wenn der Schluss wenig überraschend war, hat mich der Weg dorthin inklusive der Abbiegungen und ernsten Aspekte in der Beziehungsarbeit begeistern können.
Ein schöner Debütroman!

Veröffentlicht am 14.10.2024

Leise und atmosphärisch erzählt

Mitternachtsschwimmer
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Nach einem schweren Schicksalsschlag sucht Evan an der irischen Küste eine Woche Auszeit und Ruhe, um wieder zu sich zu kommen. In Ballybrady mietet er von Grace ein kleines Cottage direkt an der Küste. ...

Nach einem schweren Schicksalsschlag sucht Evan an der irischen Küste eine Woche Auszeit und Ruhe, um wieder zu sich zu kommen. In Ballybrady mietet er von Grace ein kleines Cottage direkt an der Küste. Grace wohnt allein in dem kleinen Dorf, lebt zurückgezogen mit ihrem Hund und hat ihre festen Abläufe. Sie geht jeden Tag schwimmen und quiltet gern. Innerhalb der Dorfgemeinschaft kursieren einige Gerüchte über Grace, sie wird als ruppig und komisch wahrgenommen. Doch so schroff sie wirkt, hat sie einen weichen Kern. Als Evans gehörloser Sohn Lucas kurzfristig ebenfalls nach Ballybrady kommt, kann Grace schnell einen Zugang zu ihm finden. Auch Graces Nichte Abby kommt kurzfristig zu Besuch, während der Lockdown das Dorf erreicht.

Roisin Maguire beschreibt die Landschaft, die irische Küste und vor allem das Meer sehr anschaulich. Die ruppige Atmosphäre des Meeres, die Herausforderungen beim Schwimmen und die Schroffheit der Küste waren sehr spürbar - genau die Schwierigkeiten, Krisen und Erlebnisse, die Grace, Evan, Abby und Lucas mit sich tragen. Roisin Maguire hat sehr viele Themen und Aspekte geöffnet, diese allerdings häufig nicht vertieft, was ich schade finde. Der Raum für mehr Tiefe wäre meines Erachtens auf jeden Fall da gewesen.
Auch wenn Grace ruppig und eigenbrötlicherisch und Evan völlig überfordert und verzweifelt wirkt, mochte ich beide gern und war gespannt, was sich hinter ihren Fassaden verbirgt. Sehr viel Handlung gab es nicht, es wurde eher aus der Situation heraus erzählt. Das Ende kam für mich etwas plötzlich und konnte ich so auch nicht vollständig nachvollziehen.

"Mitternachtsschwimmer" war für mich ein ruhiger, melancholischer Roman mit Figuren, die mich zum Nachdenken angeregt und berührt haben.

Veröffentlicht am 13.10.2024

Schnell zuspitzend

Das Lied des Propheten
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Die Wissenschaftlerin Eilish Stack lebt mit ihrem Mann Larry, einem bekannten Gewerkschafter, ihren vier Kindern und ihrem dementen Vater in Dublin. Eines Abends öffnet sie zwei Beamten, die zur neu gegründeten ...

Die Wissenschaftlerin Eilish Stack lebt mit ihrem Mann Larry, einem bekannten Gewerkschafter, ihren vier Kindern und ihrem dementen Vater in Dublin. Eines Abends öffnet sie zwei Beamten, die zur neu gegründeten irischen Geheimpolizei gehören, die Tür. Sie verlangen nach Larry, der kurz darauf spurlos verschwindet. Eilish muss sich nun überlegen, wie sie ihren Kindern beibringt, wo ihr Vater ist und ab nun immer wieder neu entscheiden, welche Handlung sinnvoll ist und wie risikobereit sie sein kann.

Paul Lynch schreibt in langen, verschachtelten Sätzen und verzichtet bei der wörtlichen Rede auf Anführungszeichen, sodass ich seinen Schreibstil als sehr anspruchsvoll bezeichnen würde. "Das Lied des Propheten" spielt in Irland und entweder habe ich die betroffene(n) Stelle(n) überlesen, oder es wird gar nicht explizit thematisiert, was zu der gewaltvoll agierenden Regierung in Irland führte und weshalb Eilish' Familie auf einmal unter so starker Bedrohung steht. Mit meinem historischen Wissen sehe ich Parallelen zum Beginn der Zeit der NSDAP in Deutschland und schätze, auch hinsichtlich der aktuell politischen Entwicklungen, ein solcher Vergleich bzw. eine solche Ebene und Symbolik beabsichtigt ist.

Die Entwicklungen spitzen sich schnell zu, was einen straffen Spannungsbogen beinhaltet, jedoch auch für viele emotionale Fragen und Dilemmata sorgt. Ich habe mich ständig gefragt, wie ich an Eilish' Stelle handeln würde und empfand viele Situationen als sehr belastend.
Die Mechanismen eines autoritären Regimes und die katastrophalen Zustände für betroffene Familien zeichnet Paul Lynch deutlich.
"Das Lied des Propheten" ist auf jeden Fall ein Buch, das mir noch eine ganze Weile in Erinnerung bleiben wird.

Veröffentlicht am 09.10.2024

Zu lang

When The Moon Hatched
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Raeve ist Mitglied der Rebellion und kämpft daher mit vollem Einsatz, denn es gibt viele, die das nicht können und für die mitgekämpft werden muss. Ihre beste Freundin kommt bei einem brutalen Attentat ...

Raeve ist Mitglied der Rebellion und kämpft daher mit vollem Einsatz, denn es gibt viele, die das nicht können und für die mitgekämpft werden muss. Ihre beste Freundin kommt bei einem brutalen Attentat ums Leben, das eigentlich Raeve galt. Daher bestimmen der Wunsch nach Rache und Wut ihre Gedanken und ihr künftiges Handeln - dennoch landet sie im Gefängnis und sieht erstmal keinen Ausweg. Doch dann steht Kaan, der mächtige Herrscher, vor ihr und sein Drache rettet Raeve das Leben. Obwohl sie eine große Abneigung gegen ihn und das, was er verkörpert, hegt, fühlt sie sich zu ihm verbunden und kann sich so schnell nicht von ihm lösen.

Nachdem ich den Klappentext gelesen habe, war ich gespannt, was sich Sarah A. Parker für eine Geschichte ausgedacht hat und was Raeve als Mitglied der Rebellion alles erlebt. Doch leider konnte mich "When the moon hatched" nicht überzeugen. Ich habe mich auf ein dichtes Fantasy-Buch mit einer komplexen Welt und fantastischen Elementen gefreut. Die Drachen nehmen allerdings keine sonderlich große Rolle ein, sondern finden eigentlich nur am Rande statt. Auch die Einsätze der Rebellion werden nur zu Beginn behandelt, danach steht vor allem die Lovestory von Raeve und Kaan im Mittelpunkt. Der Spannungsbogen, an den ich mich im ersten Drittel noch festgehalten habe, ist immer weiter abgeflacht und spätestens nach dem zweiten Drittel komplett versiegt.
Ich empfand das Buch als zu lang, der Schreibstil konnte mich auch nicht sonderlich fesseln, er war recht flach und einfach, und Fantasy-Feelings blieben auch hinter der Lovestory zurück.