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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.11.2024

Regt zum Nachdenken an

Erfolg – ein moderner Selbstbetrug
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Bernd Kramer beleuchtet in "Erfolg - ein moderner Selbstbetrug" die verschiedenen Facetten von Erfolg. Grundlegend dafür ist vor allem die Frage, ob wir für unsere Leistungen immer entsprechend mit Erfolg ...

Bernd Kramer beleuchtet in "Erfolg - ein moderner Selbstbetrug" die verschiedenen Facetten von Erfolg. Grundlegend dafür ist vor allem die Frage, ob wir für unsere Leistungen immer entsprechend mit Erfolg belohnt werden oder ob Erfolg nicht vielmehr eine Mischung aus Leistung, Herkunft, Möglichkeiten und Chancen ist und daher auch in gewissem Maße vom Zufall beeinfllusst wird. Nicht jede Leistung spiegelt sich in Erfolg wieder, nicht alle Ziele können erreicht werden und zu Erfolg zählen nicht nur äußere Errungenschaften, sondern auch innere Zufriedenheit und Glücksgefühle.

Kramer regt mit seinem zynischen Unterton, den verschiedenen Blickwinkeln auf Ehrgeiz und Möglichkeiten von Erfolg zum Nachdenken an und lässt dabei auch der eigenen Definition von Erfolg Raum - fordert sie fast schon ein bzw. verlangt diese in der Lektüre, um sich selbst mit den angesprochenen Themen auseinandersetzen zu können.

Der Schreibstil ist flüssig, humorvoll und an einigen Stellen ironisch-zynisch, die Inhalte wirken fundiert und solide recherchiert. Insgesamt ein überzeugendes Buch, das der Leistungsgesellschaft den Spiegel vorhält und zum Nachdenken, Reflektieren und Hinterfragen einlädt.

Veröffentlicht am 20.11.2024

Intensiver Roman über Verlust und Trauer

Mein drittes Leben
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Innerhalb weniger Momente ändert sich Lindas Leben von dem einen auf den anderen Tag. Bei einem Verkehrsunfall verliert sie ihre 17-jährige und einzige Tochter. Von diesem Moment an gibt es für Linda ein ...

Innerhalb weniger Momente ändert sich Lindas Leben von dem einen auf den anderen Tag. Bei einem Verkehrsunfall verliert sie ihre 17-jährige und einzige Tochter. Von diesem Moment an gibt es für Linda ein Leben davor und ein Leben danach. Sie ist unglaublich traurig, zieht sich von ihrem Mann, der in der Stadt bleibt, zurück und zieht aufs Land. Sie zieht sich in sich selbst zurück, baut sich neue Routinen auf, wird im Garten aktiv, widmet sich ihren Erinnerungen und reflektiert ihr Leben, die Beziehung zu ihrer Tochter und sich selbst.

Daniela Krien beschreibt Lindas Verlust, ihre Traurigkeit und Trauer so eingehend und intensiv, dass "Mein drittes Leben" sämtliche Emotionen und Gefühle in mir ausgelöst hat und mir noch eine ganze Weile im Kopf bleiben wird. Es wird deutlich gemacht, wie unterschiedlich Menschen mit Verlust und Trauer umgehen, dass Routinen und Konfrontation helfen können und wie viel Energie alltägliche und vermeintlich leichte Aufgaben auf einmal benötigen; dass Energie nicht unerschöpflich ist und aufgeteilt werden muss.

Ich habe mit Linda mitgefühlt, habe mich durch die Kapitel leiten und tragen lassen, habe mich meinen eigenen Gedanken und Gefühlen hingegeben, immer wieder pausiert und war froh, dass das Ende des Buches eher positiv gestimmt und hoffnungsvoll ist als deprimierend und kapitulierend.

Für mich gehört "Mein drittes Leben" zu meinen Lesehighlights in diesem Jahr.

Veröffentlicht am 20.11.2024

Ein Abriss über weiblichen Schmerz

Unversehrt. Frauen und Schmerz
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Ausgehend von dem schmerzvollen Leiden ihrer Großmutter, deren Hintergründe und Ursachen nie geklärt wurden, beleuchtet Eva Biringer in "Unversehrt" weiblichen Schmerz und ordnet ihn ein.
Sie beleuchtet ...

Ausgehend von dem schmerzvollen Leiden ihrer Großmutter, deren Hintergründe und Ursachen nie geklärt wurden, beleuchtet Eva Biringer in "Unversehrt" weiblichen Schmerz und ordnet ihn ein.
Sie beleuchtet die Entstehungsgeschichte des Schmerzes, die unterschiedliche Konnotation männlichen und weiblichen Schmerzes, die diversen Ebenen und Dimensionen in denen Schmerz stattfindet, verortet sie in den patriarchalen Strukturen und macht die Mechanismen und Deutungen sichtbar.
Eva Biringer verdeutlicht an zig Beispielen und Situationen, wie weiblicher Schmerz abgesprochen, übergangen, abgewertet und unterschätzt wird. Aus medizinischer Sicht wird weiblicher Schmerz häufig psychosomatisch bewertet, chronische Erkrankungen, die bei Frauen viel häufiger auftreten, Menstruation und Endometriose sind kaum erforscht und werden erst seit wenigen Jahren wichtiger für die Forschung.
Weitere Themen sind die Fetischisierung von Schmerz, die männliche Norm, von der bei der Bemessung, Bewertung und Forschung von Schmerz innerhalb der Medizin ausgegangen wird, sowie häusliche und patriarchale Gewalt.

"Unversehrt" ist ein sehr informatives, gut recherchiertes und wütend machendes Buch über die Abwertung weiblichen Schmerzes, verbunden mit dem Appell, ihn sichtbar zu machen und in etwas Mächtiges umzuformen.
Ein wichtiges und ausdrucksstarkes Plädoyer aus feministischer Sicht, das jede*r lesen sollte!

Veröffentlicht am 20.11.2024

Gemütliche Herbstromanze

Meet me in Autumn. Eine Pumpkin spiced Romance
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Jeanie sieht mit an, wie ihr Chef einen durch Stress erzeugten Herzinfarkt erleidet und stellt für sich selbst fest: So soll es mit ihr nicht enden. Da kommt es ganz gelegen, dass ihre Tante ihr das Pumpkin ...

Jeanie sieht mit an, wie ihr Chef einen durch Stress erzeugten Herzinfarkt erleidet und stellt für sich selbst fest: So soll es mit ihr nicht enden. Da kommt es ganz gelegen, dass ihre Tante ihr das Pumpkin Spice Café in Dream Harbor schenkt. Jeanie ergreift die Chance auf einen Neuanfang in der Kleinstadt als willkommene Alternative zu ihrem Job am Schreibtisch.
Einer der ersten Menschen, die sie aus Dream Harbor kennenlernt, ist der attraktive Farmer Logan, der offenbar gar nicht so viel von den Kleinstadtbewohnerinnen und dem Tratsch hält, sonder eher für sich bleibt.
Doch auch er hat Jeanie wahrgenommen, fühlt sich zu ihr hingezogen und lässt sich durch sie von seinen Routinen abbringen. Auch die Bewohner
innen von Dream Harbor sind froh, dass sie endlich wieder Zeit im Pumpkin Spice Café verbringen können.

Laurie Gilmore hat mit "Meet me in autumn" eine gemütliche herbstliche Liebesgeschichte verfasst. Das Buch war wegen des einfachen Stils sehr leicht und schnell zu lesen. Erzählt wurde wechselnd aus Logans und Jeanies Perspektive, sodass wir einen guten Einblick in die jeweiligen Gedanken und Handlungen bekommen.
Durch das Kleinstadtsetting sind die Figuren sehr klischeebehaftet dargestellt und auch Logan und Jeanie handeln sehr vorhersehbar.
Der Plot war für mich nicht überraschend und das Ende sehr erwartbar. Für den Herbst mochte ich jedoch das gemütliche Flair des Pumpkin Spice Café, die Entwicklung von der Liebesbeziehung und einfach ein paar schöne Lesestunden zu haben.

Veröffentlicht am 19.11.2024

Mir gefiel die Umsetzung nicht

Reise nach Laredo
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Der ehemalige König Spaniens, Karl V., kommt im Jahr 1556 in ein Kloster in Yuste, um dort die letzten Tage bis zu seinem Tod zu verbringen. Während das Personal im Kloster darauf wartet, dass der kranke ...

Der ehemalige König Spaniens, Karl V., kommt im Jahr 1556 in ein Kloster in Yuste, um dort die letzten Tage bis zu seinem Tod zu verbringen. Während das Personal im Kloster darauf wartet, dass der kranke Karl stirbt, langweilt sich Karl, sitzt im Garten und beobachtet Geronimo, seinen unehelichen elfjährigen Sohn. Gemeinsam beschließen sie, auf einem Pferd und einem Maulesel abzuhauen und sich auf die Reise nach Laredo zu machen. Sie begegnen Fremde, finden Reisebegleitungen und Karl sieht die ländlichen Regionen des Landes, in denen er nie war und über die Menschen er kaum etwas wusste.

Arno Geiger wird, soweit ich das anderen Rezensionen entnehmen konnte, vor allem für sein Buch "Der alte König im Exil" gefeiert, das viele Leserinnen begeistert hat. Ich muss dazu sagen, dass ich historische Romane und fiktive Geschichten um historische Personen nicht allzu häufig lese und keine Leidenschaft dafür hege. Manchmal genieße ich es jedoch, darin einzutauchen und mich eine Weile lang in die Zeiten mitnehmen zu lassen.
Mir fiel bereits der Einstieg in "Reise nach Laredo" schwer. Ich emfpand Arno Geigers Schreibstil als sehr kompliziert, verschwungen und sprachlich sehr komplex. Ich hatte den Eindruck, der Roman soll sich vor allem auf philosophische Fragen des Lebens fokussieren, bebildert und veranschaulicht durch die Reise und die Erlebnisse und Begegnungen.
Ich kann mir vorstellen, dass Fan
innen von Arno Geiger auch begeistert von seiner Erzählweise und Karls Erleben hier sind, mich konnte er leider mit diesem Werk nicht überzeugen.
Ich empfand den Roman als zäh, schwierig zu lesen und habe Handlung und Spannung vermisst. Es gab leider keine Komponente, die mich fesseln oder begeistern konnte.