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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.02.2026

Verhängnisvolle Dreierkonstellation

Spielverderberin
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Lotte und Sophie kennen sich seit sie Kinder sind, denn sie sind in derselben Bauernschaft in Aulbach im Süthland großgeworden und so enge Freundinnen geworden. In der Oberstufe stößt dann Romy, die unkonventionelle, ...

Lotte und Sophie kennen sich seit sie Kinder sind, denn sie sind in derselben Bauernschaft in Aulbach im Süthland großgeworden und so enge Freundinnen geworden. In der Oberstufe stößt dann Romy, die unkonventionelle, coole Schülerin aus München dazu und verbringt vor allem Zeit mit Lotte. Nach einiger Zeit freundet sie sich auch mit Sophie an und ist vor allem interessant und aufregend.
Marie Menke schreibt über die Freundschaft auf zwei Zeitebenen und überlässt Sophie als Ich-Erzählerin die Bühne. Schnell wird klar, dass es irgendein Geheimnis und ein großes Problem innerhalb dieser Dreierkonstellation gab und gibt.
Erzählt wird einerseits in der Gegenwart, zu Studienzeiten, und andererseits in der Vergangenheit von der Schulzeit. So erfahren die Leser*innen bruchstückhaft, was die Freundschaften bestimmt hat, wie die drei ihre Zeit miteinander verbracht haben und im Laufe des Buches auf, wie die drei zueinander standen. Allerdings schwingt hier das meiste zwischen den Zeilen mit. Was einst in der verhängnisvollen Nacht passiert ist, erfahren wir recht spät.

Ich mochte die Art und Weise sowie den Ton, in dem Marie Menke schreibt. Die Freundschaft der drei Mädchen bzw. jungen Frauen wirkt obsessiv, kontrollierend und vor allem unsicher und instabil. Über Lotte erfahren wir am wengisten, doch im Grunde blieben alle drei Figuren sehr distanziert für mich. Die Kipppunkte sind jedoch klar spürbar und beklemmend.

Ein intensiver Roman, der die Faszination und die Belastung einer Freundschaft zwischen sehr unterschiedlichen jugen Frauen thematisiert.

Veröffentlicht am 16.02.2026

Eine scheinbar perfekte Familie

Alle glücklich
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"Alle glücklich" erzählt von einer scheinbar perfekten Familie: Nina, Mutter und Ehefrau, arbeitet als MTA und hält die Familie zusammen, indem sie alles erledigt, was anfällt und für alle sorgt. Allerdings ...

"Alle glücklich" erzählt von einer scheinbar perfekten Familie: Nina, Mutter und Ehefrau, arbeitet als MTA und hält die Familie zusammen, indem sie alles erledigt, was anfällt und für alle sorgt. Allerdings hat sie nachmittags noch einen Zweitjob, von dem keine*r etwas weiß und findet dort eine neue Freundin. Ihr Ehemann Alexander ist Oberarzt, strenger Fater und opfert sich aus seiner Sicht für alle auf, bekommt dafür jedoch zu wenig Dankbarkeit. Tochter Emilia ist zum ersten Mal verliebt und schwärmt sehr für ihren älteren Freund mit Auto und eigener Wohnung. Seit dieser Beziehung hat sich auch das Verhältnis zu ihrem älteren Bruder Ben distanziert. Er ist Student, hadert viel mit sich, aber überzeugt alle davon, dass es ihm doch gut gehe.
Kira Mohn zeigt anschaulich, welch kleine Risse eine scheinbar perfekte Familie braucht, damit alles aus den Fugen gerät und das heilige Familienleben in einer einzigen Katastrophe endet. Von Kapitel zu Kapitel ist spürbarer, wie sehr sich der Druck aufbaut, wie die einzelnen Figuren aus ihren Rollen fallen, aufbegehren, sich selbst behaupten und Konflikte entstehen. Kira Mohn schreibt eindringlich, psychologisch klug und hat mich nach den ersten Seiten geradezu in ihren Bann gezogen, sodass ich "Alle glücklich" geradezu verschlungen habe.

Veröffentlicht am 04.02.2026

Humorvoller Krimi

Bella Barks' letztes Like
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Leo Escher war mal ein erfolgreicher YouTuber und hat angehende Influencerinnen gecoacht. Darunter auch Isabella, mittlerweile bekannt als Petfluencerin Bella Barks, die sehr erfolgreich ist. Sie lädt ...

Leo Escher war mal ein erfolgreicher YouTuber und hat angehende Influencerinnen gecoacht. Darunter auch Isabella, mittlerweile bekannt als Petfluencerin Bella Barks, die sehr erfolgreich ist. Sie lädt zu einem Launch in einem abgelegenen Hotel ein, zu dem Leo anreist. Kurz nach der Anreise hat er die Möglichkeit für ein kurzes Gespräch mit Isabella, das ihn stutzig werden lässt. Am Abend des großen Launches wird Bella tot auf der Bühne gefunden - es war ein allergischer Schock. Leo kommt das merkwürdig vor, er glaubt an einen kaltblütigen Mord und beginnt zu ermitteln. Plötzlich sind alle verdächtig: Bellas Manager, ihr Freund, die anderen Influencerinnen und vielleicht sogar das Hotelpersonal?

Michael Buchinger schreibt humorvoll, kurzweilig und hat mit Leo einen sympathischen und gelassenen Protagonisten geschaffen. Ich habe die Vorkommnisse sehr gern verfolgt, war gespannt auf die Gespräche, Leos Ermittlung und die Verstrickungen während des Wochenendes. Auf den ersten Blick ist nichts, wie es scheint, was den Leser*innen immer klarer wird.

Ein humorvoller Krimi, der mir unbeschwerte und unterhaltsame Lesestunden beschert hat.

Veröffentlicht am 30.01.2026

Roman über Selbstermächtigung

Ein Herz aus Papier und Sternen
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Pip ist als Jugendliche von ihrer Jugendliebe Jamie schwanger geworden. Jamie wurde von seinen Eltern aus dem Land und aus Pips Leben gedrängt. Pip bleibt mit ihrer Tochter Bella bei ihren Eltern ...

Pip ist als Jugendliche von ihrer Jugendliebe Jamie schwanger geworden. Jamie wurde von seinen Eltern aus dem Land und aus Pips Leben gedrängt. Pip bleibt mit ihrer Tochter Bella bei ihren Eltern leben. Pips Mutter gibt zuhause den Ton an und herrscht über die 32-jährige Pip und die Teenagerin Bella sowie über ihren Ehemann. Alles muss sich nach ihr richten. Pip würde gern auf eigenen Beinen stehen, ihre Tochter großziehen und sich nicht für immer wie ein Kind fühlen müssen, zumal sie gar keine Mutter für Bella sein kann, sondern vielmehr als ihre Schwester behandelt wird und stattdessen ihre Mutter die Mutterrolle für Bella einnimmt. Schafft Pip es, sich selbst zu behaupten, sich selbst zu ermächtigen und aus ihrem Elternhaus auszubrechen?

Cecelia Ahern erzählt sanft und langsam von Pips Alltag in der Tankstelle, ihren Unsicherheiten, ihrer Liebe zu Bella, der Kontrolle und Macht ihrer Mutter sowie den Träumen, unabhängig zu sein und ihre eigenen Wünsche zu verfolgen.
Stattdessen wird sie kleingehalten, macht sich selbst klein und steckt zurück. Ihr einziger Zufluchtsort sind die filigranen Origami-Kunstwerke, die sie anfertigt und gut versteckt.
Als sie sich mit einem Astronom der örtlichen Sternwarte anfreundet, lernt sie nicht nur neue Aspekte in der Welt, sondern auch neue Seiten an sich selbst kennen. Sie lernt, zu den Sternen zu Blicken, ihre eigene Perspektive zu verlagen und einen neuen, erweiterten Blick auf die Welt zu bekommen.
Pips Mut, ihre persönliche Entwicklung, die Abhängigkeit von ihrer Mutter, all die negativen Erfahrungen, die Bevormundung und Grenzüberschreitungen, die sie erlebt, werden Kapitel für Kapitel entblättert und entfalten ihre Wirkung. Es hat mir Freude bereitet, Pip dabei zuzusehen, wie sie über sich selbst hinauswächst und für sich selbst einsteht.
Ein sanfter und bewegender Roman von Cecelia Ahern.

Veröffentlicht am 30.01.2026

Sehr eindringlich und intensiv

Da, wo ich dich sehen kann
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Das Leben der neunjährigen Maja ändert sich schlagartig, als ihr Vater ihre Mutter tötet und sie vorübergehend zu ihren Großeltern zieht und die Beziehung zu ihrer Patentante Liv, beste Freundin ...

Das Leben der neunjährigen Maja ändert sich schlagartig, als ihr Vater ihre Mutter tötet und sie vorübergehend zu ihren Großeltern zieht und die Beziehung zu ihrer Patentante Liv, beste Freundin der Mutter, intensiviert. Ihr Papa war für Maja immer ein Held und wenn sie in den Spiegel blickt, sieht sie die Ähnlichkeit und zerstört daher sämtliche Spiegel im Haus.

Jasmin Schreiber schildert anhand der neunjährigen Maja, was nach einem Femizid mit den Hinterbliebenen geschieht. Da ist die Tochter, die zerrissen ist über die Wahrheiten, die sie über ihren Vater und ihre Mutter kennt, die sich Fragen nach Liebe und Schuld stellt. Da sind Eltern, die ihren Sohn nicht als Mörder sehen, Eltern, die um ihre ermordete Tochter trauern, eine beste Freundin, die die Gewalt unterschätzt hat, eine Gesellschaft, die von Femiziden gnadenlos überfordert ist und strukturelles Versagen seitens Behörden und Institutionen.

Durch die Erzählperspektive auf Maja wird die große Leere, das Loch, was entsteht, sehr deutlich. Sie wird zum Spielball innerhalb des Sorgerechtsstreits, muss mit sich selbst, den anderen Kindern und ihrem Verhältnis zu ihren Eltern klarkommen und sich orientieren. Außerdem muss sie einen Zugang zur Trauer finden, während um sie herum alle versuchen, irgendwie Halt zu finden.
Jasmin Schreiber schreibt eindringlich, intensiv und hat in mir sämtliche Gefühle und Emotionen geweckt. Der Roman ist an keiner Stelle reißerisch, sondern setzt dort an, wo Medienberichte in der Regel aufhören. Denn Femizide sind keine Familientragödien, geschehen nicht aus heiterem Himmel und hinterlassen überforderte Hinterbliebene. Anhand eines Beispiels wird beschrieben, wie sich Gewalt äußern, wie es zum Femizid kommen kann und wie es dazu kommt, dass dies viele Menschen nicht akzeptieren wollen.

Ein intensives Buch, das alle wichtigen Ebenen des Themenkomplexes thematisiert, anschaulich macht und das jede*r lesen sollte, um annähernd zu verstehen.