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Veröffentlicht am 06.01.2023

Wunderbare Entdeckung

Maestro
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Nach einer Aufführung des Dirigenten Antoine Mala wird dessen Haut ordentlich zusammengefaltet in der Künstlergarderobe des Berwaldsaales gefunden. Kerstin Armfeldt, pensionierte Chefin der Stockholmer ...

Nach einer Aufführung des Dirigenten Antoine Mala wird dessen Haut ordentlich zusammengefaltet in der Künstlergarderobe des Berwaldsaales gefunden. Kerstin Armfeldt, pensionierte Chefin der Stockholmer Mordkommission, wird mit der Leitung der Untersuchung beauftragt. Ihr zur Seite gestellt wird der Komponist und Regierungsberater David Westerdahl. Zusammen ermitteln sie zwischen Verrat, Politik, Musik und Gewalt und die Spuren führen u. a. von Schweden über London nach Russland.

"Maestro" von Fredrik Österling ist ein erfrischend anderes Buch. Der Autor ist selbst Komponist und kennt sich somit in dieser Szene gut aus. Und dies merkt man deutlich. Man wird in die Welt der Musik entführt, lernt diese Welt auf eine Art kennen, wie man sie wohl noch nie gesehen hat. Es herrscht eine Art Machtkampf, der vor nichts halt macht und geprägt ist von politischen Seilschaften und musikalischen Mythen. Fredrik Österling spinnt hier die Fäden aus Intrigen und Geheimnissen zu einer extrem spannenden Handlung zusammen. Dabei verliert er jedoch nie seine Leichtigkeit des Schreibstils. Er sorgt durch die Charaktere Armfeldt und Westerdahl, die unterschiedlicher nicht sein könnten und eigentlich gar nicht zueinander passen, für eine gewisse Prise Humor, die dem Buch sehr gut tut. Ihr langsames zueinander finden hat schon allein seinen Reiz, die Geschichte zu lesen. Die Handlung beginnt spannend und bleibt dies auch bis ganz zum Schluß. Manche Szenen sind heftig - man kann sich Malas Schmerzen und seine Verzweiflung viel zu gut vorstellen, da man so tief in diese Geschichte mit den bildhaften Beschreibungen gezogen wird, daß man alles vor Augen wie einen Film erlebt. Hier braucht es schon etwas stärkete Nerven.
"Maestro" war für mich eine sehr gelungene Abwechslung. Wer anspruchsvollere und besondere Krimis sucht, der ist hier genau richtig!

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Veröffentlicht am 05.01.2023

Wunderbarer Krimi von der Sonneninsel Fehmarn

Küstenschatten
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Am Strand vom Grünen Brink findet der Hund von Urlaubern eine männliche Leiche - ohne Kopf und Gliedmaßen. Die einzige Möglichkeit zur Identifikation bietet ein Stück einer Tätowierung im Nacken der Leiche. ...

Am Strand vom Grünen Brink findet der Hund von Urlaubern eine männliche Leiche - ohne Kopf und Gliedmaßen. Die einzige Möglichkeit zur Identifikation bietet ein Stück einer Tätowierung im Nacken der Leiche. Die Kommissare Westermann und Hartwig gehen dieser Spur nach und müssen im Hamburger Rotlichtmillieu ermitteln. Dort führt sie die Spur weiter zur Prostituierten Kaja, die ein paar Tage vor dem Leichenfund mit ihrem Kind nach Fehmarn geflüchtet und untergetaucht ist. Welche Rolle spielt sie in dem Fall?

"Küstenschatten" ist der zweite Fall, den Heike Meckelmann auf Fehmarn angesiedelt hat. Und dieser Fall hat es in sich. Spannend von Beginn bis Ende, verschlingt man die mit einer angenehmen Länge versehenen Kapitel förmlich. Jedes Kapitel macht schlichtweg neugierig auf das nächste, so daß man das Buch nicht mehr aus dem Kopf bekommt und ganz schnell weiterlesen möchte. Ihre Charaktere sind einfach überwältigend sympathisch. Westermann und Hartwig sind einfach ein tolles Team! Der heimliche Star ist jedoch für mich Charlotte, die Miss Marple von Fehmarn. Sie sorgt hier für ein wenig guten Humor und ohne ihre Spürnase würde den Kommissaren doch manchmal wichtiges entgehen. Charlotte kennt sich halt aus auf "ihrer" Insel. Genau wie Heike Meckelmann selbst. Und dies merkt man dem Buch an. Die Autorin liebt ihre Insel, vermag die Schauplätze so detailgetreu darzustellen, daß man sich auf der Insel wähnt und, wenn man sich dort ein wenig auskennt, einiges wiedererkennt. Und genau dies mag ich bei Regionalkrimis sehr! Sie sind nicht austauschbar, sondern haben ihren Handlungsort, der einfach nur genau dort sein kann. Genau so, wie es hier ist. Landschaft, Leute und Buch verschmelzen zu einer Einheit. Heike Meckelmann schreibt leicht und locker, so daß man ihre Bücher sehr gern liest!
Dieses Buch bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung - und ist ein Muß für jeden Liebhaber guter Küstenkrimis!

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Veröffentlicht am 03.01.2023

Herrlicher Spaß

Männer, Mord und Remmidemmi
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Elli Fuchs, Angestellte im Sanitätshaus Haslinger, wäre so gern Kriminalerin geworden - doch leider standen ihr ein paar Dinge dazu im Weg. Doch als in einem Wannensockel eine Leiche im Futtermittelsack ...

Elli Fuchs, Angestellte im Sanitätshaus Haslinger, wäre so gern Kriminalerin geworden - doch leider standen ihr ein paar Dinge dazu im Weg. Doch als in einem Wannensockel eine Leiche im Futtermittelsack gefunden wird, hält sie nichts mehr und sie steckt gemeinsam mit Dorfpolizist Schmiedi mittendrin in einem Fall um Familiengeheimnisse. Und so ganz nebenbei ist auch noch Fasching, sie muß sich um ihre Kinder kümmern und sie ist auf Männersuche... Also ganz schön viel los in Ellis Leben!

"Männer, Mord und Remmidemmi" von Alexandra Stiglmeier ist ein herrlich humorvoller Krimi, bei dem man sich sehr oft lachend auf die Schenkel klopft. Elli ist eine Marke für sich. Selbst Kunden mit komischen Ideen (haben sie keine gebrauchte Klobrille?) bringen sie nicht aus der Fassung und sie hat immer eine schlagkräftige Antwort parat. Privat ist sie auf Partnersuche, hat mit ihren Kindern und sonstigen Mitbewohnern ordentlich zu tun und tappt in so ziemlich jedes Fettnäpfchen, was sich ihr bietet. Ihre Suche nach dem Täter nimmt oft kuriose Züge an und man fragt sich, ob das so gut gehen kann. Da fiebert man richtig mit, wenn sie mal wieder kuz davor steht, erwischt zu werden. Sie ist einfach richtig sympathisch und denkt eher mit dem Herzen. Aber auch die anderen Charaktere wachsen einem richtig ans Herz. Alle haben ihre verschrobenen Eigenarten, sind dabei aber stets liebenswert. Der Fall selbst ist spannend, voller Geheimnisse und immer neuen Verdächtigungen. Alexandra Stiglmeier schreibt herrlich erfrischend mit bayrischem Dialekt, so daß man sich wirklich vorkommt wie in Bayern. Man kann den Gesprächen dabei aber ohne Verständnisprobleme folgen - und falls tatsächlich mal Hilfe benötigt wird, findet sich am Ende des Buches ein Glossar. Und wer bei dem Faschingsball Durst bekommt, findet dort dann auch die entsprechenden Rezepte.
"Männer, Mord und Remmidemmi" hat mir sehr viel Lesespaß bereitet, so daß ich diesen Regionalkrimi sehr empfehlen kann!

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Veröffentlicht am 02.01.2023

Etwas langatmig

Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens
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Lucien entstammt einer alten Adelsfamilie mit dubioser Tradition: Sie töten auf Auftrag. Doch Lucien ist aus dieser Tradition ausgestiegen und widmet sich lieber seinem Bistro. Doch als sein Vater stirbt, ...

Lucien entstammt einer alten Adelsfamilie mit dubioser Tradition: Sie töten auf Auftrag. Doch Lucien ist aus dieser Tradition ausgestiegen und widmet sich lieber seinem Bistro. Doch als sein Vater stirbt, muß er ihm am Sterbebett schwören, die alte Tradition fortzusetzen. Lucien steht vor der Herausforderung, sein Versprechen einzulösen, obwohl er gar nicht töten will.

Pierre Martin, der bereits die erfolgreiche Serie um "Madame le Commissaire" geschrieben hat, hat eine neue Serie begonnen. Diesmal ist es "Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens". Leider kommt Monsieur le Comte um Längen nicht an Madame heran. Schon der Schreibstil wirkt auf mich hölzern. Eigentlich hatte ich auch auf ein wenig Humor gehofft, denn bei solch einem Konflikt, wie ihn Lucien hat, hätte ich da doch einige witzige Szenen erwartet. Leider war dem nicht so. Die Handlung besticht auch nicht durch überragende Spannung, sondern plätschert still vor sich hin, so daß man eigentlich immer darauf wartet, daß jetzt gleich doch irgendetwas spannendes geschieht. Interessant jedoch ist die Idee des Buches. Der innere Konflikt, den Lucien durchleben muß, beschreibt Pierre Martin recht gut und dies ist auch ein Pluspunkt des Buches. Ansonsten hat man hier ein Buch, welches nicht überragend ist, aber auch nicht ganz schlecht.

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Veröffentlicht am 30.12.2022

Große Klasse

Der Ruf des Nachtvogels
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Jessica lebte lange Zeit in Sydney. Nach dem Ende ihrer Ehe kehrt sie in ihre Heimat Tasmanien zurück. Ihre Freundin Sally betreibt dort eine Farm, die schon seit Generationen ihrer Familie gehört. Dort ...

Jessica lebte lange Zeit in Sydney. Nach dem Ende ihrer Ehe kehrt sie in ihre Heimat Tasmanien zurück. Ihre Freundin Sally betreibt dort eine Farm, die schon seit Generationen ihrer Familie gehört. Dort kann Jessica erst einmal zur Ruhe kommen. Dabei hilft ihr die wunderbare Natur. Bei einem Ausflug zu der Höhle, die die Freundinnen in ihrer Kindheit entdeckt haben, finden sie darin eine alte Kassette mit Dokumenten. Alles deutet darauf hin, daß diese Kassette einst Sallys Großmutter Stella gehört hat. Sie war eine gute Malerin und hat besonders oft Pflanzen und Tiere der Umgebung gemalt. Sally und Jessica finden in dieser Schatulle auch alte Dokumente. Die Freundinnen ahnen, daß Stella ein Geheimnis hatte, das bisher nicht ans Licht kam. Sie beschließen, dieses Geheimnis zu lüften und reisen den Spuren nach, die sie in den Unterlagen finden. Es beginnt eine aufregende Reise durch Tasmanien. Am Ende dieser Reise haben Sie mehr gefunden als ein Stück Familiengeschichte.

"Der Ruf des Nachtvogels" führte mich in einen mir völlig unbekannten Teil der Welt. Di Morrissey schreibt darin so begeistert über Tasmanien, daß ihre Liebe zu diesem Land sofort auf den Leser überspringt. Die Natur muß dort grandios sein. Damit das auch so bleibt, muß sie allerdings vor Raubbau durch die Menschen geschützt werden. Die Autorin hat deshalb in dieser Geschichte nicht mit Kritik am Massentourismus und maßloser Rodung der alten Wälder gespart. Das ist sehr geschickt, denn man ist total im Bann der spannenden Handlung, erlebt mit den Freundinnen eine tolle Reise durch Tasmanien und dann erfährt man, daß diese wunderbare Natur in Gefahr ist. Sofort möchte man mit ihnen etwas dagegen unternehmen. Dieses kleine Buch kommt als gute Unterhaltung daher und hat doch so eine große Botschaft an die Menschen in sich versteckt. Große Klasse!

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