Profilbild von tinstamp

tinstamp

Lesejury Star
offline

tinstamp ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit tinstamp über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.09.2019

Ritualmorde im Baskenland

Die Stille des Todes
0

Vitoria, im spanischen Baskenland, erlebte vor 20 Jahren eine grausame Mordserie. Die Opfer waren ausnahmslos Paare. Sie sind gleich alt, kennen sich nicht und wurden symbolisch arrangiert. Der mutmaßliche ...

Vitoria, im spanischen Baskenland, erlebte vor 20 Jahren eine grausame Mordserie. Die Opfer waren ausnahmslos Paare. Sie sind gleich alt, kennen sich nicht und wurden symbolisch arrangiert. Der mutmaßliche Täter, der Historiker Tasio de Ortiz, wurde gefasst und verurteilt. Nun steht sein erster Hafturlaub bevor, als in der Kathedrale von Vitoria wiederum eine männliche und eine weibliche Leiche, nackt, die Hände an der Wange des anderen, gefunden wird. Exakt so arrangiert wie die Leichen vor 20 Jahren. Doch noch sitzt der damals Verurteile im Hochsicherheitstrakt. Wurde etwa der falsche Mann verhaftet? Oder gibt es einen Nachahmer?
Tasio wendet sich aus dem Gefängnis heraus direkt an Inspektor Unai Ayala, genannte "Kraken", und bietet ihm seine Hilfe an.Er glaubt die Gedankengänge und Motivation des wahren Täters zu kennen....

"Die Stille des Todes" ist der Auftakt einer neuen Thrillerreihe der baskischen Autorin Eva Garcia Sáenz. Der Einstieg in das Buch ist rasant, allerdings verwirren die spanischen Namen, viele Straßenbezeichnungen und Gebäudenamen, selbst für Leser mit Spanischkenntnissen, sehr. Die Bezeichnungen sind allerdings für spätere Schauplätze wichtig. Mit der Zeit findet man sich aber zurecht und taucht ein in eine grausame Mordserie, die absolut fesselt und uns an die schönsten Plätze der spanischen Stadt Vitoria führt. Allerdings benötigt der Thriller ein bisschen Anlaufzeit, da man neben den Schauplätzen auch die handelnden Figuren erst kennenlernen muss. Der komplexe Aufbau, den Eva Garcia Sáenz gekonnt angelegt hat, gibt nach und nach immer mehr Hintergrundinformationen rund um die symbolische Anordnung der Paare her.

In einem zweiten Handlungsstrang blendet die Autorin zurück in das Jahr 1970. Lange Zeit hat der Leser keine Ahnung wie diese Zeitebene und die Figuren zu den aktuellen Morden passen könnten. Gekonnt wird dadurch die Spannung erhöht und zum Schluss hin werden beiden Zeitstränge zusammengeführt.

Erzählt wird aus der Ich-Perspektive von Unai Ayala, dem eigentlichen Profiler im Team. Der sympathische Mann, der seine Frau und sein Kind verloren hat, liebt seine Heimat und seinen Goßvater, bei dem er aufgewachsen ist. Gemeinsam mit seiner Kollegin Inspektorin Esti Gauna versucht Ayala den Täter zu finden, denn die Morde finden in immer kleiner werden Abschnitten statt. Der zusätzliche Hype durch die Twitter Meldungen, die die Einwohner von Vitoria auf Alaya aufmerksam machen, erschweren allerdings die Nachforschungen. Als die Angriffe persönlich werden, haben Alaya und auch Esti nichts mehr zu verlieren. Zum Ende hin nimmt die Story nochmals richtig Fahrt auf und hält den Spannungsbogen hoch. Der Schluss ist nicht vorhersehbar, was ein zusätzlicher Pluspunkt ist.
Ich werde diese neue spanische Reihe auf jeden Fall weiter verfolgen und freue mich schon auf den zweiten Fall, der bereits im Oktober auf Deutsch erschienen wird.

Schreibstil:
Der flüssige Schreibstil, als auch die historischen und bildhaften Beschreibungen der Stadt Vitoria und der Umgebung, haben mich an den Thriller gefesselt. Einige unnötige Details bringen auch ein paar kleine Längen in den Thriller, störten mich aber nicht wirklich.
Der Thriller hat 25 Kapitel, bei denen als Überschrift der Tweed von Tasio eingeblendet wird.

Fazit:
Ein gelungener Reihenauftakt mit einem nicht so alltäglichen Schauplatz und einem sympathischen Ermittlerteam. Düster und fesselnd mit überraschenden Wendungen. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall von Unai Alaya.

Veröffentlicht am 13.09.2019

Das Leben der Daisy von Pless

Die englische Fürstin
0

Im historischen Roman "Die englische Fürstin" - zwischen Glanz und Rebellion, begleiten wir Daisy von Pless durch ihr bewegtes Leben am Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts.

Mary Theresa Olivia ...

Im historischen Roman "Die englische Fürstin" - zwischen Glanz und Rebellion, begleiten wir Daisy von Pless durch ihr bewegtes Leben am Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts.

Mary Theresa Olivia Cornwallis-West, genannt Daisy, stammt aus altem verarmten englischen Adel. Sie wächst eher ungezwungen und mit wenig Bildung auf, obwohl sie zum elitärsten Kreis der englischen Aristokratie gehört. Ihre Schönheit lässt sie zum strahlenden Mittelpunkt werden, als sie debütiert. Die Männer umschwärmen sie wie Motten das Licht und Daisy träumt von einer Liebesheirat, doch ihre Mutter hat eigene Pläne. Sie verheiratet ihre Tochter an den 12 Jahre älteren und schwerreichen Hans Heinrich von Pless. Der Deutsche bringt das gewünschte Geld ins Haus und die "von Pless" steigen in der Gunst des deutschen Kaisers auf. Daisy muss ihr Leben in England hinter sich lassen und kommt völlig unvorbereitet im pompösen Schloss Fürstenstein an. Sie hat weder Ahnung vom Eheleben, noch von der strengen Etikette des deutschen Adels. Das Personal wird ignoriert und nicht angesprochen, ganz anders als sie es von ihrem Zuhause gewohnt ist. Daisy fühlt sich einsam und unglücklich an der Seite des strengen und kühlen Hans. Bei Bällen und Pferderennen verzaubert sie die Aristokratie und selbst den Kaiser, einzig Hans bleibt steif und zurückhaltend. Als sie mitbekommt, wie die Arbeiter in den Kohlegruben ihres Mannes ausgebeutet werden, beginnt sie sich sozial zu engagieren. Ihr Mann versucht mit vielen Mitteln ihre Hilfsbereitschaft und ihre Anteilnahme zu unterbinden. Doch Daisy findet Mittel und Wege den Ärmsten der Armen zu helfen.Als der Erste Weltkrieg ausbricht ist sie trotz ihrer Stellung am Hofe plötzlich die Feindin im eigenen Land. Daisy, die sich immer für Frieden einsetzte, gerät zwischen die Fronten....

In einem zweiten Handelungsstrang lernen wir Joschi Siebenbürger kennen. Als sein Vater bei einem Grubenunglück in der Grube bleibt, ist es an ihm die Familie zu ernähren. Der erst 9jährige wird ebenfalls unter Tag geschickt, wird jedoch Pferdebursche. Die aufkeimende Liebe zu den Pferden ist für Joschi wie ein Lebensexelier. Er wird zum Pferdeflüsterer und landet schlussendlich in den Stallungen von Hans von Pless, wo auch Daisy auf ihn aufmerksam wird.
Sabine Weigand hat sich in ihrem neuem historischen Roman dem Leben dieser interessanten Frau angenommen, die Ende des 19. Jahrhunderts debütiert und nach Deutschland verheiratet wird. Sie hält sich dabei sehr nah an die historischen Fakten. Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist unbeschreiblich. Während Hans und Daisy in Indien auf Tigerjagd gehen und der Schlossumbau Millionen verschlingt, leben achtköpfige Familien in zwei Räumen und nagen am Hungertuch. Krankheiten und harte Arbeit, Seuchen und Hungersnöte sind allgegenwärtig, während der Adel rauschende Feste feiert. Durch ihren Stallburschen Joschi kommt sie mit der ärmlichen Bevölkerung in Berührung und versucht den Armen zu helfen und unter die Arme zu greifen.
Daisy von Pless entwickelt sich im Laufe der Jahre von einem naiven jungen Ding zu einer beeindruckenden jungen Frau, die die strengen Fesseln des Adels zu sprengen versucht. Ihre politische Weitsicht hat mich ebenfalls beeindruckt.

Sabine Weigand hat wieder einen beeindruckenden und informativen historischen Roman geliefert, der das Leben von Daisy von Pless schildert. Ihre Geschichte wird in verschiedenen Erzählformen vermittelt. Die Autorin lässt die Hauptprotagonistin aus ihrer Sicht, aber auch aus der von Joschi erzählen. Ebenso gibt es einen allwissenden Erzähler. Zeitungsausschnitte, Briefe von Daisy an ihre Familie in England und Auszüge aus ihrem Tagebuch runden die Geschichte ab und geben ihr noch mehr Authentizität. Durch einige Wiederholungen und etwas ausschweifende Erzählungen haben sich leider auch ein paar kleine Längen in den Roman geschlichen und eine kleine (fiktive) Episode fand ich unglaubwürdig.

Schreibstil:
Die Autorin schreibt lebendig und detailliert. Man merkt sofort, dass Sabine Weigand Historikerin ist. Die gekonnte Verknüpfung von Historie und Fiktion ist ihr absolut gelungen.
Auf dem Cover des Romans befindet sich ein Foto der Hauptprotagonistin, als auch vor jedem größeren Abschnitt des Buches, das in vier Teile gegliedert ist. Über den Kapitel befinden sich Zeit- und Ortsangaben.

Im Nachwort informiert Sabine Weigand den Leser darüber, welche Passagen historisch belegt sind und welche ihrer schriftstellerischen Freiheit entspringen. Ein Personenverzeichnis rundet dieses wunderbare Buch noch ab.

Fazit:
Ein gelungenes und informatives Portrait einer starken Frau, die sich gegen die Konventionen auflehnt und die Ärmsten unterstützt. Sabine Weigand hervorragend recherchierter Roman, der gekonnt Historie und schriftstellerische Freiheit verknüpft, lässt einem tief in die Zeit, wo Frauen keinerlei Rechte hatten, blicken. Für Freunde historischer Romane, die über das Schicksal einer starken Frau ihrer Zeit lesen möchten.

Veröffentlicht am 11.09.2019

Spannender historischer Krimi

Rheinlandbastard
0

Coblenz am Rhein, 1924. Sechs Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges ist das Rheinland von den französischen Soldaten besetzt. Der Hass und das Misstrauen schwelt noch immer zwischen Deutschland und ...

Coblenz am Rhein, 1924. Sechs Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges ist das Rheinland von den französischen Soldaten besetzt. Der Hass und das Misstrauen schwelt noch immer zwischen Deutschland und Frankreich. Aber auch die Rheinländer sind sich nicht wirklich einig, welchen Weg sie gehen wollen: Monarchie oder Republik? Franzose sein oder Deutscher? Durch den andauernden Kampf um dieses Gebiet herrscht große Unsicherheit.
Auf der Festung Ehrenbreitstein, die ich schon von einem historischen Roman "kenne", dessen Handlung ein Jahrhundert früher gespielt hat, befinden sich die französischen Besatzungssoldaten, die die Region bewachen.
Als einer ihrer Kameraden mit durchschnittener Kehle aufgefunden wird, denken alle zuerst an Widerstandskämpfer aus den deutschen Reihen. Als das Morden jedoch weiter geht, sieht der französische Ermittler Didier Anjou ein, dass er deutsche Amtshilfe benötigt. Er rechnet mit einem erfahrenen deutschen Kriminalkommissar, erhält jedoch den frisch von der Polizeischule kommenden Adalbert Wicker. Für ihn ein Affront, denn Anjou hat seit seinen Kriegserlebnissen an der Front für die Deutschen nicht viel über. So fällt es ihm schwer Vertrauen zu Wicker zu fassen. Zusätzlich verdächtigt der junge Kommissar eher die französische Seite, was Anjou noch mehr aufbringt. Doch zu seiner Überraschung freundet er sich nicht nur mit dem jungen Wicker an, sondern auch mit dem deutschen Rechtsmediziner von Hohenstetten.
Durch Adalberts französische Freundin Babette, die im Lazarett als Krankenschwester tätig ist, erhält er bald interessante Informationen und dén richtigen Fingerzeig, was hinter den Morden stecken könnte....

Dieter Aurass hat einen sehr temporeichen historischen Krimi geschrieben, der von der ersten Seite an spannend zu lesen ist. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen und wieder einmal etwas dazugelernt, denn der historische Hintergrund war mir nicht wirklich bekannt. Es ist ein schwarzes Kapitel in der Geschichte, das noch immer totgeschwiegen wird. Mehr darf ich dazu nicht verraten, sonst würde ich spoilern.

Die Charaktere sind facettenreich und wunderbar gezeichnet. Ich konnte mir alle Figuren lebhaft vorstellen und habe besonders den jungen Adalbert Wicker ins Herz geschlossen. Dieter Aurass hat hervorragend recherchiert und ein Thema aufgerollt, das viel mehr an die Öffentlichkeit transportiert werden sollte. Man fiebert mit Babette und Adalbert, als auch mit Didier Anjou mit, während man einige grausame Morden mitverfolgt.

Mir waren die 272 Seiten fast zu kurz und ich hätte noch gerne etwas ausführlicher über die Hintergrunde oder die Aufklärung der Morde gelesen. Ein historischer Krimi, der gut und gerne noch 100 Seiten länger hätte sein können.

Fazit:
Ein spannender historischer Krimi, der ein bisher kaum bekanntes Thema aufgreift und wieder einmal die Grausamkeit der Menschen aufzeigt. Vielschichtige Charaktere und ein rasanter Schreibstil haben mich durch die - meiner Meinung fast zu wenig Seiten - durchrasen lassen. Wer gerne spannende historische Krimis liest, dem kann ich "Rheinlandbastard" auf jeden Fall empfehlen!

Veröffentlicht am 08.09.2019

Wunderschöne Naturstudien - ein gelungener Debütroman

Der Gesang der Flusskrebse
0

Der Debütroman der 70jährigen Delia Owens ist momentan in aller Munde. Selbst Reese Witherspoon hat bereits die Filmrechte für sich beansprucht, nachdem sie den Roman selbst gelesen hat. Und ich muss sagen, ...

Der Debütroman der 70jährigen Delia Owens ist momentan in aller Munde. Selbst Reese Witherspoon hat bereits die Filmrechte für sich beansprucht, nachdem sie den Roman selbst gelesen hat. Und ich muss sagen, eine Verfilmung würde zu diesem atmosphärischen Buch wirklich hervorragend passen.

Im Prolog, der im Jahre 1969 spielt, wird Chase Andrews, beliebter Quarterback und Frauenheld, der die Autowerkstätte seinen Vaters übernommen hat, tot aufgefunden. Die Einwohner von Barkley Cove sind entsetzt. Aufgrund fehlender Spuren geht der Sheriff von Mord aus. Der Verdacht fällt sehr schnell auf das eigenartige Marschmädchen, zu dem Chase einige Zeit in die Salzwiesen und Sandbänke vor Ort rausgefahren ist. Die Vorverurteilung greift rasch um sich....

Danach sind wir im Jahre 1952 und lernen die erst fünfjährige Catherine Danielle Clark, genannt "Kya", kennen. Ihre Mutter hat eben erst die Familie verlassen. Bald folgen ihr Kyas wesentlich älteren Geschwister. Das kleine Mädchen bleibt mit ihrem Vater in ihrem kargen Zuhause ohne Strom und fließend Wasser im Marschland von South Carolina zurück. Der Trinker und gewalttätige Mann kümmert sich weder um seine Tochter, noch um Vorräte, damit Kya etwas zu Essen hat. Als sie schulpflichtig wird, holt sie die Schuldirektorin ab, doch der erste Schultag wird zum Desaster und das Marschmädchen, wie die Einwohner der kleinen Stadt Kya nennen, wird noch mehr zur Außenseiterin. Nur umgeben von Marschland, ohne Geld, versucht sie zu überleben. Trost sind ihr die Vögel und die Natur, die sie umgibt. Sie sammelt Federn und Muscheln, lebt mit der Natur im Einklang und legt eine kleine Sammlung ihrer Errungenschaten in der Hütte an.
Das Motorboot ihres Vaters dient ihr schlussendlich zur Fortbewegegung. Bis sie es lernt zu steuern dauert es etwas, doch dabei stößt sie auf Tate, der in den Sümpfen angelt. Früher, als ihre Mutter noch zuhause wohnte, war Tate öfters zu Besuch und spielte mit Kya. Im Laufe der Zeit versucht er ihr zu helfen und lernt Kya lesen und schreiben. Um Nahrung zu bekommen verkauft sie Muscheln an den afroamerikanischen Ladenbesitzer Jumpin'. Er wird gemeinsam mit seiner Frau Mabel zu ihrer einzigen Bezugsperson neben Tate werden, vorallem nachdem dieser zum Studium in die nächste größerer Stadt aufbricht. Kya wird wiederum verlassen, obwohl sie sich nichts sehnlicher wünscht als Freundschaft und Liebe. Sie möchte keine Außenseiterin mehr sein.

In zwei Zeitebenen, die sich nach und nach annähern, lesen wir zuerst von Kya als Kind und später als erwachsene Frau, wobei es immer wieder Rückblenden in die Vergangenheit gibt. Kya wächst isoliert, nur umgeben von der Natur auf. Sie zieht sich immer mehr von den Menschen zurück, die nur selten ins Marschland kommen und diese verabscheuen. Die Ausgrenzung, der Kya ausgesetzt ist, tat mir beim Lesen richtig weh. Doch Kya ist nicht die Einzige, denn in den 1960iger Jahren in den USA ist die Zweiklassengesellschaft zwischen Weißen und Schwarzen noch sehr ausgeprägt.

Die Entwicklung von Kya zur Frau wird sehr gefühlvoll und einfühlsam beschrieben. Delia Owens versteht es das Marschland bildhaft und eindringlich darzustellen. Man hat das Gefühl gemeinsam mit Kya anwesend zu sein. Die einzigartigen Naturschilderungen, Flora und Fauna, spielen im gesamten Roman eine große Rolle. Später kommen noch kriminalistische Elemente und eine Gerichtsverhandlung hinzu. Der Roman hat einen Sog, den man sich kaum entziehen kann und der sich von der Masse abhebt. Man könnte noch so viel zu dieser Geschichte sagen, aber dann würde diese Rezension noch länger werden.

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich aber trotzdem. Obwohl ich offene Enden nicht mag, wäre für mich der Roman kurz nach der Gerichtsverhandlung zu Ende gewesen. Doch die Autorin erzählt im Schnellverlauf das weitere Geschehen bis hin zum Tod der Protaginistin. Das wäre für mich nicht notwendig gewesen und zerstörte etwas die Atmosphäre.

Schreibstil:
Die Charakter- und Naturstudien wurden von der Autorin in ihrem Debütroman einfach einzigartig dargestellt. Der wunderbare poetische Schreibstil lässt einem in der Handlung versinken. Die Geschichte fesselt ungemein. Aber auch die Entwicklung von Kaya vom Kind zur Frau, ihre Gefühle und Beobachtungen, sowie der Wunsch dazuzugehören, sind immer gegenwärtig und spürbar.
Dazwischen gibt es auch Zitate und Gedichte, die in die Handlung miteingebracht wurden.
Am Anfang findet man eine Karte der Region zur besseren Übersicht.

Fazit:
Ein Roman, der sich aus der Masse abhebt, dessen Inhalt nachdenklich stimmt und in Erinnerung bleibt.
Wunderschöne Naturstudien und ein malerisch poetischer Schreibstil machen diesen Debütroman (!) zu etwas ganz Besonderem. Auch wenn ich das Ende nicht ganz gelungen fand, vergebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 07.09.2019

Für mich leider enttäuschend

Das Schmetterlingszimmer
0

Zu Beginn befinden wir uns im Jahre 1943 in Suffolk an der englischen Ostküste. Die siebenjährige Posy Montague erlebt den letzten Sommer mit ihrem heißgeliebten Vater, der ihr die Natur näher bringt und ...

Zu Beginn befinden wir uns im Jahre 1943 in Suffolk an der englischen Ostküste. Die siebenjährige Posy Montague erlebt den letzten Sommer mit ihrem heißgeliebten Vater, der ihr die Natur näher bringt und sie liebevoll seine kleine Fee nennt. Nachdem er aus dem Krieg nicht mehr zurückkehrt, ändert sich ihr Leben auf drastische Weise. Poy muss ihr geliebtes Admiral House verlassen und wird bei ihrer Großmutter wohnen. Einzig die Liebe zu ihrem Vater und den Naturwissenschaften bleiben Posy ihr Leben lang.

Auch dieser Roman von Lucinda Riley wird auf zwei Zeitebenen erzählt, wobei allerdings diesmal der Gegenwartsstrang aus dem Jahre 2006 den Hauptteil einnimmt. Nur vereinzelt kommt es zu Rückblicken in Posy's Vergangenheit als Studentin und junge Frau. In diesem Abschnitten werden auch die Geheimnisse teilweise gelüftet, um die die Handlung aufgebaut wurde.
Der Großteil des Romans besteht allerdings aus einem Familiendrama rund um die fast 70-jährige Posy, ihren zwei Söhnnen Nick und Sam samt ihren Familien und ihrer ehemaligen Jugendliebe Freddie, der nach fast 50 Jahren wieder in ihr Leben tritt. Dabei kann die Autorin locker mit seichten Vorabendserien oder auch Hauptabendprogramm a la Dallas mithalten, denn Drama gibt es genug, welches manchmal auch ins Kitschige abdriftet. Das ewige "Mein Schatz", "meine Liebe", "mein liebes Kind" nervte mich nach einiger Zeit gewaltig.
Zusätzlich schreibt Riley schreibt in ihrem neuen Roman um den heißen Brei herum, dass ich das Buch sogar einmal am liebsten in die Ecke gepfeffert hätte. Da werden Dialoge begonnen, bei denen endlich eine Offenbarung stattfinden soll, auf die der Leser schon einige Kampitellängen hofft und dann erzählt einer der Protagonisten einem anderen das große Geheimnis, aber der Leser wird nicht eingeweiht. In zwei Sätzen ist somit die Anspannung verpufft und man denkt sich nur WTF?

Natürllich müssen wir noch weitere 400 Seiten warten bis endlich eines der Geheimnisse in ein-zwei Sätzen auch uns erzählt wird, um dann schnell das Thema zu wechseln und sich dem nächsten Drama zu widmen.
Riley hat hier eindeutig zu viele Baustellen offen, bei denen sie sich letzendlich ziemlich verzettelt. Manchmal dachte ich, sie hat irgendwie keinen Plan wohin ihre eigene Geschichte gehen soll. Es passiert einfach auf den 600 Seiten nicht wirklich viel...
Zu konstruiert und gleichzeitig aber auch schwammig wird die geschichte rund um das geheimnisvolle Schmetterlingszimmer aufgebaut. Dieses ist auch der rote Faden des Romans, der letztendlich viel zu schnell abgehandelt wird.
Eine Figur, die einen wichtigen Part inne hatte, lernte man kaum kennen, was ich sehr schade fand. Hier hätte ich sehr gerne mehr über diesen Charaktere erfahren, deri m Leben eines Familienmitgliedes eine große Rolle spielte.

Leider konnte mich die Autorin diesmal nicht wirklich überzeugen. Während die kürzeren Einschübe aus der Vergangenheit interessant und lebedig geschildert werden, konnte mich der Gegenwartstrang nicht wirklich fesseln. Zu vorhersehbar, zu viel Drama und Kitsch und reichlich Überlängen machten es mir besonders in der Mitte schwer dranzubleiben.

Aber ich will nicht nur kritisieren. Rileys Schreibstil ist wie gewohnt flüssig und überzeugend. Man fliegt durch die Seiten - trotz mancher Längen. Die kurzen Abschnitte aus der Vergangenheit mochte ich gerne. Das Geheimnis um Posy und Freddie war nicht vorherhsehbar und konnte mich überraschen. Leider sind für mich diese wenigen Kriterien die einzigen Pluspunkte des Romans.

Ich weiß die Autorin kann es besser, deswegen freue ich mich auch schon auf ihren nächsten Roman, den sechsten Band ihrer Sieben Schwestern Reihe im November, der uns nach Afrika führt.

Fazit:
Leider konnte mich der neue Roman der Autorin nur bedingt fesseln. Zu viel Drama, Kitsch und etliche Längen zeigen nicht das wahre Potential der Autorin. Sie verliert sich in zu viele Baustellen und handelt wichtige Sequenzen zu schnell ab, während andere zu viel Aufmerksamkeit bekamen. Die Story hat mich emotional nicht wirklich erreicht und bleibt für mich, neben "Helenes Geheimnis", das schlechteste Buch der Autorin. Schade!