Brandaktuell und toll recherchiert
Als der Teufel erwachteDer Debüt-Thriller "Als Gott schlief" der sehr sympathischen österreichischen Autorin hat mich vor etwa zwei Jahren wirklich begeistert. Deshalb freute ich mich umso mehr auf ihr langersehntes neues Buch. ...
Der Debüt-Thriller "Als Gott schlief" der sehr sympathischen österreichischen Autorin hat mich vor etwa zwei Jahren wirklich begeistert. Deshalb freute ich mich umso mehr auf ihr langersehntes neues Buch. Diesmal hatte ich bei LB Glück und durfte bei der Leserunde zu "Als der Teufel erwachte" mitlesen.
Jennifer B. Wind hat sich wieder eines sehr aktuellen Themas für ihren Thriller bedient: Der Flüchtlingskrise. Und wer nun gleich abwinkt, dem empfehle ich trotzdem einfach reinzulesen, denn der Prolog beginnt schon äußerst spannend!
Wer den ersten Band bereits kennt, erlebt ein Wiedersehen mit den Ermittlern Thomas Neumann, Jutta Stern und Georg Kunze. Für Neueinsteiger ist es nicht zwingend erforderlich diesen vorher zu lesen, doch empfehle ich immer wieder Krimiserien der Reihe nach zu genießen. Tom, der gerade aus den USA zum LKA nach Wien zurückkehrt, wird von seinem Chef Georg Kunze direkt zu einem Leichenfund in einer Werkstatt gerufen. Mechaniker haben zwei Tote im Kofferraum eines PKWs entdeckt. Bald ist klar, dass es sich um Flüchtlinge handelt, die illegal nach Österreich einreisen wollten. Während man versucht die Identität der Beiden zu ermitteln, gibt es einen weiteren Fund in einem LKW. Schlepper haben die Flüchtenden in großen Kabelrollen versteckt, um sie über die Grenzen zu schmuggeln. Das LKA ermittelt auf Hochtouren.......
Der Thriller besteht aus zwei Teilen und anfangs aus drei Erzählsträngen.
Da ist zuerst die Geschichte des Flüchtlings Samir, einem Medizinstudenten, der gemeinsam mit seinem Vater aus Syrien geflohen ist. Dieser lässt tief hinter die mafiaähnlichen Methoden der Schlepper blicken, die die Kriegsflüchtlinge aufs Schlimmste ausnehmen. Ein sehr emotionaler Abschnitt, der schonungslos den Leidensweg vieler Flüchtlinge aufdeckt. Die Autorin hat hier sehr viel recherchiert und war auch in diversen Flüchtingslager immer wieder präsent. Dieser Blick hinter die Kulissen macht betroffen...
Im zweiten Erzählstrang begleiten wir Jutta, die erst später zu den Ermittlungen dazustößt. Sie sucht in Asien nach ihrem leiblichen Vater ....
Und der dritte Abschnitt erzählt über die laufenden Ermittlungen des LKAs. Nach und nach führen die drei Stränge zusammen und ergeben ein rundes und vorallem authentisches Bild. Die Polizeiarbeit ist schwierig und läuft oft im Leerlauf, denn die Männer hinter dem Schlepperring sind schwer aufzuspüren. Dies führte im Mittelteil zu kleinen Längen, die jedoch kaum spürbar sind. In einem spannenden Finale führen alle Erzählstränge zusammen und ergeben ein logisches Ende.
Jennifer B. Wind erzählt im Nachwort, dass sie beim Schreiben des Buches von der Realität der Flüchtlingskrise eingeholt wurde. Außerdem gibt sie Einblicke in ihre Recherchen.
Schreibstil:
Der Schreibstil ist äußerst lebendig und liest sich wunderbar. Die Kapitel sind kurz gehalten und enden meist mit einem kleinen Cliffhanger. Das Bild der Ermittler erhält nach der blasseren Darstellung im ersten Band sehr viel mehr an Konturen und Schärfe. Die Charaktere sind vielschichtig und lassen sich nicht in eine Schublade pressen. Vorallem Juttas Selbstfindung ist großartig beschrieben und verschont den Leser dabei nicht. Der Autorin ist es außerdem gelungen bei diesem Thema NICHT zu polarisieren, was an und für sich schon für sie spricht.
Fazit :
Ein brandaktueller und komplexer Thriller, der genauso wie "Als Gott schlief" tief unter die Haut geht und neben der Spannung auch eine abwechslungsreiche Story bieten kann. Jennifer B. Wind überzeugt auch diesmal wieder mit hervorragenden Recherchen, sowie mit aktuellen und brisanten Themen, die den Leser in Atem halten. Eine Lesempfehlung!