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Veröffentlicht am 14.11.2022

Eroberung Englands

Der eiserne Herzog
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Nachdem ich am Anfang des Jahres "Die Mission des Kreuzritters" von Ulf Schiewe gelesen habe, sind wir diesmal noch früher unterwegs. Wir befinden uns am Anfang des 11. Jahrhunderts und lernen Guilhelm ...

Nachdem ich am Anfang des Jahres "Die Mission des Kreuzritters" von Ulf Schiewe gelesen habe, sind wir diesmal noch früher unterwegs. Wir befinden uns am Anfang des 11. Jahrhunderts und lernen Guilhelm kennen, der später als Wilhelm, der Eroberer, in die Geschichte eingehen wird.

Guilhelm wächst in der Normandie auf und hat es als unehelicher Sohn von Herzog Robert I und einer Gerberstochter schwer. Er bekam zwar von seinem Vater eine gute Ausbildung zugesprochen, musste jedoch Zeit seines Lebens um Anerkennung kämpfen. Immer wieder gibt es Aufstände gegen seine Herrschaft, die er konsequent niederschlägt und Herzog der Normanie wird. Um seinen Einfluss auszuweiten, heiratet er Mathilda von Flandern. Mit ihr bekommt er eine kluge Frau an seiner Seite, die er trotz des Verbotes von Papst Leo IX. heiratet.

In England herrscht Eadweard. Er ist der Onkel Guilhems und immer wieder in Machtkämpfe mit dem Adelsgeschlecht der Godwins verstrickt. Seine Ehe mit Edythe, Tochter von Earl Godwin von Wessex, bleibt kinderlos. Den Godwins will er den Thron nicht vermachen und so benennt er seinen Neffen Guilhem zu seinem Nachfolger. Damit stößt er nicht nur die Familie seiner Frau, sondern auch seine Untertanen vor den Kopf, die einen Normannen als englischen König anerkennen sollen. Aber auch Guilhem ist überrascht. Doch trotz der Bedenken von Matilda, freundet er sich immer mehr mit dem Gedanken an, den Königsthron nach Eadwears Tod zu besteigen. Doch Harold Godwinson, der den Thron für sich beansprucht, ist mit Eadweards Entscheidung nicht zufrieden. Es kommt zu einem folgenschweren Treffen zwischen Harold und Guilheln, dass den späteren Verlauf der Geschichte maßgeblich beeinflusst.

Ulf Schiewe entführt uns wieder gekonnt in die damalige Zeit. Geschickt verwebt er Historie und Fiktion. Die Charaktere sind vom Autor sehr authentisch beschrieben. Weder Harold, noch Guilhelm sind unsympathisch. Beide sind intelligent, charismatisch und geborene Anführer. Würden sie nicht um denselben Thron kämpfen, hätten sie Freuden werden können.
Zuerst begleiten wir längere Zeit Guilhelm in der Normandie, der versucht sein Reich zu vereinen. Er möchte endlich Frieden in seiner Heimat. Dabei ist ihm jedes Mittel recht. Mit seinem Anspruch auf den Thron fordert er nicht nur Harold Godwinson heraus, sondern auch die Nordmänner. Die Dänen, die ebenfalls einen Anspruch auf den Thron haben, fallen vom Norden ein.
Der Autor versteht es perfekt, die Lebensweise der Menschen im Hochmittelalter darzustellen. Das Leben auf der Burg oder in der Dorfgemeinschaft als Fischer oder Bauer wird sehr bildhaft beschrieben.
Die Darstellung der Schlachten und Eroberungen bedeuten natürlich auch grausame Szenen. Die damalige Zeit war brutal - auf andere Art wie heute, jedoch nicht unähnlich. Kinder aus anderen Herrschaftshäusern werden als Geisel gehalten, Schwüre gebrochen und Freunde werden plötzlich zu Feinden. Erst in der brutalen Schlacht bei Hasting werden die Weichen für England gestellt.

Die Handlung wird in drei grobe Abschnitte unterteilt: AD 1049-1053 Machtkämpfe, AD 1064-1065 Der Schwur und AD 1066 Die Entscheidung.
Ulf Schiewe hat die damaligen Namen und Ortsnamen verwendet, die die Geschichte authentischer machen. Er schreibt wieder in Präsens, wobei der historische Sprachschatz jedoch nicht verloren geht. Der Autor hat wieder penibel recherchiert.
Auf der Innenseite der Broschur gibt es eine Landkarte der Normadnie und vom Süden Englands. Am Beginn des Buches gibt es ein Personenregister mit Kennzeichnung aller historisch belegten Figuren und am Ende ein Nachwort des Autors.

Fazit:
Ulf Schiewe schafft es wieder großartig ein spannendes Stück Zeitgeschichte zu vermitteln. Der Kampf um die Krone Englands im frühen 11. Jahrhundert wird lebendig und dramatisch erzählt. Das ist Geschichte vom Feinsten!

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Veröffentlicht am 12.11.2022

Man muss sich darauf einlassen

Frau in den Wellen
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Die Rezension zu diesem Buch fällt mir sehr schwer. Es hat gemischte Gefühle bei mir erzeugt und der Einstieg war alles andere als einfach.
Da ich aber bereits ein Buch der Autorin gelesen habe (Die Lichtsammlerin) ...

Die Rezension zu diesem Buch fällt mir sehr schwer. Es hat gemischte Gefühle bei mir erzeugt und der Einstieg war alles andere als einfach.
Da ich aber bereits ein Buch der Autorin gelesen habe (Die Lichtsammlerin) wusste ich, dass ich noch einiges erwarten konnte....und so war es auch.

Im ersten Drittel wusste ich nicht so recht wohin uns die Autorin führen will und was uns Joni erzählen möchte. Beatrix Kramlovsky schreibt ihre Geschichte nicht linear, sondern springt in den Zeiten und dies oftmals sehr willkürlich. Das macht es den Leser:innen etwas schwer.
Am Beginn lernen wir Joni als Kind kennen, die im österreichischen Alpenvorland - nicht weit von mir entfernt - aufgewachsen sein muss. Ihre Beschreibungenm vom Leben auf dem Lande bei ihrer Tante Federspiel ähnelt meinem in vielen Bereichen. Nur das Elternbild ist ein völlig anderes, denn Jonis Eltern sind Hippies. Trotz ihrer angesehenen Berufe - Helli ist Notarin, Didi Professor am Gymnasium - bevorzugen sie den eher unsteten Lebenswandel mit Drogen und Demonstrationen in der Wiener Hauptstadt.

"Sie schwammen auf den Wellenkämmen des Wiederaufbaus und leisteten sich den Luxus, sich darüber lustig zu machen. Es war durch und durch verlogen; vielleicht konnte der Hanf einen Schleier darüberlegen" - Zitat Seite 13

Hellis Schwangerschaft ist nicht geplant und so bleibt Joni ein eher unerwünschtes Anhängsel, dass Liebe und Geborgenheit allein bei ihrer Tante Federspiel findet. Im Nachbarsmädchen Uli findet sie eine gute Freundin, die sie ihr Leben lang begleiten wird.
Diese Fakten musste ich mir oftmals vor Augen halten, wenn ich mit der erwachsenen Joni wenig anfangen konnte. Joni ist Anfang Fünfzig und eine Karrierefrau durch und durch. Sie lebt das Leben eines karrierebewussten Mannes und liebt ihr rastloses Leben. Es hat ihr ein Einkommen beschert, von dem die meisten Frauen nur träumen können. Für sie hat sich die Gleichberechtigung tatsächlich erfüllt. Sie hat einige sehr gute Freunde, die in der ganzen Welt verstreut sind und ein ähnliches Lebensbild leben.

Schon die Werbung für den Roman suggeriert, dass es bei Männern als ganz normal wahrgenommen wird, wenn sie ihre Karriere forcieren und wenig zu Hause sind. Doch wenn eine Frau durch die Weltgeschichte reist und die Kinder beim Ehemann aufwachsen, zerreißt man sich das Maul. Dass war aber nicht der Punkt, warum ich sie nicht immer verstehen konnte. Joni blieb mir einfach zu fremd. Sie wirkt wie eine Überfrau, die sich die Sahnestückchen im Leben herausnimmt. Ich hatte eher einen Roman erwartet, der den herausfordernden Spagat zwischen Beruf, Familie und Kinder beschreibt. Mit einer "perfekten" Frau, die sich einzig dem Beruf widmet und den Rest ihrer Familie die Alltagsprobleme erledigen lässt, hatte ich nicht gerechnet. Erst als Jonis heranwachsender Sohn mit einer unbedachten Social Media-Post eine Lawine von Shitstorms und Hasskommentaren lostritt, ändert sich etwas in ihrem Leben. Doch die überprivilegierte Frau erscheint trotzallem unnahbar, um am Cybermobbing zu zerbrechen. Sie lässt lieber andere agieren und handeln...

Der vielschichtige Roman berührt so einige typische Themen unserer Zeit: Geschlechterrollen, Rassismus und globale Ungerechtigkeiten. Und trotzdem will er einfach zu viel. Es gibt mehrere Handlungsstränge, sowie eine Vielzahl an aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen. Alles wird eher nur angerissen, aber nicht intensiver beleuchtet.

Der Schreibstil ist anspruchsvoll, oftmals poetisch und der Plot dicht. Man sollte diesen Roman nicht parallel mit einem anderen Buch und eher zügig lesen, damit man sich völlig der Geschichte widmen kann. Die vielen Zeitsprünge und einige Figuren erfordern anfangs ganze Konzentration. Man muss in Jonis Geschichte hineinfinden - mögen muss man sie trotzdem nicht.

Fazit:
Ein eher schwieriges Buch, welches wichtige, aber zu viele Themen anspricht. Es fordert heraus und lässt einem seine Rolle im Leben reflektieren. Ich mag den Schreibstil der Autorin und fand ihn schon in "Die Lichtsammlerin" großartig. "Frau in den Wellen" lässt mich hingegen zwiespältig zurück. Ich kam nicht nur Joni nicht nah, sondern fand auch nur teilweise richtig in die Geschichte.

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Veröffentlicht am 09.11.2022

Glück und Glas

Auf tapsigen Pfoten ins Glück
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Rückt die Adventzeit näher, darf auch ein Weihnachtsroman nicht fehlen. Einer, der jedes Jahr auf meiner "Must read" Liste steht, ist der alljährliche Hunde-Liebesroman von Petra Schier.

Dieser Band handelt ...

Rückt die Adventzeit näher, darf auch ein Weihnachtsroman nicht fehlen. Einer, der jedes Jahr auf meiner "Must read" Liste steht, ist der alljährliche Hunde-Liebesroman von Petra Schier.

Dieser Band handelt von Jana, die als Glaskünstlerin arbeitet. Wer bereits eines oder mehrere Bücher der Autorin gelesen hat, trifft eine alte Bekannte wieder. Ihre einzigartigen Glaskunstwerke sind in der ganzen Stadt bekannt und besonders beim jährlichen Adventmarkt sehr beliebt.
Als Jana von einer Weiterbildung nach Hause kommt, stellt sie mit Entsetzen fest, dass in ihrem Geschäft und im Lager eingebrochen wurde. Teilweise wurden sogar einige ihrer Glasobjekte mutwillig zerstört. Kurze Zeit später erhält sie auch noch Drohbriefe. Die Polizei ist leider machtlos. Deswegen engagiert sie auf Empfehlung einen Privatdetektiv, der auch gleichzeitig für ihren Schutz sorgen soll. Oliver und seine Bordeauxdogge Scottie ziehen kurzfristig bei Jana ein, bis alle technischen Sicherheitsvorkehrungen getroffen sind.
Jana und Oliver könnten unterschiedlicher nicht sein und der Start ist nicht gerade vielversprechend. Während sich in Janas Leben alles um ihre Kunst dreht und Elfen und Einhörner einen großen Teil davon einnehmen, ist Olivers Leben klar strukturiert. Magie oder Übersinnliches kommt darin nicht vor.

Die winterliche und romantische Stimmung fängt Petra Schier wieder wunderbar ein. Die beiden Protagonisten sind jedoch sehr unterschiedlich und dass die Funken nach einiger Zeit sprühen, ist vom Weihnachtsmann gar nicht wirklich geplant. Zusätzlich ist Jana Olivers Klientin und er muss Distanz wahren. Doch die Anziehungskraft zwischen den beiden ist groß...

Diesmal hat Petra Schier auch spannende Krimi-Elemente eingefügt, was mir gut gefallen hat. Jana erhält nicht nur einen, sondern weitere Drohbriefe, die jeweils zerstörte Kunstwerke von ihr enthalten. Alle rätseln, wer die sympathische Künsterlin bedrohen könnte, die in der Stadt allseits beliebt ist. Ich habe fleißig mitgeraten, aber habe daneben getippt. Die Auflösung ist aber auf alle Fälle schlüssig.

Natürlich spielt wieder der flauschige Vierbeiner eine große Rolle, dessen Gedanken wir in kursiver Schrift lesen können. Diesmal kam mir Scottie jedoch bis zur zweiten Hälfte der Geschichte fast zu kurz. Kleine erotische Szenen dürfen ebenfalls nicht fehlen und natürlich gibt es wieder kurze Kapitel rund um den Weihnachtsmann, seiner Frau, den Rentieren und den Elfen.
Aber ganz besonders mag ich den Zauber des Adventmarktes mit dem altmodischen Karussell und der "besonderen Playlist".

Wie schon bei den anderen Hunde-Weihnachtsromanen ist die Geschichte wieder in 25 Kapitel unterteilt, die man als Adventkalender lesen könnte. Doch das habe ich noch nie geschafft! Man muss einfach weiterlesen und diese zauberhaften Geschichten so schnell wie möglich inhalieren.

Fazit:
Der alljährliche Weihnachts-Hunderoman von Petra Schier hat mich auch diesmal wieder verzaubert. Ich habe die Portion Hunde- und Liebesglück sehr genossen und hatte schöne Lesestunden, die meine Vorfreude auf die Adventzeit steigern konnte. Jedes Jahr einfach ein MUST READ!

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Veröffentlicht am 07.11.2022

Entstehung des Kaufhaus des Westens

KaDeWe. Haus der Träume
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Marie Lacrosse lese ich schon lange und gerne. Zu Beginn schrieb sie noch unter Marita Spang ihre historischen Romane, die in den früheren Jahrhunderten spielten. Unter Marie Lacrosse schreibt sie vorwiegend ...

Marie Lacrosse lese ich schon lange und gerne. Zu Beginn schrieb sie noch unter Marita Spang ihre historischen Romane, die in den früheren Jahrhunderten spielten. Unter Marie Lacrosse schreibt sie vorwiegend im 19. oder beginnenden 20. Jahrhundert.

Diesmal hat sich die Autorin dem Kaufhaus des Westens gewidmet und erzählt die Geschichte dreier Familien, die mit dem Kadewe verbunden sind.
Der Gründer dieses Warenhauses, Adolf Jandorf, hat sich von ganz unten hochgearbeitet. Mit seinen Brüdern hat er einige kleinere Kaufhäuser aufgebaut, bis er sich seinen Wunsch eines großen Luxuskaufhauses erfüllte. Sein Sohn Harry scheint jedoch kein Interesse zu haben, das Imperium später zu übernehmen.

Jandorfs bester Freund ist der Firmenjustiziar Paul Bergmann. Dessen Sohn Johannes arbeitet als Einkäufer im KaDeWe. Er ist ein sehr offener und warmherziger Mensch, hütet jedoch ein dunkles Geheimnis. Seine Tochter Judith besucht die von Alice Salomon gegründete Soziale Frauenschule und hofft durch diese Ausbildung die Qualifikation für ein Hochschulstudium zu erhalten. Judith setzt sich vorallem für Kinder aus der Unterschicht im jüdischen Teil des Scheunenviertels ein. Sie kämpft verzweifelt gegen die dort herrschenden sozialen Bedingungen.

Neben den Jandorfs und Bergmanns aus der gehobenen Schicht, begleiten wir noch die Arbeiterfamilie Krause. Mutter Käthe leitet die Putztruppe im KaDeWe und bringt ihre Kinder Rieke und Robert als Lehrlinge im KaDeWe unter. Ihr Mann tyrannisiert die Familie und schlägt sich zu Beginn mit Gelegenheitsarbeiten durch, bis er immer mehr dem Alkohol verfällt. Rieke steigt beruflich immer weiter auf, muss jedoch gleichzeitig die ganze Familie versorgen. Hunger und Armut sind das tägliche Brot der Krauses. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, verändert sich das Leben aller drei Familien schlagartig....

Die Handlung des ersten Teiles startet im Jahr 1907 und endet 1926, wobei der Fokus auf den 1910er- und 1920er-Jahren liegt. Das Kaufhaus ist dabei der Dreh- und Angelpunkt des Buches.
Gespannt habe ich den Werdegang von Rieke und Judith verfolgt, die alleine schon durch ihre Lebensumstände in völlig unterschiedlichen Bereichen für ihr Glück kämpfen und im Laufe der Geschichte Freundinnen werden. Der Einblick ins Kaufhausgeschehen, wie auch die privaten Schicksalsschläge haben die manchmal etwas ausufernden politischen Darstellungen aufgelockert. Das historische Hintergrundwissen der Autorin fließt wieder wunderbar in die fiktive Geschichte ein und gibt ein sehr detailliertes Bild der damaligen Zeit. Besonders die Superinflation nach dem verlorenen Krieg und die daraus resultierenden Folgen sind spannend erzählt und hinterließen ein etwas banges Gefühl in meiner Magengegend.

Marie Lacrosse verfügt über einem bildhaften und detaillierten Erzählstil. Die Sprache ist der Zeit angepasst und sehr dialoglastig. Die Figuren sind alle bildhaft und authentisch dargestellt. Ich konnte sie mir wunderbar vorstellen und habe oftmals um einige von Ihnen gebangt und gehofft.

Zu Beginn gibt es eine Personenübersicht der handelnden Figuren mit Vermerk zu den historischen Persönlichkeiten. Im Nachwort erzählt die Autorin über ihre Recherchen und der Arbeit am Roman....sehr interessant! Die letzten Kapitel geben bereits Hinweise, wie es im zweiten Teil, der am 14. Juni 2023 erscheinen wird, weitergehen könnte.

Fazit:
Ein sehr interessanter erster Teil über die Entstehung des Kaufhaus des Westens und einer bildhaften Darstellung der Zeit vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg in Berlin. Gelungen!

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Veröffentlicht am 05.11.2022

Atmosphärischer Wienkrimi aus der k.u.k. Zeit

Aurelia und die letzte Fahrt
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Von Beate Maly habe ich bereits einige historische Romane und Krimis gelesen. Dabei ist die Zeitspanne, in der ihre Geschichten spielen, breit angesiedelt. Von der Türkenbelagerung in Wien 1530 bis hin ...

Von Beate Maly habe ich bereits einige historische Romane und Krimis gelesen. Dabei ist die Zeitspanne, in der ihre Geschichten spielen, breit angesiedelt. Von der Türkenbelagerung in Wien 1530 bis hin zu den Krimis um Ernestine Kirsch und Anton Böck, die nach dem Ersten Weltkrieg ermitteln. Ich habe fast alle ihre Bücher gelesen.

Nun hat die Autorin im Dumont Verlag mit "Aurelia und die letzte Fahrt" den wahrscheinlich ersten Band einer neuen Krimi-Reihe veröffentlicht.
Diesmal befinden wir uns im Jahre 1871. Aurelia von Kolowitz hält nichts von Konventionen. Die junge Grafentochter zeichnet heimlich unter Pseudonym Karikaturen für den Figaro. Als sie eines Tages wieder die Kutsche mit ihrer Lieblings-Fiakerin Frieda Horvath nimmt, finden die beiden darin einen toten Offizier - mit heruntergelassener Hose. Anscheinend war eine Prostituierte mit dem Offizier in der Kutsche, was Frieda große Probleme einbringt. Der Fall geht an Janek Pokorny und seinen Assistenen Johannes Hofer. Aber auch Aurelia lässt dieser Mord keine Ruhe und vorallem will sie nicht glauben, dass der oberflächliche Stich mit einem winzigen Messer den Tod des Offiziers verursacht hat.

Die kaiserlichen Polizeiagenten, die zur Sicherheitswache gehören und in Zivil ermitteln, haben es seit ihrer Erschaffung im Revolutionsjahr 1848 nicht leicht. Noch immer scheint das Militär das Sagen zu haben und das wird auch fleißig ausgenutzt. Auch Janek rennt bei seinen Ermittlungen gegen Mauern......
Dabei kommt er selbst aus ärmlichen Verhältnissen. Seine Familie wanderte aus Böhmen ein und sind einfache Ziegelarbeiter. Durch ein Stipendium hat er eine gute Schulausbildung genossen und trotzdem kämpft er als kaiserlicher Polizeiagent um Anerkennung, die ihm oftmals verwehrt wird. Zusätzlich bekommt er einen Kunstraub zugeteilt, der weitere Probleme bringt.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Aurelia und Janek erzählt. Die Beiden sind ein ziemlich ungewöhnliches Gespann. Aber auch die Nebenfiguren, wie Sebastian, der Diener von Aurelia oder der Advokat Nepomuk, werden sehr lebendig dargestellt. Aber auch Fiakerin Frieda oder Mitzi Voda und Josefa Sobotka tragen viel zur Geschichte bei, wie jede noch so kleine Nebenfigur. Alle Charaktere sind vielschichtig angelegt und überzeugen. Gefallen hat mir auch der kleine Querverweis zur Apotheke Böck, aus der wohl fünfzig Jahre später Anton Böck aus einer anderen Krimireihe der Autorin entstammt.

Die Atmosphäre von Wien während der k.u.k. Zeit hat Beate Maly wieder großartig eingefangen. Wir sind dabei, wenn Johann Strauß seine Konzerte gibt, erleben rauschende Ballnächte und ärgern uns über den Staub, den der Bau der neuen Ringstraße einbringt.

Im Nachwort erklärt Beate Maly, dass sie sich an einem wahren Verbrechen orientiert hat und dabei die Idee zu dieser Geschichte entstanden ist.

Fazit:
Eine spannende neue Reihe, die ich sicher weiterverfolgen werde, wenn es Nachschub gibt. Der Krimi hat mich mit viel Wiener Flair zur Zeit der k.u.k. Monarchie und tollen Figuren sehr gut unterhalten.

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