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Veröffentlicht am 27.10.2025

Toller zweiter Teil um die Schokoladenherstellung

Lindt & Sprüngli (Lindt & Sprüngli Saga 2)
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Nachdem der erste Band dieser Trilogie von der Familie Sprüngli erzählte, erfahren wir nun im zweiten auch etwas über die Familie Lindt. Abwechselnd schreibt die Autorin über die beiden Rudolfs: Rudolf ...

Nachdem der erste Band dieser Trilogie von der Familie Sprüngli erzählte, erfahren wir nun im zweiten auch etwas über die Familie Lindt. Abwechselnd schreibt die Autorin über die beiden Rudolfs: Rudolf Sprüngli und Rudolf Lindt, der sich später Rodolphe nennt. Dies verwirrt etwas, aber wird immer gut gekennzeichnet. Da es sich um historische Personen handelt, konnte die Autorin auch nicht ihre Namen verändern.

Der Roman spannt sich diesmal von 1863 bis 1880 und erzählt von der Familie Sprüngli in Zürich und der Familie Lindt in Bern. Diesmal steht die Familie Lindt bzw. Rodolphe Lindt etwas mehr im Vordergrund, denn schließlich wird die Herstellung seiner berühmten Schokolade hier zum Mittelpunkt.

1863 ist Rudolf Lindt erst acht Jahre alt und kein guter Schüler. Er ist verträumt und liebt die Natur, steckt am liebsten mit seiner Lieblingsschwester Fanny zusammen und hat zum Ärger seines Vaters keinerlei Ambitionen später einmal die Apotheke zu übernehmen. Jahre später trifft ihn ein schwerer Schicksalsschlag und wird daraufhin von seinen Eltern zu seinem Großonkel in die französische Schweiz geschickt. Die Kohlers führen eine Schokoladefabrik und besonders Charles Kohler lässt den Jungen schwer arbeiten. Zurück in Bern möchte Rodolphe, wie er sich ab jetzt nennt, selbst Schokolade herstellen. Er kauft eine alte Mühle und beginnt zu experimentieren.

Rudolf Sprüngli ist 1863 bereits 21 Jahre alt und hat seine Wanderjahre in Paris verbracht, wo er viel über die Schokoladeherstellung erfahren hat. Zurück in Zürich heiratet der geborene Unternehmersohn Marie, die in der Konditorei Sprüngli arbeitet.

Erst sehr spät im Laufe des Romans treffen die beiden Schokoladenhersteller zusammen, jedoch eher oberflächlich....bis Rudolf Sprüngli die neuartige Schokolade von Rodolphe Lindt durch Zufall in die Hände bekommt.....

Lisa Graf schafft es wieder hervorragend, mit den relativ wenig bekannten historischen Fakten zu Rodolphe Lindts Leben eine packende Geschichte zu schreiben, die man schwer aus der Hand legen kann. Die historischen Hintergründe dieser Zeit und das Leben der unterschiedlichen Gesellschaftsschichten sind neben der Schokoladeherstellung der rote Faden der Geschichte. Mit Rodolphes bester Freundin Binia, die aus einer unteren Gesellschaftsschicht stammt, wird immer wieder Augenmerk darauf gelegt, genauso wie auf die Arbeitsbedingungen in den verschiedenen Fabriken. Aber auch die Frage betreffend eines Schutzrechtes für eine Erfindung, einem Patent, wird angesprochen. Nicht umsonst ist Lindt besorgt, dass jemand sein "Conchierverfahren "stehlen" könnte, denn einen Schutz seiner Idee und seines Verfahrens gibt es noch nicht.

Der Schreibstil ist sehr bildhaft und ich konnte mir sowohl die verschiedenen Landschaftsstriche, als auch die Arbeit rund um die Schokolade bildhaft vorstellen.
Kleiner Kritikpunkt sind für mich die in der ersten Hälfte des Buches, die zu raschen Wechsel zwischen den zwei Rudolfs. Dazu kamen dann auch noch Kapitel aus der Sicht von Marie Sprüngli, Binia Haab und David Robert Sprüngli. Als das Augenmerk dann auf Rodolphe Lindt gelegt wird, wird es wieder übersichtlicher und man verfolgt gespannt seine Experimente, um eine besondere Schokolade herzustellen. Man spürt seine Anspannung und völlige Hingabe zu seiner Arbeit. Besonders bewundert habe ich seinen Durchhaltevermögen und seinen Ehrgeiz, der schlussendlich von Erfolg gekrönt wurde.

Wie Sprüngli und Lindt zu Geschäftspartnern werden, erfahren wir allerdings erst im dritten und letzten Band, der im Herbst 2026 erscheinen wird.

Fazit:
Mir hat der zweite Band noch ein bisschen besser als der erste Band gefallen und habe den Anfang des späteren Erfolgsunternehmen Lindt mit Spannung verfolgt. Die Autorin hat wieder Fiktion und historische Fakten perfekt miteinander verbunden und einen mitreißenden Roman geschrieben.

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Veröffentlicht am 24.10.2025

Erwachsen werden ist aufregend

Der Plattenspieler unter der Dachschräge
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Wie bereits in den Vorgängerromanen der Reihe erinnert sich der bereits erwachsene Siegfried an seine Kindheit zurück. Diesmal möchte er die Dias seiner verstorbenen Mutter digitalisieren. Bei deren Durchsicht ...

Wie bereits in den Vorgängerromanen der Reihe erinnert sich der bereits erwachsene Siegfried an seine Kindheit zurück. Diesmal möchte er die Dias seiner verstorbenen Mutter digitalisieren. Bei deren Durchsicht holen ihn bald die Erinnerungen ein. Jedes neue Kapitel beginnt mit diesen kurzen Einblicken in die Vergangenheit, bevor wir mit dem 16jährigen Sigi direkt in die 70iger Jahre zurückkehren.

Während im September eine Nachprüfung in Latein auf Sigi wartet, lernt er im Juli die harte Arbeitswelt kennen. Doch mit dem verdienten Geld erfüllt er sich seinen größten Wunsch: einen Plattenspieler. In seinem Zimmer unter dem Dach kann er endlich Led Zeppelin, die Rolling Stones oder Deep Purple hören. Dort oben kann er sich in seine eigene Welt träumen, denn im Leben seiner Eltern geht es rund, nachdem sein Vater im angetrunkenen Zustand das Auto zu Schrott gefahren hat. Der Dorfklatsch über die Frau, die neben ihm gesessen hat und nicht seine Ehefrau ist, macht die Runde und landet auch bei Sigi und seiner Mutter. Diese zieht die Konsequenzen und zieht aus. Sigi muss sich nun neben der Schule um seinen Vater kümmern, der weiterhin im Haushalt keinen Finger krümmt, während die geliebte Oma immer vergesslicher wird.
In der Schule wird er überraschender Weise zum Klassensprecher gewählt, die Wien Woche steht an und der erste Tanzkurs. Es geht turbulent zu in Sigis Leben und auch die Mädchen schwirren in seinem Kopf herum. Wiebke aus Deutschland, die er in den Sommerferien bei seiner Tante kennengelernt hat und vor allem Rita aus seiner Klasse, nehmen seine Gedanken ein. Da bleibt nicht viel übrig für Latein oder Mathematik....

In den vier Romanen von Herbert Dutzler haben wir die Verwandlung des erst 10jährigen zum pubertierenden 16jährigen Sigi miterlebt. Der pummelige Junge wird zu einem rauchenden und Bier trinkenden Jugendlichen, der jedoch noch immer das Herz auf den rechten Fleck hat. Seine Liebe zu Musik und Literatur, sowie zum Kochen sind ihm geblieben und die etwas vorlaute Art, welche ihm in der Schule nicht immer Vorteile bringt, ebenfalls.
Wieder habe ich mich köstlich über Sigis Abenteuer amüsiert, aber auch mit ihm gelitten, als die Ehe seiner Eltern den Bach runter geht.

Herbert Dutzler erzählt warmherzig und mit viel Schmäh über das Erwachsen werden. Dabei ist der Rückblick nicht nur nostalgisch, sondern auch kritisch.
Erinnerungen an diese Zeit, in der ich noch Kind war, sind wieder aufgekommen und das damalige Lebensgefühl hat mich gefangen genommen. Der erste Tanzkurs oder eine unglückliche Liebe - wer hat vor allem Letzteres nicht selbst miterlebt?!
Sigi und ich haben übrigens etwas gemeinsam: Mit meinem ersten selbstverdienten Geld habe ich mir eine Stereo-Anlage mit Plattenspieler und zwei Kassettendecks gekauft =)
Genossen habe ich auch typisch österreichischen Ausdrücke oder regionale Besonderheiten.
Als ziemlich schlimm empfand ich die viele Trinkerei und das Rauchen zu dieser Zeit und ich bin froh, dass man in der Zwischenzeit kaum mehr in öffentlichen Gebäuden oder Büroräumen rauchen darf. Die Trinkkultur in Österreich hat sich hingegen leider nur sehr wenig verändert....

Fazit:
Für alle, die diese Zeit nicht miterlebt haben, ist dieser Coming-of-Age Roman ein interessanter Blick in ein oftmals völlig andere Welt. Für die älteren Semester ist es eine kleine Zeitreise zurück in die eigene Kinder- oder Jugendzeit.
Die vier Bücher der Reihe haben hier einen Ehrenplatz. Natürlich gibt es auch wieder eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Weihnachtsgefühle - wenn Freunde sich verlieben

Schneeflöckchen, Weißpfötchen
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Petra Schiers Hunde-/Weihnachtsromane gehören jedes Jahr in die Weihnachtszeit auf die Leseliste!
Diesmal hat Santa Claus wieder einen ganz besonderen Wunsch zu erfüllen, der ihm tatsächlich im Vorjahr ...

Petra Schiers Hunde-/Weihnachtsromane gehören jedes Jahr in die Weihnachtszeit auf die Leseliste!
Diesmal hat Santa Claus wieder einen ganz besonderen Wunsch zu erfüllen, der ihm tatsächlich im Vorjahr wegen technischer Probleme durchgerutscht ist. Er fühlt sich deshalb schuldig und setzt alles daran, dass Xander seine große Liebe endlich in seine Arme schließen kann. Der Fotograf und Reiseblogger liebt schon seit Jahren seine beste Freundin Ellie, die jedoch in ihm noch immer nur ihren besten Kumpel sieht - und nicht mehr. Neben Ellie und Xander gehören auch Jelena und deren Bruder Arian zum Vier-Freundes-Kleeblatt. Die drei sind zur Zeit sehr beschäftigt, denn sie wollen gemeinsam eine eigene Beauty-Oase aufbauen. Überraschend taucht Xander kurz vor Weihnachten bei ihnen auf und verkündet, dass er genug vom Reisen hat. Er möchte sich ein Fotostudio und eine Galerie einrichten und sesshaft werden. Dabei liebäugelt er aber auch damit, dass er endlich Zeit hat, um Ellies Herz erobern zu können. Doch kaum ist Xander zurück, lernt Ellie im Baumarkt den charmanten Anwalt Patrice kennen. Santa Claus sieht seine Pläne davon schwimmen und hofft auf die Hilfe der weißen Schäferhündin Amara, die verzweifelt ein neues Zuhause sucht. Doch Ellie wurde als Kind von einem Hund gebissen und hat seitdem große Angst vor den Vierbeinern. Ob das gut gehen wird?

Wir haben es diesmal mit einer "Friends to Lovers" Geschichte zu tun und einem sehr langsamen annähern, was mir sehr gut gefallen hat. Wie immer sind die Figuren sehr liebevoll gezeichnet, haben Ecken und Kanten und können sich auch Schwächen eingestehen. Familie und Freunde sind füreinander da, was beim Lesen ebenfalls ein wohliges Gefühl entstehen lässt.
Natürlich gibt es auch wieder den obligatorischen Besuch beim Weihnachtsmarkt und das Familien- Kekse-backen. Beide Events finde ich immer sehr amüsant, aber auch sehr atmosphärisch. Die Weihnachtsstimmung spürt man durch die Zeilen und gehen direkt ins Herz. Ich hatte alles sehr bildhaft vor meinen Augen und manche Szenen oder Locations erwartet man bereits oder "erkennt" sie aus den Vorgängerromanen.

Die Gedanken von Hündin Amara sind wieder in kursiver Schrift zu lesen. Sie ist zu Beginn eine sehr scheue und verletzte Seele, die den Glauben an die Menschen verloren hat. Mit Hilfe von Xander bekommt sie wieder Vertrauen und erobert schließlich auch Ellies Herz. Ob das Xander auch gelingt, müsst ihr selbst lesen.

Der Roman ist wieder in 24 Kapitel unterteilt, damit man die Geschichte auch als Adventkalender lesen kann. Doch seien wir ehrlich? Wer kann an einem Buch wie diesen fast einen Monat lang lesen? Ich nicht!

Fazit:
Der Hunde-/Weihnachtsroman der Autorin ist jedes Jahr ein Must Read und hat mich auch diesmal wieder bestens unterhalten. Das weihnachtliche Flair habe ich sehr genossen und war bereits eine Einstimmung auf weitere Weihnachtsromane, die noch kommen werden.

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Veröffentlicht am 19.10.2025

Das Leben ist wie ein Jahreskreis

Wilder Honig
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Der Roman spielt im walisischen Berllan Deg, wo Hannah mit ihrer Schwester Sadie aufgewachsen ist. Sadie floh vor den sehr bestimmenden Eltern und führte ihr eigenes Leben in der Stadt, während Hannah ...

Der Roman spielt im walisischen Berllan Deg, wo Hannah mit ihrer Schwester Sadie aufgewachsen ist. Sadie floh vor den sehr bestimmenden Eltern und führte ihr eigenes Leben in der Stadt, während Hannah und ihr Ehemann John bis zu deren Tod unter ihrer Herrschaft litten.
Im Winter ihres Lebens ist Hannah nun nach dem Tod ihres Mannes alleine in ihrem Elternhaus angekommen. Zur Trauerfeier reist ihre Schwester Sadie an, die Hannah die nächste Zeit unterstützen möchte. Doch lange sind die beiden Frauen nicht alleine, denn sie bekommen Besuch von Megan, einer jungen Frau, die in einem besonderen Verhältnis zu Hannah und Sadie steht. Mehr möchte ich dazu nicht erzählen....

Alle drei Frauen fühlen sich in ihrem Leben verloren und sind nach der Suche nach sich selbst. Während sich Hannah, Sadie und Megan im dunklen und schneereichen Winter zurückziehen, nähern sie sich im kommenden Frühling an. Während John vor allem seine wissenschaftlichen Bücher und die Imkerei am Herzen lag, widmet sich Hannah nun dem verwilderten Obstgarten ihres Vaters, den sie endlich nach ihren eigenen Plänen anlegen kann. Mit Jack, der John bei den Bienen geholfen hat und im Frühling und Sommer in einem Wohnwagen im Garten wohnt, kommt eine weitere interessante Figur hinzu. Er befasst sich vor allem mit den Bienenvölkern und bringt Megan und dem Leser das Bienenvolk näher. Hier habe ich mit Neugier gelesen, denn mein Mann ist seit letztem Jahr ebenfalls Imker und ich muss zugeben, dass ich vieles noch nicht richtig verstehe.

Dazwischen lesen wir aus den Briefen, die John seiner Frau hinterlassen hat. Anhand seiner Erzählungen aus dem Leben der Bienen, versucht er Hannah mitzuteilen, warum ihr Leben und ihre Ehe so verlaufen ist. Vor allem aber möchte er ihr erklären, warum er sein Geheimnis erst nach seinem Tode offenbart und ihr nicht früher davon erzählt hat. Dieses Geheimnis reißt jedoch alte Wunden auf, die Hannah fast zerstören....
Die Briefe, die John an Hannah geschrieben hat, haben mich nicht wirklich überzeugt. Mir fehlten hier die Emotionen im Bezug zu ihrer Ehe und Liebe.

Die bildhafte und poetische Sprache der Autorin habe ich genossen, obwohl sich die Geschichte eher unaufgeregt und leise präsentiert. Die Charaktere sind facettenreich und haben eine emotionale Tiefe, die sich jedoch erst langsam entwickelt. Es werden wesentliche Themen angesprochen und beleuchtet.

Vor allem die atmosphärische Beschreibung der Natur und der Landschaft habe ich genossen. Dabei wird die Geschichte auf anderer Seite sehr unaufgeregt erzählt, wobei es auch zu kleinen Längen kommen kann. Ich denke, man muss sich in die Geschichte hineinfühlen und auch in der richtigen Stimmung sein.

Am Ende schließt sich der Jahreskreis und gibt der Geschichte um Hannah, John, Sadie, Megan und Jack den perfekten Rahmen. Diese Verbindung habe ich als sehr harmonisch empfunden. Der graue und kalte Winter mit Johns Tod und Hannahs Trauer und Wut, danach der Frühling und Megans Ankunft bzw. ihre kleine Annäherung an die Schwestern, Hannahs Pflege des Obstgartens und dann die in Blüte stehenden Bäume, die neue Hoffnung geben bis es zur Ernte kommt.

Mir hat die Aussage der Geschichte und die bildhafte Erzählung im Jahreskreis gut gefallen, wenn sie auch manchmal etwas mehr Tempo vertragen hätte.

Fazit:
Ein sehr leiser und tiefgründiger Roman, bei dem mir vor allem die atmosphärische Beschreibung der Natur gefallen hat und die langsame Entwicklung der drei Frauen, die schlussendlich zu sich selbst finden.

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Veröffentlicht am 17.10.2025

Über die Vergänglichkeit

Ja, nein, vielleicht
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"Ja, nein, vielleicht" ist mein zweites Buch der Autorin, die mir von meiner Nichte empfohlen wurde, die jedes Buch von Doris Knecht verschlingt.
Nach "Die Nachricht" konnte mich aber auch ihr neuester ...

"Ja, nein, vielleicht" ist mein zweites Buch der Autorin, die mir von meiner Nichte empfohlen wurde, die jedes Buch von Doris Knecht verschlingt.
Nach "Die Nachricht" konnte mich aber auch ihr neuester Roman nicht komplett abholen, obwohl sich das Thema um das Älter werden und Vergänglichkeit dreht, welches (leider) in meinem Alter nun doch immer präsenter wird.
Auch die Hauptprotagonistin fühlt sich durch den baldigen Verlustes eines Zahnes plötzlich daran erinnert, dass sie in der zweiten Lebenshälfte angekommen ist. Die Kinder sind ausgezogen und leben ihr eigenes Leben, während sie zwischen der Wohnung in der Stadt und ihrem Häuschen im Waldviertel hin- und herpendelt. Der Vater der Kinder hat sich schon lange verabschiedet und nun ist endlich Ruhe in ihrem Leben eingekehrt. Mit ihrem Hund lebt sie zurückgezogen in ihrem Haus am Land und sinniert über die kommenden Jahre. Was kann sie sich noch von der Zukunft erwarten?
Als sie nach 25 Jahren ihre Jugendaffäre Friedrich in einem Supermarkt wieder trifft, fängt sie an darüber nachzudenken, ob sie nochmals eine Partnerschaft eingehen würde? Friedrich, der mit ihr gemeinsam die Milleniumsnacht in New York im Bett verbrachte, geht ihr nur mehr schwer aus dem Kopf. Doch möchte sie tatsächlich ihr geruhsames Leben am Land teilen und sich den Wünschen eines Mannes richten? Ja, nein oder doch vielleicht?
Die Gedanken sind da, doch als sich ihre Schwester Paula in der Stadtwohnung einnistet und auf ihre Anrufe nicht reagiert und die Zahnarztbesuche zunehmen, tritt Friedrich erstmal in den Hintergrund.

Im Großen und Ganzen begleiten wir die namenslose Ich-Erzählerin bei ihrer täglichen Routine, was einem das Gefühl gibt, aus einem Tagebuch zu lesen. Es passiert nicht wirklich viel. Weite Teile des Romans folgen wir einfach den Gedanken der Erzählerin. Es sind Reflexionen über die Mitte des Lebens und was wir noch erwarten können. Die Freundschaft zwischen Friedrich, die im Klappentext eine viel größerer Rolle einnimmt, spielt sich eher im Hintergrund ab. Auch die Zahnarztbesuche, die zu Beginn noch ein interessantes Metapher waren, nutzen sich durch viele Wiederholungen ab.
Das Männerbild ist durchgehend schlecht und eindimensional. Es wimmelt nur so von Narzissten, Depressiven oder Alkoholikern. Dass ihre beste Freundin Therese plötzlich wieder heiraten möchte, kann sie nicht verstehen und gibt ihr ebenfalls viel Stoff nachzudenken.

Im letzten Viertel wurde ich dann auch noch richtig getriggert, denn die Autorin nimmt das Hochwasser des letzten Jahres, welches genau meine Region betroffen hat, in ihrem Romans auf! Ihr Haus steht an einem Bach, der überflutet werden soll, wenn man den Wetterberichten Glauben schenkt. Ich war wieder im September 2024 angekommen und war beim Lesen alles andere als entspannt. Immer wieder hatte ich die Bilder vor Augen, wie vor meinem Haus die Straße zum Fluss wurde....

Am Ende erkennt die Ich-Erzählerin, was und wer wirklich wichtig ist und dass es davon in ihrem Leben doch so einiges gibt, was sich positiv anfühlt.

Fazit:
Es ist ein leiser, nachdenklicher Roman über Vergänglichkeit, dem begraben von Jugendträumen und setzen neuer Ziele. Für mich war die Geschichte teilweise leider zu belanglos, denn es passiert recht wenig. Die Gedankengänge der Protagonistin konnte ich jedoch oftmals sehr gut nachvollziehen, da ich selbst in diese Altersgruppe falle. Eine Geschichte vor allem für Frauen in der Mitte des Lebens geeignet.

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