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Veröffentlicht am 24.10.2025

Erwachsen werden ist aufregend

Der Plattenspieler unter der Dachschräge
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Wie bereits in den Vorgängerromanen der Reihe erinnert sich der bereits erwachsene Siegfried an seine Kindheit zurück. Diesmal möchte er die Dias seiner verstorbenen Mutter digitalisieren. Bei deren Durchsicht ...

Wie bereits in den Vorgängerromanen der Reihe erinnert sich der bereits erwachsene Siegfried an seine Kindheit zurück. Diesmal möchte er die Dias seiner verstorbenen Mutter digitalisieren. Bei deren Durchsicht holen ihn bald die Erinnerungen ein. Jedes neue Kapitel beginnt mit diesen kurzen Einblicken in die Vergangenheit, bevor wir mit dem 16jährigen Sigi direkt in die 70iger Jahre zurückkehren.

Während im September eine Nachprüfung in Latein auf Sigi wartet, lernt er im Juli die harte Arbeitswelt kennen. Doch mit dem verdienten Geld erfüllt er sich seinen größten Wunsch: einen Plattenspieler. In seinem Zimmer unter dem Dach kann er endlich Led Zeppelin, die Rolling Stones oder Deep Purple hören. Dort oben kann er sich in seine eigene Welt träumen, denn im Leben seiner Eltern geht es rund, nachdem sein Vater im angetrunkenen Zustand das Auto zu Schrott gefahren hat. Der Dorfklatsch über die Frau, die neben ihm gesessen hat und nicht seine Ehefrau ist, macht die Runde und landet auch bei Sigi und seiner Mutter. Diese zieht die Konsequenzen und zieht aus. Sigi muss sich nun neben der Schule um seinen Vater kümmern, der weiterhin im Haushalt keinen Finger krümmt, während die geliebte Oma immer vergesslicher wird.
In der Schule wird er überraschender Weise zum Klassensprecher gewählt, die Wien Woche steht an und der erste Tanzkurs. Es geht turbulent zu in Sigis Leben und auch die Mädchen schwirren in seinem Kopf herum. Wiebke aus Deutschland, die er in den Sommerferien bei seiner Tante kennengelernt hat und vor allem Rita aus seiner Klasse, nehmen seine Gedanken ein. Da bleibt nicht viel übrig für Latein oder Mathematik....

In den vier Romanen von Herbert Dutzler haben wir die Verwandlung des erst 10jährigen zum pubertierenden 16jährigen Sigi miterlebt. Der pummelige Junge wird zu einem rauchenden und Bier trinkenden Jugendlichen, der jedoch noch immer das Herz auf den rechten Fleck hat. Seine Liebe zu Musik und Literatur, sowie zum Kochen sind ihm geblieben und die etwas vorlaute Art, welche ihm in der Schule nicht immer Vorteile bringt, ebenfalls.
Wieder habe ich mich köstlich über Sigis Abenteuer amüsiert, aber auch mit ihm gelitten, als die Ehe seiner Eltern den Bach runter geht.

Herbert Dutzler erzählt warmherzig und mit viel Schmäh über das Erwachsen werden. Dabei ist der Rückblick nicht nur nostalgisch, sondern auch kritisch.
Erinnerungen an diese Zeit, in der ich noch Kind war, sind wieder aufgekommen und das damalige Lebensgefühl hat mich gefangen genommen. Der erste Tanzkurs oder eine unglückliche Liebe - wer hat vor allem Letzteres nicht selbst miterlebt?!
Sigi und ich haben übrigens etwas gemeinsam: Mit meinem ersten selbstverdienten Geld habe ich mir eine Stereo-Anlage mit Plattenspieler und zwei Kassettendecks gekauft =)
Genossen habe ich auch typisch österreichischen Ausdrücke oder regionale Besonderheiten.
Als ziemlich schlimm empfand ich die viele Trinkerei und das Rauchen zu dieser Zeit und ich bin froh, dass man in der Zwischenzeit kaum mehr in öffentlichen Gebäuden oder Büroräumen rauchen darf. Die Trinkkultur in Österreich hat sich hingegen leider nur sehr wenig verändert....

Fazit:
Für alle, die diese Zeit nicht miterlebt haben, ist dieser Coming-of-Age Roman ein interessanter Blick in ein oftmals völlig andere Welt. Für die älteren Semester ist es eine kleine Zeitreise zurück in die eigene Kinder- oder Jugendzeit.
Die vier Bücher der Reihe haben hier einen Ehrenplatz. Natürlich gibt es auch wieder eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Weihnachtsgefühle - wenn Freunde sich verlieben

Schneeflöckchen, Weißpfötchen
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Petra Schiers Hunde-/Weihnachtsromane gehören jedes Jahr in die Weihnachtszeit auf die Leseliste!
Diesmal hat Santa Claus wieder einen ganz besonderen Wunsch zu erfüllen, der ihm tatsächlich im Vorjahr ...

Petra Schiers Hunde-/Weihnachtsromane gehören jedes Jahr in die Weihnachtszeit auf die Leseliste!
Diesmal hat Santa Claus wieder einen ganz besonderen Wunsch zu erfüllen, der ihm tatsächlich im Vorjahr wegen technischer Probleme durchgerutscht ist. Er fühlt sich deshalb schuldig und setzt alles daran, dass Xander seine große Liebe endlich in seine Arme schließen kann. Der Fotograf und Reiseblogger liebt schon seit Jahren seine beste Freundin Ellie, die jedoch in ihm noch immer nur ihren besten Kumpel sieht - und nicht mehr. Neben Ellie und Xander gehören auch Jelena und deren Bruder Arian zum Vier-Freundes-Kleeblatt. Die drei sind zur Zeit sehr beschäftigt, denn sie wollen gemeinsam eine eigene Beauty-Oase aufbauen. Überraschend taucht Xander kurz vor Weihnachten bei ihnen auf und verkündet, dass er genug vom Reisen hat. Er möchte sich ein Fotostudio und eine Galerie einrichten und sesshaft werden. Dabei liebäugelt er aber auch damit, dass er endlich Zeit hat, um Ellies Herz erobern zu können. Doch kaum ist Xander zurück, lernt Ellie im Baumarkt den charmanten Anwalt Patrice kennen. Santa Claus sieht seine Pläne davon schwimmen und hofft auf die Hilfe der weißen Schäferhündin Amara, die verzweifelt ein neues Zuhause sucht. Doch Ellie wurde als Kind von einem Hund gebissen und hat seitdem große Angst vor den Vierbeinern. Ob das gut gehen wird?

Wir haben es diesmal mit einer "Friends to Lovers" Geschichte zu tun und einem sehr langsamen annähern, was mir sehr gut gefallen hat. Wie immer sind die Figuren sehr liebevoll gezeichnet, haben Ecken und Kanten und können sich auch Schwächen eingestehen. Familie und Freunde sind füreinander da, was beim Lesen ebenfalls ein wohliges Gefühl entstehen lässt.
Natürlich gibt es auch wieder den obligatorischen Besuch beim Weihnachtsmarkt und das Familien- Kekse-backen. Beide Events finde ich immer sehr amüsant, aber auch sehr atmosphärisch. Die Weihnachtsstimmung spürt man durch die Zeilen und gehen direkt ins Herz. Ich hatte alles sehr bildhaft vor meinen Augen und manche Szenen oder Locations erwartet man bereits oder "erkennt" sie aus den Vorgängerromanen.

Die Gedanken von Hündin Amara sind wieder in kursiver Schrift zu lesen. Sie ist zu Beginn eine sehr scheue und verletzte Seele, die den Glauben an die Menschen verloren hat. Mit Hilfe von Xander bekommt sie wieder Vertrauen und erobert schließlich auch Ellies Herz. Ob das Xander auch gelingt, müsst ihr selbst lesen.

Der Roman ist wieder in 24 Kapitel unterteilt, damit man die Geschichte auch als Adventkalender lesen kann. Doch seien wir ehrlich? Wer kann an einem Buch wie diesen fast einen Monat lang lesen? Ich nicht!

Fazit:
Der Hunde-/Weihnachtsroman der Autorin ist jedes Jahr ein Must Read und hat mich auch diesmal wieder bestens unterhalten. Das weihnachtliche Flair habe ich sehr genossen und war bereits eine Einstimmung auf weitere Weihnachtsromane, die noch kommen werden.

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Veröffentlicht am 19.10.2025

Das Leben ist wie ein Jahreskreis

Wilder Honig
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Der Roman spielt im walisischen Berllan Deg, wo Hannah mit ihrer Schwester Sadie aufgewachsen ist. Sadie floh vor den sehr bestimmenden Eltern und führte ihr eigenes Leben in der Stadt, während Hannah ...

Der Roman spielt im walisischen Berllan Deg, wo Hannah mit ihrer Schwester Sadie aufgewachsen ist. Sadie floh vor den sehr bestimmenden Eltern und führte ihr eigenes Leben in der Stadt, während Hannah und ihr Ehemann John bis zu deren Tod unter ihrer Herrschaft litten.
Im Winter ihres Lebens ist Hannah nun nach dem Tod ihres Mannes alleine in ihrem Elternhaus angekommen. Zur Trauerfeier reist ihre Schwester Sadie an, die Hannah die nächste Zeit unterstützen möchte. Doch lange sind die beiden Frauen nicht alleine, denn sie bekommen Besuch von Megan, einer jungen Frau, die in einem besonderen Verhältnis zu Hannah und Sadie steht. Mehr möchte ich dazu nicht erzählen....

Alle drei Frauen fühlen sich in ihrem Leben verloren und sind nach der Suche nach sich selbst. Während sich Hannah, Sadie und Megan im dunklen und schneereichen Winter zurückziehen, nähern sie sich im kommenden Frühling an. Während John vor allem seine wissenschaftlichen Bücher und die Imkerei am Herzen lag, widmet sich Hannah nun dem verwilderten Obstgarten ihres Vaters, den sie endlich nach ihren eigenen Plänen anlegen kann. Mit Jack, der John bei den Bienen geholfen hat und im Frühling und Sommer in einem Wohnwagen im Garten wohnt, kommt eine weitere interessante Figur hinzu. Er befasst sich vor allem mit den Bienenvölkern und bringt Megan und dem Leser das Bienenvolk näher. Hier habe ich mit Neugier gelesen, denn mein Mann ist seit letztem Jahr ebenfalls Imker und ich muss zugeben, dass ich vieles noch nicht richtig verstehe.

Dazwischen lesen wir aus den Briefen, die John seiner Frau hinterlassen hat. Anhand seiner Erzählungen aus dem Leben der Bienen, versucht er Hannah mitzuteilen, warum ihr Leben und ihre Ehe so verlaufen ist. Vor allem aber möchte er ihr erklären, warum er sein Geheimnis erst nach seinem Tode offenbart und ihr nicht früher davon erzählt hat. Dieses Geheimnis reißt jedoch alte Wunden auf, die Hannah fast zerstören....
Die Briefe, die John an Hannah geschrieben hat, haben mich nicht wirklich überzeugt. Mir fehlten hier die Emotionen im Bezug zu ihrer Ehe und Liebe.

Die bildhafte und poetische Sprache der Autorin habe ich genossen, obwohl sich die Geschichte eher unaufgeregt und leise präsentiert. Die Charaktere sind facettenreich und haben eine emotionale Tiefe, die sich jedoch erst langsam entwickelt. Es werden wesentliche Themen angesprochen und beleuchtet.

Vor allem die atmosphärische Beschreibung der Natur und der Landschaft habe ich genossen. Dabei wird die Geschichte auf anderer Seite sehr unaufgeregt erzählt, wobei es auch zu kleinen Längen kommen kann. Ich denke, man muss sich in die Geschichte hineinfühlen und auch in der richtigen Stimmung sein.

Am Ende schließt sich der Jahreskreis und gibt der Geschichte um Hannah, John, Sadie, Megan und Jack den perfekten Rahmen. Diese Verbindung habe ich als sehr harmonisch empfunden. Der graue und kalte Winter mit Johns Tod und Hannahs Trauer und Wut, danach der Frühling und Megans Ankunft bzw. ihre kleine Annäherung an die Schwestern, Hannahs Pflege des Obstgartens und dann die in Blüte stehenden Bäume, die neue Hoffnung geben bis es zur Ernte kommt.

Mir hat die Aussage der Geschichte und die bildhafte Erzählung im Jahreskreis gut gefallen, wenn sie auch manchmal etwas mehr Tempo vertragen hätte.

Fazit:
Ein sehr leiser und tiefgründiger Roman, bei dem mir vor allem die atmosphärische Beschreibung der Natur gefallen hat und die langsame Entwicklung der drei Frauen, die schlussendlich zu sich selbst finden.

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Veröffentlicht am 17.10.2025

Über die Vergänglichkeit

Ja, nein, vielleicht
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"Ja, nein, vielleicht" ist mein zweites Buch der Autorin, die mir von meiner Nichte empfohlen wurde, die jedes Buch von Doris Knecht verschlingt.
Nach "Die Nachricht" konnte mich aber auch ihr neuester ...

"Ja, nein, vielleicht" ist mein zweites Buch der Autorin, die mir von meiner Nichte empfohlen wurde, die jedes Buch von Doris Knecht verschlingt.
Nach "Die Nachricht" konnte mich aber auch ihr neuester Roman nicht komplett abholen, obwohl sich das Thema um das Älter werden und Vergänglichkeit dreht, welches (leider) in meinem Alter nun doch immer präsenter wird.
Auch die Hauptprotagonistin fühlt sich durch den baldigen Verlustes eines Zahnes plötzlich daran erinnert, dass sie in der zweiten Lebenshälfte angekommen ist. Die Kinder sind ausgezogen und leben ihr eigenes Leben, während sie zwischen der Wohnung in der Stadt und ihrem Häuschen im Waldviertel hin- und herpendelt. Der Vater der Kinder hat sich schon lange verabschiedet und nun ist endlich Ruhe in ihrem Leben eingekehrt. Mit ihrem Hund lebt sie zurückgezogen in ihrem Haus am Land und sinniert über die kommenden Jahre. Was kann sie sich noch von der Zukunft erwarten?
Als sie nach 25 Jahren ihre Jugendaffäre Friedrich in einem Supermarkt wieder trifft, fängt sie an darüber nachzudenken, ob sie nochmals eine Partnerschaft eingehen würde? Friedrich, der mit ihr gemeinsam die Milleniumsnacht in New York im Bett verbrachte, geht ihr nur mehr schwer aus dem Kopf. Doch möchte sie tatsächlich ihr geruhsames Leben am Land teilen und sich den Wünschen eines Mannes richten? Ja, nein oder doch vielleicht?
Die Gedanken sind da, doch als sich ihre Schwester Paula in der Stadtwohnung einnistet und auf ihre Anrufe nicht reagiert und die Zahnarztbesuche zunehmen, tritt Friedrich erstmal in den Hintergrund.

Im Großen und Ganzen begleiten wir die namenslose Ich-Erzählerin bei ihrer täglichen Routine, was einem das Gefühl gibt, aus einem Tagebuch zu lesen. Es passiert nicht wirklich viel. Weite Teile des Romans folgen wir einfach den Gedanken der Erzählerin. Es sind Reflexionen über die Mitte des Lebens und was wir noch erwarten können. Die Freundschaft zwischen Friedrich, die im Klappentext eine viel größerer Rolle einnimmt, spielt sich eher im Hintergrund ab. Auch die Zahnarztbesuche, die zu Beginn noch ein interessantes Metapher waren, nutzen sich durch viele Wiederholungen ab.
Das Männerbild ist durchgehend schlecht und eindimensional. Es wimmelt nur so von Narzissten, Depressiven oder Alkoholikern. Dass ihre beste Freundin Therese plötzlich wieder heiraten möchte, kann sie nicht verstehen und gibt ihr ebenfalls viel Stoff nachzudenken.

Im letzten Viertel wurde ich dann auch noch richtig getriggert, denn die Autorin nimmt das Hochwasser des letzten Jahres, welches genau meine Region betroffen hat, in ihrem Romans auf! Ihr Haus steht an einem Bach, der überflutet werden soll, wenn man den Wetterberichten Glauben schenkt. Ich war wieder im September 2024 angekommen und war beim Lesen alles andere als entspannt. Immer wieder hatte ich die Bilder vor Augen, wie vor meinem Haus die Straße zum Fluss wurde....

Am Ende erkennt die Ich-Erzählerin, was und wer wirklich wichtig ist und dass es davon in ihrem Leben doch so einiges gibt, was sich positiv anfühlt.

Fazit:
Es ist ein leiser, nachdenklicher Roman über Vergänglichkeit, dem begraben von Jugendträumen und setzen neuer Ziele. Für mich war die Geschichte teilweise leider zu belanglos, denn es passiert recht wenig. Die Gedankengänge der Protagonistin konnte ich jedoch oftmals sehr gut nachvollziehen, da ich selbst in diese Altersgruppe falle. Eine Geschichte vor allem für Frauen in der Mitte des Lebens geeignet.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

Teuflische Manipulationen

Die Toten von nebenan
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Ich mag die Bücher von Olivia Monti, die immer eine etwas andere Geschichte erzählen und dabei einen kritischen Blick auf unsere Gesellschaft werfen. Oftmals sind sie auch ein bisschen gruselig oder haben ...

Ich mag die Bücher von Olivia Monti, die immer eine etwas andere Geschichte erzählen und dabei einen kritischen Blick auf unsere Gesellschaft werfen. Oftmals sind sie auch ein bisschen gruselig oder haben kriminelle Inhalte. Nach "Das Haus" und "Sterbewohl" ist "Die Toten von nebenan" nun mein drittes Buch der Autorin.
Als mich Olivia Monti gefragt hat, ob ich ihr neues Buch lesen möchte, habe ich gleich zugesagt. Die Inhaltsangabe hat mich sofort wieder angesprochen und ich war neugierig, was uns die Autorin diesmal unterschwellig sagen will ;)

Auch diesmal hat sich Olivia Monti wieder etwas Spezielles einfallen lassen. Passend zum spooky Oktober kann ich euch noch ihr Buch ans Herz legen, denn wir befinden uns unter Toten.
Als Nadja Löffler knapp einen Fahrradunfall mit einem LKW entgeht, stellt sie jedoch bald fest, dass irgend etwas anders ist. Als sie in ihr Viertel kommt, sieht sie viele tote Menschen. Als sie in ihrer Wohnung ankommt, wird sie bereits von ihrer verstorbenen Großmutter erwartet. Bald erkennt sie, dass ihr normales Leben geendet hat und sie für ihre Mutter, die als Pflegefall im Obergeschoß lebt, nicht mehr sichtbar ist. Dafür sieht sie längst verstorbene Nachbarn, die sie willkommen heißen. Sie alle leben in ihren alten Häusern und Wohnungen, als wäre nichts passiert. In dieser Parallelwelt verweilen sie unbemerkt neben den Lebenden und warten darauf in eine höhere Ebene aufzusteigen. Sie können ihr Alter wählen und haben weder Schmerzen, noch Hunger und kennen keine Müdigkeit.

Doch die friedliche Existenz wird kurz nachdem Frau Löffler angekommen ist, von Herrn Tober gestört. Der charmante Mann verspricht den Toten ein Paradies, wenn sie die Lebenden, die in ihren Häusern wohnen, vertreiben. Bald ist es vorbei mit der Ruhe, denn Tober überredet einige der Familien und Frau Löffler bei seinen Aktionen teilzunehmen. Vor allem Frau Kantner ist gar nicht mit der zugezogenen syrischen Familie einverstanden, die in ihrem Haus wohnen. Auch die Sauers würden die Klingers am liebsten aus ihrem Heim vertreiben und die Henne Schwestern, stolze ehemalige Hitler-Anhängerinnen sind sowieso sofort dabei, wenn es darum geht jemand zu denunzieren. Tobers Spiel gerät bald aus dem Ruder, denn er versteht die Menschen zu manipulieren. Er erscheint den Toten anziehend, in dem er sie an eine ehemalige Liebe erinnert oder an eine bekannte Persönlichkeit, die sie verehrten. Er versteht es Neid und Missgunst zu wecken, Begehrlichkeiten zu erfüllen oder Ängste zu schüren. Tober bringt das Schlechteste im Menschen zum Vorschein...

Olivia Monti hat mit ihrem neuen Buch wieder ein interessantes Gedankenspiel aufgegriffen. Eine Parallelwelt in der die Lebenden und Toten zusammenleben, welches anfangs paradiesisch klingt, doch durch charakterliche Unzulänglichkeiten, die von Herrn Tober geschürt werden, bald verloren gehen.

Die vielen Figuren verwirren anfangs und ich wollte schon aufschreiben, wer in welchen Haus gewohnt hat und wer jetzt dort wohnt usw. Doch bald hat man die doch begrenze Personenzahl im Griff. Die Kapitel sind kurz, die Charaktere facettenreich. Die Figuren werden mit Frau und Herr angesprochen, nur in wenigen Fällen erfährt man den Vornamen der jeweiligen Person. Dies verschafft eine kleine Distanz.
Herr Tober erschien mir wie der Teufel in Person. Er verändert sein Äußeres, manipuliert seine Umgebung und verführt die Menschen in seinem Dunstkreis. Seine Versprechen klingen verlockend. Doch nichts ist umsonst....

Am Ende gibt es noch eine überraschende Wendung, mit der ich nicht gerechnet hatte.

Fazit:
Olivia Monti hat wieder in den Tiefen der menschlichen Abgründe gewühlt und einen spannenden Roman geschrieben, der uns humorvoll den Spiegel vor die Nase hält. Dazu kommt der leicht gruselige Touch und die Frage, wie weit wir gehen würden, um das "Paradies" zu erlangen.

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