Der Grusel im Keller
Das SeptemberhausSo richtig gruselig empfand ich "Das Septemberhaus" eigentlich nicht. Margaret und Hal sind sich sicher ihr Traumhaus gefunden zu haben. Die viktorianische Villa, die zum Kauf angeboten wird, ist günstig. ...
So richtig gruselig empfand ich "Das Septemberhaus" eigentlich nicht. Margaret und Hal sind sich sicher ihr Traumhaus gefunden zu haben. Die viktorianische Villa, die zum Kauf angeboten wird, ist günstig. Einzig die Vormieter blieben alle nicht lange im Haus wohnen. Auch die Mieterin macht sie auf einige Todesfälle aufmerksam, was die Beiden jedoch nicht hindert einzuziehen. Margaret fühlt sich wohl und schließt Freundschaft mit Nachbarin Edie. Doch im September offenbart sich Schreckliches. Von den Wänden tropft Blut, furchtbare Schreie hallen während der Nacht durch das Haus, Geisterkinder spuken durch die Zimmer, Vögel fliegen in selbstmörderischer Absicht gegen die Fenster und im Keller scheint etwas Furchtbares zu wohnen. Mit jedem Tag im September wird es schlimmer und hört erst im Oktober wieder auf.
Margaret beginnt sich damit zu arrangieren und stellt ihre eigenen Regeln auf, um den Monat zu überstehen. Es ist ihr Haus und sie möchte bleiben - komme, was wolle. Sie schließt sogar Freundschaft mit der Haushälterin, die vor Jahrhunderten in der Villa gearbeitet und anscheinend bestialisch ermordet wurde und seitdem durch das Haus spukt. Nur Hal hat nach drei Septembern genug und verschwindet von einem Tag auf den anderen, kurz bevor der nächste September bevorsteht....
Margret habe ich zuerst bewundert, wie sie sich stoisch dagegen wehrt, aus dem Haus vertrieben zu werden. In Rückblenden in ihre Vergangenheit wurde mir klar, wie sie ihr Leben durch Regeln, die sie sich aufstellt, in den Griff bekommen hat. Die Ehe mit Hal ist nicht das, was man nach außen hin sieht und Tochter Katherine hat sie seit Jahren nicht mehr besucht und lebt ihr eigenes Leben. Als sie sich genau im September ankündigt, weil sie ihren Vater nicht erreichen kann und ihn suchen will, wird Margaret nervös. Sie kann doch ihre Tochter nicht in einem Spukhaus wohnen lassen, wo die Wände anfangen zu bluten, die Geister durchs Haus spuken und Katherine der Gefahr im Keller aussetzen. Kurzerhand holt sie den Exorzisten-Pfarrer der Gemeinde zu sich ins Haus, der ihr schon einige Male geholfen und dem Spuk mit Weihrauch und Gebeten entgegenwirkt. Doch das Böse kehrt schneller zurück, als Margaret lieb ist....
Bevor es zum gruseligen Finale kommt, ist die Geschichte mehr Familiendrama. Man erfährt so einiges über Hal und Margaret, wie auch über Katherine. Die Vergangenheit wirft ein etwas anderes Licht auf die Familie. Mich verwirrte zu Beginn, wie Margaret so gleichgültig mit diesen fürchterlichen Umständen leben konnte und mit ziemlich emotionsloser Akzeptanz das Verschwinden von Hal hinnahm. Spätestens als Katherine auftaucht und man Margarets Beziehung zum Haus und ihre Eigenschaft, sich den Dingen zu stellen erkennt, fragt man sich, ob vielleicht doch nicht alles so ist, wie es uns Margaret erzählt.
Die Figuren sind sehr bildhaft und lebendig gezeichnet, auch wenn viele keine Sympathieträger sind. Über Hal erfahren wir einiges in Rückblenden, aber auch Katherine ist kein wirklich liebenswerter Charakter. Sie ist aufbrausend und übergriffig.
Die Atmosphäre ist düster und trotzdem nicht so gruselig, dass man sich fürchten müsste.
Die Autorin hat uns einige Male gekonnt auf den falschen Weg gelotst. Vor allem im letzten Drittel war man total unsicher, was nun Sache ist. Bildet sich Margret alles nur ein oder geistert es im Spukhaus tatsächlich?
Carissa Orlando verpackt die Gruselgeschichte mit schwarzem Humor, so dass man sich nicht wirklich gruselt - bis es zum Finale kommt. Trotzdem könnte das eine oder andere Thema jemand unvorhergesehen triggern, denn zuvor geht es vor allem um Opferverhalten: verheimlichen, anpassen, ertragen und die Schuld auf sich nehmen.
Das Ende kam fast etwas zu abrupt und ich hätte mir hier noch einen Epilog gewünscht.
Fazit:
"Das Septemberhaus" ist eine etwas andere Geschichte, als man erwarten würde. Der Grusel steht eher im Hintergrund, der Inhalt ist vielschichtig und hat emotionalen Tiefgang. Mit der Bewertung tat ich mir allerdings sehr schwer und schwankte zwischen 3 und 4 Sternen. Nach dem Schreiben der Rezension habe ich nun den Mittelweg genommen und 3 1/2 Sterne vergeben.