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Veröffentlicht am 25.07.2021

Das Leben einer alleinerziehenden Mutter

Kleine Fluchten
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Dieses Buch richtet sich nicht nur an alleinerziehende Mütter, wie die namenlose Protagonistin eine ist. Es zeigt ein allgemein gültiges gesellschaftliches Phänomen auf, nämlich die Vereinbarkeit von Mutterschaft ...

Dieses Buch richtet sich nicht nur an alleinerziehende Mütter, wie die namenlose Protagonistin eine ist. Es zeigt ein allgemein gültiges gesellschaftliches Phänomen auf, nämlich die Vereinbarkeit von Mutterschaft mit Berufstätigkeit und dem Wunsch auf ein eigenes Leben außerhalb von Kind und Haushalt. Drastischer darstellen lassen sich die Probleme natürlich anhand einer Frau, die wie die Erzählerin ihr Kleinkind ohne den Vater aufzieht, der sang- und klanglos aus ihrem Leben verschwunden ist. Ihr täglicher Spagat, es allen, vor allem ihrem Kind gerecht zu machen und dennoch langsam und sicher sozial abzusteigen und sich selbst zu verlieren, wird absolut realistisch dargestellt. Eigentlich kann man es ihr nicht verdenken, wenn sie sich nachts während des Schlafs ihres Kindes für immer länger werdenden Intervalle aus der Wohnung schleicht, um Einblicke auf das an ihr vorbeiziehende Leben zu erhaschen. Dass solche Freiräume von der Gesellschaft, die den Frauen nötige Hilfen verweigert, an den Pranger gestellt werden und diese auch sonst gnadenlos mit einer Alleinerziehenden abrechnet, die sich doch „nur“ richtig zu organisieren habe, um Kind und sonstiges Leben unter einen Hut zu bekommen, versteht sich von selbst. Das Ende der Geschichte ist hervorragend gelöst. Alles sieht danach aus, als ob während der nächtlichen Abwesenheit der Frau etwas Tragisches mit ihrem Kind passiert ist. Aber weit gefehlt … Doch das muss einfach jeder selbst lesen, indem er zu diesem nur zu empfehlenden Buch greift.

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Veröffentlicht am 24.07.2021

Zwei Frauenschicksale

Wir für uns
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Die Autorin hat ein Faible für Mutter-Tochter-Geschichten. Nach „Schwestern bleiben wir immer“, „Töchter wie wir“, „Geteilt durch zwei“ nun das vorliegende Buch, in dem als zusätzlicher Aspekt noch eine ...

Die Autorin hat ein Faible für Mutter-Tochter-Geschichten. Nach „Schwestern bleiben wir immer“, „Töchter wie wir“, „Geteilt durch zwei“ nun das vorliegende Buch, in dem als zusätzlicher Aspekt noch eine Mutter-Sohn-Beziehung behandelt wird. Die eine Protagonistin Josie ist mit über 40 Jahren schwanger von ihrem verheirateten Geliebten und in ihrer Familie gibt es ein Ereignis, das die Mutter immer totgeschwiegen hat. Die andere Protagonistin Kathi wird kurz vor der Goldenen Hochzeit Witwe und erkennt, dass es in ihrer vermeintlich glücklichen Ehe auch Misstöne gegeben hat; außerdem erschüttert die jetzt von ihrem verheirateten Sohn bekannte Homosexualität die Grundfesten ihres Lebens. Die beiden Frauen freunden sich an und nehmen als gemeinsames Projekt die Eröffnung eines Dorfladens in Angriff.
Die Geschichte um die beiden Frauen ist sehr berührend und es ist sehr spannend, endlich gegen Ende zu erfahren, welches Geheimnis in Josies Familie liegt. Abwechslung beim Lesen bringt, dass verschiedene aktuelle Themen zur Sprache kommen, wie Abtreibung, Erkrankung mit Down-Syndrom, Homosexualität. Die Autorin geht hier sehr behutsam vor und erklärt sich hierzu noch ausführlich im Nachwort. Die Protagonistinnen sind gut herausgearbeitet und machen eine Entwicklung dahingehend durch, dass sie sich - auch durch den gegenseitigen Einfluss - allmählich verändern und sich schrittweise auf ihre Mutter bzw. ihren Sohn zu bewegen. Und so gibt es die schöne Chance eines neuen Umgangs mit ihnen. Vieles regt zum Nachdenken an.
Wer Familiengeschichten mag, ist mit diesem gut unterhaltenden Buch gut bedient.

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Veröffentlicht am 23.07.2021

Ein etwas anderer Roman über die DDR

Raumfahrer
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Themen, die typischerweise in Romanen über die DDR verarbeitet werden – Stasi-Bespitzelung, Lebensverhältnisse - werden hier einmal in etwas anderer Art verarbeitet, weshalb ich das Buch für sehr lesenswert ...


Themen, die typischerweise in Romanen über die DDR verarbeitet werden – Stasi-Bespitzelung, Lebensverhältnisse - werden hier einmal in etwas anderer Art verarbeitet, weshalb ich das Buch für sehr lesenswert halte.
Erzählt werden (und zwar eher episodenhaft) die Geschichten zweier Familien während der Zeit des Bestehens der DDR und der Zeit nach der Wende. Beide Familien sind miteinander verwoben, wobei das verbindende Element erst sehr spät sichtbar wird. Zum einen ist das die Familie Kern/Baselitz, deren einer Sohn ein bekannter zeitgenössischer Künstler ist und der schon vor dem Mauerbau in den Westen ging unter Zurücklassung vor allem des mit ihm eng verbundenen Bruders, dem das Nachreisen nie mehr gelang. Zum anderen ist da die Familie des jungen Erzählers Jan, geboren 1989, der sich durch die beharrliche Konfrontation mit einem Kern-Nachfahren daran macht, die Geschichte seiner verstorbenen Mutter zu ergründen. Das Auffallendste ist die Sprachlosigkeit in den beiden Familien über ihr Leben in der DDR und ihre Vergangenheitsbewältigung. Darunter hat Jan in der Gegenwart zu leiden, der mit geheimnisvollen Identitätsproblemen konfrontiert wird. Ein guter Ausblick wird auf die Entwicklung der DDR nach der Wende gegeben und wie diese so manchem Bürger den Boden unter den Füßen wegriss.



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Veröffentlicht am 19.07.2021

Dorfleben zu Zeiten von Corona

Über Menschen
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Noch während andauernder Corona-Pandemie einen Corona-Roman wie den vorliegenden zu lesen, hat etwas, denn in ihm werden alle nur denkbaren Meinungen über das Thema abgehandelt und der Leser wird sich ...

Noch während andauernder Corona-Pandemie einen Corona-Roman wie den vorliegenden zu lesen, hat etwas, denn in ihm werden alle nur denkbaren Meinungen über das Thema abgehandelt und der Leser wird sich schon irgendwo wiederfinden. Die Protagonistin Dora ist eine Werbetexterin aus Berlin, die Abstand von ihrem Freund, einem radikalen Klimaaktivisten und Lockdown-Verfechter, braucht und sich in einem alten Haus in einem brandenburgischen Dorf niederlässt. Seine Bewohner sind ganz dem üblichen Klischee entsprechend rechtsgerichtet und deshalb so gar nicht Doras Fall. Dennoch entsteht rasch eine enge Beziehung zu ihrem als „Dorf-Nazi“ geltenden Nachbarn und anderen Bewohnern, weil diese ihr Hilfe und ein Gefühl von Zugehörigkeit geben. Die Geschichte ist witzig und ironisch geschrieben, das Ende sehr berührend. Die Charakterisierungen der Personen sind sehr liebevoll und treffend und werden dem Buchtitel voll gerecht. Als Lehre lässt sich aus der Geschichte ziehen, dass sich Vorurteile nicht immer bewahrheiten.
Sehr empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 14.07.2021

Muss eine Frau ein Kind haben?

Nie, nie, nie
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Die 35jährige namenlos bleibende Erzählerin will nicht Mutter werden. Ihr gesamtes soziales Umfeld sieht das anders, verhaftet in der traditionellen Vorstellung, dass nur eine Frau mit Kind der Norm entspricht. ...

Die 35jährige namenlos bleibende Erzählerin will nicht Mutter werden. Ihr gesamtes soziales Umfeld sieht das anders, verhaftet in der traditionellen Vorstellung, dass nur eine Frau mit Kind der Norm entspricht. Wenngleich ich persönlich die Beweggründe der Protagonistin nachvollziehen kann, nicht sie jedoch gutheißen, bleibt sie mir durchweg sympathisch. Denn sie reflektiert ihre Entscheidung immer wieder eingehend und schließt sogar nicht aus, sie später zu revidieren. Hingegen büßen die ihr nahestehenden Personen schon an Sympathie ein, wenn sie sich bemüßigt fühlen, auf die Erzählerin einzureden und sie umzustimmen versuchen. Sehr gefallen hat mir in der Geschichte, wie detailliert der familiäre Hintergrund der Erzählerin behandelt wird, vor allem die Rolle der Großeltern, von denen die eine Seite eigentlich Kinder ablehnte und nur welche bekam, um der gesellschaftlichen Erwartung ihrer Zeit gerecht zu werden, und die andere Seite jahrelang auf das sehnlichst erwartete Wunschkind warten musste.
Ein lesenswertes Buch, das zur Diskussion anregt und gleichermaßen von Frauen und Männern mit oder ohne Kinderwunsch gelesen werden kann.

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