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Veröffentlicht am 04.07.2021

Die Zerrissenheit von Migrationskindern

Eine Formalie in Kiew
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Der Autor erzählt in diesem Roman ein Stück seiner sehr interessanten Biografie. Im Alter von 8 Jahren als sog. Kontingentflüchtling aus der Ukraine nach Deutschland gekommen, will er nach einem Vierteljahrhundert ...

Der Autor erzählt in diesem Roman ein Stück seiner sehr interessanten Biografie. Im Alter von 8 Jahren als sog. Kontingentflüchtling aus der Ukraine nach Deutschland gekommen, will er nach einem Vierteljahrhundert endlich die deutsche Staatsangehörigkeit erwerben. Hierfür benötigt er jedoch eine in seiner Geburtsstadt Kiew beglaubigte Geburtsurkunde, so dass er dorthin reist. Die Reise konfrontiert ihn mit Erinnerungen an seine Kindheit sowie der Gegenwart des von einem Komiker regierten Landes, in dem Korruption an der Tagesordnung steht. Zum Teil muss er seine Vorstellungen aber auch revidieren. Da er in Deutschland zuletzt mit seinen Eltern zerstritten war, weil sich diese seit ihrer Auswanderung verändert haben und zu einer Integration nie wirklich bereit waren, jetzt plötzlich auch noch sein kranker Vater zwecks Krankenhausbehandlung in Kiew auftaucht, wird die Reise auch zu einer Versöhnung mit den Eltern, die er nun besser versteht.
Kapitelman spart nicht an ironischen Bemerkungen zu den Verhältnissen sowohl in Deutschland als auch der Ukraine und treibt vermutlich einiges auf die Spitze, wie etwa die Notwendigkeit des ständigen „Entdankens“ (= Bestechung), das wie so manche andere Vokabel eine schöne Wortschöpfung des Autors ist. Man erhält einen schönen Einblick in das Leben in Kiew. Einzig negativ möchte ich anmerken, dass mein Lesefluss etwas darunter litt, dass sehr viele ukrainische Worte einfließen, deren Bedeutung sich nicht immer ohne weiteres erschließt. Hier wäre ein Glossar hilfreich gewesen.
Empfehlenswertes Buch.

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Veröffentlicht am 30.06.2021

Enttäuschendes Buch über eine Pandemie

Monschau
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Das Buch ist zur Zeit der Corona-Pandemie hoch aktuell und viele Parallelen sind in ihm zu erkennen, obwohl die Geschichte Anfang der 1960er Jahre angesiedelt ist. Statt um die Ausbreitung des Corona-Virus ...

Das Buch ist zur Zeit der Corona-Pandemie hoch aktuell und viele Parallelen sind in ihm zu erkennen, obwohl die Geschichte Anfang der 1960er Jahre angesiedelt ist. Statt um die Ausbreitung des Corona-Virus geht es um die Pocken, die auf das Eifelstädtchen Monschau übergreifen und von einem Mitarbeiter eines großen Industriebetriebes aus Indien mitgebracht wurden. Ärztliche Krisenstäbe, Quarantäne, Impfungen … alles wie auch gegenwärtig. Wer also nicht schon wieder mit dem allgegenwärtigen Thema befasst sein will, sollte nicht zu diesem Buch greifen, wenngleich auch noch andere Stränge eingearbeitet werden, nämlich eine Liebesgeschichte zwischen einem angehenden Arzt und der Erbin der oben genannten Firma, die Machtspiele innerhalb der Firma, damals aktuelle Ereignisse der Weltpolitik und Aufarbeitung des Nationalsozialismus. Leider ist alles in einem nüchternen, journalistischen Ton dargestellt und vermochte nicht wirklich zu packen. Schade, denn dieses Buch wurde auf gängigen Literaturseiten hoch gelobt.

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Veröffentlicht am 30.06.2021

Mischung zwischen tragischer Familiengeschichte und Thriller

Von hier bis zum Anfang
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Der Roman ist sehr spannend geschrieben und wartet am Ende mit völlig überraschenden Wendungen auf.
Zunächst, worum geht es? Das Leben von vier befreundeten Jugendlichen nimmt eine tragische Wendung, als ...

Der Roman ist sehr spannend geschrieben und wartet am Ende mit völlig überraschenden Wendungen auf.
Zunächst, worum geht es? Das Leben von vier befreundeten Jugendlichen nimmt eine tragische Wendung, als einer von ihnen – Vincent – den Tod der kleinen Schwester seiner Freundin Star verursacht. Er selbst wird dafür Jahrzehnte inhaftiert. Sein Freund Walk fühlt sich für die Gefängnisstrafe mit schuldig. Seine Freundin Martha wendet sich von ihm ab aus Gründen, die indirekt mit dem Geschehen zusammenhängen. Noch 30 Jahre später hat Walk, inzwischen Polizist, ein Auge auf die allein erziehende Star und ihre beiden Kinder Duchess und Robin. Selbst bekommt sie ihr Leben nicht in den Griff. Auf der dreizehnjährigen Duchess lastet die ganze Verantwortung, umso mehr noch, als ihre Mutter durch ein Verbrechen getötet wird, woran sie sich durch ihr rechtswidriges Verhalten einem Immobilienhai und Barbesitzer gegenüber mit schuldig fühlt. Als vermeintlicher Täter wird erneut der kurz vorher entlassene Vincent angeklagt. Walk und Martha, inzwischen Rechtsanwältin, wollen seine Unschuld beweisen.
Man sieht schon, die Verflechtungen der Romanfiguren untereinander sind vielfältig. Außer den vorgenannten spielen auch noch eine Reihe anderer eine Rolle. Die Übersichtlichkeit über das Personengefüge geht jedoch nie verloren. Jede Figur hat ihre individuelle, meist durch das erlittene Schicksal tragische Ausgestaltung. Nicht jede macht einen sympathischen Eindruck. Gerade mit der frühreifen Protagonistin Duchess, die voller Wut und Widerstand gegen alles und jeden ist und von sich gefühlte hundert Mal als „outlaw“ spricht, fällt es schwer, warm zu werden. Ansprechend ist, dass der Roman eine Mischung zwischen Familiengeschichte und Thriller ist, allerdings so typisch amerikanisch ausgestaltet ist. Es kommt zu einigen blutigen Schießereien, an Leichen fehlt es nicht und auch nicht an der Wiedergabe eines so charakteristischen amerikanischen Strafprozesses. Der Aufzählung der vielen Autotypen, die jeder einzelne so benutzt, ist für mich aber schlichtweg verzichtbar.
Insgesamt zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 21.06.2021

Eine jahrzehntewährende Freundschaft

Heldinnen werden wir dennoch sein
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Das Buch handelt von der schon mehrere Jahrzehnte andauernden Freundschaft zwischen fünf bzw. noch vier inzwischen Mitte 50Jährigen Frauen, zu deren Clique in ihrer Jugend auch einige Männer gehörten. ...

Das Buch handelt von der schon mehrere Jahrzehnte andauernden Freundschaft zwischen fünf bzw. noch vier inzwischen Mitte 50Jährigen Frauen, zu deren Clique in ihrer Jugend auch einige Männer gehörten. Daher spricht es nicht nur Frauen an, sondern kann gleichermaßen von Männern gelesen werden, gerade weil im Fokus ein Mann steht, dessen Tod dazu führt, dass die Frauen die gemeinsame Vergangenheit nunmehr intensiv reflektieren. Im ständigen Perspektivwechsel und Zeitenwechsel schauen die Romanfiguren auf ihr gegenwärtiges Leben und vor allem auf die Vergangenheit in den 1970er und 1980er Jahren zurück. Für Leser, die wie ich ihre Jugend in diesem Zeitraum erlebten, ist die Geschichte recht wertvoll, weil sie Erinnerungen weckt (z.B. an Schokokussbrötchen, Karottenjeans, Popperfrisur). Immer wieder wird auf das Thema Freundschaft eingegangen, was sie ausmacht und was unter Freunden gar nicht geht. Sehr viel Spannung kommt dadurch ins Spiel, dass schon frühzeitig der Suizid des Freundes Frankie bekannt ist, nicht jedoch der exakte Grund und was die Frauen möglicherweise mit ihm zu tun haben. Dass es hier einen Zusammenhang gibt, wird geradezu spürbar. Wie die Frauen in der Gegenwart gezeichnet werden, geschieht mir etwas zu klischeehaft, z.B. was die dem Ehebruch ihres Mannes auf die Schliche kommende Freundin und ihre Versöhnung mit ihm anbelangt. Nicht schrecken sollte die Vielzahl der eingeführten Romanfiguren, denn den roten Faden zu behalten helfen im Klappentext befindliche kurze Charakterisierungen. Von besonderem Interesse dürfte das Buch für Leser sein, die in/bei der Stadt Kaarst leben, denn dort ist sie angesiedelt.
Eine unterhaltsame Lektüre.

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Veröffentlicht am 18.06.2021

Amüsanter Beziehungsroman zu Zeiten von Corona

Das Vierzehn-Tage-Date
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Dieser neue Roman des Autors ist ähnlich amüsant wie die Vorgänger und besticht durch lebendige Dialoge der beiden Protagonisten. Diese beiden – David und Corinna - haben sich über die Dating-App Tinder ...

Dieser neue Roman des Autors ist ähnlich amüsant wie die Vorgänger und besticht durch lebendige Dialoge der beiden Protagonisten. Diese beiden – David und Corinna - haben sich über die Dating-App Tinder kennengelernt und treffen sich erstmals in Davids Wohnung. Schnell erkennen sie, dass sie nicht zueinander passen, wollen aber noch eine Pizza essen, bevor sie aus dem Leben des jeweils anderen treten. Der Pizzabote ist allerdings Corona positiv getestet, weshalb den beiden flugs eine vierzehntägige Quarantäne in Davids Wohnung auferlegt wird. In dieser Zeit geraten die beiden mächtig aneinander, da sie so unterschiedlich sind. David ist ein ordnungsliebender, vegan lebender, verklemmter Musiklehrer, Corinna fleischessend, chaotisch, wütend und ohne rechte berufliche Perspektive. Sie werfen sich so manche Wahrheit an den Kopf, öffnen dem anderen aber auch helfend die Augen. Für Verwicklung sorgt noch eine Kollegin von David, in die er verschossen ist und die ihnen als Einkaufshilfe dient.
Der Autor nimmt so manche coronabedingte Besonderheit auf die Schippe und stellt umfassend alle möglichen gesellschaftlichen Ansichten zu dem Virus amüsant dar. Das ganze Thema ist ja nach wie vor aktuell und der Leser hat so manches Déjà-vu-Erlebnis. Das eigentlich Bestechende an der Geschichte ist der Wortwitz und die Wortspielereien, z.B. ergeben die Tinder-Namen der Protagonisten Covid-19.
Sehr empfehlenswerte Lektüre.

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